Trentemøller – The Last Resort (2CD) (2006)

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„Schon J.R.R. Tolkien wußte, daß nur Gefängniswärter etwas gegen Eskapismus hätten. Zwar funktioniert dieses Wortspiel leider im Deutschen nicht so hübsch, aber das soll nicht weiter stören. Derjenige, der uns mit „The last resort“ einen prickelnden Ausweg bieten möchte, ist ohnehin Däne. Anders Trentemøller hat sich nicht nur durch muntere Song-Verbastelungen von Acts wie Röyksopp, Yoshimoto, Moby und den Pet Shop Boys, sondern auch durch schicke Halbdunkel-Beats auf Vinyl einen Namen gemacht, den nicht jeder ohne Fingerverdrehung fachgerecht buchstabieren kann.

Nach Clubhits wie „Polar shift“, „Beta boy“, „Physical fraction“ und „Le champagne“ folgt nun Trentemøllers Debütalbum mit einer beinahe besinnlichen Alternative zum allgemeinen Tanzbodenbestampfen. Es perlt, es flackert zwielichtig, es brodelt annähernd versöhnlich. Die elektrostatische Ausstattung zwischen House, Techno, Microdub und Downbeat wird mehr und mehr durch handfeste Klänge von Schlagzeug, Gitarre, Baß oder Celesta aufgeweckt. Und trotz des gewollten Verzichts auf menschliche Stimmen – zwei feine Vocal-Versionen von „Moan“ und „Always something better“ sollten den Fluß nicht stören und versteckten sich auf der limitierten Bonus-CD – erzählt „The last resort“ eine durchaus bewegende Geschichte.

Es scheint oftmals so einfach, eher wenig aufgepumpte Elektronik mit Attributen wie „Soundtrack“ oder „Film im Kopf“ ausstatten. Aber selten paßten solche Beschreibungen besser als bei „The last resort“. Hier darf nicht nur jeder Track seine Identität finden, indem er nicht einfach eine Atmosphäre übergestülpt bekommt, sondern sich selbst dorthin entwickelt. Hier darf auch ein komplexes Album seinen eigenen Weg finden: von der sanften Romantik „Take me into your skin“ über die knisternde Ablehnung aus „Evil dub“ und „Snowflake“ bis hin zum hoffnungsvollen „Always something better“, dem verzagenden Ohrwurm „Moan“ und dem abschließenden Seufzer „Miss you“.

Die angenehm kitschfreien Melodien nehmen sich die Zeit, die sie brauchen. Die Modulationen zwitschern mal wie zarte Singvögel, mal tröpfeln sie wie nasse Blätter oder winzige Gebirgsbäche, mal singen sie wie sanft gestrichene Sägen. Und immer wieder mogelt sich ein leichter Groove hinzu, der die angemessene Songtemperatur friedlich umschmeichelt, sich niemals aufdrängt und sich deswegen sogar die notwendigen Atempausen gönnt. Bei aller Melancholie in den mollenen Melodien erwächst aus dieser Musik ein befreiendes Gefühl. Heraus aus der hektischen Realität, hinein in Trentemøllers phantastische Klangwelt.“ (http://www.plattentests.de/rezi.php?show=4512)

Trentemøller bei myspace und laut.de

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