The Sisters Of Merci – First And Last And Always (1985, remastered 2000)

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„Linguist Andrew William Harvey Taylor studiert in Oxford Sprachen (Französisch und Deutsch), bevor er 1980 nach Leeds zieht, um sich dort für Chinesisch und Politik zu immatrikulieren. Dort begegnet er Gary Marx im F Club, einem verratzten Punk-Schuppen, wo sich beide gerne auf ein Schwätzchen treffen und lokalen Acts zuhören. Beide sind große Musikfans, inspiriert durch Gary Glitter, T Rex, Motörhead und die Stooges. Von der fixen Idee besessen, sich gerne mal selbst in der John Peel Radio Show zu hören, nehmen sie mit minimalem Equipment die erste Single „The Damage Done“ auf.

Gleichzeitig entscheiden sie sich für den umstrittenen Namen The Sisters Of Mercy und Andrew gibt sich das Pseudonym Eldritch. Sie gründen das Label „Mercyful Release“, um die tausend trashigen Pressungen an den Mann zu bringen. Nachdem ein völlig geschockter John Peel „Damage Done“ gleich zwei mal über den Äther jagt, verkauft sich die erste und einzige Auflage fast komplett. Da Andrew absolut nicht Schlagzeug spielen kann, kaufen er und Marx eine Drummachine – den legendären Doktor Avalanche. Ihm ist heutzutage der scheppernde Retro-Charme jedes zweiten Techno- oder Elektro-Stücks zu verdanken.

Die Sisters haben damit das Rüstzeug und genug Power zusammen, um „Emma“ von Hot Chocolate und „Gimme Gimme Gimme“ von ABBA zu covern. Für eine waghalsige Tour werden an die Gitarre Ben Gunn und am Bass Craig Adams verpflichtet. Nach wenigen Proben steht das Ergebnis fest: Ein psychedelischer Teppich aus hämmernden Discobeats und schwelenden Gitarren mit einem energisch leidenschaftlichen Andrew Eldritch, zuständig für Gesang und Biomechanik.

Das noch kleine eigene Repertoire wird mit den Coverversionen „Jolene“ von Dolly Parton, „Teachers“ von Leonard Cohen und „Gimme Shelter“ von den Stones ausgeschmückt. Doch die Sisters erfahren schnell eine gewaltige Reputation durch die EPs und Maxis, die sie auf den Markt werfen. „Temple Of Love“ steht ab sofort bis Mitte der 90er Jahre auf der Playlist jedes Provinzclubs. „Body Electric“ und die „Reptile House“-EP werden zu begehrten Sammelobjekten. Die Sisters sind seitdem eine der am meisten gebootlegten Bands auf dem Globus.

Für Ben Gunn kommt 1983 Wayne Hussey von Dead Or Alive, „You Spin Me Right Round“ pfeifend. Mit ihm entsteht 1985 der erste Longplayer „First And Last And Always“ beim EastWest-Label. Dave Allen produziert einen Meilenstein des Indie-Rock voll düsterem Feuer. Die Eldritch’sche Poesie kommt den furchterregenden Lobliedern Beaudelaires gleich, Tod und Verderben, Sehnsucht und synthetische Drogen im Mittelpunkt. Das Quartett erntet nicht wenig Ruhm damit und muss sich zukünftig hinter Tankstellenbrillen und schwarzem Leder verstecken.

1985 erscheint das legendäre Überalbum „First And Last And Always“. Zusammen mit seinem kongenialen Partner Wayne Hussey entwirft Eldritch melodische Perlen, die einerseits richtig rocken, aber andererseits vor Herzschmerz und Sarkasmus nur so triefen. Die Platte gilt seit damals zu Recht als absolutes Standardwerk. Unzählige Nachahmer sollen in den folgenden Jahrzehnten auftauchen, ohne die Qualität des Originals zu erreichen. Die zugehörige Tour bringt die musikalischen Stärken der damaligen Besetzung auch live hervorragend rüber. Der prägnante Bass Husseys drückt den Shows einen ganz eigenen Stempel auf. Diese spezielle Intensität bleibt auch für spätere Konzerte und Besetzungen absolut unnerreicht.“ (http://www.laut.de/The-Sisters-Of-Mercy)

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