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The Fall – Reformation! Post-TLC (2007)

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Würstchen und Kartoffelbrei

Der Engländer Mark E. Smith hat es schwer. Jeder Musiker, den er in seine Band The Fall aufnimmt, erweist sich bald als Verräter, Lügner oder Dummkopf. So gut sein neues Album „Reformation! Post-TLC“ auch klingt, lange wird er es wohl auch mit seiner neuen Band nicht aushalten

Mark E. Smith hat in den vergangenen dreißig Jahren an die neunzig Alben unter dem Namen The Fall veröffentlicht. Großen kommerziellen Erfolg hatte die Band nie. Sie wird von unzähligen Kollegen in Amerika und England geschätzt, vor allem wegen ihrer Kompromisslosigkeit. Der englische Radiomoderator John Peel gehörte zu den größten Verehrern ihres musikalischen Minimalismus.

Eine der liebsten Geschichten über Mark E. Smith ist mir die des englischen Musikers Roger Quigley. Beide wuchsen im selben Stadtteil Manchesters auf, in Salford. Als Quigley anfing, Musik zu machen, war Smith bereits eine Ikone. Quigley erhoffte sich von seinem populären Nachbarn ein wenig Unterstützung für seine damalige Band. Über Wochen habe er regelmäßig an Smiths Tür geläutet, berichtete er. Immer sei Brix, die damalige Frau des Sängers, an die Sprechanlage gegangen, um zu vermelden, ihr Mann esse gerade seine geliebten bangers & mash, Würstchen und Kartoffelbrei, und dürfe unter keinen Umständen gestört werden. Quigley ließ nicht locker: „Ich rief an, klingelte an der Tür, gab ihm Demotapes, terrorisierte ihn. Irgendwann hat es dann geklappt. Leider haben wir uns kurz danach wieder getrennt.“ Mittlerweile schreibt Quigley melancholische Lieder unter seinem eigenen Namen oder werkelt zusammen mit Marc Tranmer als Montgolfier Brothers an minimalmusikalischen Klanglandschaften. Damals spielte er zweimal im Vorprogramm von The Fall und veröffentlichte ein Stück auf einer von Smith herausgegebenen Kompilation.

Mark E. Smith wird sich an all das kaum erinnern können, mit zu vielen Musikern hat er in den vergangenen dreißig Jahren zusammengearbeitet, über kaum einen äußert er sich lobend. Vor einem knappen Jahr entließ er während einer Amerika-Tour seine letzte Band. Der Titel des aktuellen Albums Reformation! Post-TLC ist zum Teil den einstigen Kollegen gewidmet: TLC stünde, das hat er unlängst der Spex verraten, für „traitors, liars and cowards“, gemeint sei damit seine letzte Band.

The Fall sind Mark E. Smith. Smith hingegen ist nicht nur The Fall. Und Smith ist dieser Tage so produktiv wie nie. Im Juni erscheint seine Autobiografie Renegade: The Gospel According to Mark E. Smith. Davor noch wird man ihn an der Seite von Andi Toma und Jan St. Werner von Mouse on Mars unter dem Projektnamen Von Südenfed hören.

Das kompakte Reformation! Post-TLC fügt dem Klangkosmos des schnoddrigen Poeten wenig Neues hinzu. Smiths bellende Fabulierwut zerhackt die Rock’n’Roll-Geschichte, auch mit neuen Musikern klingen The Fall nur nach The Fall. Im Insult Song beschimpft er seine ehemalige Band, die immer diese verdammte „Los Angeles Musik“ gehört habe – “over and over again”. Couch And Horses ist eine Annäherung an den Pop, die sich The Fall zwischendurch leisten können. Das Boat ist ein zehnminütiges Experiment. Smith und The Fall sind in der Gegenwart angekommen. Waren sie jemals weg?“ (http://blog.zeit.de/tontraeger/2007/03/12/wurstchen-und-kartoffelbrei_339)

Mark E. Smith mit dem Album bei myspace

Von Südenfed – Tromatic Reflexxions (2007)

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„Schon der Albumopener „Fledermaus Can`t Get It“ zündet sofort mit enormer Schubkraft und macht klar, wohin die Reise gehen soll. Sie geht nicht in die Vergangenheit, sondern schnurstracks geradeaus in die Zukunft. Bei Von Südenfed handelt es sich eben nicht um ein Alterswerk von The Fall, wo das Underground-Urgestein Smith seit über 30 Jahren auf unnachahmlich schnodderige Weise den Ton angibt und es handelt sich auch nicht nur um einen Produzentenjob der Elektroniktüftler aus Düsseldorf.

Von Südenfed ist eine richtige Rockband, die elektronische Instrumente benutzt und die sich im Studio offenbar derart gut ergänzt hat, dass das Beste aus beiden musikalischen Welten auf Platte zu finden ist, aber darüber hinaus auch eine ganz neue Dynamik entsteht. Da ist das Verspielte, Vertrackte von Mouse on Mars und da ist der typisch nörgelnde Gesang von Mark E. Smith. Aber da ist auch eine in dieser Form unerwartete Energie und Vorwärtsdrang, die beiden Seiten ausgesprochen gut steht.

Es scheint fast so, als habe man die Platte live eingespielt, sie klingt roh, dreckig und funky und hat zumindest auf der ersten Hälfte Biss, während die zweite Hälfte dann etwas mehr in Richtung lustige Jam-Session abdriftet. Das hat man in der Form von beiden Seiten noch nicht gehört und genau das macht die Sache so spannend. Besonders gespannt sein darf man wohl auf die ersten Live-Termine im Festivalsommer 2007 unter anderem beim Melt! Festival. (ur)“ (http://www.tonspion.de/mp3.php?id=4285)

Von Südenfed bei motor.de, myspace und Wikipedia

„Fledermaus Can’t Get It“ – Das großartige Video auf youtube! Ich zitiere mal: „Anschauen sollte man sich unbedingt den Clip zur Single. Großes Fratzenkino, Von Südenfeds Crossdresser. Transvestitismus at its best, feinstes Adelsgeschlecht…. Chic gemacht, die Herren. Smiths Stimme tanzt den Dancefloor. Als sei Baffsein der einzige Geisteszustand, in dem sich die Welt ertragen lässt. So wird’s gemacht, Leute!“ (http://machtdose.de/von-suedenfed-tromatic-reflexxions-2.html)