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BIBIO – Mind Bokeh (2010)

Bildquelle: https://img.discogs.com/avlkOE804-D1DqmgU78qSdhTu1k=/fit-in/600×600/filters:strip_icc():format(jpeg):mode_rgb():quality(90)/discogs-images/R-2797490-1330042119.jpeg.jpg

2010 war ich das erste Jahr im Bereich digitaler Fotografie mit Spiegelreflex unterwegs und sammelte Erfahrungen zu Fragen von Licht, Verschlusszeit und ISO. Und natürlich mit der Frage des Bokehs, mit der sich Nerds Nächte um die Ohren schlagen können, um den Unschärfeverlauf von Bildern im Hinter- und Vordergrund zu betrachten, zu analysieren und zu überlegen, wie man ihn gut einsetzt. Zugegeben, ich gehöre zur Fraktion der Bokeh-Fans und ein paar Lichtstarke Gläser gehören zwingend in die Fototasche.

Aber was hat das mit der Musik zu tun? Nun, Mind Bokeh, ist ein treffender Name, den Bibio diesem Werk ebenfalls 2010 gab. Musik, die da ist, existent, unaufdringlich und zugleich gar nicht beliebig. Etwas verschwommen hier, etwas „verwurstelt“ da, mal wird sie fast fassbar um im nächsten Moment zu entgleiten. Dies betrifft nicht nur die elektronischen Klangkulissen, auch der eigentliche Rhythmus scheint diesem Muster zu folgen. Läuft die CD, breitet sich Wärme, Ruhe, aber auch Beschwingtheit aus. Kaum ist das Album im CD-Player durchgelaufen, frage ich mich, was das war – einem flüchtig, angenehmen Tagtraum gleich.

Bibio schafft es, seine Sound genreübergreifend zu komponieren, ohne etwas zu sehr betonen zu müssen. Und so verschmilzt das eigentliche Motiv seiner Musik mit dem vorder- und hintergründigen, bildet eine Einheit, ohne sich in einem losen Brei aufzulösen. Keine musikalischen Attitüden, kein besonderer Ausbruch, kein Erheischen von Aufmerksamkeit, auch wenn (oder weil?) er mit dem Album bei WARP gelandet ist.

Die Platte sollte man hören, wenngleich es eigentlich umsonst zu sein scheint. Denn ist sie aus, kommt die Frage: Was war das?

Meine Bildassoziation zum Album: KEIN Bokehbild. Aber miteinander Verwobenes, Sichtbares, Transparentes, Zusammenhängendes und doch für sich Seiendes. Metall und Gummi. Textfragmente hier und da, schwebend zwischen allem, verwoben mit allem. Vielleicht hätte ich es etwas dunkler aufnehmen sollen…?

Lars Kilian: Mind Bokeh