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Knorkator – Es Werde Nicht (2011)

Ich nich… So prangt es gleich beim Öffnen des CD Covers, denn alle anderen haben die Luxus-Edition mit tollerem Cover, Live-DVD uvm. gekauft und haben nun mehr Respekt in ihrer Clique. Ich halt nicht. Macht auch nichts, denn: Es werde Nicht!

Knorkator, Deutschlands meiste Band der Welt, liefern mit diesem Album wieder ihr eigenes Brett ab. Größenwahn mit Clownsnase, melodiöser Trashrock und Falsett. Geht alles zusammen. Seitdem die Band ihre eigenen Fans verteufelt, mag auch ich sie aus unterschiedlichen Gründen – auch wegen dieses ersten Albums nach ihrer Trennung, mit dem Knorkator mit dem Aufhören offiziell wieder aufhörte. Selbst wenn das Album keine so besonderen Noten bei den Rezensionen einfuhr, finde ich es gelungen. Es ist etwas kompatibler für die Gehörgänge, der Gesang besser zu verstehen, es gibt Melodien und musikalische Abwechslung. Die Freude an wilden Coverversionen (z.B. Faster Harder Scooter), nun ja, die Band hat sie auf jeden Fall. Und die Erweiterung um Tim Tom, Sohn eines Bandmitglieds, bereichert auf neue Weise, wie man u.a. beim Kinderlied hören kann.

Ansonsten wird wieder viel bekichert (auch der Tod bekommt was ab), klare Ansagen gemacht (Nö), die Schuldfrage endgültig geklärt (Natürlich Du!), eine Einführung in die Theorie des Liedaufbaus gegeben (Refrain) usw. Eine bunte Palette von Themen, direkt aus dem Leben gegriffen, auf einem Album versammelt mit der Weisheit der alten Männer, die von der nächsten Generation unterstützt wird. Macht mir (und selbst der Familie) insgesamt Spaß.

Und meine gegen das Album langweilige Bildassoziation möchte ich natürlich auch allen zumuten. Denn: Es werde Nicht!

(C) Lars Kilian: Es Werde Nicht CC BY SA 3.0 DE

Und damit es klar ist: Du nich

Kapelle Petra – The Underforgotten Table (2016)

Mit diesem Album macht sich Kapelle Petra erneut auf, die Welt  ein bisschen zu verbessern. Ihre Perspektiven sind dabei schön und bunt, zumal auch in Hamm und Umgebung der Alltag eigentlich grau sein müsste. Aber es gelingt der Kapelle wohl, jeder Situation das Besondere und Gute abzutrotzen. Auch wenn die Kapelle meines Erachtens immer mehr zu erzählen hat, durchaus und berechtigt Kritik übt – auch mit sich – vergisst sie nicht, dass Spaß eine Währung ist, von der jeder etwas bei sich haben sollte. 

Und so überzeugt mich die Kapelle Petra immer wieder mit schönen, unaufdringlichen musikalischen Arrangements, die mit einem tollen Wortwitz einher gehen. Alles richtig so. 

Allein der Opener des Albums: „Ja“ gehört als Weckton an jedes Smartphone und sollte an Wochenenden auch als erstes in die Anlage geschoben werden. Garant für einen guten Start in eine bessere Zeit: Kapelle Petra.

Für das Album gibt es auch ein passendes Bild – zum herrlichen, nicoleesken Stück „Frieden“. Aufgenommen in Padua vom Grafittikünstler Alession B (https://www.instagram.com/alessiob71/?hl=de)

Blockflöte Des Todes – Ich Habe Heute Ananas Gegessen (2012)

Reinhören
Allein schon der Name ist es zugegebenermaßen wert, dass man sich eine CD von der Blockflöte in das CD-Regal stellt. Denn immer, wenn der Finger daran vorbei gleitet, ist doch zumindest ein Lächeln angesagt. So solls doch sein, oder? Und wenn die CD eingelegt wird, geht es weiter. Bissig, ironisch, zynisch, hoffnungslos, pragmatisch, politisch unkorrekt, böse und deutlich & klar. Lebensweisheiten für viele Lebenslagen. Matthias Schrei beobachtet seine Welt und stellt dem geneigten Hörer seine ernüchternden Ergebnisse vor.

Die Blockflöte singt von den Dingen, die sie beschäftigen. So geht es um die Frage der Möglichkeiten des Ablebens von Rockstars und zählt zahlreiche Arten aus der bisherigen Rockpraxis von Curt Cobain bis zum Sänger von INXS auf (Club Siebenundzwanzig), der Suche nach dem Unbekannten oder dem nächsten Abenteuer, wozu aber gehört, nie die FDP gewählt zu haben, einem Antrag an die Jugendfreundin Cathrin als der „letzten“ Wahl und Chance auf dem Heiratsmarkt, der Sch***welt („Du blöder blauer Ball im All. Du bist nicht mein Fall.“), der Diskrepanz von Familienplanung und persönlicher Freiheit („Es gibt keinen guten Reim auf Eigenheim“)… Mehr soll nicht verraten werden.

Matthias Schrei geriert sich als schwer fassbarer Springkastenteufel. Für einen Comedian neudeutscher Prägung zu intellektuell, für den beinharten Indierocker zu poppig, für einen Mainstream-Abfischer zu gewitzt (…) ‚Ich Habe Heute Ananas Gegessen‘ ist eines jener Alben, das man entweder wütend in die Tonne tritt oder liebevoll mit dem CD-Wischtuch umsorgt. Gut, auf voller Albenlänge geht der Blockflöte schon mal hie und da die kreative Luft aus, doch aus dem letzten Loch pfeift sie nie“ (Artur Schulz, Quelle).