Plastikman – Consumed (1998)

„Der Kanadier Richie Hawtin war schon immer gut dafür, konträre Aussagen mit Beweisen zu untermauern. Gerade hat er das Jahr 1996 noch mal im Komplettformat der CONCEPT 1 herausgebracht, kommt mit „Consumed“ sein nunmehr drittes Album als PLASTIKMAN. Hawtin ist so ziemlich das genaue Gegenteil von Techno, der Antiheld einer Bewegung, die sich täglich nach Ikonen die Finger leckt. Daß er aus dieser Haltung heraus auch Anti-Musik macht, ist klar. Aber daß diese Anti-Musik sich im Lauf der Zeit durch Aneignung zu Musik entwickelt, daß nachhinkende Erfahrung der Rückständigen den Schritten der Modernisierer ständig folgt, dafür kann man dankbar sein.

Der Musik tut es gut. Im krassen Gegensatz zu den Implikationen des Namens, dem PLASTIKMAN als 90er-Jahre- Elektronik-Kunstprodukt, als eine Art Super Mario auf der Flucht vor dem Konsens, ist „Consumed“ eher mit einem melancholischen Erstschlag auf dem Dancefloor zu vergleichen. Endlose Tieftonmusik als Sinnbild der großen Ruhe. Von aufgeregten Drum-Patterns, zippenden und immer funktionalen HiHats keine Spur. Tiefer-Niedriger-Kürzer. Düstere Ambient-Tanzmusik, die als solche nicht klar deklariert ist, aber nur für den Fall ihre Effekte nicht aus berechneten Rhythmusschemata zieht, nicht auf den ersten Ton kickt, sondern einer Akklimatisation bedarf. Der Beat ist da, aber man hört ihn nicht. Der Bewegungsdrang setzt ein, aber der Grund ist nicht zu finden. PLASTIKMAN arbeitet mit schweren Melodiebögen und nautischen Geräuschen an der Durchdringung der Oberflächlichkeit, „Consumed“ ist das aktuelle Mittel.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23023303)

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