Mouse On Mars – Niun Niggung (1999)

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„Mouse On Mars sind müde. Im Moment sind sie erschöpft von der Hitze und vom Reisen. Sie waren in Roskilde, beim dänischen Rocksommer und hatten viel Spaß als Kontrast- und Vorprogramm von Marilyn Manson. Dann sind sie unterwegs in Berlin, um der Presse ihr neues Album „Niun Niggung“ zu erklären. Sie sitzen in einem vornehmen Hotel. Die Basilikumsuppe wird im hohlen Kohlrabi serviert, und die Entenbrust auf Kartoffel-Ei-Püree. „Könnt‘ ich die auch mit Pommes haben?“ ruft Andi Toma. Und wundert sich doch, den Kellner ein bisschen beleidigt zu haben.

Man muss sich Mouse On Mars auch im Leben als freundliche Menschen vorstellen. Ohne Arg und böse Absicht. Doch mitunter stoßen sie auch ihren Hörer vor den Kopf. Dann tauchen in den Stücken diese Störgeräusche auf und machen die elektronischen Hymnen kaputt. Auch „Niun Niggung“ hebt an mit einer zauberhaft gezupften Konzertgitarre, deren Klingeln von seltsamen Sounds zerfahren wird. Jan Werner sagt: „Es geht darum, bestimmte Oberflächen herzustellen, die tatsächlich freundlich sind, einladend, auf die eine oder andere Weise.“ Doch unter dieser Oberfläche geht es zu wie im autoritätsbefreiten Kindergarten. Die Töne toben durch die mehr oder weniger strengen Regeln ihrer Takte.

Und machen Spaß dabei. Man kennt diese Form der Unterhaltung aus komplizierterer Jazzmusik: diesen Sog, der in den Strukturen entstehen kann und den Zuhörer in die Musik zu zerren scheint. In eine Musik, die sich von Mal zu Mal auf wundersame Weise verändern will. „Man versucht, diese Strukturen zu entwickeln. Wie einen Nährboden im Labor“, sagt Andi Toma. „Dann beobachtet man nur noch, was passiert“, erläutert Jan Werner: „Die Evolution der House Music findet von Platte zu Platte statt. Bei uns innerhalb eines Stücks.“

Vor allem unter Briten sind Mouse On Mars so beliebt. John Peel, die Radiolegende, spielt sie, als bekäme er viel Geld dafür. Auch die Musiker von Stereolab und den High Llamas beglückwünschen jeden deutschen Journalisten für die Landsleute vom Rhein. Andi Toma stammt aus Düsseldorf, Jan Werner aus Köln, aus den Städten von Kraftwerk und Can. Neo-Krautrock, nennen die Briten die Musik von Mouse On Mars. „Mittlerweile ist man auch schon bei Stockhausen“, ergänzt Jan Werner, der Tontechniker beim Sender RTL gewesen sein soll, und lächelt dabei.

Von Zeit zu Zeit sind sie im belgischen Viertel von Köln zu sehen. Im A-Musik, dem zentralen Plattenladen der bemerkenswerten Kölner DJ-Szene. Da entstehen diese Tracks, die „Pinwheel Herman“ oder „Yippie“ heißen, „Albion Rose“ und „Super Sonig Fadeout“. Und so ungefähr klingen sie auch. In ihrer elektronisch generierten Menschlichkeit.“ (http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,34275,00.html)

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