Gregor Schwellenbach – Spielt 20 Jahre Kompakt (2013)

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Coverbands gibt es wie Sand am Meer und viele spielen mehr oder minder innovativ oft nur die Originale nach. Ausnahmen bestätigen die Regel, wenn ich an Senior Coconuts Kraftwerk-Adaptionen denke. Das vorliegende Album zeigt auch, wie es gehen könnte. Und das, obwohl Schwellenbach die Klassiker des Kompakt-Labels fast schon 1:1 übernimmt und somit der Gefahr anheim läuft, zu langweilen. Er hat sich zum 20jährigen Geburtstag des Kompakt-Labels, welches elektronische Musik aus Deutschland, genauer aus Köln, international bekannt machte, 20 Titeln angenommen und diese ins „Analoge“ übersetzt. D.h., aus elektronischen Titeln wird Kammermusik, Schwellenbachs eigentlichem Metier als studiertem Komponisten. „Das Ergebnis ist ein Opus Magnum der minimalen Musik, eine faszinierende Humanisierung der binären Klänge und eine beindruckende Verknüpfung der Koordinaten Jürgen Paape, Steve Reich und Claude Debussy“ (Quelle) . Unkreativ möchte ich eine weitere Pressemitteilung zu der Veröffentlichung anfügen, die vielleicht die „Tragweite“ dieses Werk etwas verdeutlicht: „Nicht nur Liebhaber der musikalischen Synthese dürften sich verwundert die Ohren reiben, wenn landein, landaus eifrigst betanzte Technokracher wie etwa Voigt & Voigt’s ‚Vision 03‘ oder Mayer/Voigt’s ‚Unter Null‘ plötzlich als melancholische, beatbefreite Piano-Miniaturen das Frequenzspektrum umgarnen. Dabei gehen dem Multitalent ebenso versierte Gastmusiker zur Hand, die ihre Persönlichkeit und Virtuosität in den Dienst der etwas anderen Sache stellen: Mit Star-Flötistin DOROTHEE OBERLINGER etwa ist regelrechter Klassik-Adel vertreten, aber auch der Gitarrist CHRISTIAN BUCK oder die Harfespielerin JANE BERTHE sind anerkannte Größen ihres jeweiligen Gebietes und sonst zu hören als begnadete Interpreten von Steve Reich oder Claude Debussy. Von Instrumentenseite wird ebenfalls Verblüffendes vermeldet, z.B. die Verwendung eines seltenen DDR-Tasteninstruments namens ‚Weltmeister Basset‘ für Kaito’s ‚Everlasting‘, das hypnotische Raunen eines alten Studio-Harmoniums auf Closer Musik’s ‚One Two Three (No Gravity)‘ und die epische Wucht des im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum befindlichen Gamelanorchesters ‚Kyai Sabda‘, welches für Voigt & Voigt’s ‚Gong Audio‘ zum Einsatz kam“ (Quelle).

Inwieweit diese Art der Interpretation dem eingefleischten Fan elektronischer Kölner Musik und/oder der klassischen Töne ein Lächeln ins Gesicht zaubert, sei dahin gestellt. Ich finde die Art der Interpretation bereichernd, da Schwellenbach sehr behutsam und aufmerksam mit den Originalen umgeht und diese damit auch würdigt.

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