Goldie – Saturnz Return (1998)


„Zu beneiden war Großmeister GOLDIE in den letzten Monaten sicher nicht: Schließlich wartete die gesamte Drum’n’Bass-Gemeinde wie kleine Kinder mit großen Augen gebannt auf seine zweite Prophezeiung. Nach seinem ersten Werk „Timeless“ lastete auf ihm ein unglaublicher Druck, Drum’n’Bass auch diesmal wieder ähnlich dick nach vorne zu pushen. Und jetzt, nach ewigen Querelen, Verschiebungen und Verzögerungen, ist es also da, das schwierige zweite Album. Randvoll mit gewagten Kooperationen unter anderem mit DAVID BOWIE, NOEL GALLAGHER und KRS-ONE, sind die Tracks des opulenten Opus‘ programmatische Genre-Grenzöffnungen, die teils gelingen, teils ob ihrer offensichtlichen Bestrebungen in die Hose gehen und nerven.

Ein buntes Drum’n’Bass-Paket mit E-Gitarren und Elfengesängen, Rap und Trompeten, Punkrock, Kitsch, Bombast – und wenig Funk in der Blutbahn. Dem allgemeinen Erwartungsdruck entzog sich GOLDIE durch Manöver im eigenen Klang-Universum: Keiner sonst benutzt heute mehr so schmalzige Flächen oder würde es wagen, einen opernhaften, ausgewalzten, einstündigen Track über die leibliche Mama auf ein Drum’n’Bass-Album zu packen. Und während in den Tunes teils noch die schrägen, fiesen „Terminator“-Chords aus der seligen Hardcore-Zeit durchscheinen, droht allenthalben auch ein Abdriften in esoterische, moody Klanggefilde mit Nöl-Gesang (wieder Diane Charlemagne). Tanzbar ist das alles nicht. Bei solcher Kritik verweist GOLDIE kurzerhand auf die zugehörigen V.I.P.-Mixe, die allesamt schon GROOVERIDERs Platten-Box durchlaufen haben. Hier droht also einerseits ein Ausfransen von D’n’B zu anderen Stilen. Doch andererseits werden GOLDIE alle diese Vorwürfe piepegal sein – und schließlich hat er seinen Style wirklich mal wieder einen gewaltigen Schritt weiterentwickelt. Ob in eine gute Richtung, verstehen wir wohl wieder erst in den nächsten Jahren. Wer aber Sachen sagt wie „The Art of Walking Demons is not to fear but to deceive them“, kann nur ein Alien sein und darf auch solche Musik machen. Eine Herausforderung. “ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23022847/goldie_saturnz_return)

Umfassende Rezension bei der Zeit

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