Funkstörung – Appetite For Disctruction (2000)

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„Nach dem vielbeachteten Release von ‚Additional Productions‘, der Compilation ihrer hochgehandelten Remixarbeiten, standen Funkstörung viele Ohren und Türen offen. Das Remiximperium von Funkstörung und ihr eigenes Label ‚Musik aus Strom‘ brachten frischen Wind in den musikalischen Ort, der als Intelligent Dance Music, kurz IDM, bezeichnet wird. Klassifizierungen sind natürlich unfein, aber im Fall Funkstörung waren sie schon hilfreich, zumindest wenn man die üblichen Analogien wie Autechre oder Aphex Twin scheut. Was dabei oft übersehen wurde und auf ihrem Album ‚Appetite For Disctruction‘ transparent wird, ist die Faszination der beiden Rosenheimer für darke Grooves und grazile Melodien, deren Ursprünge im HipHop zu finden sind. Klar, wer einmal Funkstörung gehört hat, weiss das. Aber jetzt ist dieser Kontext durch MCs und Sängerinnen einfach so offensichtlich, dass man fast darüber stolpert. Bei ‚Additional Productions‘ war noch eins auf den ersten Blick erkennbar: die Art, wie Funkstörung remixen. Das sprang ins Auge, also ins Ohr. Das war schon die totale Abstraktion und Übernahme des Ursprungtracks. Aber Anarchie war es dann trotzdem nicht. Eher klang es wie stundenlanges Legospielen mit Effekten. Die Vocals und Melodien flogen irgendwo darüber in Spiralen aus Kondenzwasser. Björk fand es jedenfalls super und alle anderen dann auch. Das war Rekonstruktion an der Basis und die Liebe zu zarten Melodien im Orbit. So wie Funkstörung spielt natürlich sonst keiner, aber darin liegt wahrscheinlich auch der Reiz, warum Menschen überhaupt Funkstörung mögen. Was ist jetzt anders? Funkstörung bekennen sich zur menschlichen Stimme. Deren Integration in ihren Sound, mit zerschredderten Beats und Störgeräuschen dazwischen, verändert alles. Man hört den Mensch, nicht nur den Rechner. Auch wenn alles nochmal durchs Effektgerät gejagt wurde. Eigentlich bräuchte man vier Ohren, um die Musik in ihrer Fülle aufnehmen zu können. Geht aber nicht. Was bei den früheren EPs wie ‚Funkentstört‘ und ‚Sonderdienste‘ (beide Compost) noch Breakbeatspuren trug und insgesamt harmoniebedürftiger wirkte, ist jetzt ins Unerkennbare verzerrt.“ (Quelle: http://www.de-bug.de/texte/1320.html)

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