Freitag soll abgeschafft werden

Aus einer abwegigen Idee wird manchmal Ernst. Politiker stehen in Verhandlung mit Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Religion. Es wird die Frage diskutiert, ob der Freitag abgeschafft werden soll.

Wer kennt das nicht? Freitagnachmittag auf der Autobahn – alle wollen Heim zu den Familien oder in den Urlaub, Shoppen oder Freunde besuchen. Scheinbar eine ganze Nation aktiviert ihre Autos und stellt sich, Stoßstange an Stoßstange an in der endlosen Blechlawine. Unter ihnen auch immer wieder Jürgen Hartwig, Experte und Berater für Stauforschung. Nicht immer steht er beruflich im Stau, der seinen Lebensunterhalt sichert. Und das ärgert ihn. „Wissen Sie, es scheint so, als wäre der Stau mein Leben, meine Existenz. Aber dem ist nicht so. Eigentlich ist es mein Job, Planer und Entscheider zu beraten, wie Staus vermieden werden können. Die Ursachen für die Stauentstehung sind zwar bekannt, aber an ihnen durfte bisher nicht gerüttelt werden bzw. sind technisch nicht immer vermeidbar. Beispielsweise Versagen von Mensch oder Maschine mit der Folge von Verkehrsunfällen. Andere relevante Staufaktoren hingegen liegen einfach in unserer Kultur verankert – sind also handgemacht und können demzufolge behoben werden. Dazu zählen Feiertage und Ferien, wöchentlich aber auch der Freitagnachmittag.“, sagt er. „Und ich saß in meinem Auto und dachte, ein Leben ohne Freitag wäre okay.“ Erst sei es nur eine lustige Idee gewesen, da sie so abwegig erschien. Jedoch brachte er diese Idee in einem Beratungsgespräch in der Pause bei einem Kaffee vor und so machte sie die Runde und traf auf die richtigen Ohren. „Wenn wir den Freitag abschaffen, gewinnen wir eine ganze Menge!“, betont Hartwig. „Staus würden sich auf die restlichen Wochentage gleichmäßiger verteilen und die Chance, in einen Stau zu geraten, wäre geringer. Wenn wir jedoch von der Stauforschung mal Abstand nehmen und die Sache globaler betrachten, so kommen eine Vielzahl interessanter Dimensionen hinzu.“ Seiner Aussage war ein Hauptmotiv die Möglichkeit, einen Arbeitstag abzuschaffen. Somit müsste die Arbeit von ehemals fünf Tagen auf vier Tage verteilt werden. Dieses Pensum kann nur durch Neueinstellungen bewältigt werden. Die Folge wäre zum Beispiel für Deutschland das sofortige Schrumpfen der Arbeitslosenquote auf weniger als 1%! Zugleich würden die Ausgaben für den Staat, die Wirtschaft und den Privatmann sinken. Renten, Löhne und Gehälter beispielsweise wären auf einen Schlag um 20% geringer, da ein Arbeitstag weniger in der Woche wäre. Aber auch Ausgaben für Lebensmittel würden um 14 – 15% fallen, da jedem Monat ca. 4-5 Tage abgezogen werden, die man sich dann auch nicht mehr versorgen muss. Die Privatausgaben für kulturelles würden um ca. 40% sinken, da erfahrungsgemäß der Freitag für den Besuch für Kinos, Konzerte und ähnliche Veranstaltungen reserviert worden ist. Zugleich würden die Menschen älter – eine Zunahme des Alters um ca.15% wäre sofort möglich, da das Jahr kürzer wird – und wir sind im Alter gesünder!

Nun diskutieren also Vertreter verschiedener Institutionen über die ersatzlose Streichung des Tages. Die Debatte ist heiß. So verweißt die Kirche auf den Karfreitag, der nicht auf den Gründonnerstag verschoben werden könne, aber einen wichtigen Feiertag im Kirchenjahr darstelle. Wirtschaftsverbände überlegen die Konsequenzen und frohlocken, dass es an den Börsen nie wieder einen schwarzen Freitag geben könne. „Die Gewerkschaften scheinen nichts gegen die Abschaffung eines Arbeitstages einzuwenden“, so ein Wirtschaftsvertreter.

Wird es also zukünftig nur noch sechs Tage in der Woche geben? Und wie wird Robinson Crusoe seine Freitag zukünftig nennen müssen? „Einige Fragen müssen wohl noch geklärt werden,“ meint Hartwig, „aber ich bin optimistisch, dass es eine gute Lösung geben wird.“

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