Eels – Souljacker (2001)

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„Der Mann, der sich E nennt, redet nicht gern. Und wenn, dann hatte er in den letzten Jahren selten Erfreuliches zu berichten. Seinen persönlichen Tiefpunkt hat der lakonische Selbsttherapeut aber mittlerweile wohl überwunden. Das heiß erwartete vierte Album seiner Band klingt wie ein Amalgam der letzten drei, vereint es doch introspektive Klagelyrik, musikalische Befreiungsschläge und zärtliche Melodien. Wieder einmal ist das verschrobene Eels-Universum von märchenhaften Gestalten bevölkert: ein freundlicher Geist, eine jugendliche Hexe und ein hundegesichtiger Junge. Auch Peter Buck (R.E.M.) und John Parish (PJ Harvey) sind dabei, und sie haben den Rock mitgebracht: „Hospital Food“ und „Flyswatter“ waren also nur ein angedachter Vorgeschmack auf das, was hier in „Souljacker Part 1“ oder „What Is This Noise?“ seine Erfüllung findet.

Sprich: Das neue Album ist noch vielseitiger, als ohnehin schon hohe Erwartungen es verlangt hätten. Das Eels Orchestra 2001, wie sich die Band auf der letzten Tour selbst nannte, ist noch glatter und hörbarer als beim letzten Mal. Der Grund, warum die Eels für viele allerdings eher eine Religion denn eine Band sind, liegt indes woanders. Denn vor allem in seinen Texten versteht es E, Trost zu spenden und die Schwachen aufzurichten, indem er das Augenmerk auf fast altmodische Bekenntnisse lenkt: „In this world of shit / Baby, you are it.“ George W. Bush z. B. kann das nicht so sehen, strafte er doch erst kürzlich die Band ab, weil sie einen Song namens „It’s A Motherfucker“ im kindgerechten Cover unter das manipulierbare amerikanische Volk gebracht hatte. Soviel zu inhaltlicher Reflexion, Ironie made in America. Macht E aber nichts. Im Gegenteil: „Souljacker“ ist der Spitzname eines Massenmörders, der sich einst als biblische Heimsuchung gefiel. Diesem Herren ein Stück zu widmen könnte republikanischen Kreisen durchaus noch mehr Missfallen entlocken als die Blümchen und Vögelchen auf dem letzten Plattencover. Und Songs wie „Bus Stop Boxer“ sind ein selbstbewusstes Zeugnis dafür, dass es den Eels ernst ist, auch mit der Hitparade. Denn eines bleibt wohl vor allem festzuhalten: bei aller Liebe zu verspielten Details und rätselhaften Klangsprenkeln vermag es „Souljacker“ erstmals seit „Beautiful Freak“, das Diesseits sogar mehrheitstauglich zu feiern. Und spätestens mit „Fresh Feeling“ (aufgepasst: hier samplen sich die Eels selbst!) schaffen es E, Butch und Freunde mal wieder, Herbstdepressionen und Graue-Wolken-Gefühle auf frühestens morgen zu verschieben.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23028354/eels_souljacker)
http://www.eelstheband.com/ – Offizielle Webseite der Band

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