Archiv der Kategorie: Musik

Senior Coconut – Fiesta Songs (2003)

Quelle: https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/61re5UtPh9L.SX450.jpg

Februar 2021. Da war doch was… Richtig. Eigentlich der Monat des Karnevals. Und seitdem meine Dienstheimat Bonn ist, weiß ich die jecken Tage auch wahrzunehmen (am Würdigen arbeite ich noch). Dieses Jahr ist aber alles anders. Offizieller Ausfall von Karneval im Rheinland. Sicher, eine mittelschwere Katastrophe, gäbe es da nicht Medizin, wie die Fiesta Songs von Senor Coconut.

Nach seinem Überraschungsalbm „El Baile Aleman“ holt Uwe Schmidt hier zum zweiten Wurf aus. Die Gefahr, sich nach dem Erstling zu verheben, war groß. Zumal sich Schmidt als Senor Coconut nun auch an die Klassiker der Musikgeschichte wagt. Von Sade über Michael Jackson, The Doors bis Deep Purple – nichts ist heilg bzw. alles wird geheiligt.

Mit wilden ChaChaCha Rhythmen, gekonntem Merengue und groovigem Mambo spielt sich Senor Coconut mit seinem Orchester durch die Hits vergangener Tage. Man könnte meinen, ohne Rücksicht auf Verluste. Doch von den Originalen bleibt überraschend viel zurück, was Erkennungspotenzial hat und gleichzeitig bekommen sie einen komplett neuen Anstrich, dass es eine Freude ist. Und wenn dann Jean-Michel Jarres „Oxygene“ über die Boxen feiert, sollte auch der letzte Kritiker die Hüfte schwingen.

Also: Let’s Fiesta. Das Leben ist schön.

Und auch um ein Bild bin ich nicht verlegen. Die Qualle finde ich passend. Sie ist stets in Bewegung, fluide und immer anders. Trotzdem erkennen wir sie wieder: wie die Fiesta Songs. Und im Wasser können sie durchaus was rauchiges haben. Voila: Schon ist die Brücke zu „Smoke On The Water“ konstruiert 🙂 Klasse übrigens, dass „Smoke On The Water“ sowohl als englisch als auch spanisch gesungene Version vertreten ist.

Lars Kilian: Smoke On The Water
Lars Kilian: Smoke On The Water

Polarkreis 18 – The Colour Of Snow (2008)

Quelle: https://www.musik-sammler.de/cover/283000/282668_1506459627.jpg

Die einstige Band aus Dresden mit ihrem wohl erfolgreichstem und populärstem Album „The Colour Of Snow“ . Mit ihm wurden Polarkreis 18 massenkompatibel und auch in der Breite aufgenommen. Das ist erfreulich für die Band und die Hitparaden und muss auch gar nicht schlimm sein 🙂

Ganz ungefährlich ist dieser Spagat zwischen Pop und Eigenständigkeit aber nicht. Laura Anderson schrieb auf motor.de:

„…weil die Jungs wirklich wissen, was sie hier tun und wollen, ist ihnen eine Platte gelungen, die beim ersten Hören scheinbar haarscharf am Schmalz vorbeischrammt, sich jedoch sofort in den Gehörgang hakt und dort auf ewig nachhallt. Beim mehrmaligen Hören jedoch mit soviel Können aufwartet, mit liebevollen Details, mit einem wilden Mix an verschiedensten Zutaten aus Klassik, Electro und Post-Indie-Rock, dass einem schier die Worte fehlen.“

http://www.motor.de/motormeinung/motor.de/polarkreis_18_pro_contra_the_colour_of_snow.html

Insgesamt geht die Platte auf in Bombast! Kein versteckter Falsett-Gesang mehr von Felix Rauber und keine Streicher aus der Steckdose – das Babelsberger Filmorchester durfte es hier schon sein. Und trotz allem – oder weil? – sind Zerbrechlichkeit, Einsamkeit und Leere nicht nur dabei, sondern mittendrin. Insgesamt ein Album, welches viel Raum für Entdeckungen lässt. Die Musik geht im Stadion genauso gut, wie allein (allein) auf dem Sofa unter Kopfhörern.

Der Titel des Albums macht The Colour Of Snow für mich zu einem Januaralbum. Deshalb muss ich es nach über 10 Jahren nochmal ausgraben. Ich habe an den entsprechenden Titelsong gedacht, als ich jüngst das nachfolgende Winterbild aufnahm. Okay: Allein Allein hätte auch gepasst, aber irgendwie ist es für mich aufgrund der hohen Präsenz vor über 10 Jahren irgendwie verbrannt…

Lars Kilian: The Colour Of Snow
Lars Kilian: The Colour Of Snow

The Roots – How I Get Over (2010)

Bildquelle: https://img.discogs.com/R0eqNuZIEVMHqZw6UX3rgrf1glo=/fit-in/480×480/filters:strip_icc():format(jpeg):mode_rgb():quality(90)/discogs-images/R-2431553-1285097403.jpeg.jpg

Die Nominierung als bestes Rap-Album bei den Grammy Awards 2011 überrascht – oder auch nicht. Denn The Roots lieferten mit How I Get Over ein sehr ruhig-warmes Album ab, das einen spannenden Stilmix von Hip-Hop mit Elementen des Jazz & Soul, aber auch Gospel und Indie Pop verschmilzt. Durch diesen Mix entsteht ein atmosphärisch dichtes Album, was durch den teilweise fließenden Übergang (oder ist der nur gefühlt fließend?) zwischen den einzelnen Titeln unterstrichen wird. Auch der Fakt, dass auf fast alle elektronischen Hilfsmittel bei der Aufnahme verzichtet wurden, ist hörbar. Trotz der Einordnung in den Rap wird ausgesprochen viel gesungen, insbesondere bei den Refrains.

Insgesamt kommen The Roots damit bei ihren eigenen Wurzeln an, die sie Mitte der 90er Jahre in den musikalischen Boden streckten. Mit ruhigem Puls werden die Gedanken in Worte gefasst, die Musik begleitet und treibt nicht und bietet so den nötigen Rahmen und Raum, das Musik und die damit verbunden Statements wirken zu lassen.

Als ich das auf eine ganz skurrile Weise verdrehte Kruzifix in Istanbul sah, welches als Plastik zu bewundern war, dachte ich nicht an das hier vorgestellte Album. Als ich jedoch den Titel „Dear God 2.0“ bewusst hörte, fiel mir dieses Kreuz wieder ein. In der Welt seiend, dennoch unwirklich, optisch verschwommen auf mich wirkend trotz klarer Konturen. Dies sind einige Assoziationen, die ich mit dem Titel hatte. Daher das Bild zum Album…

Jesus am Kreuz
C) Lars Kilian: Dear God 2.0

Dota – Die Freiheit (2 CD) (2018)

Bildquelle: https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/71%2BjFOpBUOL.SL1200.jpg

Da ist es wieder, das mehrfach freudige Unbehagen, dass mich bei Dota Kehrs Alben durchfährt. Eins davon rührt daher, dass ich mich frage, ob ich nun so alt bin, dass ich in die Liedermacherecke hineingewachsen bin oder ob die Liedermacher nicht doch an Vielfalt und Qualität gewonnen haben und ich sie deshalb mag. Vielleicht liegt da Wahrheit irgendwo dazwischen.

Das andere Unbehagen hingegen liefert mir Dota & Band mit ihren Songs, die nochmals pointiert und detailliert vor Augen führen, was ich nicht unbedingt sehen will oder nicht mehr sehen kann. Die Dinge des Lebens, die den Wahnsinn hier und da und dort ausmachen und oft bei mir ein hilfloses Kopfschütteln auslösen, da ich oft nicht weiß, was ich tun kann, damit es doch bitteschön irgendwie besser wird. Glücklicherweise ist das nur eine Seite von Dotas Musik. Sie schafft es, auch die schönen Seiten des Lebens zu besingen und macht damit Mut und Lust auf das Leben. Und noch ein Glücklicherweise hinterher: Oft (Immer?) liefert auch Sie keinen Ausweg, keine Besserwisserei, keine Rezepte. Und deshalb ist bislang jedes Album von ihr ein freudiges Unbehagen.

Mag ich deshalb insbesondere auch den Song „Zwei im Bus“ auf dem Album, nachdem der Raketenstart zumindest im D-Radio fast schon zum Lieblingslied der Redaktion(en) avancierte. Und passend zum Song „Zwei im Bus“ mein Bild. Ein Foto von den („guten alten“) Malta-Bussen, die gehegt, gepflegt, geschmückt und geliebt wurden. Hachja, früher…

Lars Kilian: Zwei im Bus

Und ein Sorry auf dem Weg: Auch wenn Dota als allgemein in den Pop verortet wird, sortiere ich sie bei den Liedermachern ein. Harte Kriterien dafür hab ich nicht – es ist ein Gefühl. Und Gefühl gewinnt, wie Olaf Schubert bestätigen wird!

Egoexpress – Hot Wire My Heart (2005)

Bildquelle: https://img.discogs.com/Dqy3dfTCGwZIlMDLh6wbjJAFRSA=/fit-in/600×606/filters:strip_icc():format(jpeg):mode_rgb():quality(90)/discogs-images/R-483977-1508790205-7807.jpeg.jpg

„Oh my god, it is techno music!“ Dieser Ausruf auf dem Titel Knartz IV steht programmatisch für das Album. Nicht unbedingt für die breite Masse gemacht, aber für jeden was dabei, ohne ein Gemischtwarenladen zu sein. Auch wenn das Große und Neue bei dem Album der Hamburger nicht zu finden ist, ist etwas essentiell Wichtiges enthalten: Spaß an der Musik. Gepaart mit ohrwurmverdächtigen Melodien, einem hüpfenden 4/4 Bass und netten Überraschungen liefert „Hot wire my heart“ eine Stunde gute Unterhaltung für den Club, die Autofahrt, den flotten Spaziergang, am Kochtopf und beim Fenster putzen. Und so rocken Egoexpress den Technoclub.

Meine Bildassoziation ist da gar nicht so weit weg. Aufgenommen auf einem Festival, elektronische Musik überall, Licht und Diskokugeln – eine tolle Mischung für Sommernächte voller Leben.

Knartz IV Lars Kilian
Lars Kilian: Knartz IV

BIBIO – Mind Bokeh (2010)

Bildquelle: https://img.discogs.com/avlkOE804-D1DqmgU78qSdhTu1k=/fit-in/600×600/filters:strip_icc():format(jpeg):mode_rgb():quality(90)/discogs-images/R-2797490-1330042119.jpeg.jpg

2010 war ich das erste Jahr im Bereich digitaler Fotografie mit Spiegelreflex unterwegs und sammelte Erfahrungen zu Fragen von Licht, Verschlusszeit und ISO. Und natürlich mit der Frage des Bokehs, mit der sich Nerds Nächte um die Ohren schlagen können, um den Unschärfeverlauf von Bildern im Hinter- und Vordergrund zu betrachten, zu analysieren und zu überlegen, wie man ihn gut einsetzt. Zugegeben, ich gehöre zur Fraktion der Bokeh-Fans und ein paar Lichtstarke Gläser gehören zwingend in die Fototasche.

Aber was hat das mit der Musik zu tun? Nun, Mind Bokeh, ist ein treffender Name, den Bibio diesem Werk ebenfalls 2010 gab. Musik, die da ist, existent, unaufdringlich und zugleich gar nicht beliebig. Etwas verschwommen hier, etwas „verwurstelt“ da, mal wird sie fast fassbar um im nächsten Moment zu entgleiten. Dies betrifft nicht nur die elektronischen Klangkulissen, auch der eigentliche Rhythmus scheint diesem Muster zu folgen. Läuft die CD, breitet sich Wärme, Ruhe, aber auch Beschwingtheit aus. Kaum ist das Album im CD-Player durchgelaufen, frage ich mich, was das war – einem flüchtig, angenehmen Tagtraum gleich.

Bibio schafft es, seine Sound genreübergreifend zu komponieren, ohne etwas zu sehr betonen zu müssen. Und so verschmilzt das eigentliche Motiv seiner Musik mit dem vorder- und hintergründigen, bildet eine Einheit, ohne sich in einem losen Brei aufzulösen. Keine musikalischen Attitüden, kein besonderer Ausbruch, kein Erheischen von Aufmerksamkeit, auch wenn (oder weil?) er mit dem Album bei WARP gelandet ist.

Die Platte sollte man hören, wenngleich es eigentlich umsonst zu sein scheint. Denn ist sie aus, kommt die Frage: Was war das?

Meine Bildassoziation zum Album: KEIN Bokehbild. Aber miteinander Verwobenes, Sichtbares, Transparentes, Zusammenhängendes und doch für sich Seiendes. Metall und Gummi. Textfragmente hier und da, schwebend zwischen allem, verwoben mit allem. Vielleicht hätte ich es etwas dunkler aufnehmen sollen…?

Lars Kilian: Mind Bokeh
Lars Kilian: Mind Bokeh

DJ Koze – Knock Knock (2018)

Bildquelle: https://img.discogs.com/QNazrwTswtMeilolvSrgkJQ8Bhs=/fit-in/600×600/filters:strip_icc():format(jpeg):mode_rgb():quality(90)/discogs-images/R-11948166-1525320602-5119.jpeg.jpg

Knock Knock – freundlich klopft DJ Koze mit seinem Album an. Er klingelt nicht sturm, er ruft nicht laut an der Tür. Nein: Knock Knock. Und wer es nicht hört, hat Pech gehabt. Lange Zeit klopfte er auch bei mir an. Immer mal wieder stolperte ich über das Album, über das sich alle Welt freute und hörte rein. Aber so richtig einlassen, konnte ich mich darauf nicht. Es klang zu flüchtig, beliebt, wenngleich auch gefällig und groovig. Es hat(te) keine richtigen Ecken und Kanten und flutschte mir so immer wieder zwischen den Fingern und Ohren durch. Ohne eigentlich zu bemerken, dass es doch genau DAS ist, was das Album so besonders macht.

DJ Koze braucht nicht den Bombast, die große Bühne (auch wenn er das kann, wie er in andere Projekten unter Beweis stellt), den Ohrwurm und den Hit. Aber jede Sekunde auf Knock Knock scheint wohlüberlegt worden zu sein und kommt bedächtig daher. Und wenn man (ich!) sich darauf einlässt, dann entfaltet dieses Werk eine unglaubliche Magie. Der Musikexpress schreibt zu diesem Werk richtig:

„KNOCK KNOCK versammelt eine Menge historisch belegbarer Stimmen, die wir so gut kennen, weil sie unsere musikalische Sozialisation geprägt haben.

Speech von Arrested Development, die Mitte der 90er den Sommer bespielt haben. Kurt Wagner von Lambchop, dessen Brummeln im Winter die Heizung ersetzte. José González, zu dem wir erst knutschten, dann weinten. Róisín Murphy, die uns zu guten Tänzern machte. Und Justin Vernon. Sie alle – und noch mehr – tauchen auf den Tracks von KNOCK KNOCK auf, sie dürfen sie selbst sein, aber sie geraten in diesen Koze-Strudel, der ihre Stimmen in diese unwirkliche Pampa-Welt entführt. Hier ist House psychedelisch, Funk ambienthaft, Pop unnahbar, Folk verloren, Shoegaze sexy.“

https://www.musikexpress.de/reviews/dj-koze-knock-knock/

Ein Bild für solch ein Album zu finden, ist schwer. Es ist zu sehr von einer andere Welt, sozusagen aus dem KOZEmus zu uns gekommen. Mich erinnert sowas an die futuristischen Bauten in Valencia, die ebenfalls vom „outer space“ zu sein scheinen….

Bild vom Oceaneum in Valencia
Lars Kilian: Seeing Aliens

Depeche Mode – Black Celebration (1986)

Quelle: https://img.discogs.com/j3vnVOE0u-BWz1gcaju-dWmG-Ms=/fit-in/600×601/filters:strip_icc():format(jpeg):mode_rgb():quality(90)/discogs-images/R-65449-1319726932.jpeg.jpg

Vor nun fast 35 Jahren (!!) veröffentlichte Depeche Mode dieses Album. Musikalisch in eine spannende Zeit geworfen: Weg vom Rock und seinen Ablegern, die aber immer noch nachwirkten, inmitten des Aufbruchs ins Digitale und des Pop, der durchaus dem Dark Wave verbunden sein durfte. So ist dieses Album der Zukunft irgendwie zugewandt und an ihr interessiert, will aber mit seinem dunklen Anstrich dort gar nicht ankommen. Hier feiert Depeche Mode die schwarze Messe der 80er und lädt mit großer Geste ein.

Das Arrangement gefällt mir u.a. deshalb, weil es musikalisch aufgrund der fließenden Übergänge ein Konzeptalbum sein könnte (oder ist?). Funktionieren derartige Kompositionen noch auf Medien wie Spotify? Hört man sich auf Streaming-Diensten noch ganze Alben an?

Es war für die damalige Zeit technisch aufwändig produziert. Ich erinnere mich noch an Besprechungen, wo Details wie den digital akustischen „Nachbau“ des anspringenden Motors eines Sportwagens diskutiert wurden. Offenbar einmalig für die damalige Zeit. Ich denke, hier lohnt sich tatsächlich ein Nachkauf der remasterten Version von 2017, die sicher den Sound der 80er nochmals überflügelt. Darüber hinaus war dieser mutige Schritt der vier jungen Musiker äußerst erfolgreich. Alle Singles kamen in Deutschland in die Top 10 und das Album sogar im März 86 auf Platz 2.

Die Riesenerfolge, etwa mit „Personal Jesus“ und „I Feel You“ würden ja noch ausstehen. Aber während zum Beispiel „Never Let Me Down Again“ aus dem Albumnachfolger „Music For The Masses“ (1987) schon so klang, als machen sich Depeche Mode fürs Stadion warm, war „Black Celebration“ sich selbst genügend, ein kleiner funkelnder Diamant, der aus der Hosentasche lugt.

https://www.rollingstone.de/reviews/depeche-mode-black-celebration-review/

Das das Album hier und heute nochmal „ausgegraben“ wird, hat einen guten Grund. Ich sah vor einiger Zeit in Italien die abgestellten Vespas, Mopeds oder Motorräder mit ihren großen Frontscheiben. Sie bildeten in Summe einen milchigen Blick auf die Straßenszenarie im Hintergrund und ich dachte dabei an den Song „Fly On The Windscreen“ von Depeche Mode. Daher mein Bild zum Album.

(C) Lars Kilian: Fly On The Windscreen

Zum Album (und Foto) gibt es sogar noch ein offizielles Video, dass aber für mich irgendwie im Gegensatz zur Musikwahrnehmung steht. Augen zu und durch!

The Orb – Adventures Beyond The Ultraworld (1991, re-release 2005) (2CD)

Quelle: https://img.discogs.com/cqCs8kCHmh2I-imVcret-qG5DGE=/fit-in/600×600/filters:strip_icc():format(jpeg):mode_rgb():quality(90)/discogs-images/R-2727-1281305939.jpeg.jpg

The Orb – Meister der Samples, der Töne, des Dub und Ambient und Weggefährten der Ruhe mit einem ihrer besten Alben, wie ich finde. Mit ihren Abenteuern hinter der Ultrawelt laden The Orb ein zu einem langen Spaziergang jenseits des Hier und Jetzt. Gute zwei Stunden erforschen sie das Klanguniversum, erkunden neue Tonräume und entfernte Galaxien voller Melodien. Eingestreute Soundschnipsel, Gesprächsfragmente, Stimmen und Gesänge erzeugen Harmonien, die ein Driften des Hörenden in der Raumzeit fast unumgänglich machen. Immer wieder freu ich mich, wenn mir dieses Doppelalbum beim Stöbern in die Hände fällt, denn irgendwie passt es immer. Als Hintergrundrauschen, Begleitmusik beim Abendessen mit Freunden, zum Arbeiten aber auch zum wirklich konzentrierten (aber entspannten) Zuhören.

Allein der Start des Albums mit dem Hahnenschrei und dem „Überhit“ Little Fluffy Clouds, mit dem The Orb zur Reise in die Ferne einladen, macht einfach Spaß. Wird das Album hier noch deutlich von sowas wie einem Rhythmus und Beat getragen, verlieren sich diese zunehmend in Texturen und Klangnebeln. Wunderschön. Little Fluffy Clouds durfte fast ein Jahr mein morgendliches Wecklied sein. Ein guter Start in den Tag!

Entsprechend mein dazugehöriges Bild. Zu sehen, entfernte Sterne, Galaxien, Nebel, die meines Erachtens gut zum Album passen. Aufgenommen hab ich das Bild nicht wirklich selbst, das gibt meine Fotoausrüstung nicht her. Vielmehr handelt es sich um ein Foto eines Fotos, welches ich im Gasometer Oberhausen (immer einen Zwischenstopp auf der Vorbeireise wert!) im Rahmen einer Ausstellung geknipst hab.

Weltraum - entfernte Galaxien
Lars Kilian: Little Fluffy Clouds

The Fall – Extricate (1990, Expanded Version 2007)

Quelle: https://img.discogs.com/ovppsUe5z468BUd5sf0gINSyoQk=/fit-in/600×600/filters:strip_icc():format(jpeg):mode_rgb():quality(90)/discogs-images/R-1128923-1194378382.jpeg.jpg

The Fall, das lose Konstrukt um Mark E. Smith, ist seit Jahrzehnten auf der Bühne im Kampf, den Anti-Pop und Punk zu popularisieren. Extricate ist das 13te Album in der Bandgeschichte und das erste Album, welches Mark E. Smith nach seiner Scheidung von Brix aufnahm. Zeit für Deutungen, denn das Album hat einen schon fast auffälligen Hang zu Melodien und selbst M.E. Smith versucht sich, ein klitzekleinwenig vom Sprechgesang zu lösen und seine Texte sich von eben diesen Melodien mitreißen zu lassen. Das macht durchaus und überraschend Freude, wenn der Refrain bei „Popcorn Double Feature“ fast auf die Noten gesungen wird oder bei „Bill Is Dead“ die Stimme zur Betonung mal angehoben wird. Aber auch das kräftige, überbetonte Stottern bei Songs wie „Arms Control Poseur“ zieht ordentlich. Dass diese Marotte von Mark E. Smith auch gepflegtes Konzept ist, belegt CD-Booklet, welches u.a. die handschriftlichen Notizen zum Song „Chicago, Now!“ zeigen. So liest man dort:

„…LUK A U there just settin –
DOOWWWWWWNNNNNNN – chicago, NOWWWW…
…CHICAGO, NOWAHOW…“

Insgesamt wird durch diese „Neuerungen“ das Album geradezu chartverdächtig und für mich sind auf der Platte zahlreiche echte Hits zu finden, die natürlich nie in einer Hitparade ladeten. Es strahlt eine für The Fall ungeahnte Wärme und Sensibilität aus. Die harte Fassade von Mark E. Smith war vielleicht nicht poröser.

(Nicht nur) Ein Foto, aufgenommen auf Malta, assoziiere ich mit dem Album. Eine Telefonzelle – vielleicht eine vom Aussterben bedrohte Spezies – die Telefonierende einlädt, nein: dazu zwingt, auf das herrliche Meer zu schauen, während man spricht. Das können ja nur gute Telefonate werden, oder?

„Telephone Thing“ (c) by Lars Kilian

Auch wenn es zu „Telephone Thing“ sowas wie ein Video von The Fall gibt, ist es jetzt, 30 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Albums der Titel „Bill is Dead“, den ich hier gern posten möchte. Dies in Erinnerung an den 2018 Jahren verstorbenen Mark E. Smith.

„These are the greatest times of my life“

(Bill is Dead)

Das Album wurde 2007 als Expanded Version nochmals herausgebracht und enthält weitere Tracks, Remixe etc.