Bound Stems – Appreciation Night (2007)

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Eine schöne Vorstellung: So richtig kreativ sein. Eine verschworene Gruppe sein. Einen Sinn für Humor teilen. Musik machen, die über stilistische Grenzen nur lacht. So stelle ich mir die Bound Stems aus Chicago vor. Mein einziges Indiz ist ihr Debütalbum, das mir gerade dauerhaft Spaß bringt. Und mit dauerhaft meine ich auch dauerhaft, denn ihre Musik ist so vielschichtig, dass ich selbst nach Dutzenden von Hördurchgängen noch nicht behaupten kann, die Matrix dieser Stücke schon ganz durchdrungen zu haben. Es hat bisher nur zu vereinzelten Eindrücken gereicht. So ist es beispielsweise bemerkenswert, wie oft die Band eine treibende und mitreißende Dynamik erreicht, obwohl sie die gerade aufgebauten Rhythmusgerüste meistens schon nach wenigen Takten wieder einreißt. Es ist bemerkenswert, wie sehr die Band den Eindruck erweckt, rocken zu können, obwohl sie – ganz Postrock – die bekannte, Jahrzehnte alte Dramatik der Elvis-Stilart nie ganz aufbaut, sofort wieder zerstört oder spielerisch überwindet. Es ist bemerkenswert, von was für einer lyrischen Substanz diese textreichen Stücke sind und wie gekonnt sie das bekannte Pop-Sloganism aus dessen Ankern heben. Was diese Platte nicht hat, sind klare Popstrukturen. Aber das ist gut so, denn die langweilen ja sowieso immer so schnell. Mit dieser Band können sich höchstens noch Modest Mouse, was die Gitarrenarrangements angeht, und Broken Social Scene in Bezug auf komplexe Dynamiken messen lassen. Wobei es diesen Heldenbands immer gelang, den Zuhörern ihre außerordentlichen Qualitäten glasklar vor Augen zu führen. Ganz so eingängig sind die Bound Stems nicht; wer länger zuhört, erlebt aber ähnlich umwerfende Erleuchtungsmomente. Garantiert.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23039554)

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