Beth Gibbons & Rustin Man – Out Of Season (2003)


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„Ich hatte Angst vor dieser Platte. Angst, sie könnte die maßlosen Erwartungen nicht erfüllen auf der einen Seite, und Angst, sie könnte genau das tun auf der anderen. Portisheads „Dummy“ und Talk Talks „Spirit Of Eden“ für sich allein betrachtet, sind schon solch gefühlsgewaltige Meisterwerke, dass der bloße Gedanke an die Konstellation von Beth Gibbons Stimme und Paul Webbs musikalischem Verständnis wohlige Schauer verursachte.

Schönheit und Tristesse sind tatsächlich treffende Attribute dieses leisen, emotionsgeladenen Monsters. Aber von der bedrückenden Schwere der beiden übergroßen Referenzalben ist nur mehr eine Spur geblieben.

Größtenteils unaufdringliche Arrangements bilden den Rahmen, in dem Beth Gibbons Stimme zu voller Blüte erwacht und dabei Facetten ihres stimmlichen Spektrums offenbart, die weit über die Verletzlichkeit hinausweisen, die für Portishead so charakteristisch war.

Wenn sie über das einzige aufwendig instrumentierte Stück „Tom The Model“ mit einer Kraft singt, dass die Assoziationskette zwischen Moloko und Shirley Bassey oszilliert, dann ist das die reinste Freude. Ganz ähnlich gibt sich „Romance“. Mit klassischen Bläsern unterlegt steuert Beth schon fast ein bisschen lasziv ihren Teil bei, um dem Ganzen einen ehrwürdigen 50er Jahre Charme zu verpassen. Und das bezaubernd zarte „Mysteries“ trägt bei aller Fragilität noch eine lebensbejahende Note, die einem den Winterfrost vom Herzen schmelzen lässt.

Nichts desto trotz ist undenkbar, dass „Out Of Season“ ohne eine melancholische Grundstimmung auskommt. Eine atemberaubende Kostprobe davon gibt „Show“, als Frau Gibbons mit einem schleppenden, schwerfälligen Piano kämpft. Oder „Funny Time Of Year“, das eine ergreifende Verzweiflung transportiert – da ist es wieder: das Sehnsüchtige, das gleichzeitig Wehklagende und Starke in dieser unvergleichlichen Stimme.

Und immer wieder bedient sie sich in bildhafter Sprache der Jahreszeiten, besingt den Sommerhimmel, den gehenden Herbst, den Wind und die Schatten – und singt immer von: Liebe.

Die Größe dieser Platte ist schon fast unheimlich, wieder einmal bemächtigt sich meiner dieses Ohnmachtsgefühl, Musik mit Worten nie gerecht werden zu können. Am Ende bleibt ein salziger Geschmack auf den Lippen und eine balsamierte Seele. Diese zeitlose Perle zählt zur wundervollsten Musik, die mir überhaupt je begegnet ist.“ (http://www.laut.de/lautstark/cd-reviews/g/gibbons_beth_rustin_man/out_of_season/index.htm)

Einen musikalischen Vorgeschmack liefert das Video „Mysteries“ auf youtube

Out Of Season bei myspace

Die Platte bekam sogar eine eingene Webseite

Wikipedia über Beth Gibbons

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