B. Fleischmann – Welcome Tourist (2003) (2CD)

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„Ist dies eigentlich das erste Doppelalbum eines Künstlers auf Morr Music? Ich denke schon. Die 100-Minuten-Strecke von ›Welcome Tourist‹ versteht der Wiener Bernhard Fleischmann jedenfalls bestens zu füllen. CD #1 hat elf abwechslungsreiche Tracks, mal freundlich-entspannte herbstliche Miniaturen mit Gitarre, Piano und Vibraphon, mal eine nervöse Mischung aus Elektroclash und Drum’n’Bass-Patterns. Dass Fleischmann ausgebildeter Schlagzeuger ist und früher als solcher in Bands wie Speed Is Essential oder auch SORE! gespielt hat, kann man durchaus hören. Insgesamt bewegt sich CD #1 im Rahmen des bei Morr Music Erwartbaren, das glamrockige Sentiment von ›A Letter From Home‹ dürfte mit seiner Mischung aus Blue Notes am Piano, Saxophon und verzerrten Gitarren auch den Freunden von Ms. John Soda gefallen. Mir aber auch. Explizit hingewiesen sei noch auf die beiden alten Instrumentaltracks ›Le Désir‹ und ›Sleep‹, die hier von Christof Kurzmann um eine Gesangsspur bereichert wurden, was das Ganze in der Wirkung deutlich in Richtung Robert Wyatt, ›Old Rottenhat‹-Phase, schiebt. Dazu passt, dass das Album mit einem Zitat vom Oldschool-Anarchisten Henry David Thoreau (›Walden‹) eröffnet, in dem die Vorstellung entworfen wird, die beste Regierung sei diejenige, die ganz aufs Regieren verzichtet. Dass das keine Lösung ist, erleben wir jeden Tag. Aber ich will hier nicht vom Stamokap reden. Vielleicht lieber über CD #2, die allein von der dreiviertelstündigen Komposition ›Take Your Time‹ gefüllt wird. Derlei epische Formate sind in Fleischmanns Genre nicht grundlos rar. Aber hier passt alles: Ganz allmählich findet der Track sein Tempo, einzelne Instrumente wie Piano oder – wunderbar! – Slide Guitar bestimmen für längere Zeitabschnitte die Klangfarbe, variieren das zentrale Thema und die vorherrschend melancholische Stimmung. Das ist minimalistisch, spielt mit Satie, Folk und Country, ist kurzzeitig Progrock und dann wieder eher Jazz. Aus einer ganz anderen Ecke kommend, erinnert doch vieles, was Fleischmann hier kühn und kühl an Stimmungen etabliert, an die Arbeit des späten David Sylvian, ohne sich ins bloß geschmäcklerisch lauwarm dahingetupfte Ambientige zu verlieren.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23030809/bfleischmann_welcome_tourist)

http://www.bfleischmann.com/ – Homepage von B. Fleischmann

B. Fleischmann bei myspace

Das Video „Le Desire“ bei youtube, leider nur in mittelmäßiger Qualität

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