3. Abflug Frankfurt Main und Ankunft Anchorage

Der Abflug und die Ankunft

Angekommen am Flughaben Frankfurt/Main wurde am Gate schnell deutlich, dass es nach Alaska geht. Irgendwie sahen die dort wartenden Passagiere nicht so aus, als ob die sich auf einen schönen Sommerurlaub vorbereitet hätten. Viele offensichtliche Angler, mit typischen Hüten (sogar die Angelhaken waren da befestigt – dachte, das wäre im Flugzeug verboten?) und Anglerzeitungen für die Reise 🙂 An den Raucherinseln „gab man es sich noch mal richtig“, bevor es die nächsten 12 Stunden nikotinfrei zugehen würde. Es war schon ein interessanter Anblick und ein sehr eigenes Gefühl, bald „durchzustarten“. Das Gefühl hatte wohl nicht nur ich, denn man war sehr redseelig. Ein Anglertyp sah mich, kam nach einem kurzen Blicktest auf mich zu und fragte, wohin ich wolle. Naja, dachte ich, offensichtlich wie er, irgendwohin nach Nordamerika. Da ich zum damaligen Zeitpunkt, relativ frei in meinen Reiseplänen, nicht konkreter werden konnte, konnte ich nur die schmale Antwort „Alaska“ über die Lippen bringen. Sofort wurde ich verwickelt in Gespräche über das Land, das Angeln und überhaupt. Ich erfuhr, dass er schon mehrmals dort gewesen wäre, immer in die Nähe von Talkeetna fährt (ja, den Ortsnamen hab ich schon gelesen, dachte ich) und dort die Lachse rausholt. Zu Recht voller Stolz holt er eine Angelzeitung aus seinem Gepäck und zeigt auf ein Bild: er mit riesengroßen Lachs, veröffentlicht in einer Fachzeitschrift. Und da ich allein reise, könne ich gern bei ihm auf einen Fisch Zwischenstopp einlegen, wenn ich denn in seiner Nähe vorbei kommen würde. Das wusste ich natürlich zu dem Zeitpunkt nicht und so habe ich mir auch die Adresse nicht gemerkt, die mehr als ungenau war (an irgendeiner Flussabbiegung an irgendeiner Hütte) und ich wohl auch nicht hätte finden können. Nett wars trotzdem, spontan eingeladen zu werden.

Und irgendwann gings los, ab in die wie immer für meine Körpergröße zu enge Sitzreihen, was auf Langstreckenflügen nicht wirklich Spass macht. Der Flug ging über

Deutschland, vorbei an Skandinavien und Island hart auf die Arktis zu. Ein irgendwie sehr beunruhigender Anblick aus dem Fenster – das (nicht mehr ewige) Eis unter einem, das Wissen, dass da nicht viel los ist, falls es einen Ernstfall geben würde. Stundenlang ging der Flug über die Eislandschaft, die sich imposant unter einem ausbreitete.

Und irgendwann machte das Flugzeug einen Dreh, nach einiger Zeit begann das Eis zu verschwinden und immer mehr Festland wurde sichtbar: Kanada. Der Flug steuerte das Zwischenziel Whitehorse an.

In Whitehorse gab es einen kurzen Aufenthalt für ca. 1 Stunde, die Passagiere, die nach Anchorage wollten, konnten sitzen bleiben, der Rest verließ den Flieger, neue Passierge stiegen für den letzten Sprung dazu. Die Einflugkarte über Kanada nach Anchorage habe ich mal rechts hier im Blog eingestellt und mit roten Linien den etwaigen Flug markiert.

Dann ging es weiter von Whitehorse nach Anchorage – die letzte Stunde. Der Blick aus dem Fenster des Flugzeug machte mich wirklich unsicher, ob dieser Urlaub gut werden würde, ob ich in das Land da unten tatsächlich reisen möchte oder ob es nicht besser wäre, am Flughafen den nächsten Rückflug zu ordern…

Denn was das Land, welches immer noch verklärt in meiner Vorstellung war, zur Begrüßung aus der Vogelperspektive bot, war nicht wirklich einladend. Berge und Schnee. Aber was hatte ich erwartet? Alles sah ein wenig leblos und fad aus und ich malte mir die kommenden Wochen aus. Ein Leben als Bergschrad? Der Mann aus den Bergen? Ich gegen den Schnee? Und wenn der Schnee nicht da ist, kommen dann die Bären? Ich war schon etwas verunsichert 🙂

Da der Reisebericht hier nicht abbricht, kann man davon ausgehen, dass ich nicht den nächsten Flieger zurück Richtung Heimat nahm, sondern erstmal beschlossen habe, mir Anchorage anzuschauen und zu entscheiden, wie es weiter geht. Vielleicht wirds auch nur ein Anchorage-Urlaub? Der Arktische Ozean ist ja das eigentliche Ziel, aber wie ich dorthin gelangen kann und ob ich das nach der Landung noch möchte, war mir nicht klar. Meine „Methode“ ist es, erstmal in der Zivilisation eines Landes (Hauptstätte sind da meist ganz gut) die Stimmung erfühlen, ein paar Informationen abgreifen und direkt vor Ort zu planen. Damit bin ich bisher immer gut gefahren.

Am Flughafen in Anchorage angekommen, begrüßte mich erstmal die Security mit den üblichen Standards der USA (Was wollen Sie hier? Wie lang bleiben Sie hier? Haben Sie eine Unterkunft? usw. nebst den Standardritualen: Fingerabdrücke sammeln und Foto machen). Ein großer, ausgestopfter Eisbär, der wohl hier erlegt worden ist, begrüßte die Neuankömmlinge im Foyer.

Ich habe die ersten Infos zusammengesammelt und überlegt, ob ich mir einen PKW mieten sollte. Diese sind „relativ“ erschwinglich und versprechen ja immer etwas Unabhängigkeit. Gesagt getan, einen günstigen geordert und – bereut. Denn ich sah nach Vertragsabschluss, dass er neben den eigentlichen Mietkosten noch eine Menge Nebenkosten mit sich brachte, die bei den Erklärungen des Vermieters wohl nur sehr leise erläutert worden sind und/oder mich mein Schulenglisch im Stich gelassen hat (was mir auch als sehr wahrscheinlich erscheint). Mist! Stornieren oder Ignorieren? Irgendwann war ich relativ allein auf dem Flughafen und eine Frau mit blumiger und luftiger Tracht kam auf mich zu und fragte, ob sie mir helfen könne. Ich erörtere meine Überlegungen (Mietwagen oder nicht), sie schaute auf den Beleg und meinte nur „bad deal“. Wir kamen ins Gespräch und schnell stellte sich heraus, dass Sie ebenfalls aus Deutschland sei und seit vielen Jahrzehnten in Alaska lebt und am Flughafen als Touristenguide tätig ist, wenn die Deutschen Touris einmal die Woche eintreffen. Sie fühlt sich wohl in dem Land und kann nur empfehlen, auf das Auto zu verzichten und die Bahn zu nehmen. „Wenn man Alaska bereist, dann gefälligst und ausschließlich mit der Alaska Railroad!“, so ihre Meinung. Sie nahm mich bei der Hand, wir gingen zum Autovermieter und sie schaffte es tatsächlich, mich aus dem Vertrag zu boxen. Superklasse!

Okay, dann stand ich da, mit einer Adresse in der Hand für mein gebuchtes Motel, die Busse fuhren irgendwohin (nur wohin?) und nach einigen Fragen und der Unterstützung der gleichen „Ex-Germany-Lady“ (die mittlerweile Feierabend machte) fand ich meinen Bus und fuhr in die City.

…wird fortgesetzt

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