Dota Und Die Stadtpiraten – Bis Auf Den Grund (2010)

Bis auf den Grund – ein passender Titel für das Album. Longplayer Nr. Sieben ist wieder voller kurzweiligem, poetischem und assoziativem Songwriter-Pop, ganz ohne den kitschigen Beigeschmack des Lagerfeuers – wenngleich die Band doch dort auch gut hinpassen würde. Dreizehn wunderbare Songwriter-Tracks warten nur darauf, sich in die Gehörgänge zu schmiegen mit  Bossa Nova, Swing, Reggae und Pop. Ausgezeichnet beobachtet und in Texte gegossene Perspektiven von Innen- und Außenwelt lässt die Zuhörenden durch die Augen der Sängerin auf Alltägliches schauen und das Nichtalltägliche miterleben, indem sie den Dingen „bis auf den Grund“ geht.  Politisch und korrekt  ohne langweilig zu werden oder auch emotional , ohne kitschig zu werden – muss man können, Frau kann es. Und so ist Dota massenkompatibel im besten Sinne. Denn sie transportiert gute, richtige und wichtige Nachricht, die doch viele hören sollten. 

Mein Bild dazu ist ein in Bewegung aufgenommenes Foto. Unterwegs in die grüne Flut, der Wunsch auf Neues, auf Entdeckungen, auf Bewegung und das Unbekannte – jedoch den Stau hinter jeder Ecke als eine unerwünschte Option. Das nehme ich gern als eine Assoziation zu diesem Album von Dota, die mir die Grenzen im Großen und zugleich die Grenzenlosigkeit im Kleinen zeigen kann. Und irgendwie passt das Lied ja auch zum Song „Tempomat“ vom Album…

Langzeitbelichtung auf der Straße
Tempomat by Lars Kilian (2012) CC BY SA 4.0

Da fand ich bei meiner Suche auch gleich noch ein Live-Mitschnitt von „Tempomat“ beim Tanz- und FolkFest in Rudolstadt, meiner Geburtsstadt. Wie schön 🙂

PeterLicht – Lieder Vom Ende Des Kapitalismus (2006)

Quelle: https://i.discogs.com/0wQniS8YULT2AbP4N1L4ygivnEWp6wmREAjVPDHz83A/rs:fit/g:sm/q:40/h:300/w:300/czM6Ly9kaXNjb2dz/LWRhdGFiYXNlLWlt/YWdlcy9SLTcyNjkx/OS0xNjQ5NjY3NTMy/LTM0OTguanBlZw.jpeg

Vor über zehn Jahren hab ich das Album schon einmal hier vorgestellt. Und muss es doch nochmal tun. Denn in den letzten 15 Jahren, in denen diese Platte hin und wieder meine Ohren erreicht, erfreut und begeistert sie mich stets aufs Neue. Nicht nur der allein schon vielversprechende Titel macht Lust, wieder mal reinzuhören. Auch die einzelnen Titel berühren mich stets aufs Neue. Trotz seiner vordergründigen Leichtigkeit fordert es mit seinen bittersüßen Texten nicht nur zum mitsummen und -singen, sondern berührt mich auch stets emotionale. Die Lyrik von PeterLicht spendet Licht im Schatten, gibt Wärme in der Kälte und macht Hoffnung, wo keine mehr ist. So besingt er das größte Glück, als allerletzter Mensch am Rande zu stehen und den Wind, der uns bleibt, wenn alles andere nicht mehr ist. Es gibt den Abgesang auf den Kapitalismus und gibt sich kämpferisch, wenn zu hören ist, dass wir siegen werden. Davor, danach, dazwischen – überall gibt es was zu entdecken. Was nach einer Albumlänge zurückbleibt, ist eine ambivalente Mischung aus Melancholie, Zuversicht und Resignation. War das so gewollt, @PeterLicht?

Insgesamt mehr als gelungen und eins der Highlights im Werk von PeterLicht. Es erreicht mich mehr als manche spätere Veröffentlichung.

Da ich versuche, zu meinem kleinen Besprechungen ein selbst fotografiertes, passendes Bild zu suchen, will ich es auch hier probieren. Lag mir erst ein Bild in den Händen, welches das Glück sehr verklärt darstellte, merkte ich beim Hören, dass es doch nicht passt. Weniger plakativ statt dessen ein alter Bahnhof in Thüringen. Wer hier auf den Zug wartet, kann sich nicht sicher sein, ob dieser überhaupt noch kommt. Ist der Bahnhof bereits still gelegt? Ist er der Deutschen Bahn noch bekannt? Oder bleibt nur die Hoffnung, irgendwann von da weg zu kommen? Und so wartet man wie „bestellt und nicht abgeholt“. Klar, man könnte Bewohner der Region fragen, aber als allerletzter Mensch dieser Welt ist das dann doch schwer, wie man beim wiederholten Blick auf die Uhr feststellt. Aber vielleicht hat man Glück und die Bahn kommt doch noch? Dann hat man freie Sitzplatzauswahl, weil man als einzige Person den Zug für die Reise weg von hier betreten hat.

„Das absolute Glück“ by Lars Kilian (2020)

Und hier noch das passende Video

Kulturelle Bildung in der beruflichen Weiterbildung

Lars Kilian, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

Im 17. Podcast potenziaLLL sprechen ich im Rahmen meiner Arbeit für das Portal wb-web mit Professorin Dr. Ulrike Gerdiken über Kulturelle Bildung in der beruflichen Weiterbildung. Mitnichten handelt es sich bei Kultureller Bildung „nur“ um einen Museumsbesuch oder musikalischen Ausdruck, erklärt Frau Gerdiken. Vielmehr kann die begleitete Rezeption und Produktion von Kulturgut das eigene Erleben, die Sicht auf die Dinge, Schlüsselkompetenzen und Kreativität fordern und fördern und damit Menschen in ihrem beruflichen Alltag einen enormen Mehrwert bieten.

auf wb-web reinhören…

(Selbst-)Professionalisierung von Erwachsenenbildner*innen auf Distanz.
Einblicke in die Zugriffszahlen und Themenwahlen auf wb-web im „Coronajahr“ 2020

Cover Magazin Erwachsenenbildung.at

Meine Kollegin Carmen Biel und ich können auf eine neue Veröffentlichung im Magazin Erwachsenenbildung.at verweisen.

In der Kurzzusammenfassung der Redaktion heißt es zum Beitrag:

„Das Portal wb-web und der darin eingebundene EULE Lernbereich sollen Lehrende in der Erwachsenen- und Weiterbildung durch (Selbst-)Professionalisierungsangebote beim Kompetenzaufbau unterstützen. Haben Erwachsenenbildnerinnen diese digitalen Angebote im Zuge des ersten coronabedingten Lockdowns im Jahr 2020 verstärkt genutzt, um ihre erwachsenenpädagogischen Handlungskompetenzen selbstgesteuert zu erweitern? Die statistische Analyse der Autorinnen legt nahe, dass dem so ist. So haben in der Zeit des ersten Lockdowns mehr Personen als im Vergleichszeitraum 2019 auf das Portal wb-web sowie den EULE Lernbereich zugegriffen. Noch stärker als bisher waren dabei Themen rund um die digitale Gestaltung von Lehr-/Lernsettings von Interesse. Dies verdeutlicht, dass es seitens der Nutzenden verstärkte Bedarfe an digitalen Informationsangeboten zu erwachsenenpädagogischen Themen zu Beginn der Corona-Krise und darüber hinaus gab.“

Das Magazin steht als Open Access zum freien Download zur Verfügung: https://erwachsenenbildung.at/magazin/ausgabe-44-45/

Dub Taylor – Detect (2001)

Bildquelle: Discogs

Clubzeit ist angesagt! Mein Album für den April bringt Schwung in die Hüfte. Mittlerweile 20 Jahre alt, rotiert es schon seit langer Zeit in meinem CD Player und erfreut mich stets aufs Neue. Man hört noch, dass Alex Krüger aka Dub Taylor vom Dub Techno kommt, aber diesen nun mit luftigstem House würzt. Da zuckt das Tanzbein und freut sich auf den Tanz in den Mai.

Spannend an der Musik ist dieser gekonnte Mix von Minimaltechno mit der atmosphärisch dichten und warmen Klängen, zum Teil gepaart mit leichtem Gesang. So wirken die Sounds zwar einerseits sehr abstrakt-mathematisch, bekommen auf der anderen Seite etwas beseelt-individuelles. Party on!

Wenn ich dieses Album höre und versuche, es mit eigenen Fotos zu assoziieren, denke ich oft an Bilder, die Farb- und Flächenstrukturen zeigen. Irgendwie ähnlich dem Cover des Albums, wir mir jetzt erst auffällt. Aber irgendwie genügt das nicht. Es braucht mehr Leben auf so einem Foto. Und so fiel mir ein Schnappschuss ein, den ich in Warschau machte. Ein Werbeplakat mit irgendeinem austauschbaren Supermodel, das für irgendwas ebenso Austauschbares warb. Mich erfreute an diesem Motiv der dicke fette Kussmund, den irgendjemand diesem 0815-Model-Foto auf die Stirn drückte. Zusammen mit den Reflexionen der Lampen und des Screens auf dem Glas der Werbung drückt es das aus, was ich mit dem Sound des Albums verbinde. Passt – doppelt. Gerade weil es den smoothen Titel „Sweet Lips“ auf dem Album „Detect“ gibt

„Sweet Lips“ (C) by Lars Kilian 2022

Eagle Seagull – The Year Of How-To Books (2010)

Da fiel mir doch erst relativ spät dieses Album vor ein/zwei Jahren in die Hände und ließ mich seither nicht los. Klang schon das Erstlingswert von Eagle Seagull vielversprechend, schmiegt sich dieses Album in meine Gehörgänge, vom ersten bis zum letzten Ton. Opulente Songs und hymnenhafte Melodien, pulsierende Refrains und weinerlicher Gesang. Das alles gespickt mit Breaks in der Songstruktur, die keine Langeweile aufkommen lassen und angereichert mit Klavier und einem Himmel voller Violine(n), die oppulent dieses Popwerk schmücken. Tatsächlich fesselt mich dieses trotz allem spröde Album deutlich mehr als der Vorgänger, auch wenn die Kritiker im Netz nicht unbedingt meine Meinung teilen. Müssen sie ja auch nicht! Assoziationen Anderer mit Arcade Fire oder der Stimme von Robert Smith kann ich hingegen gut folgen. Diese Songs, die hoch hinaus tragen, luftig und leicht und sich dabei gegenseitig über Albenlänge jagen, machen jeden Tag etwas bunter. Wie schreibt passend Britta Helm auf Visions: „Das alles so schmissig wie die Briten, so leidenschaftlich instrumentiert wie die Kanadier und dabei flüchtiger als eine Katze im Regen. Nacherzählen lässt sich so etwas nicht, so tragisch und kunstvoll und faszinierend es auch währenddessen flimmert.“

Und so kann ich für mich gar keinen Lieblingssong auf dem Album deklarieren. Allein der Opener „You’re The Reason Why I’m Afraid To Die“ lässt mein Herz höher schlagen und ich kann beim Text zustimmend nicken, während mein Fuß zum Rhythmus wippt. Der Song macht in Gänze das klar, was mich tatsächlich mit einer Todesangst befällt: Nicht mehr für meine Kinder da sein zu können. Wer kennt das nicht mit Blick auf die eigenen Kinder? Sind sie doch, so klein sie noch sind, das Wichtigste, was Eltern haben. Und so wähle ich für das Album auch mal ein sehr persönliches Bild aus. Ein Halbportrait meiner ersten Tochter…

Bild mit Kind im Tragetuch
(C) Lars Kilian 2016 You’re the reason why I’m afraid to die

Leider fand ich kein „echtes“ Video zum Song, dem ich dieses Bild zuschreibe. Daher nur die Musik ohne Bewegtbild an dieser Stelle

Locust ‎– Morning Light (1998)

Bildquelle: https://img.discogs.com/Tkhh7dYmCL6O3lUmfKQ7Nmd4WRE=/fit-in/600×597/filters:strip_icc():format(jpeg):mode_rgb():quality(90)/discogs-images/R-118170-1462925304-8937.jpeg.jpg

Wiederentdeckung des Monats in meinem CD-Regal. Locusts Morning Light. Wie ein guter Wein. Im Laufe der Jahre reift das Album und wird stets besser. Oder liegt das am Hörer? Egal wie rum man es auch sehen mag – was ich Ende der 90er einfach nur „anders / interessant“ fand und deshalb kaufte, entpuppt sich als wohlig wabernder, ruhiger, in dunklen aber warmen Tönen changierender Groove. Gab es früher die Gänsehaut zum wunderbaren Titel „Jukebox Heart“, scheint sich nun Song um Song organisch in diesem Album zu fügen. Nichts ist perfekt, was es wohl gerade deshalb perfekter klingen lässt. Da tauchen aus dem Nichts scheinbar unpassende Sequenzen auf und fügen sich dann doch in diese Klanglandschaften, ein Breakbeat unterstreicht dezent einen gehauchten Gesang. Die elektronischen und akustischen Instrumente sind gleichberechtigt und selbst Vogelgezwitscher oder plätscherndes Wasser laufen mal dezent – fast ungewollt – im Hintergrund.  In der Intro steht zum vorangegangenen Album von Locust der richtige Satz, der eigentlich diesem Album gelten sollte: „Das Ergebnis sind ebenso intelligente wie urbane Soundscapes für eine Ewigkeit.“ (Quelle) Oder, wie ein Kommentar zum Lied „No One In The World“ kurz und passend bemerkt: „pure beauty!“

Und weil das Album so vielschichtig, so sanft und detailreich, geheimnisvoll und doch strahlend ist, „spendiere“ ich ihm ein Bild, welches ich dafür passend finde. Es ist eine simple Deckenlampenschale. Mit den goldenen Beschlägen und dem indirekten Licht schuf sie eine wundervolle Stimmung an dem Ort, an dem sie hing und wohl auch noch hängt.

Morning Light
Lars Kilian: Morning Light (2017) CC BY SA 3.0 DE

Und weil es so schön ist: Hier der Titel „No One In The World“

Pink Floyd – The Dark Side Of The Moon (1973)

Bildquelle: https://img.discogs.com/FJtXklEn7DmAW9y8yYixiqNwRl4=/fit-in/600×600/filters:strip_icc():format(jpeg):mode_rgb():quality(90)/discogs-images/R-431495-1405782325-6225.jpeg.jpg

Es gab Dinge, um die kam auch die DDR nicht herum, wie um das Album „The Dark Side Of The Moon“. Während mein Bruder mit dem Besitz des ersten Plattenspielers gern Musik von Modern Talking auflegte, begeisterte ich mich für Pink Floyd. Das Album kam in den 80er Jahren als Lizenzplatte auf den ostdeutschen Markt und faszinierte mich von Beginn an. Die Soundlandschaften und die Stereo-Effekte in dieser Kombination waren – und bleiben, wie sich nun herausstellt – tiefgreifend.

So oft in der Jugend gehört, konnte ich das Album gut im Kopf tragen. Denn als ich mich CDs widmete, kaufte ich mir das Album nicht nach, da es im Kopf so stark präsent war. Und wollte es auch gar nicht mehr erwerben. Bis, ja bis mir die Idee kam, dass es eventuell davon nun auch eine digital remasterte Version geben dürfte/könnte. Und na klar: Das drittmeistverkaufte Album der Welt wurde natürlich an die neuen Anlagen und Hörgewohnheiten angepasst, aber dezent – zumindest in meiner Version. Als ich es jüngst erwarb und erstmalig wieder auflegte, überkam mich die gleiche Wucht und der gleiche Zauber, wie damals in den 80ern als angehender Teenager. WOW! Was eine Wand!

Zugegeben: Es ist nicht mein Lieblingsalbum von Pink Floyd. Prägender war/ist für mich „The Wall“ und emotionaler war/ist „Wish You Were Here“. Aber dieses hier brannte sich ein wegen seiner ganz eigenen Dynamik, dem Surrealen und Collagenhaften ein, die bis heute nachhallen…

Somit eine schöne Wiederentdeckung, die ich gern teile und damit mein musikalisches Jahr 2022 eröffne 🙂

Mit dem Album verbinde ich zahllose Bilder und eins muss gewählt werden. Ich bleib naheliegend, da viele andere Bilder wohl zu subjektiv/persönlich wären. Daher an dieser Stelle mein assoziatives Bild mit der Darstellung des Mondes im Gasometer Oberhausen (immer einen Besuch wert, wenn man in der Ecke unterwegs ist).

Lars Kilian: The Dark Side Of The Moon

Das gesamte Werk kann man auf YouTube u.a. in einem Liveauftritt 1994 anhören.

Antony And The Johnsons – The Crying Light (2009)

Quelle: https://img.discogs.com/Am9OaMfvRbQ42MTa0EoYz6b6_Ec=/fit-in/600×596/filters:strip_icc():format(jpeg):mode_rgb():quality(90)/discogs-images/R-1613681-1361235220-3096.jpeg.jpg

Mit The Crying Light setzte Antony Hegarty 2009 zusammen mit den Johnsons ein weiteres musikalisches Drama der Extraklasse. Die Musiker zeigen wieder, wie unterschiedlich Moll auf Klavier, Cello, Geige und Gitarre klingen kann, gepaart mit Falsett im Walzertakt. Ein Kammerspiel melancholisch-barocker Popmusik … als Vermittler der eigenen Sprachlosigkeit, wie Fabian Soethof bei motor.de schrieb. Das geht gefühlt nur bei Antony And The Johnsons.

Das Album ist eine „Meditation über das Paradies“ (Jürgen Ziemer), der sich Antony hier zuwendet und uns daran teilhaben lässt. Er erschafft damit ein Multiversum, dass so schön wie die Natur an sich ist. Es ist nicht mehr als „ein Meisterwerk, eine andere Welt und ein Refugium für alle, die es zu schätzen wissen.“

Dem ein eigenes Bild hinzuzufügen, mag anmaßend sein. Als ich jüngst durch den Wald wanderte und Fotos in schwarz-weiß schoss, dachte ich an dieses Album. The Crying Light – es war auch hier. Licht und Struktur genügten mir beim Blick durch den Sucher… Farben waren nicht nötig. Hier ein gestitchtes Bild für das Album.

(C) Lars Kilian (2021): The Crying Light (CC BY SA 3.0 DE)

Nach den nichtssagenden Worten doch lieber das Lied „The Crying Light“ in einer Liveperformance)

Sparklehorse – Good Morning Spider (1998)

Quelle: https://img.discogs.com/WEcW6QgY3rJPg5NwGLU35eq7otA=/fit-in/595×595/filters:strip_icc():format(jpeg):mode_rgb():quality(90)/discogs-images/R-2761824-1404136506-5026.jpeg.jpg

November, Spinnenzeit. Diese kleinen Nützlinge kommen wieder in die Wohnung, arbeiten heimlich an ihren Gespinsten und zeigen, dass draußen definitiv die kalte Jahreszeit angebrochen ist. „Good Morning Spider“, das zweite Album von Sparklehorse, passt da vom Titel und auch musikalisch gut. Aufgenommen im eigenen Heim mit diversen billigen Keyboards, die laut des Musikers eine Zillion unterschiedlicher Sounds produzieren. Dazu ein Mikrofon einer alten CB-Funkstation aus den 50er Jahren. Klingt nach einem sehr kreativen Umgang mit Tönen und Gesang? Ist es auch. Dabei jedoch liegt der Fokus auf dem Ausdruck der Sache – dass, was Kunst kann und soll. Während Bands wie z.B. CocoRosie oder Senor Coconut meiner Meinung nach auch deutlich hörbar ihrem Spieltrieb frönen (und das ist gut so!), klingt Sparklehorse für mich, als wäre er auf der Suche nach dem Ausdruck seiner Gedanken, Gefühle und Befindlichkeiten. Und diese waren nicht unbedingt heiter, wie das frühe Ableben von Mark Linkous leider belegt, aber durchaus kraftvoll und fragil zugleich, wenn ich mich nicht verhöre. Man hört den Kampf mit sich und der Welt: introvertiert und ruhig auf der einen Seite, experimentell und explosiv auf der Anderen. 

Herausragend für mich ist das Stück „Chaos Of The Galaxy / Happy Man“, das diese Vielfalt in sich trägt. Sounds, kommend und gehend, wie bei der Suche nach einem Sender bei einem analogen Autoradio. Dazu Knarzgeräusche, Fiepen, Blubbern. Und irgendwann, ja irgendwann kommt auch der Titel richtig rein, mit Bass und Mitten. Und da hört man Sparklehorse wiederholt singen: „All I wannt is to be a happy man“. Schade, dass Mark Linkous das wohl nicht mehr geschafft hat. R.I.P.

Meine Bildassoziation zum November, zum Album, zu „Happy Man“ Mark Linkous ist ein Foto aus Abano Terme. Ein Graffiti, das ich schon vor Jahren sah. Damals noch frisch gesprayt fand ich es schon ansprechend. Nun aber gewinnt es durch die Zeit, da sich die Maserung des Holzes wieder zeigt und dem Ganzen zum einen Leben, zum anderen aber Vergänglichkeit einhaucht. Das passt, wie ich finde, gut zum eigentlichen Motiv des Bildes – und zum hier in Erinnerung gerufenen Album.

(C) Lars Kilian: Happy Man (2021, CC BY SA 3.0 DE)

Ein Video zu Happy Man…

(m)eine digitale Sammelmappe