Vladislav Delay – Anima (2001)

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„Gibt es in Finnland eigentlich Gletscher? Finnlands Vladislav Delay jedenfalls dekliniert weiter haufenweise Genres elektronischer Musik durch und ist jetzt bei Gletscher-Ambient angekommen. “Anima” ist ein großes Eisfeld, das sich vor einem auftürmt: eine Stunde, ein Track, eine Aussage, eine Interpretation von Klangfeldern als Raumgestaltung, tiefgründig wie sedierend zugleich. Die ersten Schollen treiben schon nach wenigen Metern im Wasser, in der Ferne sieht man den Gipfel in der kalten Sonne glitzern. Zwar spürt man auch auf “Anima” noch bekannte Genres und Produktionsästhetiken – diese scheinen jedoch wie von einer Eisschicht überzogen.

Statische Klangbrocken, die langsam ins Wasser bröckeln, knirschender Schnee, Metallklang in klarer Luft. Zwischendurch kommt mal ein wenig pulsierende Bewegung und überbordende Hektik in die erstarrte Landschaft – doch nur kurz. Dann spürt man durch die Eisschicht einen einbalsamierten Rhythmus, und mächtige Eisberge kalben ins Wasser. Sonst aber bleibt alles erhaben, ruhig, ewig gefroren. Dabei drückt der Mann sich per Alben zur Zeit in einem Tempo aus, dass man später vielleicht mal von der “Delay-Phase” in elektronischer Musik sprechen wird und dabei nicht den Effekt meint. Denn ewig kann er seinen Output in dieser Masse und Qualität nicht durchhalten. Muss er auch gar nicht, denn wie Markus vom Staubgold-Label berichtet, habe der zwar stille, aber ausgesprochen nette Mann lange an seinen Skizzen und Ansätzen gearbeitet, bevor er seine jetzige Veröffentlichtungsreihe von der Festplatte auf Tonträger brannte. Delay arbeitet zur Zeit also vor allem Konzepte aus. Hier hat er eine Balance gefunden zwischen kaltem Eis und einzelnen Sonnenstrahlen, zwischen gefrorenen Clicks und verwehenden Dubspuren. Und trotzdem wärmt es.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23027324/vladislav_delay_anima)

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