The Wedding Present – Take Fountain (2005)

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Understatement

Daß es The Wedding Present wieder gibt, dürfte all denen ein freudiges Lächeln ins Gesicht zaubern, die die frühe Britpop-Blüte der späten Achtziger miterleben durften. Oder das umwerfende „Seamonsters“, dem Indiegott Steve Albini 1991 zur Unsterblichkeit verhalf. Oder mindestens die zielsichere Singles-Reihe von 1992, als jeden Monat eine neue Weddoes-7″ die Charts knackte. Was waren das damals für Ohrwürmer! „Kennedy“. „My favourite dress“. „Brassneck“. „Dalliance“. „Cattle and cane“. „Montreal“. Indie-Geschrammel vom Feinsten. Für die Nachgeborenen: Stellt Euch einfach vor, The Coral würden zusammen mit Interpol die Strokes covern.

Nun ist natürlich nicht alles, was hinkt, ein Vergleich, aber ein wenig Euphorie darf schon sein, wenn David Gedge und seine Mannen wieder die Gitarren sprechen lassen. Auch wenn auf „Take fountain“ wenig von dem Sturm und Drang der C-86 zu spüren ist. Gut abgehangen. Atmosphärisch tiefgründig. Beseelt melancholisch. Transparent und perlend. So klingen The Wedding Present 2005.

Schon das eindringliche Epos „Interstate 5“ weiß gleich zu Beginn zu begeistern. Aus dunkel schepperndem Moll entwickelt sich eine hypnotische Hymne. Und das ständige Crescendo gipfelt auf einem unerwarteten Plateau von Streichern, Surfgitarren und erhebenden Chorgesängen. Dann wuchert das gar nicht ruhige „Always the quiet one“ mit trockenen Harmonien, und die famose Single „I’m from further north than you“ lehnt sich im Wissen ihrer Stärken zurück. Ein grandioser Einstieg. Wenig später legt „Don’t touch that dial (Pacific northwest version)“ noch ein paar Pfund bittersüße Wucht nach. Wie da die Gitarren singen. Ach!

„Take fountain“ malt seine Bilder in angenehm herbstlichen Farben. Zwischenzeitlich gibt man sich gar erstaunt darüber, wie sehr Gedge mittlerweile wie der große Bruder von Chris Martin klingt. Das edle Pathos und die sanfte Resignation, die sich zwischen geschrubbten Gitarren und gedämpftem Druck entfalten, kennen die große Geste, deuten diese aber nur an. Statt mit melodischen Zaunpfählen zu winken, feilen The Wedding Present lieber an liebenswertem Lärm. Und auch wenn zwischendurch die eine oder andere Länge den ganz großen Genuß doch noch ein wenig schmälert, sollte man Gedge ein dickes Kompliment aussprechen: Das fluffige Projekt Cinerama einzumotten und wieder mit den Weddoes zu lärmen, war eine ganz vortreffliche Idee. (Oliver Ding)“ (http://www.plattentests.de/rezi.php?show=2773)

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