Schlagwort-Archive: Warp

Seefeel – Succor (1995/2010)

Reinhören
Da hab ich mal wieder was im CD-Regel ausgegraben. Hassliebe würde ich es nicht nennen, zu hart. Aber, wenn ich die CD mal wieder „ziehe“, weiß ich nicht, ob ich mich darüber ärgern werde, wenn ich sie gleich auflege und warum ich sie überhaupt noch besitze. Und dann läuft sie …und läuft. Succor ist wie ein Traum. Kein Böser. Und auch kein Guter. Aber einer, der immer wieder mal kommt. Und geht. Vergessen wird, bis er wieder da ist. Seefeel arbeiten mit Strukturen, Soundfetzen, winzigen Melodien, die sich nie zu einem „Großem und Gesamten“ verdichten wollen oder können, aber sich auch nie richtig voneinander lösen. Es wirkt fragmentiert und dicht. Sascha Köch (Spex) schrieb einst passend zu Seefeel „Seefeel waren ja schon immer groß darin, auf einem Gitarrenriff, nennen wir die Dinge mal beim Namen, herumzureiten, bis es sich auflöst und der Wahrnehmung nur noch seine immer wieder Andersartigkeit überlässt.“ Und weiter heißt es: Wer zu dieser Schallplatte geboren wird, muß sich spontan denken, die Welt sei schon in Ordnung. Bißchen rauh vielleicht, aber O.K. (…) Genaugenommen ist das die beste Seefeel-Veröffentlichung, auch wenn man sich damit etwas schwerer tut. Es ist die intensivste. Eine Spieluhr, die Jahrtausende später durch die veränderte Dichte der Atmosphäre wieder zu ticken beginnt, um einen daran zu erinnern, wie behaglich die Tage waren, als man Herzklappenfehler noch für schick halten konnte… “

Recht hat er, der Herr Köch. Und so träume ich die Musik oder sie mich, hole sie anschließend aus dem Player raus und vergesse schon, wie der Traum war, kurz nach dem Erwachen.

Seefeel bei Wikipedia

Das Album bei Warp-Records

 

Tortoise – Standards (2001)

Reinhören
Das ist ein Aufstieg: Sieben Jahre und drei Alben nach dem ersten Auftritt in der Musiklandschaft schaffen es Tortoise, das Warp-Label zu entern. Damit fand eine der interessanten Post-Rock-Bands von Amerika den Weg zur britischen Avantgarde-Schmiede elektronischer Musik. Dabei konnte diese Liaison fast schon vorausgesehen werden: beide Parteien sind äußerst innovativ, was den musikalischen Anspruch und Output angeht, Tortoise interessierten sich immer mehr für elektronisches Gefrickel und Warp für handgemachte Musik.

Standards geht wieder stärker in den listening Bereich und lädt dazu ein, auf dem Sofa bei gut austarierter Anlage oder ordentlichen Kopfhörern das Kopfkino zu starten. Dabei schichten sie Sound auf Sound und drohen fast, im eigenen musikalischen Gewirr die Fäden zu verlieren, um dann doch letztendlich immer wieder die kleinen & feinen Melodien und Rhythmen herauszufiltern, die einen Aha- oder öfters noch Oho-Effekt beim Zuhören hervorrufen können. Tolles Album, wenn man sich darauf einlassen kann.