Schlagwort-Archive: Trip Hop

Tricky – Blowback (2001)

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„Nach seinem letzten Album „Juxtapose“ war Tricky für eine Weile von der Bildfläche verschwunden. Nach langer und dann doch überwundener Krankheit meldet sich der Meister mit dem, wie er selber sagt, eher am Mainstream orientierten „Blowback“ zurück, ohne aber seinen Style zwischen Hip Hop, Soul, Ragga und Dancehall zu vernachlässigen. Nach den düsteren Scheiben mit „Fuck you“-Message sollte nun ein fröhlicheres Album folgen.

Die Features des Albums sind nicht ohne: Cyndi Lauper, die 80er Pop Lady, zwei Arbeiten mit den Red Hot Chili Peppers, der Jamaicaner Hawkman, mit dem sich Tricky in seiner Wahlheimat NYC die Zeit vertreibt, Ambersunshower, die mit der Hip Hop-Combo Groove Garden bekannt geworden ist und sich nun dem Soul gewidmet hat, Ed Kowalczyk von der Gruppe Live und Alanis Morissette haben an Trickys neuer Scheibe mitgewirkt und zu ihrer Vielseitigkeit beigetragen.

Bei einem Album, das nur Hammerstücke enthält, fällt es schwer, die besten oder wichtigsten heraus zu greifen. Der Megahammer des Albums aber ist „Over Me“ mit Hawkman und Ambersunshower. Düster wabbernde Flächen, die sich von links nach rechts schleichen. Schnelle tiefe Raggamuffins von Hawkman und zuckersüße Soulvocals von Amber. Erinnert ein wenig an die guten alten Tricky-Stücke, wirkt aber schon wesentlich freundlicher. Die beiden Stücke mit den Peppers glänzen mit viel Funk, Gitarrenriffs und den Raps von Tricky. Killer.

„Wonder Woman“ hört sich erst wie ein altes Peppers-Stück vom Anfang der 90er an, bekommt dann durch Trickys Kratzstimme einen düsteren Touch. In „You Don’t Wanna“ verwendet der Meister ein schönes Sample von „Sweet Dreams“ des Eurythmics-Duos. Der Soundfetzen läuft bei Tricky überaus langsam, was die Melodie noch melancholischer macht. Über die grandiose Melodie lässt er wieder Amber singen. Ein ‚echtes‘ Cover ist dagegen Trickys Version des Nivana-Hits „Something In The Way“ vom „Nevermind“-Album. Hawkman ist auch bei diesem Stück dabei, aber diesmal nicht mit Raggamuffins. Er singt ganz konventionell. Der verstorbene Kurt Cobain wäre stolz auf diesen Megaburner gewesen, der eine richtig düstere Stimmung gut rüber bringt.

Alles in allem hat das Album gewaltiges Potential. Und es wird – wie alle Tricky-Alben – Maßstäbe in der Verbindung von elektronischer mit live gespielter Musik setzen.“

Flanger – Outer Space/Inner Space (2001)

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„For this third album, Flanger and Atom™ draw as much from their electronic past as from their mutual love of avant-garde jazz forms. If, like its predecessors, Templates and Midnight Sound, Outer Space/Inner Space relies on artificial sounds and effect, this time round, the duo also got on board live musicians, recruited all over the world, to enhance their compositions and explore new grounds. Tracks were programmed by Friedman and Atom™, with space for other instrumentists to insert some extra elements and give a different twist to the album. Outer Space/Inner Space is a record inhabited by the spirit of free jazz, and the electronic distortions don’t alter in any way the volatile character of the genre. The album opens with a morphing synthesized voice layered over a breackbeat/bip-bop inspired beat, before the title track really kicks in, in a deluge of vibraphones, syncopated pianos and saxophones. This constant shift between atmosphere progressively blurs the definite lines between electronic and organic, to create a challenging soundscape. Percussions are fierce, bass line groovy, rhythm patterns constantly changing, and treatments applied with respect of the musical canvas collected. The eight tracks included on Outer Space/Inner Space explore a variety of grooves, from the Latin inspired Unosietecero to the dirty funk of Inner Spacesuite and the effervescent, almost Squarepusher-esque The Men Who Fell From Earth, but the duo always manage to keep perfectly on track, never letting their guard down once, and bringing together some magnificent moments of flamboyant beauty.
With this step towards live music, Flanger open a whole new horizon and create some intricate soundscapes, while retaining an incredibly human feel. Outer Space/Inner Space is innovative, clever and fresh.“ (http://www.themilkfactory.co.uk/music/flanger.htm)

Bernd Friedman bei Wikipedia

Archive – You Look All Same To Me (2002)

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„Wo kommt denn plötzlich diese Wolke her? Da schwebt doch so mir nichts, dir nichts ein seltsames Gewaber heran, verheißt zunächst weiche Folkweisen und vibriert dann zu warmen Hammondorgeln. „Could I laugh again?“, fragt eine desillusionierte Stimme. Plötzlich kippt der Wohlklang im rechten Winkel um und beamt sich mitten in die Schwerelosigkeit. Ein sanftes Prickeln fährt die Wirbelsäule herab, als man bemerkt, wie jegliches Gefühl von Schwere abfällt. Die Nackenhaare stellen sich auf und wiegen sanft zu den betörenden Melodiebögen von Craig Walker hin und her, während dieser uns auf die dunkle Seite des Mondes geleitet.

Ja, beim Eröffnungsstück von Archives „You all look the same to me“ muß man schon taub sein, um nicht an Pink Floyd zu denken. Doch wenn ein sechzehnminütiges Statement wie „Again“ trotz aller Tüftelei so überzeugend auch die hinterste Ecke der Breitwand ausfüllt, stellt man schnell fest, daß es nicht um plattes Nachzeichnen geht. Songs wie „Numb“ oder „Meon“ sind ihre ganz eigene Blaupausen. Vom TripHop kommend haben die drei Briten ihrem Sound auf dem steinigen Weg zum dritten Album zu einer unglaublichen Evolution verholfen. Statt schlurfender Rhythmen steht nun die Atmosphäre absolut im Vordergrund. Und man braucht ein verdammt großes Lungenvolumen, um das alles einatmen zu können.

Jedes Detail wirkt bis in mikroskopische Verästelungen hinein ausgefeilt, ohne dabei für Kopfschmerzen zu sorgen. Viel zu organisch wirken die Mini-Epen, die sich mal um sanfte Gitarrenklänge schachteln und mal die Steckdose zum Singen bringen. Glasklare Klänge und präzise beschriebene Gefühlswelten gehen Hand in Hand. Das ausladende „Finding it so hard“ verkörpert industrielle Depression. Störrisch wummert, zuckt und knistert es vor sich hin, während Walker innerlich verbrennt. Seine unglaublich wandlungsfähige Stimme schmiegt sich an verträumte Streicheleinheiten wie „Goodbye“ genauso an, wie sie im resignierten „Fool“ langsam zerbröckelt oder in der Eiseskälte von „Numb“ Psychosen Gestalt annehmen läßt.

Zu den beklemmenden Momenten gesellt sich jedoch immer wieder ein leuchtender Funke voller Hoffnung. Die sägenden Zerrgitarren und drängelnden Baßläufe treffen auf weiche Elektronik, während Trompeten und Streicher über die ausgebreitete Leinwand streicheln. Entkörperte Rhythmen und sphärische Klangexkursionen sorgen für reichlich Kopfkino. Ein Rädchen greift ins nächste und läßt die beseelten Hymnen immer höher steigen, bis sie als Sternschnuppen über den Himmel regnen. Und jeder hat einen Wunsch frei. (Oliver Ding)“ (http://www.plattentests.de/rezi.php?show=1005)

Massive Attack V Mad Professor – No Protection (1995)

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„In fast jeder Familie findet sich bekanntlich ein schwarzes Schaf. Würde man das auf Massive Attack beziehen, könnte man bei oberflächlicher Betrachtung meinen, die Alben „Blue Lines“, „Protection“ und „Mezzanine“ seien bestens gelungene Wunschkinder, das Remixalbum „No Protection“ hingegen ein außerehelicher Ausrutscher, bei dem ein Londoner Reggaeproduzent namens Mad Professor seine Finger oder was auch immer im Spiel hatte.

Dieser Vergleich ist keineswegs übertrieben, denn während die 3 offiziellen Massive Attack- Alben in den einschlägigen Medien unentwegt als Referenzplatten ihres Genres zitiert wurden, fand „No Protection“ in der Musikpresse relativ wenig Niederschlag und so konnte es im Prä-Internet- dominerten Zeitalter schon mal vorkommen, dass nicht einmal Massive Attack- Fans hierzulande von der Existenz dieser Platte ahnten.

Der Mad Professor, auf dessen Studiokünste bereits schon die Beastie Boys oder Jamiroquai vertrauten, ging mit ähnlicher Raffinesse wie die legendären jamaikanischen Dub – Produzentenlegenden King Tubby oder Lee „Scratch“ Perry ans Werk und formte aus Massive Attacks meisterhafter Vorlage eine überaus effektvolle massive Soundattacke, die den Hörer regelrecht in der Echokammer gefangen nimmt.

Der Opener „Radiation Ruling The Nation“, die Bearbeitung von „Protection“ gibt die Richtung vor: So manche Soundidee, die man bei der Originalversion eher am Rande und erst bei mehrmaligen Hören bemerkt, rückt nunmehr in den Mittelpunkt, gleichzeit werden die für das Original charakteristischen Gitarrensamples herausgefiltert, die Gaststimme von Everything But The Girl-Hälfte Tracey Thorns hingegen auf ein Minimum reduziert, der Bass bewegt sich fast schon in gesundheitsschädlichen Tiefen, dazwischen werden immer wieder diverse typische Dub-Percussionelemente, dosiert in Maschinengewehrsalven, in den Song eingestreut.

Diese Form der Re-Interpretation wendet der Mad Professor bei den übrigen 7 Tracks an, wobei das atmosphärische „Eternal Feedback“ („Sly“) und das großteils auf Sounds wie schweren Atemgeräuschen basierende „Backward Sucking“ („Heat Miser“) die herausragendsten Titel sind. Einzig bei „Bumper Ball Dub“, im Grunde „nur“ eine Instrumentalversion von „Karmacoma“, hat er einen Gang zurückgeschaltet hat, was aber darauf zurückzuführen sein dürfte, dass man das Original groovemäßiger eigentlich nicht mehr verbessern kann.“ (http://www.musicchannel.cc/index.php?page=http://www.musicchannel.cc/music_stories/1/801038)

Lamb – Lamb (1997)

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„Es ist das hinterste, dunkelste, gleichsam am undurchdringlichsten mit Spinnweben verhangene Eckchen auf der Festplatte, in dem sich die Songs von Louise Rhodes und Andy Barlow eingenistet haben. Dort dräuen, einem virtuellen Kammerorchester gleich, die melancholischsten Klänge seit der Metamorphose des Dorian Gray. Zu Sound zerronnener Absinth tropft — verführerisch in seiner süchtig machenden Wirkung — von den zerklüfteten Tropfsteinen einer Tonlandschaft, über der wabernder Bodennebel hängt. Wenn das Leben im Lamb-Land eine Sage wäre, dann könnte man die Pole dieser Musik ganz radikal einteilen: Lou, die stets den gewissen Schlafzimmerblick in ihrer romantischen Stimme trägt, als eine ganz und gar dem Popsong ergebene Sängerin. Andy dagegen als hippes, danceorientiertes Clubkid, für den Tracks unter 20 Minuten Spieldauer nicht der Rede wert sind. Doch so leicht ist das Leben nicht. Es besteht vielmehr aus Kämpfen um Richtungen, aus Kerzen in verdunkelten Home-Studios, mit deren Hilfe Leben in computeresk zerklüftete Breakbeats gehaucht werden soll. Was zunächst aussichtslos erschien, gelingt: Lamb zaubern eine kammermusikalische Version der Clubgrooves auf ihr Debüt, vereinen Jungle-Rhythmen mit gezupften Kontrabässen, Sub-Sounds mit Streichquartetten und landeten mit „Cotton Wool“ einen Hit. –Björn Döring“  (http://www.amazon.de/Lamb/dp/B000001EOS)

Mehr Infos zur Gruppe bei Wikipedia und Laut.de

Massive Attack – Mezzanine (1998)

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„Das Cover bringt es auf den Punkt: Mezzanine ist ein dunkles, metallisch- pulsierendes, sich langsam nach vorne schleppendes Monster.
Langsamkeit wurde bei Massive schon immer zelebriert, Mezzanine ist im Vergleich zu seinen Vorgängern aber weitaus negativer, entrückter, teilweise reduzierter. Gitarren fügen sich als neues Stilelement atemberaubend in das Gesamtkonzept ein und waren vor allem live unglaublich mitreißend.
Neben Horace Andy hatten Massive mit Elizabeth Fraser wieder eine perfekte Stimme zur Vermittlung ihrer musikalischen Vision gefunden, ihre ätherisch- elegische Vokalakrobatik kontrastiert die entfremdeten Elektro-Beats perfekt und sorgt für intensive Gänsehautatmosphäre.
Diese konsequente Suche nach neuen Ausdrucksmitteln, nach Weiterentwicklung ist wohl auch der Grund, weshalb Massive im Gegensatz zu z. B. Portishead (…) und Tricky (…) die wohl letzten musikalisch relevanten Überlebenden eines Mitte der Neunziger als Trip Hop gebranntmarkten Stils sind, doch wohin soll die Reise das nächste Mal gehen?
Ich kann es mir nicht vorstellen.
Massive haben mit Blue Lines hin zu Mezzanine eine geniale musikalische Entwicklung durchlaufen, doch genau diese steht im Downbeat- Bereich seit Jahren still. Es scheint schwierig bis unmöglich, noch einmal neue Akzente zu setzen…“ (http://www.amazon.de/review/R116XI3UZP14V9/ref=cm_cr_rdp_perm)

Hier noch das Video „Teardrop“ aus dem Album

Massive Attack – Protection (1994)

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„Allerfeinster TripHop, gewürzt mit einer ordentlichen Portion Soul. Eine massive Attacke auf all die beliebige Chartmusik, oft kopiert, nie erreicht. Das Album braucht etwas Zeit bis es sich erschließt, aber danach geht es umso tiefer unter die Haut. Und dürfte eine Band mehr als ein Album in die Top-44 einbringen, auch das Vorgängeralbum „Blue Lines“ hätte seinen Platz hier redlich verdient.“ (Quelle: http://clever-music.com/content/view/95/45/1/32/)

Sehenswert ist auch das preisgekrönte un-cut Musikvideo zum Song „Protection“ von Michael Gondrey, in welchem die Geschichte eines Hochhauses, oder besser der darin lebenden Menschen, erzählt wird. Fragte mich mehr als einmal, wie man so ein Video dreht, ohne Schnitt. Geniale Idee!

Webseite von Massive Attack

Wikipedia liefert auch en paar Informationen

Starportrait, Diskografie uvm. bei laut.de

Kruder Dorfmeister – The K&D Sessions (1998)


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„Die hervorragende “DJ Kicks“-Ausgabe vervielfachte 1996 in der weit reichenden Verehrerschar das ungeduldige Warten auf ein erstes Album der beiden Soundtüftler aus Wien. Peter Kruder und Richard Dorfmeister liessen die Fans warten (auch heute noch), legten aber mit “The K&D Sessions“ einen essentiellen Mix vor, der im Grunde gar nicht so weit von dem entfernt ist, was man sich unter einem regulären Album vorstellt. Durch ihre auffallende Ästhetik und das sehr stimmungsvolle Konzept, welches ganz nahe der Vollendung ist, stellen die “Sessions“ ein Glanzlicht in der “jüngeren“ Geschichte der elektronischen Musik dar. Nicht einfach, da die richtigen Worte für das gebührende Lob zu finden – diese brillante Zusammenstellung scheint eine Vitrine zu sein, in der nur die schönsten Perlen und Juwele ausgestellt werden. Bei den in dieser stilvollen Werkschau präsentierten Schmuckstücken handelt es sich hauptsächlich um Remixarbeiten, welche die ohnehin gelungenen Originale in qualitativer Hinsicht oft sogar noch übertreffen. Die Stücke auf der gelungeneren ersten der zwei randvollen CDs sind etwas schwungvoller und temporeicher gehalten als jene auf der zweiten CD, die mit Slow-Motion-Beats und viel atmosphärischem Ambient ausgereiften Chill-Out-Wohlklang bieten. All diesen Stücken haben die beiden Österreicher ihren prägnanten Stempel aufgedrückt und sie somit in eigene Stücke verwandelt. Ganz wundervoll klingen vor allem der geniale Mix von Depeche Modes “Useless“, der düstere und absolut lässige Elektrodub “Going Under“ von Rockers Hi-Fi oder  “Trans Fatty Acid“ von Lamb, welches Kruder und Dorfmeister im melancholischen Nu-Jazz-Gewand nach wienerischer Art präsentieren. …Im Gegensatz zur eingangs erwähnten “DJ-Kicks“ klingt dieses Meisterstück auch heute noch überhaupt nicht angestaubt und bereitet immer wieder ein Hörvergnügen, in dessen Genuss jeder halbwegs musikinteressierte Mensch kommen sollte.“ (http://www.exitmusic.ch/rezensionen/aeltere_schmuckstuecke/kruder_und_dorfmeister_the_k_d_sessions.html)

Artistenportrait bei laut.de

Nearly God – Nearly God (1996)


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„Zuerst machte er mit Massive Attack Furore, dann wurde er unter dem Pseudonym Tricky zum Trip-Hop-Guru. Jetzt nennt sich der Brite Adran Thaws selbstironisch Nearly God (beinahe Gott). Dank dieser Reise in die Groove-Gruft ist er der Dancefloor-Konkurrenz wieder mal voraus. Mit in den Gulli stiegen Hip-Hop-Queen Neneh Cherry, Eis-Fratz Björk und Ex-Specials-Sänger Terry Hall. Einige der Collagen wirken wie dämonische Demos, andere locken mit aufreizender Sinnlichkeit. Eine Verführung der unheimlichen Art!“ (Quelle: http://www.amazon.de/Nearly-God-Tricky/dp/B0000072HV/ref=pd_bbs_sr_1/028-0730598-4948530?ie=UTF8&s=music&qid=1193565655&sr=8-1)