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Kombinat 100 – Wege Übers Land (2007)

Bildquelle: http://www.music-head.de/images/product_images/info_images/ACKER04?12

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Bei dem Album stimmt alles. Vom Titel des Werks und den dazu gehörigen Liedtiteln, über den Namen des Labels, dem Cover, einer in Halbschatten getauchten Landschaft, bis zur letztendlich wichtigen Musik. Erinnert mich der Name Kombinat 100 an Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften aus vergangenen Tagen (Kurz „LPG“), so wird der Eindruck verstärkt, wenn man feststellt, dass das Album bei Acker Records veröffentlicht wurde. Bereit im ersten Lied „Flieg kleine Taube, Flieg!“ wird deutlich, wie der Landwirt im 21. Jahrhundert steppt. Heitere Grooves und ein lockerer 4/4 Takt, getragen von entspannten und fluffigen Melodien leiten das Werk im Houserhythmus ein. Da Monokultur nicht nur in der nachhaltigen Landwirtschaft verpönt ist, erlaubt sich auch Kombinat 100, schon bald die rein elektronischen Spielzeuge um gute, bewährte aber fast vergessene Instrumente zu erweitern. So gesellen sich alsbald Mundharmonika oder Accordion, Conga und Hammond Orgel dazu, die zeigen, welcher Spaß nach Feierabend auf dem Land herrscht. Dass sich dann auch eine Art russisch klingender Männerchorgesang zum Ende des Albums ein Stelldichein gibt und den flotten Takt energetisch unterstützt, ist angenehm überraschend, rundet aber das Gesamtbild dieser Platte angenehm ab. Mit diesem Werk zeigen die vier Herren aus Mecklenburg, dass es auch auf dem platten Land munter zugehen kann und in manch verfallenen Stall  mehr Leben und Elan zu finden ist, als in den Schluchten der Großstadt. Ideal für das große Open Air am See!

Dub Taylor – Experience (2003)

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Der Name ist Programm: Dub! Und diesen mixt sich Alex Kruger mit Minimal Sounds, klar definiertem Bass und leichten, hier und da eingestreuten, Gesangsarrangementens zurecht. Eine einfache Rezeptur, die aber aufgeht. Klar definiert, wenig Schnick und Schnack, ist diese Musik für diejenigen gedacht, die einfach zappeln wollen. Dub Taylor schafft es dabei, Sounds zu konstruieren, die zwar einfach klingen, aber nicht trival/banal sind. Sie erinnern mich irgendwie an gutes Design, an Bauhaus. Form folgt Funktion. Eine klare Linie, gute Materialien und dennoch auch die Freude des Nutzers nicht aus dem Auge verlieren. Damit wird die Musik nicht nervig und stets gern wieder in den CD-Player geschoben.

Readymade FC – Babilonia (2005)

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Da tummelt sich schon lang was in meinem CD Regal, was vorgestellt werden möchte, obwohl es eigentlich bekannt sein sollte. Readymade Macher Jean-Phillipe Verdin versammelt auf seinem Album Babilonia nicht nur wunderbare Sounds, die aus den Reichen von CocoRosie, Bodi Bill, Gregor Samsa und Geistesverwandten stammen könnten. Er schafft es auch, einige Größen der Szene ins Studio zu holen. So überraschen die Auftritte von David Sylvian, Yael  oder Feist, passen gleichsam wunderbar in die poetische Welt, die Readymade FC aufbaut. Verdin entführt den Hörenden in Traumwelten voller Fabel-, Fantasie- und Märchenwesen, die Musik möchte nur Harmonie, ohne dabei einfach dahin zu plätschern… Und wenn sie verstummt, hinterlässt sie eine Leere, ohne dass man weiß, was vorher diese Leere gefüllt hat.

Als ein Beleg der komplexen Genialität, die Readymade im Einfachen findet, soll das nachfolgende Video herhalten 🙂

Electronic Eye – Closed Circuit (1994)

Closed Circuit bei Amazon

Schon wieder was fast schon altertümliches, wobei erst 10 Jahre alt. Aber für die Welt elektronischer Klänge reicht diese Zeit oft, um die Musik in die Welt des Vergessens entschwinden zu lassen. Electronic Eye, eines der vielen Sideprojekte des legendärend Richard H. Kirk, hat sich jedoch von vornherein eine Welt eingerichtet, die auch ohne Zeit auszukommen scheint. In dieser Welt erfreut man sich der Soundtüftelei und inspiriert sich Abends am verpixelten, digitalen Lagerfeuer bei den Mitbewohnern der Welt wie Autechre, The Future Sound Of London, Boards Of Canada.
Electronic Eye suchen den digitalen Konsens von Tribal & Funk und klingen wie die elektronische Ausgabe der Ritualmusik eines verschollen geglaubten Buschvolkes. Mystisch, warm, tragend und bei Daueranwendung sicher Trance auslösend. Großartig für alle Lebenslagen und in allen Lautstärken!

Homepage von Richard H. Kirk

Seefeel – Succor (1995/2010)

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Da hab ich mal wieder was im CD-Regel ausgegraben. Hassliebe würde ich es nicht nennen, zu hart. Aber, wenn ich die CD mal wieder „ziehe“, weiß ich nicht, ob ich mich darüber ärgern werde, wenn ich sie gleich auflege und warum ich sie überhaupt noch besitze. Und dann läuft sie …und läuft. Succor ist wie ein Traum. Kein Böser. Und auch kein Guter. Aber einer, der immer wieder mal kommt. Und geht. Vergessen wird, bis er wieder da ist. Seefeel arbeiten mit Strukturen, Soundfetzen, winzigen Melodien, die sich nie zu einem „Großem und Gesamten“ verdichten wollen oder können, aber sich auch nie richtig voneinander lösen. Es wirkt fragmentiert und dicht. Sascha Köch (Spex) schrieb einst passend zu Seefeel „Seefeel waren ja schon immer groß darin, auf einem Gitarrenriff, nennen wir die Dinge mal beim Namen, herumzureiten, bis es sich auflöst und der Wahrnehmung nur noch seine immer wieder Andersartigkeit überlässt.“ Und weiter heißt es: Wer zu dieser Schallplatte geboren wird, muß sich spontan denken, die Welt sei schon in Ordnung. Bißchen rauh vielleicht, aber O.K. (…) Genaugenommen ist das die beste Seefeel-Veröffentlichung, auch wenn man sich damit etwas schwerer tut. Es ist die intensivste. Eine Spieluhr, die Jahrtausende später durch die veränderte Dichte der Atmosphäre wieder zu ticken beginnt, um einen daran zu erinnern, wie behaglich die Tage waren, als man Herzklappenfehler noch für schick halten konnte… “

Recht hat er, der Herr Köch. Und so träume ich die Musik oder sie mich, hole sie anschließend aus dem Player raus und vergesse schon, wie der Traum war, kurz nach dem Erwachen.

Seefeel bei Wikipedia

Das Album bei Warp-Records

 

Monolake – Cinemascope (2001)

Dass Wissenschaft, Kreativität und Ästhetik zusammen gehören, zeigt Robert Henke immer wieder auf seinen Veröffentlichungen unter dem Pseudonym Monolake. Henke, der als Professor an der Universität der Künste in Berlin tätig ist, zeigte bereits Ende der 90er Jahre des letzten Jahrtausends, wie Minimalelectro und Ambient zu definieren sind. Aus den kühlen Sounds webt er wohlig warme Klangdecken, die den Zuhörer einwickeln und in Wärme sinken lassen. Beim Zuhören gibt es enorm viel und stets Neues zu Entdecken. So passt der Titel des Albums, assoziiert er doch Kopfkino in bester Manier. Im Gegensatz zu den Vorgängeralben scheint Cinemascope leichter zu sein, zu pulsieren, fast zu schweben. „…man hat das Gefühl, dass Cinemascope eher ein weiches Licht auf Monolake wirft, eins, das die Landschaften nicht mehr durch die Leere zeichnet, nicht durch Weite, sondern durch Stille eines ruhigeren Blicks. Eine fast schüchterne Platte, der jegliche Deklamation abgeht“ (http://de-bug.de/reviews/13327.html).

Biografie von Monolake bei laut.de

Underworld – Beaucoup Fish (1999)

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Das fünfte Album von Underworld – und ein weiterer Versuch, sich dem Born-Slippy Fluch (oder war es doch ein Segen?) zu entziehen, ohne die eigenen Stärken aus den Augen zu verlieren. Und so arbeiten Karl Hydes Gesang und Darren Emerson & Rick Smith elektronisch motivierte Soundstrukturen mal synchron, mal asynchron, aber immer schön Hand in Hand um Epik mit Rave zu vereinen. Herausgekommen ist eine sehr treibende Platte, die viele Akzente setzt und sowohl auf der Autobahn oder beim Joggen funktioniert, als auch für den Club den richtigen Nährstoff liefert. Insgesamt ein Album, dem der Satz „Daran hab ich mich überhört“ gar nicht gut steht. Im Spiegel Online stand passenderweise: „Keine extravaganten Samples, kein Schnickschnack und erst recht keine Big Beats. Dieser puristische Ansatz macht das Album modern und zeitlos zugleich. „Beaucoup Fish“ ist ein Klassiker: 74 Minuten lang jagen Wörter Beats und Beats Wörter. Es könnte ruhig noch länger dauern – wenn nicht sogar ewig.“ (http://www.spiegel.de/kultur/musik/cd-kritik-underworld-beaucoup-fish-a-18919.html)

Kenny Larkin – Metaphor (1995/2006)

Ein farbiges Gesicht hinter Stahl, ein passendes Motiv zum Album von Kenny Larkin. Er schuf mit dem Album ein Detroit Techno Juwel, welches seinesgleichen sucht(e). Eröffnend mit einem sehr ruhigen, vor sich hin blubbernden Introtrack von guten sechs Minuten Länge wird das Werk aufgebaut und zeigt beim zweiten Titel, wohin die Reise geht. In „Nirosta“-Stahl gegossene Emotionen, die in klarster Manier durch die Boxen wummern und jedem Song eine eigene Note geben ohne das Große aus den Augen zu verlieren. Unwillkürlich fängt man an, mit den Kopf zu nicken. Und auch wenn dieses Album wohl für die Tanzfläche gemacht worden ist, funktioniert es wunderbar auch im Wohnzimmer. Und es ist immer wieder eine Freude und Überraschung, wenn dieses Album im CD Player landet…

Kenny Larkin – Soul Man von djgluchy

Autechre – Incunabula (1993)

Hörprobe
Welche 10 Platten würde ich mit auf eine einsame Insel nehmen? Hm, schwere Frage, aber Incunabula von Autechre kämen in die ganz enge Wahl. Schließlich ist es dieses Album, von dem ich wusste, dass es als erstes gehört werden würde, wenn ich mich mir mal eine Surround-Anlage anschaffe (Das geschah dann auch vor einigen Jahren und war eine wahrlich akustische Erleuchtung). Incunabula ist das Erstlingswerk von Autechre (Rob Brown und Sean Booth) aus den 90er Jahren und darf sich ein (kleines) Meisterwerk nennen. Vergleiche mit anderen Größen gepflegter elektronischer Musik (Aphex Twin, Future Sound of Londen etc.) sind erlaubt und Warp-Records bewiesen wieder mal einen richtigen Riecher. Zwar zeichnet sich Autechre mit einer Musik aus, die mit mathematischer Abstraktion gut umschrieben sein könnte, gerade wenn man die späteren Werke hört. Dennoch enthalten die ersten Albem und EPs, und Incunabula ist da ganz vorn dabei, stets ein warmer Grundton, der den Kern bildet, um den die Soundflächen fließen. Diese verdecken ihn hin und wieder, bis er mit mit leisen pulsieren oder einem mächtigen Ausbruch wieder zum Vorschein kommt, um alles warmorangepurpurcarbenetrot zu malen, was sich eben abkühlen wollte. Auch wenn Incunabula wunderbar als Hintergrundmusik funktionieren kann, sollte das Album bewußt über Kopfhörer oder eindeutiger Lautstärke gehört werden, um in diese Welt abtauchen und die vielen Details und Finessen hören zu können. Da wäre dann die einsame Insel doch ein guter Platz für dieses Album…

Wikipedia (engl.) mit Informationen zum Album

Psychick Warriors Ov Gaia – Kraak (1995)

Kraak bei Amazon
Kraak  – eine Auskopplung aus dem Album „Records Of Breaks“ der Holländer Psychick Warriors Ov Gaia –  Album bringt drei Remixes des gleichnamigen Tracks mit. Minimale Beats und Ambient von Anfang bis zum letzten Ton. Dabei sind die Sounds trocken, monoton, bohrend und können sich eher in die Reihe dunkler Downtempostücke einreihen, die von Bands wie Coil geprägt worden sind.

Wikipedia (en) über Psychick Warriors Ov Gaia