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Kritik an der Hattie-Studie

Schon ein paar Tage alt, ging die Kritik an der Hattie Studie von Rolf Schulmeister und Jörn Loviscach etwas an mir vorbei, nur um mir jetzt umso häufiger über den Weg zu laufen. Per Mail oder im Netz stolper ich über Hinweise zu dem Text, der Kritikpunkte benennt und der bei Googledocs zweisprachig eingesehen werden kann. In der Kritik weisen Schulmeister und Loviscach darauf hin, dass die Meta-Analyse „Visible Learning“, welche eine Vielzahl von (Meta-)Analysen zur Wirkung von Unterricht untersucht und zusammenfast, beträchtliche und methodische Schwächen aufweist und kommen zum Schluss, dass das Werk einer grundlegenden Überprüfung bedarf. Auf Basis von Stichproben aus den von Hattie herangezogenen Untersuchungen finden die beiden Autoren folgende Kritikpunkte:

  • offenbar nicht wenige der von Hattie herangezogenen Studien sind methodisch zweifelhaft und nicht aussagekräftig genug,
  • die Zuordnung einiger in die Beforschung aufgenommene Untersuchungen zu entsprechenden Themen der Hattie-Studie erscheint den Kritikern fragwürdig,
  • die von Hattie genutzten Analysen sind nicht sorgfältig ausgewählt und so findet sich z.B. eine Studie zur Konzentration industrieller Macht, die nicht mit der Konzentration im Lernprozess zu verwechseln sei. Auch konnten Schulmeister und Loviscach nicht immer die in der Hattie-Studie gefundenen Zahlen in den Originalen wiederfinden,
  • Kritik an der Kompatibilität von abhängigen Variablen, die in der Hattie-Studie Anwendung fanden,
  • statistische Messfehler, wie die Mittlung von Standardfehlern aus verschiedenen statistischen Untersuchung,
  • nicht nachvollziehbares Ranking, welches in der Hattie-Studie große Aufmerksamkeit erregte. Die beiden Kritiker konnten nach einigen Korrekturen auf Basis der Nachprüfungen anderes Rangordnungen errechnen.

Das als kurze Zusammenfassung der Ergebnisse und Kritikpunkte von Schulmeister und Loviscach. Eine bemerkenswerte und sicherlich nützliche Arbeit, die vielleicht dazu einlädt, vorsichtiger mit Daten und Ergebnissen umzugehen.

Nachzulesen in Schulmeister, Rolf & Loviscach, Jörn (2014). Kritische Anmerkungen zur Studie “Lernen sichtbar machen” (Visible Learning) von John Hattie. SEMINAR 2/2014, S. 121-130.

Quelle zur Hattie-Studie: Hattie, John (2014). Lernen sichtbar machen. 2. korr. Aufl. Hohengehren: Schneider. (bei Amazon)

Die Zusammenfassung der Kritik von Schulmeister& Loviscach online unter: https://docs.google.com/document/d/1hUbe8GYPFToduveTVD1laNXn-2lwlxsWRNkc62l5LYg/

 

Trendstudie Fernstudium 2014

Holger Sommerfeld und Philipp Höllermann von der Internationalen Hochschule Bad Honnef veröffentlichten jüngst die Trendstudie Fernstudium 2014. Die Studie gibt einen guten und kompakten Überblick über die Entwicklung des Fernstudiums in Deutschland. Sie gibt Auskunft über

  • die Teilnehmerstruktur der Fernstudierenden
  • Motive, die zur Aufnahme eines Fernstudiums führen
  • die Wege der Informationsbeschaffung der Teilnehmenden an Fernstudienangeboten sowie die Gründe, die zur Auswahl des entsprechenden Angebots geführt haben
  • die Einschätzung der Fernstudierenden bzgl. der administrativen und fachlichen Betreuung während des Studiums
  • bevorzugte und weniger bevorzugte Lehrformate und Lernmittel aus Perspektive der befragten Fernstudierenden
  • Zeitmanagement
  • Unterstützung durch Arbeitgeber sowie
  • die Rentabilität des Fernstudiums für die Studierenden.

Man kann mit Fug und Recht sagen, dass das Fernstudium weiter boomt. Dabei kommt vor allem neuen Lehrformaten (z.B. social learning), Lernmedien (z.B. digitale Skripte) und Organisationsstrukturen (Online Campus) eine wachsende Bedeutung zu. Interessant ist auch der Vergleich zu den Daten der Erhebung aus 2011, die einige Trends aufzeigen. So verliert z.B. in der aktuellen Erhebung das Thema Gamifikation an Bedeutung.

Link zur Studie: http://www.trendstudie-fernstudium.de/wp-content/uploads/2014/10/Trendstudie-Fernstudium-2014-LQ.pdf

Interaktiver Europaatlas der Süddeutschen Zeitung

Auf der Webseite der Süddeutschen Zeitung findet sich ein interaktiver Onlineatlas Europas, der zu dazu einlädt, einige Statistiken abzurufen. Augeschlüsselt nach Staaten, Ländern und Regionen wurden verschiedene Daten gesammelt und visualisiert, die per Mausklick abrufbar sind. Folgende Kategorien können eingesehen werden:

  • Bevölkerung
  • Arbeit und Wohlstand
  • Bildung und Forschung
  • Online
  • Verkehr
  • Gesundheit
  • Tourismus
  • Landwirtschaft

und dazu jeweile eine Vielzahl von Unterkategorien. So zeigt sich, dass z.B. Island die höchste Onlinenutzung aufweisen kann (2011), die meisten Onlineshopper jedoch in Norwegen leben. Die meisten Übernachtungen auf Campingplätzen kann 2011 Frankreich verzeichnen und in Spanien (genauer in der Gemeinde Madrid) erreichten Frauen 2010 das höchste Durchschnittalter. Dafür hat Deutschland die größte Anzahl lebender Milchkühe und Schweine (2010), während in Großbritanien die meisten Schafe lebten. Diese und viele weitere Informationen finden sich unter http://www.sueddeutsche.de/app/wirtschaft/europaatlas/ 🙂

 

Statistik Online lernen

Auf einer Tagung wurde ich auf die Webseite schoolinger.de aufmerksam gemacht, die von Dr. Malte Persike aus der Abteilung Methodenlehre & Statistik des Psychologischen Instituts der Johannes Gutenberg Universität Mainz betrieben wird. Abgesehen davon, dass Herr Persike in seine Veranstaltung eine Menge Sozialer Medien für die Vor- und Nachbereitung einbindet und auch direkt in den Veranstaltungen nutzt (z.B. Twitter-Rückmeldungen der Studierenden), bietet er die Veranstaltung zur Statistik auch Interessierten online an. So finden sich unter http://methodenlehre.sowi.uni-mainz.de/schoolinger/ Lerneinheiten zur Deskriptiven und Multivarianten Statistik, zur linearen und polynomialen Regression, Klassifikationsmethoden, statistisches Testen usw.

Die einzelnen Lehreinheiten werden mit Hilfe von Youtube-Videos anschaulich erklärt, es werden Beispieldatenstätze bereitgestellt, pdf-Texte zur Vertiefung angeboten sowie Übungen bereit gehalten, die zur Anwendung des Gelernten genutzt werden können. Darüber hinaus bietet jede Lerneinheit ein Diskussionsforum, in welchem man sich mit anderen Lernern austauschen kann.

So, wie ich die Sache überblicke, ist das Angebot für die Nutzer kostenlos und es lohnt sich, die Inhalte genauer anzusehen. Es ist schon erstaunlich, wieviel Energie und Herz hier investiert wird, dass Thema für Lernende aufzubereiten. Wie bereits angesprochen, werden mehrere digitale Kanäle genutzt, um die Lernenden zu erreichen. So gibt es neben der Webseite auch

Bei so viel Nutzung von social media kann keiner sagen, er wurde nicht informiert 🙂

Und weil es so gut ist, hat sich auch schon Iversity für den Kurs gemeldet. Ich bin begeistert!

Webseitenstatistiken mit url-Spion

Interessant, interessant: Meine Webseite rangiert derzeit auf Platz 340.261 in Deutschland und international auf Rang 8.155.688, es gibt monatlich durchschnittlich 7.346 Seitenansichten und 2.087 Besucher, die im Schnitt 1,4 Seitenabrufe tätigen. Sie hat einen geschätzten Wert von 1.322,73 Euro und jeder Besucher ist 38 Eurocent wert 🙂 Dass sind die Zahlen, die ich erhalte, wenn ich dir URL dieser Webseite auf http://urlspion.de/ eingebe… Was nicht alles erhoben und berechnet wird. Wem das für seine Webseite zu viel des Guten ist, kann sich aber austragen lassen.

Unstatistik des Monats: dick macht doof und depressiv

Auf den Webseiten des rheinisch-westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung wurde im August die Unstatistik oder besser Unstatistiken zu Korrelationen von Körperfülle, Gemütszuständen und Intelligenz veröffentlich. Dabei beziehen sich die Forscher auf einige Untersuchungen, die in der Presse entsprechende Ressonanz fanden. Da der Text selbst auf www.unstatistik.de bereits knackig formuliert wurde, erspare ich mir weitere Kommentare und zitiere selbigen hier (ein Direktlink auf die Pressemeldung funktioniert leider nicht):

„Die Unstatistik des Monats August sind Meldungen in deutschen Medien zu ursächlichen Zusammenhängen von Essgewohnheiten, Depressionen, Intelligenz, Körpergewicht und Schulbesuch. So meldete die „Apotheken-Umschau“ Anfang des Monats, der übermäßige Konsum von Fast-Food löse Depressionen aus. Dabei fasste sie eine spanische Studie zusammen, die zwischen dem Verzehr von Industriebackwaren und Fast Food auf der einen und der Häufigkeit von Depressionen auf der anderen Seite einen positiven Zusammenhang festgestellt hatte. Besonders gefährdet seien Singles, die mehr als 45 Stunden die Woche arbeiteten, ansonsten aber wenig aktiv seien und sich insgesamt ungesund ernährten. Einige Zeitungen ergänzten das Ende des Monats mit Meldungen wie „Dick macht dumm“ (z.B. Ärzte Zeitung), basierend wiederum auf einer Beobachtungsstudie, die einen negativen Zusammenhang zwischen Übergewicht und den Ergebnissen von Intelligenztest aufzeigt. Und dick wiederum wird man unter anderem durch die Schule, wenn man anderen Zeitungsmeldungen des Monats August glauben darf: „Schule macht dick“. Hintergrund war diesmal eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Mainz, derzufolge Kinder gerade in dem Alter, in dem sie üblicherweise eingeschult werden, besonders an Gewicht zulegen.

In all diesen Meldungen wird wieder einmal der Trugschluss von Korrelation auf Kausalität gemacht oder in den von den Zeitungen gewählten Überschriften zumindest suggeriert. Während eine Korrelation lediglich eine Beziehung zwischen Merkmalen beschreibt, handelt es sich bei der Kausalität um einen ursächlichen Zusammenhang, also Ursache und Wirkung. Dieser Fehler wurde in der „Unstatistik des Monats“ bereits in der Vergangenheit thematisiert. So ist es beispielsweise bei Fast Food mindestens ebenso plausibel, dass Depressionen zu Essstörungen führten und damit die Kausalität in die umgekehrte Richtung verläuft. Ganz allgemein können aus Beobachtungsstudien, die all diesen Meldungen zugrunde liegen, nur unter erheblichen Zusatzinformationen und häufig sehr unrealistischen Annahmen Schlüsse auf Kausalbeziehungen abgeleitet werden. Darauf wird auch in allen Studien, auf die sich diese Meldungen beziehen, mehr oder weniger deutlich hingewiesen. Aber leider bleiben diese Einschränkungen in den Medienberichten in aller Regel unerwähnt. Jedenfalls müssen nach aktueller Faktenlage keine Eltern fürchten, dass ihre Kinder durch die Schule erst einmal dick und dann auch noch dümmer werden.“ (Ansprechpartner dazu:
Prof. Dr. Walter Krämer, Tel.: (0231) 755-31 25) (Quelle: http://www.unstatistik.de/)

Verdienen Frauen weniger als Männer in Deutschland?

23% weniger verdienen Frauen im Durschnitt gegenüber Männern in Deutschland – so das Ergebnis des Equal Pay Day. Doch ist dem wirklich so? Die Unstatistiker des rwi Essen, die sich jeden Monat eine Unstatistik suchen und dieser „auf den Zahn fühlen“,   fanden heraus, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen werden. Für eine sichere Angabe wäre es nötig, Personen beiderlei Geschlechts in gleichen Berufen mit gleicher Ausbildung und Arbeitszeit, gleicher Arbeitserfahrung etc. zu vergleichen. Die Verfälschung der Statistik führt zu dieser doch deutlichen Zahl von 23% Lohnunterschied. Werden einige der o.g. Faktoren berücksichtigt, reduziert sich das unterschiedliche Einkommen auf „nur noch“ 12%. Jedoch gehen die Forscher davon aus, dass bei einem 1:1 Vergleich keine Lohnunterschiede mehr vorhanden wären, da dies bedeuten würde, dass die Arbeitgeber gegen das Gleichstellungsgesetz handeln und Gewerkschaften und Betriebsräte versagt hätten. Jedoch lädt die Zahl 23 dazu ein, darüber nachzudenken, warum Frauen in Berufsfeldern arbeiten, in denen grundsätzlich weniger bezahlt wird oder warum diese stärker in Teilzeit tätig sind…

Mehr Informationen unter: http://www.rwi-essen.de/forschung-und-beratung/fdz-ruhr/unstatistik-des-monats/archiv/#headline_1007