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Kapelle Petra – The Underforgotten Table (2016)

Ich mein, es ist schon was Besonderes, neben dem üblichen Klangkörper auch eine Bühnenskulptur offiziell als Bandmitglied zu führen. Oder besser andersrum: Ein Bandmitglied als Bühnenskulptur. Aber „Gazelle“ ist ein wichtiger Teil von Kapelle Petra, den „Ja-Sagern“ aus Hamm. Mit diesem Album machen sie sich auf, die Welt aus ihrer Perspektive zu durchdrucken, aufzumischen und vielleicht ein bisschen zu verbessern. Begeisterten mich früher ihre Spaßnummern wie „Curly Sue“ oder „Gewitter“, sind es auf The Underforgotten Table durchaus Songs, die sich z.T. kritischer und tiefer mit den Phänomenen unserer Zeit auseinandersetzen. Dennoch behält Kapelle Petra das Markenzeichen bei, ihre Anmerkungen zum Leben im Allgemeinen und Besonderen mit einem Augenzwinkern, mit Ironie und Selbstkritik vorzutragen. Und so machen sie auf diesem Album nicht nur wieder Spaß, sondern haben auch was zu sagen. Eine Kombination, der man doch ganz gut zuhören kann…

Die Feisten – Versuchslabor

Die Feisten? Gingen mir eigentlich mit ihrer Adaption von „Griechischer Wein“ („Kriech nich da rein“) ein wenig auf den Keks, wohl weil es so ziemlich das einzige Lied von ihnen war, was ich bis dato von Ihnen kannte. So in der Art „gewollt zufällig“ purzelte ich dann in ein Konzert, ähm, Kabarett… Und es gefiel doch gut. In einer angenehm entspannten Art mit wenigen z.T. imposanten Instrumenten und einer Form von Sprechgesang präsentieren sie ihre alltäglichen Gedanken zu alltäglichen Themen, die dann doch wieder anders und überraschend sind. Es geht um die große Liebe zum Hund, schlimme Medien, Klimawandel oder den Papst. Und nicht zuletzt Namenswahl im Lied Ranjid (siehe angehangenes Video), welches für mich in den letzten Monaten vor der Geburt meiner Tochter durchaus eine gewisse Bedeutung bekam und immer mal wieder rezitiert wurde 🙂 (Aber alles gut gelaufen!)

Offizielle Webseite: http://www.diefeisten.de/

Knorkator – Das Nächste Album Aller Zeiten (2007)

Mit dem Album hat es Knorkator geschafft, mich zu überzeugen. Die hier abgelieferte Musik ist deutlich definierter und lässt das Gefühl aufkommen, das Knorkator (immerhin „Deutschlands meiste Band der Welt“!) sich gefunden haben. Poppig, rockig, folkloristisch oder klassisch – verschiedene musikalische Stile wurden bislang ausprobiert und kommen hier gezielt zum Einsatz. Jedoch überzeugte mich weniger die Musik, als vielmehr die Texte, als ich die CD auf eine Fahrt durch den Pfälzer Wald hörte. Der Opener „Alter Mann“ erfreute mich schon durch die Idee, über die Vorteile des Alterns mal nachzudenken. Konsequent zu Ende gedacht landet man natürlich dann bei dem melodiösen Song „Wir werden alle sterben“ (das Lied erklärte die Band als neue Internationalhymne), dessen Refrain eine zuckersüße Mädchenstimme absingt. Andere Texte handeln von grotesken und/oder philosophischen „Grundproblemen“ der Welt, wobei mein persönliches Highlight das Lied „Für meine Fans“ ist, in dem sich die Band mal ordentlich darüber auslässt, dass ihre Konzerte nur von „dicken Männern mit Bärten“ und „erbärmliches Proletenpack“ besucht werden, wofür sich die Band klar schämt. Also, an- und hinhören in ein wirklich abwechslungsreiches Album. Es lohnt sich 🙂

Knorkator-Portrait bei laut.de

Knorkator – Hasenchartbreaker (1999)


Reinhören

Erschreckend waren sie für mich immer: Die Plattencover von Knorkator. Allein sie waren ein Grund, um die Band einen großen Bogen zu machen. Aber wie heißt es so schön: Beurteile eine Platte nicht nach ihrer Hülle. Und so brauchte ich viele Jahre, bis ich wieder mal über Knorkator stolperte und sie mir ein dickes Lachen während der Autofahrt ins Gesicht zauberten. Zugegen, es waren nicht die „Hasenchartbracker“, sondern „Das nächste Album aller Zeiten“, aber das Interesse war geweckt.

Hasenchartbreaker zeigt sich musikalisch abwechslungsreich, wobei hier vor allem die Extrempole Hardcore und Opernpop (?) bespielt werden. An der Musik lässt sich relativ leicht auch die Themenlage der Texte ausmachen. Wenn seichte Töne angeschlagen werden, möchte der Text thematisch „krassere“ Dinge beschreiben, dröhnt Hardcore aus den Boxen (und hier können sich die mit der Band befreundeten Ramstein noch eine Scheibe abschneiden), werden „sanfte“ Inhalte besungen. Schon beim Opener „Hardcore“, man kann es erraten, wird zu seichtem Piano und hoher und klarer Falsettstimme das Erlebnis eines Hardcorekonzerts zum Besten gegeben. (Witzigerweise wird tatsächlich Knorkator bei Wikipedia in einem Beitrag zum Thema Falsett aufgeführt). Härter, aber für mich deutlich lustiger, ist der nachfolgende Song „Buchstabe“, der das Erfinden eines neuen Buchstabens durch einen Philologen, der jahrzehntelang dazu geforscht hat und nun die Vorteile des Buchstabens deklariert. Leider unbeschreiblich (aber im Video nach dem Beitrag nochmal nachzuhören)! Man muss sich für das Album und insbesondere für die Texte Zeit nehmen. Auch wenn Knorkator immer wieder zu eindeutigen Worten greifen, die sonst nichts in Liedtexten zu suchen haben und es ihnen sogar gelingt, ein Lied einfach mal nur zu schreien, finde ich, dass die von mir unterschätzte Stärke der Band gerade in der Lyrik (darf man das hier sagen?) liegt. Mit dem Album unterstreichen Knorkator einmal mehr, dass sie „die meiste Band der Welt“ sind!

Olaf Schubert – Komplette Fragmente (2009)

In einer Zeit, in der angeblich vieles fragmentiert (Wissensdomänen, Familien oder gar Festplatten) kommt Schubert, der „Überbringer der Botschaft“, um die Ecke, um uns sein Werk zu präsentieren. Und erstmalig, so vermute ich, kann man Komplette Fragmente erwerben. Der Teil als Ganzes, dem sich Schubert hier widmet: „Dem Urtext Vokale und Umlaute entreißend, den Kopf im Himmel, die Hände in der Erde, wühlt sich der Künstler buchstäblich durch den Acker des Lebens und seiner Geschichten.“ (Quelle) Allein der Titel wäre doch schon einen Preis wert! Schubertfreunde werden mit diesen 17 Hördialogen Spaß haben, die Kritiker jeodoch werden sich „Dachsbau der Lüge verkriechen“, wie B. Stephan eins meinte.  Tja, am Ende ist eben immer der Blöde der Dumme… (Hä?)