Schlagwort-Archive: Soul

The Heavy – Great Vengeance And Furious Fire (2007)

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Minimales kann bombastisch sein. Vorausgesetzt, die Mischung stimmt. Und hier sind The Heavy echte Meister. In erster Linie wird gerockt und scheinbar munter drauf losgehauen. Aber schon beim ersten Hören fällt auf, dass da mehr drin steckt. Einflüsse von Reggea, Blues und Funk und Soul drücken sich durch trotz der dicken Beats deutlich an die Oberfläche, dass es nur so poppt. Dazu ein energetischer Gesang, der gern auch mal durch den Equalizer geleiert verfremdet klingen darf. Mich erinnern sie mit diesem Album an  „Elephant“ von den White Stripes und auch der Gesang, oder besser, der gekonnte Umgang mit der Stimme als weiteres Musikinstrument, zeigt hier und da für mein Gefühl Ähnlichkeiten, ohne diese abzukupfern. Auch  Verweise auf Curties Mayfiled oder Assoziationen zu Jamie Lidell tun sich bei mir auf.

Die Platte macht sich keine Sorge um ausgewogene 7.1 Surroundsysteme und HiFi-Anlagen sondern konzentriert sich auf das, was wichtig ist: Spielen, Kreativität, Rhythmus. Da darf oder muss es auch rumpeln oder übersteuert und stets etwas zu laut klingen, solang die Message stimmt! Mono geht immer und Musik ist ein Selbstzweck.

Mich erstaunen solche Bands wie The Heavy, da sie es trotz des Gefühls, dass doch alles schon mal dagewesen sein sollte, schaffen, ein grandioses Werk abzuliefern, dass locker und unangestrengt, beinah wie aus dem Hemdsärmel geschüttelt, daher kommt. Da freu ich mich doch schon drauf, die Platte alsbald mal wieder abzuspielen 🙂

The Heavy – Coleen from Bryan Rone on Vimeo.

Tindersticks – Can Our Love… (2001)

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„Möchte man die Musik der Tindersticks beschreiben, greift am besten zu Ölfarben und Leinwand: Ein wolkenverhangener Himmel, ein öder Baum im Herbstwind, die Trostlosigkeit einer rauhen Felsenküste. „Can our love…“ schreibt die Geschichten, die die sechs Edel-Melancholiker seit mittlerweile 10 Jahren vertonen, nahtlos fort. Musik, Literatur und Kunst vereint in zeitloser Schönheit. Impressionen aus einer Welt, der die Farbe entzogen ist und die den Hörer mit ihrem morbiden Charme vom ersten Ton an aus der Realität reißt. Musik zum allein sein, für das heiße Schaumbad am kalten Wintertag , für die Einsamkeit nach dem Streit.

Trotzdem: Irgendwas ist anders! Bereits auf „Simple pleasure“ hat es sich angedeutet, jetzt gibt es keinen Zweifel mehr: Zwischen die Grautöne haben sich Farbtupfer gemischt. Spärlich, kaum merklich, hat sich der Schleier ein wenig gehoben, ein Hintertürchen ist aufgestoßen, der Zugang einfacher geworden. Aufatmen bei all jenen, die bisher keine Muse hatten den beschwerlichen Weg in Stuart Staples Psyche anzutreten, die angezogen und abgeschreckt zugleich waren. Fans haben den Trauerflor bereits vor dem ersten Hören angezogen, aber zum erwarteten Stich ins Herz gesellt sich diesmal eine reale, kleine Enttäuschung. Das Unbeschwingte, das in Stücken wie „People keep comin‘ around“ mitschwingt, nimmt der Band etwas von ihrer Ausnahmestellung. Ein gewisses Plätschern ersetzt Momente, die früher höchste Aufmerksamkeit verlangten. Ausnahmen bestätigen die Regel: „Dying Slowly“ oder das titelgebende „Can our love…“ sind pure Emotionen, abgrundtief traurig und wunderschön zugleich.

Kann man der Band vorwerfen, das sie nicht auf ewig neue „Curtains“ webt? Wiederholung hätte in die künstlerische Sackgasse geführt, ein radikaler Bruch der Band die Identität geraubt, die vorsichtige Neubestimmung mag den Kritikern vorerst Munition geben, doch der Sonnenschein, der durch die Wolkendecke der Songs schimmert, mag auch metaphorisch für die Zukunft der Tindertsticks stehen. Eine solche Liebe ist zu allem fähig. (Thorsten Thiel)“ (http://www.plattentests.de/rezi.php?show=536)

Sergio Mendes & Brasil ’66 – The Very Best (1986)

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„Der preiswerte Überblick über das musikalische Schaffen des brasilianischen Pianisten, Arrangeur und Komponisten Sergio Mendes und seines Sextetts Brasil’66. Sergio Mendes‘ disziplinierter und doch sexy Beat versetzt uns in folgende Szenerie: Strand, Meeresrauschen, ein heißer Tag neigt sich dem Ende, ein kühler Drink … und verheißungsvolle Blicke. Mendes interpretiert Brazil-Klassiker wie „Mais que nada“, Bacharach’s „The Look of Love“ und Beatles-Songs („Fool on the Hill“, „Norwegian Wood“) in seinem unverwechselbar relaxten Stil – sanft schwingend und doch dynamisch. Lovely.“  (http://www.amazon.de/review/R2BJ4GRHNWY2X7)

Wikipedia (en) über Sergio Mendes

Curtis Mayfield – Curtis (1970, 2000)

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„‚Selten war eine Wiederveröffentlich so gerechtfertigt wie im Falle des vorliegenden Albums. Soulfans aller Couleur balgen sich schon jahrelang um die seltenen LP-Exemplare aus dem Jahre 1970.‘ (Kritik von J.Fischer in der Zeitschrift „Stereo“ aus 6/93) Diesem Zitat ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.
Curtis Mayfield ist das musikalische Sinnbild des intellektuellen Kampfes gegen den afro-amerikanischen Rassismus und reiht sich mit seiner Musik gleich hinter die Grundsätze eines Martin Luther Kings ein, der zwei Jahre vor der Erstveröffentlichung dieses Albums erschossen wurde. Abgesehen von diesen wichtigen politischen Botschaften, beinhaltet diese CD eigentlich durchgehend wunderschöne Songs – meist mit coolen schleppenden funky Grooves, oft mit jazzigen Bläsersätzen und fast immer tanzbar. Sahnestücke sind selbstverständlich die Klassiker ‚if there’s s hell below…‘ und ‚move on up‘. Als weitere Anspiel-Tipps sind ‚the other side of town‘, ‚we the people who are darker than blue‘ und ‚wild and free‘ zu empfehlen. Mit drei Worten zusammengefasst: Ein Stück Musikgeschichte!“ (http://www.amazon.de/review/R3B39FP2Q9SENQ/ref=cm_cr_rdp_perm)

Ein Video von Curtis bei Youtube