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Drome – The Final Corporate Colonization Of The Unconscious (1993)

Wow. 23 Jahre alte Scheibe. Und gefühlt nicht veraltet! Mit Drome dekliniert Burnt Friedmann die Spielarten des Downtempo auf  durch und geht dabei natürlich seine eigenen Wege. Damit verbunden: 2 Effekte. 1. Es klingt wieder sehr eigen, sehr durchdacht und handwerklich ausgezeichnet. 2. Es ist, wie die meisten Sachen von Friedmann, deutlich unterschätzt und auch unbekannt geblieben. Elektronische Kombinationen von Dub, Reggae, Hip-Hop, House und Jazz, Musique Concrète und Technoversatzstücken. Schöne Titel wie „Hinterland, Kassler Kessel“ „Hoax! What did you got?“ oder „Nuzzling“ machen schon neugierig, was da wohl zusammenkombiniert wurde und die Stimmensamples, die ich schon bei Some More Crime verehre, werden auch hier atmosphärisch, fast beiläufig eingesetzt und bieten eine gute Schanze, eigene Geschichten aus den losen Sätzen zu ersinnen. 

Ich sollte mal schauen, was Burnt Friedmann aktuell so treibt (leider ist Jaki Liebezeit, mit dem er manch gutes Album erspielte, ja jüngst verstorben 🙁 )

 

 

The Books – Lost And Safe (2005)

Reinhören
Weihnachstzeit. Die Plätzchen sind gebacken und wohl schon fast von allen Tellern verzehrt… Und, waren sie lecker? Ich hoffe, doch! Wie die Plätzchen ein geschmackliches Gesamtvergnügen darstellen, die aus einer Vielzahl von Zutaten bestehen, von denen einige allein gar nicht schmecken würden, so ist die Musik von den Books zubreitet. Samples werden an- und übereinander geschichtet, Harmonien verbinden scheinbar zusammenhangsloses und Brüche überraschen die akustische Wahrnehmung, bevor es diese sich in Gefälligkeit breitmachen kann. Eine wirklich bemerkenswerte Gruppe, die nicht nur mit so vielen Sounds tüftelt und variiert, wie man es sonst von Matthew Herbert, Some More Crime oder Senor Coconut gewohnt ist. Zahllose, in die Soundstrukturen eingewobene Sprachfetzen – scheinbar entnommen aus Rundfunk- oder Filmsequenzen – führen mit sich oder dem Hörenden eigene bzw. eigenartige Dialoge. Dabei schaffen The Books trotz der ständigen Unruhe eine Wärme, wie sie mir von Lemonjelly, CocoRosie oder Notwist bekannt sind. Es ist eine unglaubliche Mixtur, die hier aufgefächert wird. „Experimental-Musik im Endstadium. Oder doch der Anfang einer neuen Sichtweise von Pop. Man hatte die Wahl“ (Quelle). Und ähnlich wie beim Essen der Kekse bleibt es jeder/m Einzelnen Überlassen, zu entscheiden, ob es schmeckt oder doch eine Brise zuviel Zimt genommen wurde… Aber probieren sollte man doch auf jeden Fall.

Offizielle Webseite

Some More Crime – Fuzzymix (1995)

Ein weiteres Side-Projekt von Burnt Friedman. Fuzzymix ist eine Auskopplung aus dem Album Fuzzysets mit Remixen aus eben jenem. Diese sind wieder wunderbar miteinander verwoben, so dass sie nicht dem Original gleichen. Eine Fahrt in die Abgründe dunkler elektronischer Musik mit einem sozial-kritischen Ton. Hierfür bedient sich Friedman u.a. wieder verschiedener Interviewmitschnitte, die mich an die Sprachsamples von Goodspeed You! Black Emporer erinnern. Nicht fehlen darf der housige Track „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“, in welchem Probleme beim Einsatz des elektrischen Stuhls (A.C. Leuchter) thematisiert werden.

Mehr zum nimmermüden B. Friedman findet man in der vollständigen Diskografie

Some More Crime – Another Domestic Drama In A Suburban Hell (1993)

„‚Rather disturbing release‘ (John Peel)“ (http://mitglied.lycos.de/ralfrothberger/#somemorecrime)

„“Eines der zu wenig beachteten intelligenten Elektronischen Scheiben Deutschlands. Tauche ein in die unglaubliche Welt des Bernard Friedmann, Kult !!““ (http://www.amazon.de/Der-ultimative-Plattenkoffer/lm/2IGRCK3FMZLT7)

Samples treffen Gitarren treffen elektronischen Beat treffen dich. Ein Mix aus Versatzstücken verschiedener Genres die wie ein Wein ein wenig Zeit zum Atmen brauchen, bevor sie gut schmecken. B. Friedmann liefert hier ein beachtliches Konzeptalbum ab, welches wohl irgendwie nicht in die üblichen Schubladen passt. Ist es Hardcore, ist es Techno, ist es Ambient, ist es ein Hörspiel? Neben Soundsamples aus dem Polizeifunk oder bekannten Serien finden sich vertonte Dokumente, wie z.B. eine Art Kritik  mit Fokus auf die Fehlfunktionen des elektrischen Stuhls von F. Leuchter, dem Revisionisten und Designer des elektrischen Stuhls. Weiterhin kommen Sounds, Worte und Samples von  z.B. H.I.Lucas (Serienmörder), Dr. P. Dietz (Prof. für Recht, Medizin und Psychiatrie), Stefan Aust, P.L. Tazzi (Documenta 9 Team) und V. Flusser (Kommunikationsphilosoph) vor (ist das in „Der Tod ist ein Meister von Deutschland“ Klaus Kinksi ?). Unterlegt wird dieser Text mit einem funky Housegroove, der auf einer Tanzfläche durchaus seine Daseinsberechtigung hat. Diese groteske Kombination kann stellvertretend für das gesamte Album gesehen werden. Durch die Kombination von ziemlich widersprüchlichen Stilelementen schafft Friedmann hier ein Werk, welches nicht einfach, aber sehr eindringlich und bewegend ist. Der Wechsel der musikalischen Stilrichtungen und Tempi unterstreicht das. So trifft der Dub das Gitarrenriff, eine Fläche prallt auf einen Dancefloorsound. Betörend, vielschichtig, spannend. Top-Empfehlung!

Some More Crime – Fuzzysets (1995)

„Es waren einmal zwei junge Männer mit Namen Friedmann und Hernandez, die erzeugten mit allerlei elektrischen Maschinen eine gar angsteinflößende Musik. Dazu spielten sie auf beeindruckende Art immer wiederkehrende seltsame Zitate wie ‚Der Tod ist ein Meister aus Deutschland‘ ein. Nach drei Schallplattenproduktionen und einem bravourös bestandenen Vordiplom mit dem Thema ‚Another Domestic Drama In A Suburban Hell‘ hat Bernd Friedmann jetzt ‚eine außergewöhnliche, äußerst intelligente und künstlerisch professionelle Abschlußarbeit vorgelegt‘ und das Studium mit dem Prädikat ’sehr gut‘ abgeschlossen. Beurteilung: ‚Die CD enthält Kompositionen aus Samplings von Tondokumenten und Zitaten verschiedensten musikalischen Materials.

Vordergründig geht es darin um Gewalt, wie sie die Medien täglich liefern, musikalisch paraphrasiert, ‚Information overload‘. Genauer gesehen behaupten sich die Ereignisebenen gegeneinander, bleiben autonom. Friedmann dekonstruiert durch seine Form des Samplings die gewohnte Zeichensystematik, indem er Zeichen und Botschaft gleichsetzt und so eine Ganzheit erschafft, die in ihrer neuen radikalen Beliebigkeit die Konstruktionen der Wahrnehmung zum ausschließlichen Autor und Sinnstifter macht. Konsequent versteht er sich nicht mehr als Künstler/Musiker, sondern als Verwalter elektronischer Programmierbarkeiten, der die sich selbst organisierenden Wirklichkeitskonstruktionen testet. Begründung dafür und Material zugleich ist ihm die digitale ‚Übersetzung‘ des ‚Originals‘. Der Computer ist für ihn der Behälter, der alles erfaßt, ohne es behalten und erkennen zu können, mit dessen Möglichkeiten er aber auf das spekuliert, was durch die ‚Aufnahme‘ an Wirklichkeit verlorengegangen ist. Die Frage, worauf digitale Ereigniskonstruktion verweisen kann, wenn sie den Sinn- und Bedeutungsgehalt des Originals zerstört hat, außer auf Konstruierbarkeiten, hat ihn mitten in die aktuelle Grundsatz- und Wertediskussion von Kunst geführt. – Der Präsident und Dekan des Fachbereiches Kunst an der Gesamthochschule Kassel -“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23017932/some_more_crime_fuzzysets)

Wikipedia mit einigen Infos zu Some More Crime

Das Album bei Amazon