Schlagwort-Archive: Pop Rock

Big Audio Dynamite II – The Globe (1991)

The Globe Probehören
Mick Jones, Ex-Gitarrist und Sänger von The Clash, strotzt vor Kraft und Coolness und holt auch die alte Clash-Gitarre mal wieder aus dem Schrank. Es ist auch deutlich zu hören, dass die Originalbesetzung von Big Audio Dynamite bis auf den Leader ausgewechselt wurde (daher auch der neue Bandname Big Audio Dynamit II). Ein gelungener Mix aus Beats, Soundcollagen und Samples sowie Rock-Gitarren, dazu die rauhe Stimme von Jones inkl. seinem Gespühr für die richtigen Hooks brachten auch kommerziellen Erfolg mit sich. Viele Soundfetzen und Klänge von bekannten Stücken anderer Musiker (z.B. „In The Air Tonight“ von Phil Collins) wurden über das Album gestreut, so dass man auch heiteres Musikraten spielen kann.

Polarkreis 18 – The Colour Of Snow (2008)

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„Na die trauen sich was! Statt in ihrer kleinen Indie-Ecke verkopft weiter vor sich hin zu frickeln, haben die Dresdener Jungs um Felix Räuber die große Geste entdeckt. Auf ihrem Zweitling „The Colour Of Snow“ wird nicht gekleckert sondern geklotzt: Wo auf dem Debüt noch vereinzelte Streicher fidelten, musiziert nun das komplette Filmorchester Babelsberg. Wo einst die unverkennbare Falstett-Stimme englische Texte so zart und darum auch kaum verständlich hauchte, traut sich Herr Räuber jetzt sogar zum Teil deutsch und lauthals zu tönen. Wo frickelige Beats sich in epischen Post-Rock auflösten, da schwingen sich jetzt hymnengleich Wahnsinns-Melodien in den Pophimmel, um sich in perfekten Arrangements selbst zu feiern – und passen so nicht nur in die Disko nebenan, sondern auch ins Mainstream-Radio…

Dank dem Händchen eines Mario Thalers und weil die Jungs wirklich wissen, was sie hier tun und wollen, ist ihnen eine Platte gelungen, die beim ersten Hören scheinbar haarscharf am Schmalz vorbeischrammt, sich jedoch sofort in den Gehörgang hakt und dort auf ewig nachhallt. Beim mehrmaligen Hören jedoch mit soviel Können aufwartet, mit liebevollen Details, mit einem wilden Mix an verschiedensten Zutaten aus Klassik, Electro und Post-Indie-Rock, dass einem schier die Worte fehlen.

Viele werden diesen Weg von Polarkreis 18 nicht mitgehen, werden der Band Kommerz vorwerfen, doch das kann den Jungs egal sein. Denn zu diesem Schritt in Richtung Pathos-Pop gehörte mehr Mut und Können als einfach eine Kopie ihres Debüts vorzulegen. Respekt, und „Weiter so!“. (Laura Anderson)“ (http://www.motor.de/motormeinung/motor.de/polarkreis_18_pro_contra_the_colour_of_snow.html)

The Xx – XX (2009)

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„Achtung, das hier ist kein Platzhalter. The XX aus London benutzen reizvolle Stilmittel wie Kälte, Augenbrauen-Hochziehen und völlige Gleichgültigkeit – und erschaffen damit Soundgerüste aus intimem Minimalismus.

Wenn man wollte, könnte man sie anhand ihrer Herkunft charakterisieren: still wie der Hyde-Park an einem Sonntag im Morgengrauen, geheimnisvoll und leise wie die dicken Wände der Westminster Abbey, rhythmisch wie das pulsierende Zentrum. Songs wie „Shelter“ oder „Stars“ präsentieren sich dem Hörer in einem Vakuum aus beispielloser Verzweiflung.

Und die Verzweiflung wird der komplette Vortrag auch auf Albumlänge nicht mehr los. So steht die sanfte und zurückhaltende Stimme von Romy Madley Croft im krassen Kontrast zu Bassist Oliver Sim, der den Songs eine trügerische wie auch surreale Note verleiht und so an große 80er-Ikonen erinnert – gleichzeitig aber seiner Zeit vorauseilt. Das sicherlich ästhetischste und bestsortierteste Debütalbum seit „Unknown Pleasures“ von Joy Division.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23055630/the-xx-the-xx)

Offizielle Webseite von The Xx

The Xx bei myspace

Wikipedia über The Xx

Polarkreis 18 – Polarkreis 18 (2007)

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„Nein, eine stinknormale Popband sind Polarkreis 18 sicher nicht. Keine jungen Deutschen, deren Favoriten man, ohne lang suchen zu müssen, in Amerika, England oder Tocotronic verorten kann. Aber Polarkreis 18 ist ja auch kein Bandname, der so superlässig von der Zunge geht. Sondern schwierig und undurchsichtig. Wie die Band selbst. Die Musik von P18 ist heftig, unglaublich breit, großkotzig und transzendent. Und niemand wird mir weismachen können, dass dies ein Debüt von jungen Leuten ist. Dafür ist ihre Musik mit all den Stilverweisen zu divers, dafür klingt das Album durchgehend zu wissend, dafür sind die Arrangements zu klug, dafür ist die Band einfach zu viel zu viel in der Lage. Dafür steht ein Stück mit vornehm-erhabenen Dancebeats à la GusGus viel zu nah neben einem Stück mit feinen Sigur-Rós’schen Soundwänden neben einem Stück voll perfekter Hallgitarren. Jason Pierce hat dafür ewig gebraucht. Und diese fünf Dresdener machen das alles schon in ihrem ersten Dutzend veröffentlichter Songs? Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Wie kann man denn so fantasievoll und in seinen Atmosphären so komplex und substanziell sein? Wie kann man so exaltiert und doch unpeinlich singen? Wie kann man auf so frische Art und Weise Dance, Prog und Art miteinander verbinden, als wäre das gar nichts? Absolut verblüffend. Ein paar minimale Abzüge gibt es aber doch: die ständigen, etwas verkitschten Geigen zum Beispiel. Oder die Momente, in denen ich an Pink Floyd denken muss. Oder die Tatsache, dass ich so etwas wie eine Albumdramaturgie vermisse. Aber ist das so wichtig? Ich glaube nicht. Um es zurückhaltend auszudrücken: Ganz egal, wie man sich zu der Band positioniert – man wird nicht an ihr vorbeikommen. Dazu ist diese Musik mindestens in Deutschland viel zu einzigartig. So etwas war noch nie da. Und es spielt dabei keine Rolle, ob man 20 oder 50 Jahre zurückdenken kann.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23039498/polarkreis-18-polarkreis-18)

http://www.polarkreis18.de/ – Webseite von Polarkreis 18

Polarkreis 18 bei myspace und bei Wikipedia

Live im Schauspielhaus Dresden

Minor Majority – Candy Store (2007)

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„Platten wie diese sind nicht hoch genug einzuschätzen. Wenn man sich im Schlabberlook, bei Schmuddelwetter auf den Sofa räckelt, im Ofen knistern die Holzscheite und drausen ist es so richtig ecklig, dann, ja dann packt man Minor Majority und ihr Doppelalbum “Candy Store” in den Player und lauscht den Klängen. Was die Norweger um Pål Angelskår hier abgeliefert haben, ist mit das feinste, was ich seid langen aus Norwegen gehört habe. Leicht und beschwingt werden auf dieser Compilation schönste Momente auf hohem Niveau abgeliefert.

“Candy Store” ist eine Best-Of-Compilations, eine Ansammlung von insgesamt 27 Lieblingssongs knuddeliger Wikinger. Musik aus vier Studioalben die für jemanden, der Minor Majority vorher nicht kannte (ich gehöre leider dazu) ein prachtvolles Geschenk ist. Man möchte, das die Musik nie zu Ende geht. Zwischen zuckersüß und todtraurig, zwischen Americana und Indie, zwischen Lampchop und Kings Of Convenience wird mit Gitarre, Violine, Flüte und feinsten Rythmen wunderbar, melodischen Pop geboten. Skandinavische Melancholie in feinster Qualität. Ob “Dancing In The Backyard”, “Come Back To Me” oder “Live Your Life As You Look”, eine unglaubliche Ansammlung von musikalischen Perlen, die mich wirklich schwer beindruckt haben. In ihrem Heimatland sind Minor Majority schon eine bekannte Adresse, bei uns müssen sie erst noch entdeckt werden. Es lohnt sich.“ (http://www.schallgrenzen.de/minor-majority-candy-store/)

Bran Van – Glee (1998)

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„CD des Monats

Ist mal wieder die Rede davon, daß jemand gerade die Popmusik neu erfindet, läuten bei Branchenkennern schnell die Alarmglocken. Allzu oft sind hoch gehandelte Talente bei genauerem Hinhören eben nicht mal die Hälfte wert. Hin und wieder allerdings kommt tatsächlich jemand, der einer statischen Musikszene neue Impulse injiziert. Namen wie Beck oder Massive Attack seien hier genannt, von den Altvorderen der 60er und 70er Jahre ganz zu schweigen. Nun also Bran Van 3000. Was aus diesem Musiker-Kollektiv aus Montreal werden wird, muß sich erst noch zeigen. Und einen neuen Meilenstein der Musikgeschichte wollen wir hier auch nicht willkürlich aufbauen. Obgleich: Den kanadischen Juno-Award für das beste „Alternative Music Album“ oder den Canadian Music Award als beste Gruppe gibt’s schließlich auch nicht aus Jux und Tollerei. „Glee“, daheim mittlerweile platinveredelt, ist ein Debüt, das im besten Sinne so extraterrestrisch klingt, als stamme es aus einer anderen Pop-Galaxie. Dort regiert eine symbiotische Lebensgemeinschaft von HipHop, Pop, Funk, Country, Rock, Drum & Bass, Punk und Jazz, und Neugier ist die Triebfeder allen Geschehens. Das besteht aus fetten Grooves und kernigen Gitarenriffs, rappenden Rappern, flötenden Sängerinne sowie von der Leine gelassenen Bläsern und Vibraphonen und erinnert konzeptionell an Kollegen wie die US-Anarcho-Popper Ween oder einen Frank Zappa auf dem Weg ins nächste Jahrtausend. Wem das zu abstrakt ist, der höre die Single „Drinking In L.A.“, vielleicht das „Loser“ (Beck) des Jahres 1998. (Stereoplay) “ (http://www.amazon.de/Glee-Bran-Van-3000/dp/B00000634L/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=music&qid=1210881966&sr=8-1)

Bran Van Portrait bei laut.de

Phillip Boa And The Voodooclub – My Private War (2000)

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„Boa is back! Und das in einer lange nicht von ihm gehörten Höchstform. Offensichtlich hat ihm sein „private war“ ganz gut getan. Ruhig und abgeklärt wirkt es, wenn die Songs, getragen von seiner tiefen Stimme, aus den Boxen strömen. Beinahe ein bisschen altersweise möchte man meinen; im positiven Sinne. „My Private War“ ist das Album eines Mannes, der mit sich und seiner Welt im Reinen ist und niemandem mehr etwas zu beweisen sucht. Ein echter Glücksfall. Kein Wunder, dass die Platte nur so vor inspirierter Spielfreude und der innigen Liebe zur melodischen Harmonie strotzt und an die Unbekümmertheit früherer Tage erinnert.

Neben schnellen Rockstücken wie dem poppigen „So What“, der ersten Singleauskopplung, die vom treibenden, boa-typischen Gitarre-und-Beat-Mix lebt, sind es vor allem die ruhigeren Stücke mit ihrer sorgfältig komponierten, häufig zweistimmigen Melodieführung, die für Verzückung sorgen. Wesentlichen Anteil daran hat die zerbrechliche Stimme von Alison Galea, die vielen Songs ein subtiles Moment der Spannung und gleichzeitigen Erlösung einhaucht. Am deutlichsten wird dies wohl beim leicht, fast schwerelos durch die Luft gleitenden „Rome in the Rain“. Raum und Zeit sind hier nicht mehr wichtig, was zählt ist einzig das harmonische Moment im Jetzt. So gut war Phillip Boa vielleicht noch nie.

Umso bemerkenswerter ist es, dass „My Private War“ trotz der hohen Messlatte, die sich Phillip Boa selbst gesetzt hat, keinen einzigen Ausrutscher enthält. Ganz im Gegenteil. „Pass Me A Lily“, „Great American Diner“ oder „In Freudian Underwear“ schreiben die Geschichte dort fort, wo „Rome In The Rain“ sie offen liess und machen „My Private War“ zum besten Boa-Album.

Und auch die Frage nach dem diesjährigen Urlaubsziel ist nach dieser Platte beantwortet: „Take me to Rome in the Rain; have some of the best days in our lives“. (http://www.laut.de/lautstark/cd-reviews/b/boa_phillip/my_private_war/index.htm)

Weitere Rezensionen bei dooyoo.de, ciao.de und dem Schallplattenmann