Schlagwort-Archive: PeterLicht

PeterLicht – Das Ende der Beschwerde (2011)

Reinhören
Das ist es also, das Ende der Beschwerde. Sie hilft auch wenig, da sie nichts ändert. Und so kann man, PeterLicht folgend, zwischen den Polen entscheiden: „Du, du, du, du und dein Leben, ihr beide müsst dein Leben ändern“ oder „Schaffen wir uns ab“. Und es ist egal, Hauptsache, wir machen was. Wie so oft schafft es PeterLicht, einen textlichen Kosmos zu bilden, in dem man sich philosophisch tief versinken kann oder einfach bei einer Fahrt im Cabrio vor sich hinsummen kann. Dabei wirkt das Ende der Beschwerde durchaus experimenteller und zugleich gesetzter. Wirken die Spoken-Words-Stücke sehr sperrig, sind viele andere fast schon klassisch instrumentiert und machen einen auf Liedermacher. Und auch textlich geht die Reise und hebt in Metaebenen ab, die bereits bei den Liedern vom Ende des Kapitalismus und der Melancholie und Gesellschaft auszumachen waren.
Insgesamt aber ein angenehm einnehmendes Album. Und irgendwie anders. Und somit wie immer: ein echter PeterLicht 🙂 Anhören! Hinhören!

„Das Internet ist schon scheiße“ – Interview der Süddeutschen Zeitung mit PeterLicht

PeterLicht – Stratosphärenlieder (2003)

Reinhören
„Die Rache der Brüllaffen

Kaum traut sich die Sonne mal wieder auf bundesdeutsche Himmel, hat das Sonnendeck auch schon geöffnet. Meinrad Jungblut AKA PeterLicht ist zurück und läßt wieder seinen Bürodrehstuhl fliegen. Und dieses Mal geht’s gleich ganz hoch hinaus. „Stratosphärenlieder“ will uns der Wahlkölner singen. War der Erstling „14 Lieder“ noch meist recht zerfahren und trotzdem (oder gerade deswegen) faszinierend, entdeckt PeterLicht diesmal die Kunst des Songschreibens für sich. Statt weiterer transsylvanischer Verwandtschaft wartet nun extremes Liedermaching.

Gleich im Opener schrammelt die Gitarre zu einem fröhlichen Flöten, während man sich beim Belauschen sanfter Verse erwischt. Über den Wolken schwebend, leicht melancholisch und fast gar nicht versponnen. Auch wenn sich im „Morenlied“ sinnfreie Geschichten über Nahverkehr und Schlafmützen bei Schlagern Blumfeldscher Herkunft bedienen oder die getupfte Elektronik von „Antilope eins“ einen munteren Singsang umspielt, wundert man sich über die neue Eingängigkeit. „Das verbotene Wort heißt Herbst“, säuselt PeterLicht dazu. Kein Wunder. Das hier klingt nach Frühsommer.

Und als man fast nicht mehr damit rechnet, hält der abseitige LoFi-Humor wieder Einzug in die „Stratosphärenlieder“. Der mit heißer Nadel zusammengenähte Kirmestechno von „Bisnipipeul“ verheddert Geschäftsleute im herrlichsten Pseudoenglisch zu völlig beknackten Stümper-Loops. Daß auch „Die Geschichte vom Sommer“, in der Skateboards gezeugt und Augäpfel gepierct werden, nicht mehr alle Cocktailgläser im Schrank hat, wirkt da schon fast vorhersehbar.

Als das absolute Highlight eines Albums, das sich zwischen behutsamen Songs und durchgeknallten Kichererbsen nie ganz entscheiden kann, entpuppt sich jedoch die Vorabsingle „Safarinachmittag“. Da darf sogar der gute Johann Sebastian Bach ein paar Streicher spendieren – und sich gleich schon mal zur Sicherheit das Zwerchfell halten. „Irgendwann begannen wir zu lachen / Das ging auf Kosten unserer Rachen / Und da das Lachen immer lauter wurde / Bekamen wir davon Gehirnerschütterung“, spinnt PeterLicht los. Später gibt er auch noch einem Archeopteryx gute Ratschläge: „Insgesamt bleibt festzustellen / Aussterben ist langweilig / Sowas, das macht man nicht.“ Endlich mal wieder deutsches Liedgut, dem man sich vollinhaltlich anschließen kann.“ (http://www.plattentests.de/rezi.php?show=1487)

PeterLicht – Melancholie und Gesellschaft (2008)

Reinhören
Der Ruf zum Aufbruch wie er schöner nicht sein kann, schrieb ich 2006 über PETER LICHTS Album „Vom Ende des Kapitalismus“. Zwei Jahre sind seitdem vergangen und nun liegt das neue Album „Melancholie und Gesellschaft“ auf meinem Tisch. Ein schwarz-weiß Bild blickt mich an, aufgenommen in einer namenlosen Stadt mit namenlosen Menschen, deren Gesichter durch grell-bunte Punkte verdeckt sind. Sie wirken statisch, wie Streichhölzer, die mit ihren schweren Zündköpfen versuchen das Gleichgewicht zu halten.

Nicht mehr Aufbruch und der weite Blick auf den Horizont gerichtet, immer der Sonne entgegen; Rückzug ist das Thema der Platte. Die Stadt ist gut wenn man sie von außen brennen sieht… Komm laß uns aufs Land gehen, laß uns nach den Sternen sehen… Dort die Wahrheit suchen, dem Wahnsinn der Stadt und der Gesellschaft entfliehen, weil man sich unwohl fühlt, in ein Räderwerk fällt und Gefahr läuft unter die Räder zu kommen… Weiß ich doch nicht wie ich in diesen Plot geraten bin… Den Kopf oben halten ist dann die Devise. Mitschwimmen soll nicht, geht nicht und will nicht. Manchmal muss dann der Platz geräumt werden… Der Raum ist voll doch keiner ist da, wer stört fliegt, raus raus raus, stören und fliegen und Räume räumen, hier muß ich nicht sein, hier möcht ich nicht mal fehlen… Rückzug ohne Tränen aus der gelebten Gleichmacherei, der egomanischen Ich-Bezogenheit und danach die Sintflut, raus aus der Missgunst und der Nackenschläge… Das Marketing hat noch nicht begonnen für diesen Tag, die Vergeltungsschläge kommen ja erst gegen Mittag bis dahin hamm wir noch was Zeit um alte Schulden heimzuzahlen oder Quittungen zu ordnen oder Ordner anzulegen oder Völker zu verwünschen oder Fahnen zu verbrennen…
Der Titel „Melancholie und Gesellschaft“ des neuen und vierten PETER LICHT Albums hält den roten Faden aufrecht, die Gesellschaft, ihren Wahnsinn und ihren fatalen Weg zu durchleuchten und gekonnt zu kritisieren ohne den Zeigefinger zu erheben… Bitte…liebe Medienschaffende/liebe Bilder- und Plakatschaffende…Bitte nie mehr Sexualität zeigen, bitte nie mehr und nirgendwo, in Zusammenhang mit euren Produkten bitte nie mehr Haut und nie mehr Po bitte Licht ausmachen und schweigen… Melancholisch kann man allzu leicht über diesen Zustand werden, doch PETER LICHTS Optimismus verlässt ihn auch auf dieser Platte nicht und schimmert immerhin noch ein wenig in seinen Textzeilen durch…nach vorn! nach vorn! die Zukunft leuchtet schon… Die PETER LICHT typische Weise an Themen heranzugehen ist vertraut, wie bei dem Song „Trennungslied“, der am Ende unweigerlich ein Schmunzeln hervor ruft… Mirijam hat niemanden, den sie verlassen kann, also trennt sie sich von sich, warum auch nicht…
Das Schmunzeln ist ein Lichtblick in PETER LICHTS neuem Album „Melancholie und Gesellschaft“. Die Lieder sind leiser und die Stimmung ist Moll. Dort wo einst mit einem Lächeln in der Stimme der Aufbruch besungen wurde, hängt eine Träne auf den Stimmbändern und eine Falte auf der Stirn. Die Sonne hat ausgeleuchtet… Der Sommer ist aus und du fährst nach Haus… Die verspielten elektronischen Klangelemente, die sich auf „Lieder vom Ende des Kapitalismus befanden“ sind verschwunden, Gitarre, Klavier und Geige bestimmen das Programm, minimalistisch und direkt geht es „Zurück an den Anfang“ und das auch textlich in dem emotional stärksten und persönlichsten Lied „Dein Tag/Reise zurück an den Anfang“ …die Sonden, die Maschinen, die Infusionen, die stellen wir ab …Und dann dreht sich das Segel, und ein neuer Wind kommt auf…
Zwischenmenschliche Abschiede und Anfänge, sich der gesellschaftlichen Masse entfremdet fühlen und von Außen den Menschenstrom mit all seinem Wahnsinn beobachten, den desillusionierten Städter zieht es aufs Land, dort wo die Sterne leuchten. Der Rückzug ist ein Auszug, eine Suche nach mehr Menschen, die Menschlichkeit leben, nach geliebten Menschen, die wir verloren glaubten und wiederfinden. Und da ist er wieder der Aufbruch, diesmal jedoch in Person des PETER LICHT selbst.
Komm laß uns aufs Meer fahren, laß uns nach den Inseln sehn, laß uns gehn und sehn wer dann noch kommt, das Meer ist weit und weit und weiter, weit und breit kein Mensch mehr da, von allem ist genug, und wir müssen frei sein, wir müssen mit unsrer Liebe sein… (Mandy Fox)“ (http://www.canape-sendung.de/content/view/122/52/)
http://www.peterlicht.de/ –  Homepage von PeterLicht