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Peaches – I Feel Cream (2009)

Das Cover lügt nicht: Peaches goes Disco!? Den Dancefloor hat sie ja sicher schon erobert, aber nun kommt Glitzer und Lametta ins Haus und sie läuft damit Madonna durchaus den Rang ab.  …oder macht ihn ihr zumindest streitig. Für ihr viertes Album wühlt Peaches tief in der Kiste des Electroclash und arbeitet mit einigen Größen wie Soulwax, Simian Mobil Disco, Gonzales oder Drums of Death zusammen. Und eigentlich ist dieser Griff zur Discokugel, nach einer gefühlten halben Ewigkeit als Rock-Trash-Power-Queen, eine logische Konsequenz und Fortführung des Stils. Denn der ist doch eigentlich, sich selbst treu zu sein und keinen Konventionen zu unterwerfen. Und wenn die Lust auf Disco kommt, dann darf man dieser auch ungeniert nachgehen.  Ist damit die „Rrrriot-Girl-Phase“ durch? Na, nicht ganz. Nicht nur, dass das auf „I Feel Cream“ folgende Album wieder ganz andere Töne von sich gibt, auch auf dem Discoalbum findet Peaches ihre „Feuchtgebiet“ und bekennt „I’m a stage whore / I command the floor„, was man ihr glauben darf…
In diesem Sinne: Licht aus – Spot an!

Peaches – Impeach My Bush (2006)

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Peaches, die man hier immer noch liebevoll und vereinnahmend als Berlin-Underground-Entdeckung ins Taschentuch eingeknüpft hat, ist international längst auf dem Superstar-Level angekommen. Dafür bürgt nicht nur ihre Zusammenarbeit fürs dritte Album mit QOTSAs Josh Homme, Hardrock-Godmother Joan Jett und Beck-Produzent Mickey Petralia und die Tatsache, dass Pink einen Track wollte (und bekam) und Britney anfragen ließ (und nichts kriegte). Sondern auch die von Merrill Nisker selbst ungläubig erzählte Geschichte, dass Kelis backstage “Fatherfucker” laufen ließ, und als die CD hängen blieb, die zufällig anwesende Björk prompt ihr Exemplar helfend aus der Handtasche zog.

Wer jetzt aber von “Impeach My Bush” eine Rundum-Erneuerung erwartet, dem ist mit dieser Platte leider nicht zu helfen: Peaches ist kein Novelty-Act, der sich jedes Mal neu erfinden muss, sondern sie beschreitet ihren damals noch in das längst vertrocknete Electroclash-Beet eingepflanzten Weg, der sich nicht um Unterscheidungen zwischen Cock Rock und Sleaze-Elektronik schert, konsequent weiter. “Powerhouse” ist die einzige Währung, die Peaches interessiert. Und natürlich die radikale Emanzipation von nervtötenden Rollenklischees. Wenn sie den Refrain ihres Stückes “Boys Wanna Be Her” brüllt, kann man fälschlich durchaus “Boys wanna beaver, girls wanna beaver” verstehen: Biber, nicht nur dieses halb-possierliche Nagetier, sondern auch ein amerikanischer Kosename für das flaumig bis drahtig behaarte weibliche Genital (wie natürlich auch “Bush”). Gar nicht so abwegig bei dem gerne als Sex-Fiend gehandelten kanadischen Exportartikel, aber dann doch die verkehrte Richtung. Denn was Peaches sehen will, ist (endlich) weniger Konzentration auf den weiblichen Körper als Erotik-Fetisch im Pop, sondern (endlich) Vortritt für die Männer. Was auf “Fatherfucker” mit “Shake Yer Dix” schon deutlich ausformuliert wurde, findet jetzt in Stücken wie “Two Guys For Every Girl” eine variantenreiche Fortsetzung: “I wanna see boys get down with each other” annonciert sie, und im Interview mit der Zeitschrift Bust winkt sie, angesprochen auf das Vorbild-Potenzial des inszenierten Britney/Madonna-Kusses, müde ab und entgegnet: “It’s about time Pharrell Williams and Justin Timberlake or Snoop Dogg and fuckin’ Ludacris suck each other’s dicks for everybody to see, and release a video.” Subtil ist das nicht, sondern schon eher sehr pragmatischer, symbolträchtiger “Hands-on-Feminismus”, wenn dieses schlüpfrige Wortspiel an dieser Stelle erlaubt sei – in entfesselt röhrender, kickender Ummantelung, die musikalisch nichts zu wünschen übrig lässt. Dass diese Kombi dabei so viel Breiten-Appeal entwickelt, ist so unglaublich, dass ich unser Glück gar nicht fassen kann.“ (https://www.intro.de/platten/kritiken/23036350/peaches_impeach_my_bush?inc=artikel/i2008.content.detail&category=platten&subcategory=kritiken&item=23036350&teaserlogic=ArtikelPlattenKritikenDetail&ivw=PlattenKrit<)

http://www.impeachmybush.com/ – Offizielle Webseite zur Platte

http://www.peachesrocks.com/ – Homepage von Peaches

Das nicht ganz unblutige Video „The Boys Wanne Be Her“ vom Album

Peaches – The Teaches Of Peaches (2000)

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„Die vor kurzem in Berlin gelandete Kanadierin Merrill Nisker aka Peaches besitzt eine Roland MC505 Groovebox. Sie nennt sie liebevoll »MC 5« und hat ihr beigebracht, härter und gnadenloser zu rocken als ein gesamter Jahrgang pickelgesichtiger US-College-Punks. Außerdem hatte Frau Nisker eine Idee. Diese Idee ist nicht ganz neu, aber kaum ist sie je so konsequent ausformuliert worden wie hier: Die Figur Peaches ist die Personifikation aggressiver weiblicher Sexualität, die sich über expressive und fordernde Pornomotive, anstatt über verborgene und spielerische Erotik definiert. In jeder ihrer Gesten, in ihren Bewegungen und natürlich nicht zuletzt in ihrer Musik brüllt sie dir mit einer derartigen Vehemenz »I’m here to fuck you« ins Gesicht, dass sie dadurch im Publikum eine emotionales Wirrwarr erzeugt, das nicht selten auch die Form ängstlicher Irritation annimmt. Wie auch immer – klar ist, dass Peaches dabei stets die Kontrolle bewahrt und ganz bestimmt niemanden kalt lässt, wie in Wien etwa vor einigen Monaten bei einem gut vierstündigen Clubgigmarathon mit Compadre Gonzales eindrucksvoll überprüft werden konnte.
Über all die problematischen wie spannungsgeladenen Implikationen ihrer Inszenierung wäre natürlich abseits einer kurzen Plattenkritik ausführlicher zu sprechen; hier sei lediglich noch vermerkt, dass Sie dem Hype diesmal gut und gerne vertrauen können, wenn er Peaches‘ wüsten Elektro-Punk als next big thing empfiehlt, denn hinter den erwartungsgemäß streng expliziten »Teaches Of Peaches« verbirgt sich – man möge mir diese Plattheit nachsehen – schlicht verdammt heißer Scheiß.“ (http://www.skug.at/index.php?Art_ID=238)

http://www.peachesrocks.com/ – Offizielle Homepage