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The Smiths – The Queen Is Dead (1986/2017)

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2019 über ein Album von 1986 zu schreiben, mutet ein wenig skuril an. Es hat nichts mit dem Brexit zu tun und auch der Queen geht es den Umständen entsprechend gut – vermute ich zumindest. Aber ich legte mir jüngst mal wieder dieses Album auf und war (wieder mal) überrascht von der Qualität, die die Smiths seinerzeit lieferten. Feinste Popjuwelen zieren die oft düsteren und ironisch bis zynischen Texte von Morrissey. Es gibt wohl kaum vergleichbare Musik, mit der es sich mit guter Laune gegen die Wand fahren lässt. Insofern wäre es dann doch ein geeigneter Soundtrack für den Brexit, wenn man so will…

Alles in allem kann man auch nach über 30 Jahren dieses Album immer wieder auflegen und aufhorchen. Unangestaubt, locker, ohne großes Bohei kommen The Smiths mit diesem dritten Studioalbum daher. Und ich darf nach diesem Zeitraum sicher und ohne Zweifel schreiben: Ein Klassiker! Nicht umsonst kursiert diese Platte bei vielen „Besten Alben aller Zeiten“ Charts in den vordersten Rängen und wurde 2017 remastert.

Als ich den Song „There Is A Light…“ hörte, dachte ich an ein Foto, welches ich vor einiger Zeit in Lille (Frankreich) machte. Ich war eigentlich für ein Konzert hingereist, aber Lille war auch zu dem Zeitpunkt Kulturhauptstadt Europas. Ein guter Grund, gleich mit der Familie ein Wochenende dort zu verbringen. Ich suchte eine Installation von Francois Schuiten in der Stadt und fand sie erst nicht. Bis ich bemerkte: Sie ist so groß, dass ich schon längst drunter stehe. Und so machte ich am Abend fahrend ein paar Langzeitaufnahmen durch diesen Lichttunnel, den Schuiten da aufgestellt hatte.

There Is A Light… (Lars Kilian, Lille 2012)

Godspeed You! Black Emperor – ‚Allelujah! Don’t Bend! Ascend! (2012)

Reinhören

Heute steht in unseren Breitengraden die längste Nacht des Jahres bevor. Da passt es, auf das Album „Allelujah! Don’t Bend! Ascend!“ von GY!BE zu verweisen. Schon allein der Titel des Albums vermag vielleicht all denen Hoffnung stiften, die im alltäglichen Kampf um was auch immer nicht auf der Gewinnerseite stehen. Gleich zu Beginn steigen GY!BE in die Dunkelkammern ihres sowieso nicht gerade hell beleuchteten musikalischen Gebäudes hinab, um dort unten mal ordentlich aufzuräumen und die Erinnerungen und Gedanken der letzten Dekade ans Licht zu zerren. Die beiden 20-minütigen Stücke „Mladic“ und „We drift like worried fire“ bilden dabei die Kondensationskerne dieser 50 Minuten Apokalypse. Dabei verlassen die Kanadier den Postrock und gehen mit „Mladic“ deutlich in Richtung Noiserock, der scheinbar alles niederwalzt, was bislang noch Hoffnung in sich trug, während „We  drift like worried fire“ die der Band typische Melancholie in sich trägt, die zugleich auch das Licht  verspricht, Neues und Besseres zu schaffen.

Mit dem Album, das 10 Jahre Arbeit in sich birgt und dessen Veröffentlichung eher heimlich während eines Konzerts in Boston erfolgte, konnten GY!BE sogar kurz in die Charts erklimmen und gewannen den Polaris Music Prize. Dennoch bleiben sie fernab von Hitparade und Mainstream, sie sind radiountauglicher denn je und definitiv nicht massenkompatibel. Aber welche Apokalypse ist das schon?

Bleibt uns der Blick auf Morgen. Die längste Nacht des Jahres liegt dann hinter uns und das Licht kommt sicher wieder.

Offenbar das gesamte Album zum Hören bei Youtube:

2012 hatte ich das Glück, die Band mal live in Lille zu erleben. Ein paar Impressionen dieses großartigen Konzerts, wobei Workshop vielleicht der passendere Begriff des Auftritts sein könnte…

Lille

Schon wieder über ein Jahr her, dass es mich nach Lille verschlagen hat. Grund hierfür war zum einen, dass Godspeed You! Black Emperor ein noch nicht ausverkauftes Konzert gaben und ich diese schon länger gern sehen wollte (es war beeindruckend – leider nicht gut auf den Bildern sichtbar) und darüber hinaus die Stadt auch noch Kulturhauptstadt Europas war. Von der Kultur war vieles zu sehen. Glücklicherweise gab es auch zum besuchten Zeitraum viel Kultur in der Stadt, die sich wunderbar in das Stadtbild einschmiegte. So fand eine beeindruckende Lichtinstallation von Schuiten direkt vor dem Bahnhof statt, die durch ihre Größe fast nicht aufgefallen wäre. Unglaublich 🙂 Anbei ein paar Impressionen aus der Stadt