Schlagwort-Archive: Leftfield

Leftfield – Rhythm And Stealth (1999)

Reinhören
„Vier Jahre sind im Neuigkeiten verschlingenden Popgeschäft eine halbe Ewigkeit. Wer sich zu lange rar macht, muß ständig die Furcht vor Augen haben, aus dem Kurzzeitspeicher im Kopf der Musikhörer gelöscht und in den Papierkorb verschoben zu werden.

Ganz und gar nicht beeindruckt von den Gesetzen des Marktes zeigen sich die englischen Musiker von Leftfield, die mit „Rhythm And Stealth“ soeben ihr zweites Album veröffentlicht haben. Es wirkt wie eine musikalische Reise durch den schwarzen Kontinent. Scheinbar weit hinter sich gelassen haben Leftfield die europäische Clubszene, der ihr erstes Album Leftism wesentliche Inspirationsmomente verdankte. Statt tanzflächenrockenden Beats und peitschenden Sounds sind auf „Rhythm And Stealth“ fast ausschließlich Down-Beat-Nummern zu hören; ein beinahe meditativ-repetitives Moment zieht sich durch das gesamte Album und verleiht „Rhythm And Stealth“ einen kaum zu widerstehenden Scharm. Manches, was anfangs schwer, dunkel oder gar bedrohlich wirkt, entfaltet seinen herben Reiz erst nach dem zweiten oder gar dritten Anhören. Dies nur als kleine Warnung an alle Hektiker.

Nicht ganz unschuldig am „erdigen“ Klang von Rhythm And Stealth sind die verschiedenen MC’s mit denen Leftfield für diese Platte zusammengearbeitet haben, und deren prominentester Afrika Bambaataa, der selbsternannte Erfinder des Hip Hop, ist.Wer von seinem Kontostand davon abgehalten wird, das Land zwischen Alexandria und dem Kap der guten Hoffung unter die eigenen Schuhsohlen zu nehmen, dem bietet „Rhythm And Stealth“ eine kostengünstige Alternative. Kaufen, einlegen, fühlen.“ (http://www.laut.de/lautstark/cd-reviews/l/leftfield/rhythm_and_stealth/index.htm)

Psapp – The Only Thing I Ever Wanted (2006)

Reinhören

„Ein schöner Sonntagmorgen. Mama und Papa schlafen noch. Carim Clasmann hat seine Freundin Falia Durant zu Gast. Beide können nicht mehr schlafen und gehen deshalb ins Kinderzimmer. Dort werken sie gleich mal an allen Spielgeräten gleichzeitig rum. Das Geräusch der Lego-Eisenbahn, wenn sie in die Kurve saust. „Cool! Nehmen wir mit drauf.“ Der Sound, wenn Bauklötze auf die Playmobil-Tankstation fallen. „Klingt super.“ Und wenn man die Sprechpuppe schüttelt, dann macht das so ein knarzendes Geräusch. „Nimm das auch!“ Wohl gemerkt: Diese hier geschilderte Szene ist fiktiv. Aber sie wäre als Erklärungsversuch dafür, wie die Musik des britischen Elektronikduos Psapp entsteht, gar nicht so weit hergeholt.

Diese niedlichen Samples auf „The only thing I ever wanted“ sind erst einmal Produkt einer besonderen personellen Konstellation. Carim Clasmann ist Producer in seinen Fishtank-Studios, die im Londoner Stadtteil King’s Cross liegen. Falia Durant hingegen die für Technik zu begeisternde Chanteuse. Erste Andeutungen ihres Könnens liefern Psapp schon 2003, das erste Album „Tiger, my friend“ stand im späten Winter des Jahres 2005 in den Regalen. Nun also „The only thing I ever wanted“. Was ist dieses einzige Ding, was Psapp immer wollen? In musikalischer Hinsicht läßt sich da nach dem Hören dieses Albums keine eindeutige Antwort geben. Was sie immer wollten? Alles! Mal klingen Psapp warm, organisch und rund in „Hill of our home“ oder „Make up“, wo uns ein einziges Mal überhaupt keine elektronische Kulisse umgarnt. Dann wieder sind die Töne hektisch und eckig wie in „The words“ oder in „New rubbers“.

Im Stile einer Collage wird hier zusammengeführt, was früher nicht zusammen paßte. Kühle Elektronik, warme Stimme. Gegensätze ziehen sich zwar an, aber sie bleiben zum Glück auch Gegensätze. Die Psapp-Melodien stehen einerseits in bester Songwriter-Tradition. Sie sind fragil, manchmal verletzlich. Sie gewinnen erst an Stärke durch die Beigabe konventioneller Instrumente. Dann aber sind sie Elektronik im besten Sinne. Dann fiept alles und wackelt und schüttelt sich. Es ist im Grunde die Technik des Industrial, Alltagsgeräusche in einen Sound einzubauen und so seine Umwelt an dem Produkt teilhaben zu lassen. Nur, daß die Assoziationen beim Hörer keinerlei dunkle Erinnerungen an industrialisierte Arbeitsumgebung hervorrufen, sondern stattdessen das heimische Kinderzimmer zurückerinnert wird. Das ist zwar nicht mehr subversiv, aber egal.

Soundschleifen bilden bei Psapp beizeiten einen zu monotonen Hintergrund, wobei: Stimme und elektronische Beigaben stehen hier fast gleichwertig nebeneinander. Ein Song wie „Tryicycle“ würde sich entkleidet von all diesen wohlklingenden Dekorationen auch auf Songwriter-Platten sehr gut machen. Eine spannende Vorstellung. Bei anderen Tracks wiederum würde der Versuch kläglich scheitern. Ein Klangkonvolut wie das herrliche „King of you“ wirkt gerade durch die zurückgelehnte Verhackstückelung. Wie ein Mosaik aus Tönen, bei dem die Steine ein wenig durcheinandergepurzelt sind. Deshalb ist der Sound auch in keiner stilistischen Kategorie gleich zu verorten. Von allem das Beste. Wie im Kinderzimmer. Denn da spielt man ja auch nie zweimal mit den gleichen Sachen.“ (http://www.plattentests.de/rezi.php?show=3915)

http://psapp.net/ – Homepage von Psapp

„Der Name Psapp leitet sich angeblich von dem Geräusch her, dass ertönt, wenn man eine Plastiktüte mit Eiswürfeln füllt und sie von der Decke auf einen Pappkarton fallen lässt.“ – Biografie auf MTV

Leftfield – Leftism (1995)

Reinhören

Viele kennen Leftfield und ihren Track „A Final Hit“ schon vom Trainspotting-Soundtrack, und allein dieser Track sollte Grund genug sein, sich dieses Album einmal näher anzuschauen, bzw. anzuhören. In insgesamt elf Tracks wird ein Menü serviert, was man gemeinhin nur als Leftfield ansehen kann, d.h. Musik abseits jeder stilistischen Einordnung unter Verwendung der verschiedensten Mittel. Was Leftfield unter ihrem eigenen Namen verstehen, gibt dieses Album zum Besten: Einen wilden Stilmix aus verschiedenen Dance- und Ambient-Versatzstücken, kühl, nahtlos und perfekt abgemischt und immer für eine Überraschung gut.

Da vermittelt der erste Track „Release The Pressure“ schon mal den Eindruck, man hätte gerade eine Dub-Reggae-Platte gekauft. In der ersten Hälfte ist die CD auch erstaunlich „normal“, was sich aber im „Song Of Life“ (Track 4) nach ca. dreieinhalb Minuten schlagartig ändert: Plötzlich knallt einem ein eisenharter 909-Beat samt blubbernder Goa-Backline um die Ohren, das es nur so hackt. Ähnlich abgedreht geht es weiter. Unschuldige Dubs verwandeln sich in portishead-mäßige Hops („Original“), unvermittelt auftauchende Goa-Beats treiben den Zuhörer zu spontanen Bewegungen („Space Shanty“), trockener Raggamuffin („Inspection Check One“) bringt die Dancehall ins Haus und spacige Balladen á la „Melt“ lassen einen Raum und Zeit vergessen. Der Höhepunkt ist aber zweifellos der Auftritt von Johnny Lydon alias Johnny Rotten alias Ex-Sex-Pistol, der in „Open Up“ (Track 10), einem tranceartigen Vocalstück wieder mal als rotziger Revoluzzer brilliert, und mit rrrollendem Rrr fordert: ‚Make room for me‘ und ‚Burn, Hollywood, burn!‘. Außerdem ist er ‚Bigger than God‘. Was gibt’s schöneres zum Abschluß eines grandiosen Albums als diese höchst realistische Selbsteinschätzung? Meiner Meinung nach teilen sich Leftfield künftig mit Underworld den Job als Retter des Pop. Leftism ist nämlich einfach genial. -ih“ (http://peakinmusic.de/peakin/pages/classic.htm#leftism)

Mehr über Leftfield bei laut.de und Wikipedia

Printer – I Can Take More (2007)

Reinhören

„Waren ihre ersten Alben eher introvertiert, dunkel und rockorientiert sind die Printers nun regelrechte Partysäue geworden, die ihren melodischen Songgerüste in das flexible Korsett der geraden Bassdrum packen. Tief in den schwedischen Wäldern entstand dieses Album des nordischen Quartetts Printer. Nicht etwa weil sie dort zwischen Ikea-Birken und Elchen ihr Studio haben, nein, weil sie dort auf dem Norberg Festival so viel Zuspruch für Ihre Dancefloor-orientierte Musik bekamen und somit genug Geld bei den daraus resultierenden Bookings zusammen scheffeln konnten, um diesen Silberling entstehen zu lassen. Hypnotische Sounds vermengen sich mit Technobeats, eine Prise Britpop-Melancholie und immer wieder diese sanft mysteriös klingende Stimme, die jedem Track die nötige Tiefe verleiht. Besonders „Minds Out“ und „Around The Bridges“ sind hier besonders hervorzuheben, denn diese Tracks zeigen die Leidenschaft, die das Quartett in Ihre nordischen Stilblüten gelegt haben. Für Liebhaber von Junior Boys und The Knife genau das Richtige für diesen Sommer.“ (http://www.amazon.de/gp/product/B000PFU6JU/sr=1-2/qid=1203613989/ref=olp_product_details?ie=UTF8&me=&qid=1203613989&sr=1-2&seller=)

„Wir sind einfach Partysäue!“ Interview mit Printer bei intro.de

http://www.statler-waldorf.dk/ – offizielle Webseite von Printer mit zahlreichen Infos und weiteren Hör- und Sehprobem

„We never danced so much as during the making of this record,“ – Review bei earplug.cc

Massive Attack – Mezzanine (1998)

Reinhören

„Das Cover bringt es auf den Punkt: Mezzanine ist ein dunkles, metallisch- pulsierendes, sich langsam nach vorne schleppendes Monster.
Langsamkeit wurde bei Massive schon immer zelebriert, Mezzanine ist im Vergleich zu seinen Vorgängern aber weitaus negativer, entrückter, teilweise reduzierter. Gitarren fügen sich als neues Stilelement atemberaubend in das Gesamtkonzept ein und waren vor allem live unglaublich mitreißend.
Neben Horace Andy hatten Massive mit Elizabeth Fraser wieder eine perfekte Stimme zur Vermittlung ihrer musikalischen Vision gefunden, ihre ätherisch- elegische Vokalakrobatik kontrastiert die entfremdeten Elektro-Beats perfekt und sorgt für intensive Gänsehautatmosphäre.
Diese konsequente Suche nach neuen Ausdrucksmitteln, nach Weiterentwicklung ist wohl auch der Grund, weshalb Massive im Gegensatz zu z. B. Portishead (…) und Tricky (…) die wohl letzten musikalisch relevanten Überlebenden eines Mitte der Neunziger als Trip Hop gebranntmarkten Stils sind, doch wohin soll die Reise das nächste Mal gehen?
Ich kann es mir nicht vorstellen.
Massive haben mit Blue Lines hin zu Mezzanine eine geniale musikalische Entwicklung durchlaufen, doch genau diese steht im Downbeat- Bereich seit Jahren still. Es scheint schwierig bis unmöglich, noch einmal neue Akzente zu setzen…“ (http://www.amazon.de/review/R116XI3UZP14V9/ref=cm_cr_rdp_perm)

Hier noch das Video „Teardrop“ aus dem Album

Air – 10.000 Hz Legend (2001)


Reinhören

„Bittersüsse Meisterklasse! Nach ihrem Debüt-Album „Moon Safari“ und dem eher düsteren Soundtrack „The Virgin Suicides“ legen Air ein Album vor, das den Erwartungen gerecht wird. Die vielschichtigen, oft gar innerhalb eines Stücks wechselnden Strukturen, entfalten erst nach und nach ihre grossartige Vielfalt, auf „10 000 Hz Legend“ werden jedoch keine Stilgrenzen überschritten. Die Songs reihen sich vielmehr in logischer Abfolge aneinander und die verschiedenen Themen werden immer wieder aufgegriffen. Die Teilstücke, aus aufwändig instrumentiertem Synphonie-Pop mit klaren Sondtrack-Ambitionen, bisweilen bedrückend schwerem Psychadelik-Rock oder schlagendem Synthie-Bass, werden zu einem elegant fliessenden Stück zusammengefügt, welches durchaus noch einmal in eine honigsüsse Synthesizer-Melodie wechseln kann. Auf „How Does It Make You Feel“ zeigen sich die beiden Franzosen von ihrer bitterzarten Seite, und die ist nicht ohne entspannte Selbstironie. Dieser gelassene Humor zieht sich denn auch durch das ganze Album hindurch, macht sich auf der Singleauskopplung „Radio No. 1“ bemerkbar, wo er sich über musikalischen Müll lustig macht oder ein wenig grotesk auf „Wonder Milky Bitch“. Beck wurde eingeladen und hat mit „The Vagabond“ und vor allem auch mit „Don’t Be Light“ zwei grandiose Tracks mit eingespielt. Die beiden Japanerinnen Susan und Yukimo von Buffalo Daughter gaben dem Erotik knisternden „Sex Born Poison“ ihre Stimme. Zu einem beängstigend sanften Höhepunkt kommt es schliesslich auf „Lucky And Unhappy“. Ein dunkles und verträumtes, ein berauschendes Album.“ (Quelle: http://www.music.ch/LF/reviews/ID3/INFO/Air/10+000+Hz+Legend/)