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James Blake – James Blake (2011)

Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/b/b5/James_Blake_Cover.jpg

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Es ist schon erstaunlich, welches kreative Potential in manchen jungen Musikern schlummert. Und für mich noch erstaunlicher, dass sie den Mut haben, dieses auch auszuleben und sich nicht dem Mainstream anzupassen. The XX fallen mir aus der jüngeren Geschichte ein oder auch Sigur Rós. James Blake reiht sich für mich in diese Gruppe ein. Sein Erstlings- und Erfolgsalbum von 2011, er gerade so um die 22 Jahre alt, ist voll von eigentlich irritierenden Soundtüfteleien. Ein Verschnitt aus Dub und Elektro, viel Hall und sanft aber deutlich wabernder Bass, Melodien, die aufgrund ihrer Einfachheit schon fast wieder in Einzeltöne zerfallen. Darüber gern Störungen, Rauschen, Zurren… Und Texte, die mit wenigen Zeilen auskommen und durch die Variationen selbst zum Instrument werden, gerade wenn auf jedes Instrument verzichtet wird und sich der Gesang selbst genügt. Dazwischen viel Luft…

Dennoch, nein gerade deshalb, greift dieses Album. Es klingt vieles vertraut, aber aufgrund des Arrangements der einzelnen Sounds wird es neu – und damit in Summe auch sehr interessant. Trendsetter kann halt nur werden, wer die Pfade verlässt, ohne dabei ins Abseits zu wandern. Und die Musikästhetik von James Blake zeigt, dass weniger deutlich mehr ist.

Offizielle Webseite von James Blake: http://jamesblakemusic.com/

Grimes – Visions (2012)

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Das Cover schreckt potentielle Hörer schonmal ab. Oder erzeugt es doch eher Aufmerksamkeit? Meine erste Assoziation war: ein Japan-Reimport 🙂 Crimes schafft es, mit ihrem dritten Album Grenzen aufzuheben und Gegensätze zu verschmelzen. Ein Gengreclash, den die Leute bei plattentest.de als „Electro-Album für Urban-Outfitters-Mädchen“ bezeichnen. Zentral ist ein schwebender Elektro-Pop, der von fast schon elfenhaften Gesängen Cocteau Twins & Co.  ummantelt wird. Passt auch irgendwie zum Plattenlabel 4AD. Damit wird es gleichsam unspektakulär oder auch scheinbar beliebig. Aber man sollte Grimes die Aufmerksamkeit widmen, die sie verdient. Dann offenbart sich das feine Geflecht der Sounds, die dieses Album auszeichnen. Für diejenigen, die keine Zeit und Ruhe dafür finden,  bleibt noch das cover als Tatoo-Vorlage 🙂

Offizielle Webseite von Grimes


Apparat – Silizium EP (2005)

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Apparat schwimmt ja gerade gut auf den Wellen der Zeit mit und ist ein gefragter Mann. Zusammen mit Modeselektor kam jüngst das zweite Moderat Album heraus und es gab auch ein weiteres Album (Krieg und Frieden/Theatermusik). Die hier vorliegende Silizium-EP ist eins seiner zarten Werke, in denen er zeigt, wieviel analoge Wärme im Digitalen liegen kann. Durch den Einsatz entsprechender Instrumente zaubert er eine verträumte Melancholie, wie es sonst nur wenige können (Notwist, B. Fleischmann…). Die EP beinhaltet neben den Apparat-Tracks noch einige Remixe von Telefon Tel Aviv, Rechenzentrum und Bus, die  behutsame Variationen der fragilen Originale  darstellen.

Infos zu Apparat auf Wikipedia

Christian Kleine – Beyond Repair (2001)

„Nach einer offensichtlich aufregenden Zeit rund um die Welt des Duos Herrmann & Kleine widmet sich Christian Kleine, zurück in Berlin, seinen eigenen kleinen Popdingern, die es bisher nur auf Singles und Compilation-Beiträgen zu hören gab. Kleines Debüt ist dabei zweifellos sehr, sehr schön geworden. Bereits der erste Track „Guitar Interrupt“ öffnet das Tor in Kleines Downtempo-Land abdriftender Sounds mit Dubverdächtigkeit. Wenn Jean-Michel Jarre jemals bescheiden, beatsinteressierter und innovativ gewesen wäre, er hätte diese acht Songs auch nicht besser hinbekommen. Vielleicht ist Kleine ja auch eigentlich Jarre, der einfach noch mal ganz neu anfangen, sich der alten Bombastpeinlichkeit entledigen und der endlich mal richtig tolle Stücke aufnehmen will, Stücke, die berühren.

Blödes Wort, aber yes, Kleines Instrumental-Musik packt einen, zieht einen rein in eine Emotionsblase namens „Beyond Repair“. Postpostmoderne, traumhafte Sounds für Turnschuhgazer.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23028428)

 

Shank – Do (2004)

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2003 haben sechs ambitionierte Improvisationsmusiker aus Berlin ihre Instrumente (Drums, Bass, Gitarre, Percussion, Trompete, Sampler und FX Prozessor) ins Studio getragen und das getan, was sie live sowieso schon sehr gut können: Musik. Burnt Friedman nahm die Session auf und hat sie am Computer CD und Wohnzimmertauglich aufbereitet. Herausgekommen ist ein Album, welches zu Recht bei Nonplace ein Label gefunden hat. Warme Töne, die rhythmisch vor sich hinmändern und eine deutliche Handschrift von Burnt Friedman tragen, ohne sich selbst zu verraten. Wieder ein schönes Beispiel, dass Elektronik und „hand-made“ Musik wunderbar zusammenpassen. Future Jazz vom Feinsten, Improvisation mit Ziel und ohne das Gefühl, dass hier belanglos jeder sein Instrument spielt, wie mir das hin und wieder in dem Genre aufkommt. Geeignet für das Abschalten nach Feierabend, ebenso für die gemütliche Cocktailparty im Freien…

Yello – The Eye (2003)

Hörprobe

Sie können es noch immer. Dieter Meier und Boris Blank zeigen auch im 21sten Jahrhundert, wie elektronische Musik abseits des Mainstream klingen kann, ohne abzuheben oder die Gehörgänge mit Abwegigen zu strapazieren. Dancefloor-Rhythmen, Salsa, Bombast und die seit 25 Jahren typische Bassstimme zeichnen das Album aus. Es ist ein Schritt zurück zu den Wurzeln von Yello, ohne ein Rückschritt zu sein. Um dem gerecht zu werden, haben sich die Schweizer dieses Mal die Vocalistin Jade Davis ins Studio geladen, die durchaus einen angenehm frischen aber warmen Wind über das Album fegen lässt. Fein fein.

Wikipedia über Yello

Doctor Rockit – Indoor Fireworks (2000, re-issue 2007)

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Matthew Herbert, hier mit seinem AlterEgo Doctor Rockit, hat wieder eine Zündschnur gelegt. Jedoch statt der üblichen Housekracher oder mit seiner Big Band feuert er viele kleine Tischfeuerwerke ab, die voller Überraschungen sind. Wie schon beim ersten Werk „The Music Of Sound“  finden sich hier Skizzen und Collagen, die in Sounds ausgearbeitet werden und das Alltägliche transformiert aus den Boxen regnen lassen. Intro beschreibt es als eine moderne Form der „Musique Concrète: Kurzgeschnittene Knatter-, Knister- und Klacker-Samples, die aus allen nur denkbaren Quellen in Matthews Mikro gelangten (etwa der Klang von Ampeln in Sydney), treffen auf u. a. ein Akkordeon, ein 30köpfiges Orchester oder funkende Akustikgitarren sowie gebrochene, stolpernde Beats. Das Ergebnis: Musik, an der man sich reiben muß, um sie genießen zu können. Verspielt, vertrackt, verschroben und auf eine ganz bestimmte Art jazzy.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23026240/dr-rockit-indoor-fireworks) Jedoch will auch hier Herbert wieder seine Message unter die Hörer bringen: Es geht wieder um Politik, Information und Kritik. Hier und da kann man dem Gesang von Dani Siciliano lauschen. Und was sagt Herbert dazu? „Während Herbert songorientierter House ist und Radioboy in Richtung Techno geht, mache ich als Doctor Rockit eher experimentelle Sachen. Wobei ich nicht glaube, dass sich Komplexität und Schönheit ausschliessen müssen“

Mehr Infos unter: http://de-bug.de/mag/1357.html

Wikipedia zu Matthew Herbert

 

 

Orbital – Snivilisation (1994)

Hörprobe
„Snivilisation is one of Orbital’s most accomplished works. Partially consisting of experimental loop-oriented progressions and clamorous noise fills, other dominant tracks also purvey elements of drifting „technotic“ bliss. The appearance of guest vocalist Allison Goldfrapp, who sang on Tricky’s Maxinquaye album, adds to the appeal of two tracks. As audiences succumbed to the electronic symbiosis generated by Orbital’s mystique, the group’s political outlook became realized on bold tracks like „Are We Here.“ The track rallied rave culture as it scorned austere governmental policies which descended upon England’s electronic masses. Combined with traces of Eastern-oriented influence, the album further heralds Orbital’s outward affiliations applied within their technology-driven platforms. (Lucas Hilbert)“ (http://www.amazon.com/Snivilisation-ORBITAL/dp/B00004T6V0)

Wikipediaeintrag zu Orbital

The Future Sound Of London – Lifeforms (1994)


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„Lifeforms may not have become the prototype for London’s future sound, but it is still one of the strongest records to come out of the 90s.

Despite all the efforts of British duo Garry Cobain and Brian Dougans (read: no less than thirty albums under twenty-five different aliases), the electronica they envisioned as London’s future sound over the past twenty-one years never exactly transitioned into the city’s present sound. But it’s been a fantastic run all the same, even if the duo has been focusing more on their psychedelic, progressive material as of late. With that said, the most impressive works in The Future Sound of London’s back catalogue are some of the duo’s earliest studio albums. The production of Lifeforms was well underway as Cobain and Dougans released Tales of Ephindrina under the Amorphous Androgynous banner in 1993. Accordingly, whereas Tales of Ephindrina did a great job in combining the techno of the duo’s earliest writings and the ambience of their later works, Lifeforms takes on a more complex, experimental structure. In doing this, The Future Sound of London not only cemented their status as one of the scene’s top acts, but also crafted one of the genre’s top records.

If Lifeforms was held back by anything at all, it would certainly be its large volume of tracks. There are longer electronic albums from that era, of course; case in point, The Orb’s Adventures Beyond the Ultraworld exceeds it by nearly twenty minutes. But with ninety-two minutes of material spread over nineteen songs on two discs, Lifeforms can make for quite the daunting listen nevertheless. That isn’t to say that it’s tedious, just a bit dense on the first few listens. Contributing to the album’s arguably inaccessible aura is the experimental direction taken by Cobain and Dougans. Album opener „Cascade“, for example, opens with a minute and a half of alien sounding overtures and spacey samples, before transitioning into a melting pot of said samples, a subtle, synthesized ambience, and light beats. And though much of the double album is spent experimenting with a delicate sound built on sweeping samples and shrouds of electric noise, it would be a mistake to pigeonhole Lifeforms into having nineteen different versions of „Cascade“. One of the album’s most impeccable aspects is its subtle format; there’s just so much going on in nearly every song that you’ll hear something new on each listen.

The album’s antithesis, then, is its title track. A hit single in the UK, „Lifeforms“ abandons the soft, discreet textures so predominately featured throughout the double album in favour of heavier ambient house influences. The song is owns one of Lifeforms‘ heaviest rhythm sections, making it one of the record’s more in-your-face-type tracks, and certainly the catchiest. Parts of „Among Myselves“ also echo the title track’s dancier moments, but not without applying the oddities heard in virtually every other track. And despite standing out as two of the few truly danceable tracks on a primarily ambient album, both „Lifeforms“ and „Among Myselves“ hardly sound out of place.

But as notable as the likes of „Lifeforms“, the driving „Flak“ (which incidentally features guitarist Robert Fripp of King Crimson fame), and the almost frightening „Spineless Jelly“ may be, the sheer scope of Lifeforms prevents it from being anything other than brilliant. Falling victim to the old quality vs. quantity debate, double albums tend to taper off the longer they go on. With Lifeforms, however, The Future Sound of London build off and improve on each subsequent track; consequently, to pinpoint a highlight is virtually impossible as nearly every song could make a case for such an honour. But such talk is moot in the end as Lifeforms is just such a rewarding record to listen to. It’s dense. It’s expansive. It’s relaxing, engaging, intimate, strange, perhaps pretentious at times, and an assortment of other positive adjectives. But above all else, Lifeforms is a blast to listen to and ranks up with the Boards of Canadas, the Shpongles, The Orbs as for as 90s electronic music is concerned.“ (http://www.sputnikmusic.com/review/29018/The-Future-Sound-of-London-Lifeforms/)

Wikipediaeintrag zu FSOL http://de.wikipedia.org/wiki/The_Future_Sound_of_London

Future Sound Of London – Lifeforms (Commercial Version)

Plastic Operator – Different Places (2007)

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„Unbeschwerter Elektro-Pop zwischen Air und Console

Fine Day Records heißt das Label, auf dem mit „Different Places“ das Debütalbum von Plastic Operator erscheint. Und einen angenehmen Tag verbringt man garantiert, wenn Mathieu Gendreau und Pieter Van Dessel den Soundtrack dazu spielen. Die elf Tracks des Albums sprühen nur so vor optimistischer Naivität, unterlegt mit locker nach vorne hüpfenden Grooves. Ein kurzweiliges Hörvergnügen, das die Zuhörer mit seiner zwischen Air und Console oszillierenden Leichtigkeit und Unbeschwertheit auf Anhieb begeistert.

Eine Platte, wie gemacht für sonnige Sommertage, die gute Laune ist vorprogrammiert. Nicht umsonst heißt gleich der Opener „The Pleasure Is Mine“. Im Anschluss daran liefern Plastic Operator mit „Peppermint“ den schönsten Song des Albums ab. Das sanft melancholische Stück hört sich an wie eine elektronische Adaption eines Notwist-Songs. Überhaupt klingt das Duo bei vielen Songs, als wären auch sie im bayerischen Weilheim zu Hause.

Dabei liegen die Wurzeln von Mathieu Gendreau in Kanada, diejenigen von Pieter Van Dessel in Belgien. Getroffen haben sich die beiden Produzenten allerdings in London. Aus Liebe zu den Pet Shop Boys, Akufen und Jean Michel Jarre entstand dann das Projekt Plastic Operator. Erste Tracks, die im Selbstvertrieb in Londoner Plattenläden die Runde machten, stießen sofort auf offene Ohren. Angespornt von den positiven Reaktionen machten sich Plastic Operator an die Arbeit für ein Album.

Sehr routiniert und zielgerichtet klingt das Ergebnis. Die durchgängig schönen Gesangsmelodien machen einen guten Teil des Popappeals von „Different Places“ aus. Dezenter Vokoder-Einsatz lässt immer mal wieder an Daft Punk denken, beispielsweise bei „Special Case“. Die sehr gute Produktion unterstützt den geschmeidigen Flow des Albums. Dass Songs wie „Another Sound“ mit ihren Italo-Anleihen hart an der Grenze angesiedelt sind, nehmen Plastic Operator gerne in Kauf.

Hier geht es nicht um Tiefgang, sondern um Popmusik. Und die darf gerne mit ihrer plakativ zur Schau getragenen Oberflächlichkeit spielen. Plastik-Pop im besten Sinne des Wortes, freilich mit einem Augenzwinkern vorgetragen und gerade deshalb angenehm aufreizend. (Daniel Straub)“ (http://www.laut.de/Plastic-Operator/Different-Places-%28Album%29)

http://www.plasticoperator.com/ – Offizielle Webseite von Plastic Operator