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Kapelle Petra – The Underforgotten Table (2016)

Ich mein, es ist schon was Besonderes, neben dem üblichen Klangkörper auch eine Bühnenskulptur offiziell als Bandmitglied zu führen. Oder besser andersrum: Ein Bandmitglied als Bühnenskulptur. Aber „Gazelle“ ist ein wichtiger Teil von Kapelle Petra, den „Ja-Sagern“ aus Hamm. Mit diesem Album machen sie sich auf, die Welt aus ihrer Perspektive zu durchdrucken, aufzumischen und vielleicht ein bisschen zu verbessern. Begeisterten mich früher ihre Spaßnummern wie „Curly Sue“ oder „Gewitter“, sind es auf The Underforgotten Table durchaus Songs, die sich z.T. kritischer und tiefer mit den Phänomenen unserer Zeit auseinandersetzen. Dennoch behält Kapelle Petra das Markenzeichen bei, ihre Anmerkungen zum Leben im Allgemeinen und Besonderen mit einem Augenzwinkern, mit Ironie und Selbstkritik vorzutragen. Und so machen sie auf diesem Album nicht nur wieder Spaß, sondern haben auch was zu sagen. Eine Kombination, der man doch ganz gut zuhören kann…

Kapelle Petra – Stadtranderholung (2008)

Reinhören

Bescheuertes Cover, bescheuerter Bandname und Plattentitel. Aber bereits der Opener des Albums lässt aufhorchen und zustimmend nickend, wenn es da heisst „Curly Sue Ist Doch Kein Name Für Ein Kind Aus Gelsenkirchen“. Da haben die mal wirklich Recht – und den unbedarften Hörer schon mitgenommen in die Stadtranderholung. JPC fasst es folgendermaßen zusammen „Man beschreibt sie als optische Kreuzung zwischen Fips Asmussen und Sepultura. In Töne übersetzt klingt Kapelle Petra eher so, als hätten Funny van Dannen und Helge Schneider Tocotronic beigebracht, gute Musik zu machen. Die 3 Musiker aus Hamm am Rande des Ruhrgebiets entdecken seit ihrem Debüt „Felsen“ (1997) die Freiräume zwischen Alternative, Punk, Pop, deutscher Lyrik und Comedy. Das Ergebnis – ob krachig laut, poppig, balladesk oder urkomisch – ist stets voller Charme und von einzigartiger Pointiertheit. Kapelle Petra sind der Opa (Gitarre, Gesang), der tägliche Siepe (Bass) und Ficken Schmidt (Schlagzeug).“ (Quelle) Und so spielen sie sich durch alltägliches, indem sie z.B. einen Radionmitschnitt einer älteren Dame, die besorgt wegen des Wetters anruft, zu einer Elektro-Pop-Nummer zusammen sampeln, besingen das Älterwerden, die Esoterik und so weiter. Nochmal einen Zahn legen sie zu, wenn es darum geht, einige Songs zu Covern. Ruft das üblicherweise bei mir eher ein Gähnen hervor, packt es die Kapelle Petra, hier zu Punkten, indem sie einen Song bereits nach 30 Sekunden zusammenfallen lassen, um einem Dead Kennedys Zitat zu folgen. Aber auch der Funny Van Dannen Song „Alles verkauft“ wird hier authentischer (geht das überhaupt) eingespielt und ein weiteres Highlight ist die Schnulze „Mein Freund der Baum“, die sich wohl einer ganzen Generation in die Hirnrinde brannte und hier nochmals pompöser und anklagender aufgeführt wird… Eine gute Unterhaltung von einer Band, die sich von vornherein erstmal Abseits der Popkultur aufstellen!