Schlagwort-Archive: Indie Rock

Elbow – build a rocked boys! (2011)

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Elbow legen bei ihrem 5ten Studioalbum Wert darauf, dass dieses in kleinen Buchstaben und mit Ausrufezeichen geschrieben wird. Diesem Wunsch komme ich gern nach, zumal die Erhabenheit, die dieses Werk ausstrahlt, eine gewisse Demut beim Hörenden auslöst. Elbow schaffen es immer wieder, Musik zu komponieren und zu spielen, die für große Stadien genauso funktioniert wie für den ganz privaten, intimen Moment. Dazu trägt neben der wunderbaren Orchestrierung nicht zuletzt die markante Stimme von Sänger Guy Garvey bei.

build a rocket boys! kann als Nachfolger von „The Seldom Seen Kid“ als wohl schwierigste Geburt bezeichnet werden. Denn The Seldom Seen Kid war Elbows bislang erfolgreichstes Album. Sie kamen in die Charts und avancierten zu den (englischen) Publikums- und Kritikerlieblingen.  Wohl deshalb haben sie auch drei Jahre an diesem Album gefeilt und gebastelt, um auch ihren eigenen Wünschen gerecht zu werden: „Wir haben uns wie jedes Mal darauf konzentriert, ein Album aufzunehmen, das einen auf eine Reise mitnimmt. Das einem im Idealfall nach dem Anhören an einen anderen Ort transportiert hat. Wir sind in erster Linie noch immer eine Band, die Alben macht. Wenn wir damit mal nicht weiterkamen, stellten wir uns eine ganz simple Frage: ‚Was wollen wir als nächstes hören?‘“ (Quelle)

Als schlichtes Fazit kann festgehalten werden, dass dieses Album einfach nur großartig ist!

Plattenbesprechung bei Wikipedia,

ClickClickDecker – Nichts Für Ungut (2006)

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Sollte ich skeptisch werden, wenn meine Frau mir zugesteht, den Volume-Regler der Anlage doch mehr als üblich aufzudrehen, damit man die Musik noch in der Küche hört? Eigentlich nicht. ClickClickDecker ist das, was Reinald Grebe über sich behauptete: Massenkompatibel. Und zwar im Besten Sinne. Poetische Texte inklusive Aussage, von einer Gitarre getragene Musik, die Platz für allerlei weitere Instrumentierung und Elektrofrickelei lässt. Und eine Stimme, die mit Wärme und Heiserkeit zugleich von den Alltäglichkeiten des Lebens singt – nur dass die besungenen Perspektiven oftmals überraschend sind, Bilder zusammen bringt, die auch zusammen gehören und Textzeilen im Ohr einnistet, die dort gar nicht mehr raus wollen . Beispiele gefällig? *** Die standen hier mal. Aber als Text allein scheinen sie jegliche Wirkung zu verlieren. Also: lieber anhören…

Offizielle Webseite: http://www.clickclickdecker.de/

Wikipedia über Kevin Hamann

Readymade FC – Babilonia (2005)

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Da tummelt sich schon lang was in meinem CD Regal, was vorgestellt werden möchte, obwohl es eigentlich bekannt sein sollte. Readymade Macher Jean-Phillipe Verdin versammelt auf seinem Album Babilonia nicht nur wunderbare Sounds, die aus den Reichen von CocoRosie, Bodi Bill, Gregor Samsa und Geistesverwandten stammen könnten. Er schafft es auch, einige Größen der Szene ins Studio zu holen. So überraschen die Auftritte von David Sylvian, Yael  oder Feist, passen gleichsam wunderbar in die poetische Welt, die Readymade FC aufbaut. Verdin entführt den Hörenden in Traumwelten voller Fabel-, Fantasie- und Märchenwesen, die Musik möchte nur Harmonie, ohne dabei einfach dahin zu plätschern… Und wenn sie verstummt, hinterlässt sie eine Leere, ohne dass man weiß, was vorher diese Leere gefüllt hat.

Als ein Beleg der komplexen Genialität, die Readymade im Einfachen findet, soll das nachfolgende Video herhalten 🙂

Kristofer Åström – Sinkadus (2009)

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Einen Tag lang hab ich mich bewusst dem Album im Repeat-Modus ausgesetzt. Ein deutlicher Vorteil der CD gegenüber Vinyl, wobei das Album musikalisch wohl auf Vinyl besser beheimatet ist. Bislang lies es mich immer wieder aufhorchen, wenn es in den CD-Player gelangte und ich war leicht euphorisiert, ohne zu wissen warum. Eigentlich könnte man die Musik des Schweden als Lagerfeuer-Hintergrundmusik im besten Sinne (!) abhaken. Aber irgendwas ist hier anders. Es hat Kraft – ohne zu sehr zu rocken, Emotionen – ohne schmierig zu wirken, Poesie – ohne zu weich zu sein, eine hohe Dichte – ohne zu erdrücken. Und Kristofer Aström scheint viel Kreativität zu besitzen. Die sehr guten Songs werden gern an manchen Stellen zart aber bewusst gebrochen, um noch ein paar andere Soundskizzen anklingen zu lassen, die selbst das Potential haben, als eigenständige Nummern auf ein Album zu kommen. Allein um diese Anhängsel der musikalischen Skizzen ringt so manche Band auf Albumlänge, ohne vergleichbares produzieren zu können. Herr Aström wirft sie einfach hin und bereichert damit das Album um einie Facetten, da er sich damit vom klassischen Format Song-Pause-Song löst und etwas in der Art Intro-Song-Pause-Song1Song2-Song…. aufbaut. Dabei wirkt es dennoch homogen, stimmig und rund.

Neben der obligatorischen Akustikinstrumenten hat Aström auch die strombetriebenen Instrumente (wieder-)entdeckt und schafft es, diese wirklich gekonnt einzusetzen. Die dort angezapften Energien werden 1:1 an den Hörer weitergegeben. Eine gutes Werk, irgendwo zwischen Bright Eyes, Minor Majority und Madrugada verortet ohne wirklich da zu Hause zu sein.

Fazit: Es war ein guter Tag, als Kristofer Aström mich begleitete!
Kristofer Åström bei Wikipedia

Offizielle Webseite

Goose – Bring It On (2006)

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Es geschehen doch immer mal wieder Wunder. Die belgischen Goose starteten als ACDC- Coverband (!), bevor sie irgendwann anfingen, ihren Stil zu entwickeln. Vielleicht war das Vorspiel aber auch gut für die richtigen Fingerübungen, denn gerockt wird immer noch. Nur auf einem Niveau, auf dem nicht bloß heiß gegessen , sondern immer noch gekocht wird. In ihrem Schmelztiegel wird alles zusammengeworfen, was wirklich würzig ist. Dicke Gitarre, prägnante Drums, Synthesizer (scheinbar mit den Ellenbogen gespielt) und Texten, die sich direkt ins Ohr bohren. Eine perfekte Mischung aus Pop und Rock, Elektro und Akustik, Träumen und Springen. Und so passt auch die wiederholte Textzeile in „British Mode“, wenn sie mehr schreien als singen „Give me a reason to cool you down…“ Auf dem Album jedenfalls fanden Goose keinen Grund, irgendwas abkühlen zu lassen. Bestimmt die Lieblingsband von Chuck Norris. Großartig und schön. Dass es jetzt eine ACDC Coverband weniger auf der Welt gibt, ist dabei mehr als verzeihlich 🙂 Das Video passt in seiner optischen Verdrehtheit zum Album!

Offizielle Webseite von Goose

Goose bei Wikipedia

Tunng – And Then We Saw Land (2010)


And Then We Saw Land
Wer kennt sie nicht – diese kurze, unfassbare, schöne Zeit – ganz kurz vor dem Aufwachen und schon nach dem Schlafen. Ein Aufwachen, welches einen sonnigen Tag nach sich ziehen wird, wo es einen duftenden Kaffee ohne Hast gibt. Ein Aufwachen, dass beim ersten Blick lichtdurchflutetes frisches Grün von Bäumen zeigt… Das sind doch schöne Momente. Der Schlaf ist noch nicht weg und verbreitet noch ein wohlig-ruhiges Gefühl, aber schon bald geht es auf in einen Tag, der viel Gutes verspricht. So in etwas klingt für mich die Musik von Tunng. Und was der Titel an Optimismus verspricht, lösen die Songs ein. Immer gibt es Hoffnung, Licht, Freude, Zugewandtheit. Oder in der Metapher des Titels zu bleiben: Mit Hustle im Gepäck kann es wohl auf jede Schiffsreise gehen, ohne Angst vorm Kentern zu haben…

The Wedding Present – Hit Parade 2 (1993)

Gleiches Konzept, neue Songs, zweite CD. 1992 haben The Wedding Present jeden Monat eine Single veröffentlicht. Auf der Hit Parade 2 finden sich somit die Singles von Juli bis Dezember inklusive der B-Seiten, wobei die zwölf Songs jeweils zur Hälfte Eigenkompositionen und Coverversionen sind. Und auch wenn die Band seit Anbeginn nie eine Zugabe gespielt hat, muss man sie aufgrund ihres Gitarrenschrammelpops (lt. Indiepedia), der Melodienverliebtheit und der unglaublichen Stimmgewalt von David Gedge einfach lieben 🙂

Throw That Beat In The Garbagecan! ‎– Not Particularly Silly (1991)

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1991? War dass nicht auch so ein Flowerpowerjahr? Gefühlt schon und zu dem Gefühl  trugen doch damals die Nürnberger Throw That Beat In The Garbagecan! ihren Teil bei, dass sich alle lieb hatten und Arm in Arm über die Wiesen sprangen. So oder ähnlich jedenfalls sieht das in meiner verklärten Erinnerung aus. Dass diese Musik nicht längst ausgesaugt und out ist sondern immer noch den Sommer in die Köpfe bringt, liegt wohl an der Leichtigkeit der Sounds, gepaart mit der breitschnutig klingenden Stimme des Sängers Klaus Cornfield, aber auch der mädchenhafte Gesang von Polli Pollunder. Gesungen wird von Alltäglichem, der Liebe, der Schokolade, dem Weltall, den Autos oder allem zusammen…  Immer verpackt in zuckersüße Melodien, die von einem unbefangenen Gitarrenpop getragen werden. Ideal, wenn man an Tagen wie diesen auf den Sommer wartet 🙂

Interview mit TTBITG! in der Intro

CocoRosie – The Adventures of Ghosthorse and Stillborn (2007)

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Was ist eigentlich das schöne an den Platten von CocoRosie, dass ich gern immer noch eine mehr im Schrank haben möchte? Eine Frage, die ich mir selbst hin und wieder stelle. Ist es das verspielte der Lieder? Ist es der Überraschungsmoment, wenn wieder mal ein neuer Gegenstand, der wohl eigentlich nicht zum musizieren gebaut wurde, nun doch für einen Ton auf dem Album herhalten muss? Ist es die Freude über nie erwartete Melodien, verträumten SingSang oder der eine oder andere prominente Studiogast (hier übrigens wieder mit Gastauftritt von Antony), der die beiden Schwestern unterstützt? Ist es diese (verw)irrende akustische Reise in die Traumwelt der Beiden, zu der jedes Album einlädt? Es liegt wohl an allen zusammen und noch mehr…
Wikipedia zu CocoRosie

Editors – The Back Room (2005)

Hörprobe

Die ewig Zweiten,

so meinen zumindest die Kritiker in den verschiedenen Foren und Webseiten, wenn sie sich den Editors und ihrem Erstling „The Back Room“ widmen. Und ja, irgendie schwimmen sie ja mit, auf dieser schönen Retro-Joy-Division-Welle, die schon einige andere an Land gespült hat. Bekannteste Vertreter sind wohl Interpol, aber sind nicht die schon Zweiter gewesen? Und was macht es, Zweiter oder Dritter oder…  in einem Wettkampf um das Schöne und Edle zu sein?

Die Editors greifen mit dem Album schlicht und einfach das Erbe von Ian Curtis auf und machen alles richtig. Sonore Stimme, introvertierte Texte, ein ausgezeichneter Basslauf, verheulte Gitarren und Ruhe, Deepness, Melancholie und Wärme. Nur, sie waren nicht die Ersten. Ich kann es ihnen verzeihen und freu mich darauf, einen erfolgreichen Zweiten in den CD Player legen zu können.

 

Offizielle Webseite: http://www.editorsofficial.com/