Schlagwort-Archive: House

Stardub – Cut And Paste (2001)

Reinhören Noch so eine Perle, die unauffällig im CD Regal liegt und es jedesemal schafft, beim Einlegen in den Player für Begeisterung zu sorgen. Gerade mit der jüngsten (und wieder abebbenden Welle des Dubstep) zeigt Stardub, wie Dub Anfang der 2000er definiert und dekliniert wurde. Aus den hintersten Ecken des Synthesizers hervorkriechende Bassläufe, die den Hörer in immer wärmeren Wellen umspülen. Eingewobene Samples, ein Hall hier und da und alles mit einer Spange aus purem Groove zusammengebunden. Minimal und dennoch voll, weniger ist hier mehr. Mit diesem Album hat Dubstar C-Rock einen schönen Meilenstein in den Tiefen des Klangozeans gesetzt. Sehr deep…

Mainstreet Records 1993-1999 – Round One To Round Five (1999)

Hörprobe
Das Album ist eine Basic-Channel Veröffentlichung, die die 12″ Maxis von Main Street zusammenfasst. Dabei wird die Lücke zwischen Club und schleppenden Dub –  sonst typisch für die auf Basic Channel veröffentlichten Stücke – gekonnt geschlossen. Dabei wird nicht auf Gesang verzichtet, der wie bei den Rhythm & Sound Sachen auch hier von Tikiman sowie Andy Caine stammt. Verantwortlich für diese getragenen Stücke zeichnen sich Mark Ernestus & Maurizio aka Moritz von Oswald, die für Main Street die Drehzahl der Plattenteller von 16 auf 33 angehoben haben, ohne jedoch die ewigen Dubschlaufen verlassen zu können und zu wollen.
Wikipedia zu Moritz von Oswald und Mark Ernestus

Jamiroquai – Travelling Without Moving (1996)

Hörprobe
„Jamiroquai gelang es mit diesem dritten Album sich die Aufmerksamkeit der Top 40-Radiosender und MTV, sowie einen Grammy und eine Platinauszeichnung zu sichern.
Dabei hatten sie ihrem bewährten Soul-Disco-Mix nur etwas Pop hinzugefügt. Warme Keyboards, zuckersüße Streicher und unbezähmbare Grooves bilden die Basis für Jay Kays überragende Stimme, und powern die Hits („Virtual Insanity“, „Cosmic Girl“). Zwar macht die Stimme des Leadsängers (voll Jazz und Elastizität) das Feuer der Band aus, aber erst die „Kleinigkeiten“ (makellose Gitarrenklänge, flotte Hintergrundgesänge und geschickt eingesetzte Old-School-Soul-Samples (Eddie Harris in „Alright“, Esther Phillips in „High Times“) machen die Platte perfekt. Für einen Ausgleich zu den sehr tanzbaren und radiotauglichen Tracks sorgen die Balladen „Everyday“ und „Spend A Lifetime“, das reggaemäßige „Drifting Along“ und ein paar Didgeridoo-Instrumentalstücke. (Suzanne McElfresh)“ (http://www.amazon.de/Travelling-Without-Moving-Jamiroquai/dp/B000025RR1)

Wikipediaeintrag zum Album

Björk – Debut (1993)

Hörprobe
„Es gibt wenige Künstler, die sich auf diese bestimmte elegante Art jenseits der gängigen Kategorien bewegen, aber Frau Gudmundsdottir ist definitiv eine von ihnen. Nach ihrer Abwendung von der gitarrenlastigen Musik der Sugarcubes zog sie nach London, um dort zusammen mit dem vorzugsweise im Dancefloor tätigen Produzenten Nellee Hooper ihren Solo-Erstling aufzunehmen. Als Ergebnis dieser Zusammenarbeit entstand eine merkwürdige Kombination verschiedenster Einflüsse und Instrumente, die vor allem eines ist: Ästhetisch. Hooper läßt Björks Stimme über den geräumigen Kompositionen schweben wie ein isländisches Fabelwesen und baut aus dem reichhaltigen Fundus an Instrumenten den Unterbau dazu: Neben der Standard-Instrumentierung nutzt man Streicher, Bläser, Harfe und Hammond Orgel, um so der Vielfältigkeit der Stücke gerecht zu werden. Hier ein stampfender, programmierter Beat, der in jedem Club Londons funktionieren könnte, im nächsten Moment nur der zarte Klang der Harfe und Björks Gesang. Mit dem Schritt zur Solokarriere hat sie ihre eigene Kategorie begründet und seitdem jede Menge Nachahmer auf den Plan gerufen. Die betörende Seltsamkeit ihres Schaffens ist jedoch nicht zu kopieren.“ (http://www.visions.de/platten/1037/bjoerk-debut-platten-der-neunziger)

Wikipediaeintrag zu Björk

Björks Webseite mit vielen Infos zum Album

Matthew Dear – Asa Breed (2007)

Hörproben
Mutter House und Vater Techno: Ein Elektronik-Produzent entdeckt das Songwriting und die Möglichkeiten seiner Stimme

Die Situation, in der man ein Stück zum ersten Mal hört, kann ganz entscheidend mitbestimmen, wie es sich in einem festsetzt. Im Fall von „Deserter“ war’s maßgeschneidert: eine Zugfahrt durchs deutsche Nirvana irgendwo zwischen Leipzig und Nürnberg. Am Fenster rauscht eine VR-Kulisse aus Regen und Mittelstädten vorbei, die Beats spiegeln die Bewegung mit einem mittelschnellen Takt wider und der Song gleitet in einem gleichmäßigen Synthie-Akkord wie zwischen Schiene und Oberleitung aufgehängt dahin: Rasender Stillstand, Ruhe und Bewegung zugleich. Erinnert an Stereolabs „Les Yper-Sound“, vage auch an Kraftwerks „Trans-Europa-Express“ … bloß mit verfeinerter Sound- und Eisenbahntechnik: ICE statt Holzklasse.

Dass Kraftwerk stets als Ahnväter von Techno genannt wurden, war für mich immer ein harter Brocken: Elektronik hin oder her – der Unterschied zwischen elegischer Romantisierung des Maschinenzeitalters hier und der sehr viel nüchterneren Fokussierung auf Tanzbarkeit da ist schließlich immens. Matthew Dear hat damit aber keinerlei Probleme; er schafft eine Sound-Synthese (siehe etwa „Fleece on Brain“), die sich wie ein evolutionärer Zwischenschritt anhört – und den Begriff „Dance Music“ dehnt er ohnehin so weit wie möglich aus, bis hin zu David Bowie und Brian Eno.“ (http://derstandard.at/2950746/Matthew-Dear-Asa-Breed?_lexikaGroup=4)

http://www.matthewdear.com/ – Offizielle Homepage

Matthew Dear bei Myspace

Justice – + (Cross) (2007)

Reinhören
„Endlich, endlich, bringt das französische Neo-House-Duo Gaspard Augé und Xavier de Rosnay aka Justice sein erstes Album mit dem bildhaften Titel „†“ heraus. Nach dem Remix der Simian-Nummer „Never Be Alone“ dürfte sie wohl jeder kennen, der schon einmal eine Disco von innen gesehen hat. Und jetzt schlagen anlässlich des Debüts alle Musikkritiker im Land vor Begeisterung Purzelbäume, pardon, galipettes…

Justice haben mit „†“ (oder doch „Cross“, vielleicht gar „Croix“?) ein Album aufgenommen, das seinesgleichen sucht und natürlich nach Verweisen zu Daft Punks „Homework“ schreit…

Dennoch sind die zwölf Tracks sicher nichts für jeden. Hart muss man es mögen, und schräg. Kein Problem fürs Clubvolk, aber was ist mit dem Rest? Die breite Masse findet mit „†“ wohl kaum ihre Religion. Dabei geht es pompös los, undefinierbare Synthiebläser, vielleicht die Trompeten von Jericho, künden von der Landung der beiden Propheten des neuen Dancefloor-Gospels.

Natürlich muss diese Nummer „Genesis“ heißen. Benannt nach dem ersten Buch der Bibel, in dem nicht nur der Anfang der Welt nach christlicher Sichtweise beschrieben ist, sondern auch die Erschaffung des Menschen, der Sündenfall, der Turmbau zu Babel, Sodom und Gomorrha. Geschichten von menschlicher Fehlbarkeit und Schwäche. Eine quasi-religiöse Erfahrung hält „Genesis“ in Sekunde 38 bereit, als der Beat einsetzt. Massiv wie der Turm zu Babel, schmutzig wie Sodom, verdorben wie Gomorrha. Und schon wird der Hörer – führe uns nicht in Versuchung – schwach.

Schnipsel von funky Gitarren und Sequenzer-Ohrenquäler leiten über in das nicht minder kaputt klingende „Let There Be Light“. Die ersten Worte, die Gott sprach. Und es ward tatsächlich Licht. Frenetisch wird durch den neu gefundenen Garten Eden getanzt, der Apfel vom Baum der Versuchung ist natürlich längst gepflückt und verschlungen. Erst gegen Ende gibt der ruhende Beat etwas Raum zum Runterkommen. Ist dies der siebte Tag?

Weitere Banger auf „†“ folgen. Das formidable „Phantom“ stampft sich den Weg in die Gehörgänge, dazu gibt’s diese typischen, bratzenden Synthies. „Stress“ wird seinem Namen gerecht, ein Schwarm von Streichern fällt über die Ohren her, das bereits bekannte „Waters Of Nazareth“ groovt trotz stark verzerrter Beats ganz gewaltig.

A propos Groove: Die softeren, discolastigen Nummern schießen durchs Ohr direkt in die Hüfte. Der Chor auf „D.A.N.C.E.“ und die Vokalistin Uffie auf „Tthhee Ppaarrttyy“ kleiden die beiden Tracks in ein waschechtes Oldschool-Gewand, dass so mancher Hip Hop-Veteran in die Knie geht.

In knapp fünfzig Minuten verzeichnet „†“ kein Füllmaterial, auch das ist bemerkenswert. Wäre Elektromusik aus Frankreich eine Religion, hätte sie in diesem Tonträger einen neuen Altar gefunden, die Musik darauf kündet von einer Erweckungsbewegung. Augé und de Rosnay sind ihre Hohepriester.“ (http://www.laut.de/lautstark/cd-reviews/j/justice/cross/index.htm)

Justice bei myspace

Deee-Lite – Sampladelic Relics & Dancefloor Oddities (1996)

Reinhören

„Extravagant, grellbunt und plüschig-mondän wie die drei bisherigen Dee-Lite-Alben ist auch das Remix-Album des kosmopolitischen Sci-Fi-Dancefloor-Trios ausgefallen: Von raffiniertem Minimal-House mit Billig-Drummachine, Casio-Synthie und gesampleten Telefon-Wähl-Tönen über opulent-souligen High-Speed-Deep-House bis hin zu abgefahrenen Drum&Bass-Breakbeats reicht die musikalische Spanne auf den hier enthaltenen 19 Remixen. Außer den Dee-Lites selbst haben hier Mix-Genies wie der Detroit-Techno-Guru Carl Craig, Ian Pooley, Masters At Work (aka „Little“ Louie Vega & Kenny „Dope“ Gonzales) und der obligatorische Todd Terry mit Hand angelegt. Mit dieser Platte läßt die Dancefloor-Kreativ-Zelle Dee-Lite manch‘ gehypte House-Music-Größe ziemlich klein und unbedeutend aussehen!“ (http://schallplattenmann.de/a101212-Dee-Lite-Sampladelic-Relics-Dancefloor-Oddities.htm)

Anbei der must-see Dancefloor-Kracher „groove is in the heart“, der ein paar tolle Tanzschritte bereithält 🙂

Uusitalo – Vapaa Murari (live) (2000)

Reinhören
„Vladislav Delay scheint im Moment hyperaktiv zu sein. Gerade hat er mit seinem Luomo Longplayer dem Deephouse Universum mal eben so im Quereinstieg zigtausend neue Definitionsmöglichkeiten aufgezeigt, da kommt schon die nächste CD. Dieses Mal wendet er sich mit seinem Laptop Techno (im weitesten Sinne) zu. Und da das Ganze ein aufgenommenes Liveset ist, kann sich jeder, der schon einmal in den Genuß gekommen ist, Vladislav Delay Live zu erleben vorstellen, was ihn erwartet. Zwischen Soundtiefenforschung, pulsierenden Beats und übereinandergeschichteten Dubs navigiert er mit einer solchen Leichtigkeit hin und her, daß man keine andere Wahl hat als sich diesem feingewebten Soundteppich mit einem Lächeln im Gesicht zu ergeben. Ganz nebenbei beschleicht einen hier das Gefühl, daß da jemand mit mit großer Feinsinnigkeit und ganz viel Tiefe Techno dekonstruiert. Jeder Track scheint in all seinen Einzelteilen zu leben. Es brummt, knattert, treibt, groovet, diffundiert, taucht auf und verschwindet wieder. Ein Kaleidoskop von Sounds, die man auf ihrem Weg verfolgen kann, verfolgen will, und genau deswegen weiß, dass man diese CD lieben muß. Wer letzten Monat noch nicht überzeugt war, hier der das nächste Argument aus Finnland das uns das Leben auf dem Mars vollkommen egal sein kann. Unglaublich gut.“ (http://www.de-bug.de/reviews/10291.html)

Luomo – The Present Lover (2003)

Reinhören
„…um es vorwegzunehmen: Diese Platte verdient Beachtung. Das merkt man, sogar ohne gleich in die Tiefe gehen zu müssen. Luomo ist mit „The Present Lover“ ein ziemliches Meisterwerk gelungen. Schön warmer Deep House breitet sich aus, dazu wird gesungen, von der Liebe, sehnsüchtig und erhaben.

Auf dem Dancefloor wird diese Musik zweifellos bestens funktionieren – sind ja auch großartige Hymnen. Luomo weiß genau, was ein perfekter Popsong ist, genauso, wie man einen kickenden House-Track schreibt. Aber auch zu Hause am heimischen Herd funktioniert die Nummer. Vorstellbar zum Beispiel auf dem Sofa mit ein paar guten Kopfhörern oder sonntagmorgens in den legendären Federn. Hier schlummert ein echtes Konsens-Album, dessen Musik vor Referenz strotzt, ohne sich auf einen Retro-Sound festzulegen, ohne die Achtziger, den Synthie-Pop oder die Anfänge von House adaptieren zu wollen oder zu müssen. (…) Luomo ist ein Künstler, dessen Werk viel Fläche für eine intellektuelle, verkopfte Auseinandersetzung bietet. Mit akademischen Analyse-Techniken und dem passenden Wortschatz wird die Musik, die er oder verwandte Künstler produzieren und die mit dem Begriff „Clicks’n’Cuts“ ihre Zuordnung gefunden hat, zur Philosophie aufgebauscht. „Sampling“, „Bricolage“, „Postmoderne“, was da über Musiker erdacht und geschrieben wird, liest sich so, als habe hier jemand nicht bloß ein paar gute House-Tracks geschrieben, sondern vielmehr das passende Werkzeug gefunden, um die Zerrissenheit der heutigen Gesellschaft darzustellen. Jeder Soundtüftler ein neuer Adorno. Solche Kritiken erinnern an die Hochzeit der „Cultural Studies“, als britische Akademiker mit wissenschaftlichen Mitteln die Entstehung von Punk oder die Musik der karibischen Migranten in Großbritannien erforschten. Vieles machte da Sinn, vieles war interessant, aber vieles war auch überspitzt und überinterpretiert. Im Endeffekt ist es so: Popmusik, das ist ein Haufen großartiger Songs. Nicht mehr und nicht weniger. Popmusik ist nicht das Leben, sondern nur ein (sehr schöner) Teil davon. Und manchmal gibt es Tage, an denen man unzählige gute oder schlechte Gründe findet, warum man sich keinen Deut um Popmusik scheren sollte. Und dann kommen ganz sicher auch wieder Zeiten, wo man einfach nichts Besseres tun kann, als im Bett zu liegen, um sich die wunderschönen Liebeslieder auf der neuen Luomo-CD anzuhören.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23030216/luomo_the_present_lover)

http://www.luomomusic.org/ – offizielle Homepage

Fatboy Slim – Halfway Between The Gutter And The Stars (2000)

Reinhören

„…Auf „Halfway…“ geht er in der Tat einen Mittelweg: Zu einer Handvoll Songs kann man sich wie gewohnt das Hirn aus der Birne tanzen. In „Ya Mama“ und „Star 69“ packt Fatboy Slim wieder mal seltsame Vocalsamples auf pumpende Housebeats. In anderen Tracks zeigt er sich nun tatsächlich als jener „Funk-Soul Brother“, als den er sich schon mit dem berühmten Sample aus „Rockafeller Skank“ apostrophierte: Mit der rauchigen Macy Gray hat er zwei soulige Nummern im alten Funk-Stil aufgenommen, mit Bootsy Collins kombiniert er in „Weapon Of Choice“ locker spritzige Breakbeats mit dem Flair uralter Sixties-TV-Serienmusik.

Das Meisterstück der Platte ist aber die erste Single: „Sunset/Bird Of Prey“, in dem er nach allen Regeln seiner Fatboy-Kunst zur gesampelten Stimme von Doors-Sänger Jim Morrison eine psychedelische Trance-Nummer bastelt. Diese grandiose Rauschnummer brachte Norman bereits per E-Mail Hassbriefe hartgesottener Doors-Fans ein, was seine Lust aufs Showgeschäft nicht gerade steigerte: Am 10. Dezember, so kündigte Cook nun reichlich genervt an, werde er sich endgültig aus der Öffentlichkeit zurückziehen, um nur noch für seine Familie da zu sein. Mal abwarten..“(http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,101603,00.html)

Das Video „Weapon Of Choice“ mit Christopher Walken als „Übertänzer“ in der Hauptrolle. Großartig