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Get Well Soon – Vexations (2010)

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Ängste  und Ärgernisse, und der Umgang mit ihnen – dazu kann uns der Stoizismus einiges lehren. Das dachte sich auch Konstantin Gropper, die ein-Mann-Gruppe hinter dem Projekt Get Well Soon, als er das Konzeptalbum in nur zwei Wochen schrieb. Mit dabei: ca. 20 weitere Musiker! Allerdings dürfte Gropper für die „kognitive Konzeption“ mehr als die zwei Wochen gebraucht haben. Verweise auf und Zitate von Schriften des Philosophen Seneca, die Sterbeforscherin Kübler-Ross,  Werner Herzog,  Marx & Engels, Nietzsche uvm. Also bereits auf textlicher Ebene gehaltvoll. Musikalisch passt sich das Album dem Grundthema hervorragend an und mit äußerstem Geschick kommen neben den elektronischen Instrumenten auch Bläser, Chöre, Streicher etc. zum Einsatz und tragen zur Erhabenheit und Schwere des Albums bei ohne zu opulent zu wirken.  Vielleicht liegt es daran, dass es Get Well Soon hier und da schafft, einzelne Stilelemente zu überzeichnen und fast schon absurd klingen zu lassen. Aber eben nur fast. Und so wirkt das Album auf mich Ambivalent. Es hat eine gewisse Schwere und Leichtigkeit zugleich. Es vereint einen Abgesang und gleichzeitigen Aufbruch, Dunkelheit und Licht, Poesie und Wissenschaft. Das Faszinierende daran ist, dass die Ambivalenz in keine negative Seite ausschlägt.  Und wenn die Spex kritisiert, dass „der Künstler zu verliebt ist in sein eigenes Schaffen“, kann ich nur ins Wort fallen und sagen: „Und das ist gut so!“

Get Well Soon – Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon (2008)

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(Wie passend, nach dem gestrigen Post hier im Blog)
„Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon…“ Mit dieser Textzeile beginnt das gleichnamige Album und zeigt auch gleich dank choralem Gesang und orchestraler Begleitung in Moll gebettet, wohin die Reise gehen soll. In ein Land, in dem der Schwermut nicht weggefegt werden kann, aber die geschundenen Knochen und der müde Kopf balsamiert und beruhigt werden. Begleitet wird dieses Ritual vom Wissen, dass es auch anderen gerade nicht besser geht, aber dass es doch immer wieder einen Hoffnungsschimmer geben wird, der dich dazu bringt, aufzustehen und weiter zu gehen. Und so helfen überschwengliche Melodien, wieder in den Tag und Trap zu kommen, tief einzuatmen und die Sonnenbrille aufzusetzen.

Es ist mir fast nicht vorstellbar, dass dieses Album im Alleingang erarbeitet wurde.Musikalische Anleihen an  Nick Cave, Tindersticks, Bright Eyes (oder besser Conor Oberst?) oder Radiohead und eine sehr abgefahren Akustikversion von Underworlds „Born Slippy“ lassen aufhorchen und begeistern. Klingt zwar nach Raubkopien an allen Ecken und Enden, ist aber keines Falls so. Vielmehr ist es das (erreichte!) Ziel von Mastermind Konstantin Gropper, vollkommen neue Songs abseits des Mainstreams zu basteln. Und so glaube ich ihm gern, wenn er nach seinem vollmundigen Versprechen der Heilung nachschiebt: „“I tried my very best to make this music lovable.“

Gute Genesung

Infos von Indipedia zum Album