Schlagwort-Archive: Electro

Peaches – I Feel Cream (2009)

Das Cover lügt nicht: Peaches goes Disco!? Den Dancefloor hat sie ja sicher schon erobert, aber nun kommt Glitzer und Lametta ins Haus und sie läuft damit Madonna durchaus den Rang ab.  …oder macht ihn ihr zumindest streitig. Für ihr viertes Album wühlt Peaches tief in der Kiste des Electroclash und arbeitet mit einigen Größen wie Soulwax, Simian Mobil Disco, Gonzales oder Drums of Death zusammen. Und eigentlich ist dieser Griff zur Discokugel, nach einer gefühlten halben Ewigkeit als Rock-Trash-Power-Queen, eine logische Konsequenz und Fortführung des Stils. Denn der ist doch eigentlich, sich selbst treu zu sein und keinen Konventionen zu unterwerfen. Und wenn die Lust auf Disco kommt, dann darf man dieser auch ungeniert nachgehen.  Ist damit die „Rrrriot-Girl-Phase“ durch? Na, nicht ganz. Nicht nur, dass das auf „I Feel Cream“ folgende Album wieder ganz andere Töne von sich gibt, auch auf dem Discoalbum findet Peaches ihre „Feuchtgebiet“ und bekennt „I’m a stage whore / I command the floor„, was man ihr glauben darf…
In diesem Sinne: Licht aus – Spot an!

Kombinat 100 – Wege Übers Land (2007)

Bildquelle: http://www.music-head.de/images/product_images/info_images/ACKER04?12

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Bei dem Album stimmt alles. Vom Titel des Werks und den dazu gehörigen Liedtiteln, über den Namen des Labels, dem Cover, einer in Halbschatten getauchten Landschaft, bis zur letztendlich wichtigen Musik. Erinnert mich der Name Kombinat 100 an Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften aus vergangenen Tagen (Kurz „LPG“), so wird der Eindruck verstärkt, wenn man feststellt, dass das Album bei Acker Records veröffentlicht wurde. Bereit im ersten Lied „Flieg kleine Taube, Flieg!“ wird deutlich, wie der Landwirt im 21. Jahrhundert steppt. Heitere Grooves und ein lockerer 4/4 Takt, getragen von entspannten und fluffigen Melodien leiten das Werk im Houserhythmus ein. Da Monokultur nicht nur in der nachhaltigen Landwirtschaft verpönt ist, erlaubt sich auch Kombinat 100, schon bald die rein elektronischen Spielzeuge um gute, bewährte aber fast vergessene Instrumente zu erweitern. So gesellen sich alsbald Mundharmonika oder Accordion, Conga und Hammond Orgel dazu, die zeigen, welcher Spaß nach Feierabend auf dem Land herrscht. Dass sich dann auch eine Art russisch klingender Männerchorgesang zum Ende des Albums ein Stelldichein gibt und den flotten Takt energetisch unterstützt, ist angenehm überraschend, rundet aber das Gesamtbild dieser Platte angenehm ab. Mit diesem Werk zeigen die vier Herren aus Mecklenburg, dass es auch auf dem platten Land munter zugehen kann und in manch verfallenen Stall  mehr Leben und Elan zu finden ist, als in den Schluchten der Großstadt. Ideal für das große Open Air am See!

ClickClickDecker – Nichts Für Ungut (2006)

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Sollte ich skeptisch werden, wenn meine Frau mir zugesteht, den Volume-Regler der Anlage doch mehr als üblich aufzudrehen, damit man die Musik noch in der Küche hört? Eigentlich nicht. ClickClickDecker ist das, was Reinald Grebe über sich behauptete: Massenkompatibel. Und zwar im Besten Sinne. Poetische Texte inklusive Aussage, von einer Gitarre getragene Musik, die Platz für allerlei weitere Instrumentierung und Elektrofrickelei lässt. Und eine Stimme, die mit Wärme und Heiserkeit zugleich von den Alltäglichkeiten des Lebens singt – nur dass die besungenen Perspektiven oftmals überraschend sind, Bilder zusammen bringt, die auch zusammen gehören und Textzeilen im Ohr einnistet, die dort gar nicht mehr raus wollen . Beispiele gefällig? *** Die standen hier mal. Aber als Text allein scheinen sie jegliche Wirkung zu verlieren. Also: lieber anhören…

Offizielle Webseite: http://www.clickclickdecker.de/

Wikipedia über Kevin Hamann

Goose – Bring It On (2006)

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Es geschehen doch immer mal wieder Wunder. Die belgischen Goose starteten als ACDC- Coverband (!), bevor sie irgendwann anfingen, ihren Stil zu entwickeln. Vielleicht war das Vorspiel aber auch gut für die richtigen Fingerübungen, denn gerockt wird immer noch. Nur auf einem Niveau, auf dem nicht bloß heiß gegessen , sondern immer noch gekocht wird. In ihrem Schmelztiegel wird alles zusammengeworfen, was wirklich würzig ist. Dicke Gitarre, prägnante Drums, Synthesizer (scheinbar mit den Ellenbogen gespielt) und Texten, die sich direkt ins Ohr bohren. Eine perfekte Mischung aus Pop und Rock, Elektro und Akustik, Träumen und Springen. Und so passt auch die wiederholte Textzeile in „British Mode“, wenn sie mehr schreien als singen „Give me a reason to cool you down…“ Auf dem Album jedenfalls fanden Goose keinen Grund, irgendwas abkühlen zu lassen. Bestimmt die Lieblingsband von Chuck Norris. Großartig und schön. Dass es jetzt eine ACDC Coverband weniger auf der Welt gibt, ist dabei mehr als verzeihlich 🙂 Das Video passt in seiner optischen Verdrehtheit zum Album!

Offizielle Webseite von Goose

Goose bei Wikipedia

Autokratz – Down & Out In Paris & London (2008)

Hörprobe Angeblich drehen sich die Alben von Autokratz auf den Plattentellern von Alex Gopher, Tiga u.a., um den Tanzboden zum Beben zu bringen. Und ihre Singel „Stay The Same“ fand Eingang in den DJ Mag Hype Olymp. Sie selbst sind beim Label Kitsuné gut aufgehoben und in bester Gesellschaft. Ähnlich, aber doch irgendwie anders als Justice, schreddern Autokratz die Sounds, stampfen mit den Bässen ordentlich auf, zerhacken Stimmen am Vocoder um dann doch alles in Form zu gießen und eine irgendwie mitsummbare Melodie als Endprodukt zu erhalten  – und dass mit ziemlicher Power und wenige Zeit zum Luftholen. Klingt spannend, ist es auch und wird bei vielen Kritikern als Antwort und/oder Weiterführung der DaftPunk gesehen. Wenn das mal keine Referenzen sind…

Neoangin – Say Hi To Your Neighborhood (2010)

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„Wie lässt sich Neoangin musikalisch einordnen? Musikideologisches Abgrenzen ist Avignons Sache nicht. Er sieht sich eher als passionierter Chronist und Mitgestalter einer sich permanent erneuernden Popkultur. Aus Bubblegum-Singalongs, DIY-Disco, verspielter Elektronik, obskuren New Wave Sounds, wundersamsten Keyboardmelodien und kratzenden Gitarren, collagiert Avignon hinreissende Pop-Perlen, ohne dabei jemals seinen Lo-Fi Charme aufzugeben. Die zugänglichen Melodien und Harmonien machen sie zu unwiderstehlichen Ohrwürmern. Hätte Jim Avignon vor ein paar Jahren beschlossen, statt in Berlin und New York einen Hauptwohnsitz in London einzurichten, er würde heute vielleicht am
aktuellen Hype um „Wonky Pop“ mitnaschen.

„Say Hi To Your Neighborhood“ ist bereits das neunte Neoangin-Album, doch aus den Pop-Minitaturen der Vorgängeralben sind nun richtige kleine Pop-Hymnen geworden. Die Songs erzählen kleine und grosse Dramen, sind Kurzmitteilungen aus der “Middle Class Hell”. “Avignon vertont die gleichnamige Novelle Melvilles über den Kommunikationsverweigerer Bartleby, in “No More Egotrippin” wird den Karrieristen die Freundschaft gekündigt, und “Big Bailout Burlesque” beschreibt das komis–che Potential der letzten Weltwirtschaftskrise. Das Album wurde von Chris Imler produziert, und von Norman
Nitzsche (der zuletzt bei The Witest Boy Alive an den Reglern sass) in Masha Qrella´s Villa Kurella in Berlin aufgenommen und gemischt. Jens Friebe steuerte eine Gitarre bei, Produzent Imler spielte diverse Liveschlagzeuge ein und auf „Small Talk World“ gibt’s ein wunderbare Duett mit Kim Boekbinder. Zu den vertrauten Keyboardsounds und Jims unverwechselbarer Stimme markieren ein auf Ebay ersteigertes Omnichord aus den frühen 70ern und ein auf dem russischen Schwarzmarkt erstandener Kaossilator die klanglichen Gegenpole
dieser Produktion.

Cover und Booklet sind, wie bei Neoangin nicht anders zu erwarten, aufwendig und charmant gestaltet. Animationslegende Alex Budovsky, der zuletzt den Preis für das beste Animationsvideo beim Sundance Festival mitnehmen durfte, hat Jims Figuren im Video zu “Middle Class Hell” auf kongeniale Weise zum Leben erweckt. Für das Video zu “Melancholy Pays My Rent”. hat sich Jim zusammen mit Kollege Jon Burgerman (mit dem er das Performanceduo Anxieteam gründete) ins renommierte Waldorf Astoria Hotel eingeschmuggelt und dort heimlich eine Kissenschlacht gefilmt.“ (http://www.anost.net/Musik/CD/CD/Neoangin-Say-Hi-To-Your-Neighborhood.html)

Saalschutz – Entweder Saalschutz (2010)

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Oh fein, eine neue Saalschutz – zu lang war die Wartezeit. Das verheißt doch eine gute Stunde Spaß, Toben, Energie… Und was ist? Werde ich doch zuerst mit den kühlen Hinweis von CD empfangen, dass ich versagt hätte. Wie bitte? Aber das war nur die Anfangsirritation, denn sofort geht es los mit dem Ravepunk und großer Geste. Für die Schweizer ist kein Beat dick genug und kein Riff wird ausgelassen. Und so ist auch gleich klar, dass die Platte den „Ravepunk für eine bessere Welt“ bereithält und die beiden versichern jedem „Das hier kommt von Herzen! Wo sind die Wunderkerzen?“ und anschließend den Dancefloor endgültig zu erschüttern, wenn sie uns mitteilen: „Dieses Fass hat keinen Boden – denn es braucht keinen. Ihr wollt ja doch nur pogen – wir sagen ‚Haut rein!'“. Mit viel Witz und Elan schaffen es die Beiden, den Longplayer sehr kurzweilig werden zu lassen. Ganz klar, so müssen sie klingen, die „Headliner der Herzen“.

Yello – The Eye (2003)

Hörprobe

Sie können es noch immer. Dieter Meier und Boris Blank zeigen auch im 21sten Jahrhundert, wie elektronische Musik abseits des Mainstream klingen kann, ohne abzuheben oder die Gehörgänge mit Abwegigen zu strapazieren. Dancefloor-Rhythmen, Salsa, Bombast und die seit 25 Jahren typische Bassstimme zeichnen das Album aus. Es ist ein Schritt zurück zu den Wurzeln von Yello, ohne ein Rückschritt zu sein. Um dem gerecht zu werden, haben sich die Schweizer dieses Mal die Vocalistin Jade Davis ins Studio geladen, die durchaus einen angenehm frischen aber warmen Wind über das Album fegen lässt. Fein fein.

Wikipedia über Yello

Sergej Auto – Musik, OK! (2002)

Hörprobe

„Gleich vorweg: the show must go on. Das Offenbacher Künstlerkollektiv SaasFee verkauft Illusionen, sei es mit seinen virtuellen Landschaften, 3D–Räumen und Animationen oder auch mit dem dazugehörigen Label (Superpop, Milch, Pink Elln). Die Vortäuschung von Raum und Materie erfolgt in einer Stringenz, die das moderne Gesetz der Virtualität verlangt. Aber dennoch: Klasse statt Masse. Sehr klasse ist auch das zweite Album des Schein-Tschechen Sergej Auto, der, rein hypothetisch, einen perfekten Soundtrack zu bekannten ostigen Trickfilmen hinlegen könnte, in mottigen Anzügen, schräg gestriegelt, plaziert in gedeckten Farben. Könnte.

Denn all das ist natürlich nur schöne Fantasie. Sergej heißt Malte und schwingt auf dem Cover des neuen Albums “Musik, Ok!” Pan-Tau-gleich den Regenschirm, nicht weil seine Natur es ihm gebietet, sondern weil’s der Musik gut zu Gesicht steht. Und die flirtet nebst Trickfilmmusik auch mit Techno, und zwar nicht unbedingt hintenrum… “Musik, Ok!” und “Bravo! Kta-3000” sind Hits und keine Retroismen, vielmehr geschickt modulierte Ahnungen von einer Zeit, die vielleicht schön war, von Orten, die schön sein könnten. Nassau oder Brno. Ist es da schön? Es könnte sein.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23029339/sergej-auto-musik-ok)

http://www.sergejauto.com/ – Offizielle Homepage von Sergej Auto

The Art Of Noise – In Visible Silence (1986)

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Kinder, wie die Zeit vergeht. Ein Album aus dem Jahre 1986 – und ich kann mich daran erinnern, wie ich fasziniert auf dem Weg in die Schule und zurück auf meinem Walkman dieses Album celebrierte. Umso erfreuter war ich, die CD endlich für einen bezahlbaren Preis erstehen zu können.

Die avandgardistischen Pioniere elektronischer Musik feiern hier ein Fest der Zukunft und greifen wohl erstmals auch auf akustische Instrumente zurück. Dabei konnten sie durchaus ein paar Hits mit dem Album landen (z.B. „Peter Gun“), was wohl daran lag, dass es wärmer und melodischer produiert wurde, ohne dabei auf neue Ideen zu verzichten, wie die Opener „Opus 4“ schon zeigt. Und sie schafften es, wenn ich mich richtig entsinne, sogar,mit „Legs“ (später bekannt als „Paranoia“) die Titelmusik für eine der ersten computergenerierten Serien (Max Headroom) zu liefern.

Wikipediabeitrag über The Art Of Noise