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James Blake – James Blake (2011)

Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/b/b5/James_Blake_Cover.jpg

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Es ist schon erstaunlich, welches kreative Potential in manchen jungen Musikern schlummert. Und für mich noch erstaunlicher, dass sie den Mut haben, dieses auch auszuleben und sich nicht dem Mainstream anzupassen. The XX fallen mir aus der jüngeren Geschichte ein oder auch Sigur Rós. James Blake reiht sich für mich in diese Gruppe ein. Sein Erstlings- und Erfolgsalbum von 2011, er gerade so um die 22 Jahre alt, ist voll von eigentlich irritierenden Soundtüfteleien. Ein Verschnitt aus Dub und Elektro, viel Hall und sanft aber deutlich wabernder Bass, Melodien, die aufgrund ihrer Einfachheit schon fast wieder in Einzeltöne zerfallen. Darüber gern Störungen, Rauschen, Zurren… Und Texte, die mit wenigen Zeilen auskommen und durch die Variationen selbst zum Instrument werden, gerade wenn auf jedes Instrument verzichtet wird und sich der Gesang selbst genügt. Dazwischen viel Luft…

Dennoch, nein gerade deshalb, greift dieses Album. Es klingt vieles vertraut, aber aufgrund des Arrangements der einzelnen Sounds wird es neu – und damit in Summe auch sehr interessant. Trendsetter kann halt nur werden, wer die Pfade verlässt, ohne dabei ins Abseits zu wandern. Und die Musikästhetik von James Blake zeigt, dass weniger deutlich mehr ist.

Offizielle Webseite von James Blake: http://jamesblakemusic.com/

Dub Taylor – Experience (2003)

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Der Name ist Programm: Dub! Und diesen mixt sich Alex Kruger mit Minimal Sounds, klar definiertem Bass und leichten, hier und da eingestreuten, Gesangsarrangementens zurecht. Eine einfache Rezeptur, die aber aufgeht. Klar definiert, wenig Schnick und Schnack, ist diese Musik für diejenigen gedacht, die einfach zappeln wollen. Dub Taylor schafft es dabei, Sounds zu konstruieren, die zwar einfach klingen, aber nicht trival/banal sind. Sie erinnern mich irgendwie an gutes Design, an Bauhaus. Form folgt Funktion. Eine klare Linie, gute Materialien und dennoch auch die Freude des Nutzers nicht aus dem Auge verlieren. Damit wird die Musik nicht nervig und stets gern wieder in den CD-Player geschoben.

Tosca – Chocolate Elvis Dub (1999/2004)

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…Nun startet sie wieder, die Adventszeit. Zeit für Tee, Lebkuchen und Schokolade. Wer Kalorien zählt, sollte wohl ein wenig aufpassen. Aber: Weihnachten ohne Schokolade ist irgendwie wie Fernwärme: sie heizt, aber wärmt nicht. Als eine Alternative zu den Kaloriensünden kann ich die „Chocolate Elvis Dubs“ von Tosca empfehlen. Ein Seitenprojekt von Richard Dorfmeister, welches hier mit großer Lässigkeit ein paar Dubs in das Zimmer bringt, die unaufgeregt sind, angenehm und nicht aufdringlich variieren und durch das ständige Wiederaufnehmen von Sprachsamples (Elvis höchstpersönlich?) durch die einzelnen Songs hindurch eine Kontinuität mitbringen, die für den Dezember passen – vergleichbar mit dem rituellen, allmorgendlichen Öffnen eines Weihnachtskalenders. Schöne Adventszeit!

Muslimgauze – Arabbox (1993/2003)

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Die Arabbox von Muslimgauze wurde bereits 1993 das erste und 2003 das zweite Mal veröffentlicht. Hintergrund dieses Album war der in der Zeit stattfindende Golfkrieg. Aus diesem Grund wurde das Album auch 2003 nochmals veröffentlich, da in dieser Zeit der zweite Golfkrieg begann. Das Album enthält die die Muslimgauze auszeichnenden perkussiven Elemente, die hier in etwas ruhigerer Manier den Rhythmus angeben und meines Erachtens für die frühen 90er eher ungewöhnlich bei Muslimgauze sind. Vielleicht liegt es daran, dass das Album live in einem Türkischen Bad in Manchester aufgenommen wurde und ein zu überzogenes Trommeln und Drehen an den Sequenzern in den Hallen zu ungewünschten Resonanzen geführt hätte?

Wie wohl fast immer in limitierter Edition (1000 Kopien), wobei hier die Mehrzahl genutzt werden sollte. Denn neben der „normalen“ Aufmachung gab es das Album auch in einer handgefertigten Metalbox (ltd. auf 500 Stück).

Weitere Infos zum Album beim Label Soleilmoon

Das Album bekam sogar eine eigene Webseite!

Vladislav Delay ‎– Entain (2000)


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Und schon wieder Musik aus dem Norden – heute aus Finnland:-). Endlich wurde ich auch bei diesem Album fündig und darf es nun in meine Sammlung sortieren. Vladislav Delay  kann ja zu Recht als multiple Persönlichkeit in der Musikbranche bezeichnet werden. Wo sich andere für einen neuen Output abmühen nutzt er lieber Pseudonyme (z.B. Luomo, Sistol, Uusitalo und Conoco), um seine Produktionen unter das Volk zu bringen.

Mit Entain, seinem Zweitlingswerk als Vladislav Delay, schafft er in Titel gegossene wabernde, elektronische Flächen, die deutlich über der 15 Minuten Marke durch die Boxen fliessen.  Im Gegensatz zu Werken anderer Ambientmusiker scheint ihm die Homogenität, zu der solche Musik verleitet, zu langweilen. Daher streut er hier und da ein paar Klicks ein, stört die angenehme Ruhe mit Blubbern und Fiepen (ohne jedoch anstrengend zu werden), verschleppt Töne, nutzt die Ruhe als gestalterisches Element… So gewinnt die Musik eine natürlich anmutende Anatomie, die Beliebigkeit auszustrahlen scheint, aber bei genauem hinsehen bzw. hinhören detailverliebt, individuell und überraschend ist.Begleitet wird sie von einen Basslauf, der scheinbar stets neben einem Takt sitzt das das organisch, warme Gefühl unterstreicht. Für den Rhythmus sind andere Töne verantwortlich, die einem Herzschlag eines fremden und scheuen Lebewesens ähneln mögen und nur hin und wieder durch das Dickicht der Sounds an das Ohr dringen…

 

Stardub – Cut And Paste (2001)

Reinhören Noch so eine Perle, die unauffällig im CD Regal liegt und es jedesemal schafft, beim Einlegen in den Player für Begeisterung zu sorgen. Gerade mit der jüngsten (und wieder abebbenden Welle des Dubstep) zeigt Stardub, wie Dub Anfang der 2000er definiert und dekliniert wurde. Aus den hintersten Ecken des Synthesizers hervorkriechende Bassläufe, die den Hörer in immer wärmeren Wellen umspülen. Eingewobene Samples, ein Hall hier und da und alles mit einer Spange aus purem Groove zusammengebunden. Minimal und dennoch voll, weniger ist hier mehr. Mit diesem Album hat Dubstar C-Rock einen schönen Meilenstein in den Tiefen des Klangozeans gesetzt. Sehr deep…

Muslimgauze ‎– Alms For Iraq (2003)


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Ein weiteres Album von Bryn Jones, aka Muslimgauze. Es wurde schon im Dezember 1995 aufgenommen, drei Jahre vor seinem frühen Tod, jedoch fand es erst 2003 den Weg in die Öffentlichkeit.

Wie bei seinen anderen Aufnahmen handelt es sich auch hier um ein muslikalisches Statement von Jones, welches nicht unpolitisch (aber religionsfrei!) ist. Auch wenn die Soundelemente und der Aufbau der Songs über die Albem hinweg mehr oder weniger ähneln, ist das Album hier schwer zu fassen. Elemente des Dubs treffen auf Ambient, Noise, Hall und Industrial, Originalsounds aus dem mittleren Osten in Form von Sprache und Musik werden untergemischt und alles wird durch die Mixer gejagt und entsprechend verfremdet. Das geht soweit, dass ich dieses Mal selbst nachschauen musste, ob meine CD defekt ist, da bei Song Nr. 1 teilweise ein Kratzgeräusch zu hören war, welches mir üblicherweise verrät, dass eine CD defekt ist. Die Muslimgauze typischen Starts und abrupten Unterbrechungen finden sich auch hier wieder.

Interessant auch dieses Mal das Cover der CD. In Größe eins DVD/VHS Covers mit einem Bild von Susilo Hadi ragt es doch deutlich aus der CD Sammlung hervor 🙂 Der Innenteil kann dreifach aufgefaltet werden und zeigt eine Reihe von Bildern aus Kampfgebieten des mittleren Ostens mit entsprechenden Zitaten wie: „The West won the world not by the superiority of its ideas or values or religions but rather by its superiority in applying organized violence. Westerners often forget this fact. Non-Westerners never do.“ (Samual P. Huntington, Harvard Professor & author)

 

Pole – 2 (1998)

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Die Konsequente Fortführung der schon auf Album „1“ vorgestellten Minimaldubs mit den Pole-typischen Clicks & Cuts. Wärme, Ruhe, Rauschen, eine Einladung zum Sommersonntag auf der Hängematte an einem herrlich schattigen Platz. Was will man mehr im August? Dass dieses Album auch bei höherem Lautstärkepegel eher im Hintergrund jedes Zimmers bleibt, tut gut und überrascht zugleich, da die Bässe eigentlich äußerst druckvoll daher kommen. Dennoch bleibt 2 diskret und es verwundert wohl deshalb auch nicht, wenn es so an der öffentlichen Wahrnehmung verbei rutschte. Ich freu mich über mein Exemplar im Regal 🙂

Pole – Pole (2003)

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Stefan Betke aka Pole überraschte erstmals mit seinem Album „CD 1„, auf welchem überdeutlich Knistern und Knacksen zu hören war, das er seinen defekten digitalen Soundfiltern entlockte, die der (mir zugetragenen) Legende nach auf Flohmärkten erstanden wurden. Damit wurde er meines Erachtens einer der radikalsten Vertreter der Click & Cuts Musik, die sich seinerzeit entwickelte. Und dann, einige CDs später und vielleicht dem Grundprinzip – warme digitale Sounds mittels technisch defekter Gerätschaften zu erzeugen –  müde, legt Pole das gleichnamige Album Pole vor und überrascht ein weiteres Mal. Gesang! Rap!?! Ein Saxophone? Und dicker Bass! Und das gleich als Opener der CD. Ja, eigentlich nichts ungewöhnliches in der Musikszene allgemein, bei Pole jedoch irritierend, meinte man doch, er hätte es sich in seinem Klickerkosmos gemütlich gemacht. Man könnte fast „Stilbruch!“ rufen. Aber halt. Hört man genau hin, sind sie wieder da. Die kleinen, feinen Störungen, die Pole ausmach(t)en. Hier ein Bruch, da ein verschleppter Beat, dort eine Pause. Immer wieder diese feinen Melodien, die sich durch das Dickicht der Sounds mäandern. Und so schafft es Betke wieder mal, zu überraschen – ohne anders zu sein. Kann das Innovation sein? Ich würde sagen: Ja!

Tricky – Knowle West Boy (2008)

Hörprobe
…back to the roots, das ist wohl die Grundlage des Tricky-Albums. Für dieses Album ging Tricky nicht nur zurück zu seiner stilistischen Vielfalt, sondern auch zurück zu den Orten, in welchen er groß geworden ist. Benannt wurde das Album nach dem sozial schwachen Stadtteil in Bristol und Tricky schaut auf seine Wurzeln und die damit verbundenen Erinnerungen. Musikalisch aufgearbeitet wird dies mit Punk-Rock, Dub, Elektronik, New Wave und dem natürlich immer wieder typisch schönen düsteren TripHop, den Tricky maßgeblich beeinflusste. Ein begnateter Sänger war er nie und so lässt er, wie schon bei dem Vorgängeralbum, zahlreiche Gastsängerinnen antreten, die ihm hier Unterstützung bieten. Alles in allem eine Herausragende Platte, die einiges vom Hörer abverlangt. Wie schreibt Eberhard Dobler auf laut.de: „Denn Tricky-Scheiben tragen immer Hitpotenial in sich, verstecken den Pop aber hinter sperrigen Arrangements und unkonventioneller Soundauswahl…“ (http://www.laut.de/Tricky/Knowle-West-Boy-%28Album%29)

Wikipedia zu Tricky


TRICKY “Council Estate” (2008) von domino