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65Dayofstatic – We Were Exploding Anywhere (2010)

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Irgendwie nicht Fisch und nicht Fleisch, das Album. Aber ungewöhnlich allemal. Die unmögliche Vereinigung von Postrock, Math, Clicks&Cuts und Dancefloor – hier vollzogen. Goodspeed You Black Emperor! treffen Notwist? Irgendwie so, aber doch ganz eigen, ein Vergleich wird der eigenen Art von 65Dayofstatic nicht gerecht. Überhaupt der Bandname: Wie würden sie erst klingen, wenn sie nicht statisch sein würden?

Sheffield scheint ein magischer Ort zu sein, was den Output von kreativen Sounds angeht und dem auch 65daysofstatic entspringen. Dass es die Band noch nicht bis zu Warp-Records geschafft hat / schaffen wollte, verwundert hingegen sehr. Schön, dass die Band nicht allein und abgeschottet vor sich hin spielt, sondern auch Bekannte (Robert Smith (The Cure)) ein Gastspiel auf dem Album geben, erfreut doch sehr, wenngleich die Vocals bis fast zur Unkenntlichkeit zuerfasert sind…

Hörenswert für alle, des Überraschungen lieben. Und so kann auch mal was schmecken, was weder Fisch noch Fleisch ist.

65dayofstatic – The Fall Of Math (2004)

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Weil es so passend beschrieben ist, häng ich hier einfach nur das Zitat rein und genieße weiter das Album 🙂

„Die Scheibe rotiert in der Anlage, und plötzlich ist alles anders. Das sanfte Regenplätschern gegen die Fensterscheibe entschwindet aus der Wahrnehmung. Der frisch aufgegossene Tee erkaltet unbemerkt auf dem Nachttisch. Schon die ersten Klänge packen, bannen, magnetisieren und ziehen das Bewußtsein am Ohr in parallele Galaxien. Mit ihrem ersten Longplayer „The fall of math“ ist den vier jungen Hexenmeistern von 65daysofstatic ein futuristischer Instrumental-Trip mit hypnotischer Sogwirkung gelungen. Sie haben zwar der Mathematik abgeschworen, aber eine musikalische Formel entwickelt, die restlos aufgeht.“ (Quelle: http://www.plattentests.de/rezi.php?show=2875)

Portrait der Band auf laut.de

Jaga Jazzist ‎– A Livingroom Hush (2002)


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Norwegen überrascht musikalisch gern hin und wieder mit einigen gengreübergreifenden Exkursionen kreativer Köpfe. Sidsel Endrese, eine der mir wenigen bekannten Sängerinen, die ihre Stimme direkt beim Gesang scratcht. Oder Bugge Wesseltoft, der nicht unwesentlich dazu beitrug, dem Jazz ein modernes Gewand anzuziehen und und mit dem House zu versöhnen. Nur zwei Größen… Jaga Jazzist reihen sich nun in die Galerie ein. Eine vielköpfige (+/-10 Personen?) Band, die seit Mitter der neunziger Jahre Musik macht (damals noch mit z.T. schulpflichtigen Gruppenmitgliedern), veröffentlichte 2002 mit A Livingroom Hush ein Album, dass sowohl in  der Jazz-Szene Beachtung fand also auch in den Clubs gespielt werden konnte. Mit voller kraft wird in alle möglichen Blasinstrumente gepumpt, Gitarre und Bass reihen sich ein, um dem Rhythmus voranzutreiben und auch so manches elektronische Instrument konnte im Studio einen Ton abgeben. Abwechslungsreich ist nicht nur die Fusion der Instrumentierung, sondern auch das Tempo der Stücke. Schön, wie sich ruhige Läufe Lied für Lied aufschichten, loszappeln um dann wieder in einer behaglicheren – nicht müden – Ton-  und Taktlage zu verweilen. Und umso erfreulicher, dass die Leute vom Label Ninja Tune auf die Band aufmerksam wurden und ihr einen passenden Platz in ihren Reihen anbieten konnten. Das verrückte Video (nachfolgend) zum Titel „A Livingroom Hush“ gibt nur einen kleinen musikalischen Eindruck in das Album. Das die Band aber auch live funktioniert und es sicherlich Spaß machen dürfte, denen mal zuzuschauen, zeigt das zweite Live-Video „Oslo Skyline“

Goldie – Ring Of Saturn (1998)

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„Die Medien-Benutzeroberfläche GOLDIE hat uns ja noch immer überraschen können: nach dem arg ambitionierten und doch wichtigen Bombast von \“Saturnz Return\“ präsentiert \“Ring Of Saturn\“ nun sieben strikte, stark tanzbodenorientierte Tracks unter der Engineer-Ägide von Mark Seyfritz. So wird die ehedem 60minütige Prog-Oper \“Mother\“ vom Meister und OPTICAL auf maxitaugliche sieben Minuten runtergestrippt und ist das einzige bereits releaste Stück der Platte.

Wie auch beim Rest verzichtet GOLDIE hier wohltuend auf abgenudelte Two-Step-Beats, sondern konstruiert statt dessen wild schlängelnde Break-Skulpturen, angefüllt mit oldschooligen Hardcore-Sounds, schrägen Terminator-Chords und polternden HipHop-Scratches. Ein unschubladiges Gemisch aus tagesaktuellen Klängen und Alter Schule, das ob seiner Eigenwilligkeit auch auf \“Reinforced\“ hätte erscheinen können. Sehr ungestüm, sehr wild, sehr empfehlenswert – fast so, als wolle er den untanzbaren Pomp von \“Saturnz Return\“ wieder ausbügeln und uns den Glauben an seine Front-Tauglichkeit wiedergeben. Bei mir hat die Metall-Bißleiste das jedenfalls geschaft. Und mit \“What You Won’t Do For Love\“ inklusive GOLDIE-üblichem DIANE CHARLEMAGNE-Gesang sogar einen veritablen Radiohit im Programm.“ (Quelle)

Jacob’s Optical Stairway – Jacob’s Optical Stairway (1995)

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„Mark Mac and Dego, the North London duo behind Jacob’s Optical Stairway, can without any doubt be regarded as the pioneers of the junglist sound of the nineties. As 4 Hero and through their label Reinforced Records they almost single-handedly shaped the drum ’n‘ bass genre, generating a blueprint for it in 1994 in the form of their brilliant second album „Parallel Universe“.

Having emerged out of the London pirate radio/sound system scene of the late eighties, since their hardcore classic „Mr. Kirk’s Nightmare“ they have been pushing the limits of dance music and set the tone for today’s ever-growing cult of the breakbeat. Whereas on „In Rough Territory“, the debut album from 1991, hip hop and house influences were still prevalent, it was Mark and Dego’s unlikely combination of drumloops in overdrive, ambient, jazz, soul and techno that established jungle as a credible musical form. Within a loose hardcore framework, the daring duo spice up idiosyncratic grooves with vocals, guitars, house-inspired chord progressions and brass, which pandemonium of eclecticism makes them one of the few jungle artists capable of an album length recording that boasts ever changing moods, beats and ideas.

In their guise of Jacob’s Optical Stairway Mark Mac and Dego recorded a highly successful first album (released in January 1996) for R & S Records, the renowned Gent-based techno label which over the past two years seriously tightened its links with the thriving U.K. avant-junglist movement. The track „Solar Feelings“ was taken from that self-titled album and released as a single, coupled with two remixes by Claude Young and one by J. Majik, while on the album techno luminaries such as Juan Atkins (Model 500) and Josh Wink lended a hand.“ (http://randsrecords.greedbag.com/buy/jacobs-optical-stairway-0/)

Some More Crime – Fuzzymix (1995)

Ein weiteres Side-Projekt von Burnt Friedman. Fuzzymix ist eine Auskopplung aus dem Album Fuzzysets mit Remixen aus eben jenem. Diese sind wieder wunderbar miteinander verwoben, so dass sie nicht dem Original gleichen. Eine Fahrt in die Abgründe dunkler elektronischer Musik mit einem sozial-kritischen Ton. Hierfür bedient sich Friedman u.a. wieder verschiedener Interviewmitschnitte, die mich an die Sprachsamples von Goodspeed You! Black Emporer erinnern. Nicht fehlen darf der housige Track „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“, in welchem Probleme beim Einsatz des elektrischen Stuhls (A.C. Leuchter) thematisiert werden.

Mehr zum nimmermüden B. Friedman findet man in der vollständigen Diskografie

The Art of Noise – The Seduction of Claude Debussy (1999)

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Als Claude Debussy am 18. März 1918 in Paris verstarb, regnete es und die Deutschen bombardierten die Stadt… Kein schöner Gedanke, wenn man sich die letzten Minuten im Leben des Romantikers vorstellt. Und mit diesen Worten beginnt das Album über die Verführungen des Claude Debussy.

The Art Of Noise huldigen mit diesem Werk die Arbeiten sowie die Person Debussys. Dabei schaffen sie es, glaubwürdig, frei von Kitsch, mit gebürtiger Achtung und mit einer sehr gelungenen Verbindung von elektronischer Musik und Soundschnipseln aus dem Werk Debussys zu klingen. Die Kunst des Geräuschs, das die Gruppe sonst so gern erkundet, tritt hier zurück für eine homogene und warme Klanglandschaft. Dabei holten sich Art of Noise Unterstützung wie den Rapper (!) Rakim, BBC-Sprecher John Hurt oder die Opernsängerin Sally Bradshaw ins Boot, die auf dem Album entsprechende Akzente setzen. Drum’n’Bass und Breakbeat treffen auf HipHop und Ambient, Operngesang und Pianosolis werden geloopt und werden collagenhaft aufgetragen. Ein großer, atmosphärisch sehr gelungener Wurf der Soundtüftler

Wikipedia über Art Of Noise

Kim Hiorthoy – Melke (2002)

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„Der Norweger Kim Hiorthoy ist ein Multitalent: Künstler, Grafiker, Musiker. Am besten macht er immer das, was ihn am wenigsten interessiert. Im Moment Musik. Die ist so kleinteilig obersympathisch, dass man sein Lieblingsspielzeug, dem MPC-Sampler, gar nicht heraushört. Musik für die Krabbelgruppe…

Kim Hiortoy, als MPC User, sampelt. Ausschließlich. Mal Dinge, die er selber einspielt, Dinge, die andere eingespielt haben, oder Geräusche. Musik von Platten in Kleinstbauteilen. Zur Zeit hört er viel Singersongwriter/Folk. Davor war New York Freejazzcore Improvisation. John Zorn, Naked City, Bordoms. “Als ich Jung war, war es HipHop. ’3 Feet High and Rising’ war damals die Platte meines Lebens. Mitte der 90er hatte ich eine Mo’Wax-Phase. Shadow, Krush. Ich glaube, das beeinflusst mich schon, aber ich kann ja z.B. keine Gitarre spielen. Ich mache das dann in meiner Weise. Man hat all diese Musik in seinem Kopf und dann kopiert man.” Kopierkultur von der Basis der Erinnerung aus gedacht, mit einem frischen Interface, das die eigene Sperrigkeit bewahrt und dennoch für Ideen durchlässig macht. Irgendwie ist ja alles frei, wenn man nichts spielen kann und eigentlich eher Musik bastelt, als Musiker werden zu wollen. Seinen Glauben an die Zukunft von Musik als etwas, das klingt wie das noch nie Dagewesene, hat er glücklich unter einem Stapel Squarepusher-Maxis begraben. Bis zur Wiederauferstehung, denn selbst Kunst ist für Hiortoy nicht abgelegt, man muss nur einfach warten, bis man es aus einem weniger professionellen Blickwinkel wieder mit Ideen füllen kann….

Das Letzte, was man von Kim Hiortoys Musik erwarten würde, ist, dass sie auf einer MPC entstanden ist, sympathische, kleinteilige, melodiöse, leicht indiehafte Musik mit etwas zerbrechlichem Charme, der eher so klingt, als hätte er einen ganzen Spielzeugpark voller Kleinstinstrumente zu Hause. Dass er im Kreuzberger Reichenbergerstraßen-Künstlerghetto wohnt (Blechdom, Lidell, Mocky, Oye etc.), hätte man ja auch nicht erwartet. “Ich liebe meine MPC. Ich hab schon versucht, mit einem Computer Musik zu machen. Aber mit der MPC kann man eher spielen. Eigentlich ist der Rest ja auf einem Computer gleich: kopieren, samplen, aber irgendwie liegt mir die MPC jetzt. Ich benutze sie auch oft wie ein Multirack. Und live funktioniert sie auch. Da bin ich allerdings fast ein Houseact, nahezu cheesy, meine Musik ist sonst einfach zu leise. Und wenn man irgendwo spielt mit der Vorstellung: Ich zeige jetzt mal all meine Gefühle, und alle trinken Bier und schwätzen, dann ist es schon besser, eine Bassdrum zu haben. Da drehen sich sofort alle zu dir und brüllen ‘Yeah!’. Das ist echt netter. Ich bin sogar schonmal so in einem Kunstumfeld vor 10 Leuten aufgetreten, wo das einzige Geräusch im Saal das Kratzen der Bärte war. Sie mochten es.” In Kürze kommt eine Platte mit Livetracks dieser Art, wir sind gespannt und kratzen schon mal jetzt unsere Dreitagebärte in Vorfreude.“ (http://de-bug.de/mag/3270.html)

Deee-Lite – Sampladelic Relics & Dancefloor Oddities (1996)

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„Extravagant, grellbunt und plüschig-mondän wie die drei bisherigen Dee-Lite-Alben ist auch das Remix-Album des kosmopolitischen Sci-Fi-Dancefloor-Trios ausgefallen: Von raffiniertem Minimal-House mit Billig-Drummachine, Casio-Synthie und gesampleten Telefon-Wähl-Tönen über opulent-souligen High-Speed-Deep-House bis hin zu abgefahrenen Drum&Bass-Breakbeats reicht die musikalische Spanne auf den hier enthaltenen 19 Remixen. Außer den Dee-Lites selbst haben hier Mix-Genies wie der Detroit-Techno-Guru Carl Craig, Ian Pooley, Masters At Work (aka „Little“ Louie Vega & Kenny „Dope“ Gonzales) und der obligatorische Todd Terry mit Hand angelegt. Mit dieser Platte läßt die Dancefloor-Kreativ-Zelle Dee-Lite manch‘ gehypte House-Music-Größe ziemlich klein und unbedeutend aussehen!“ (http://schallplattenmann.de/a101212-Dee-Lite-Sampladelic-Relics-Dancefloor-Oddities.htm)

Anbei der must-see Dancefloor-Kracher „groove is in the heart“, der ein paar tolle Tanzschritte bereithält 🙂

Aphex Twin – Girl Boy EP (1996)

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„Bei diesem Mann gibt es Genialität auf Rezept. Wenn Richard D. James alias APHEX TWIN mal nicht mit seinem Panzer durch die Gegend fährt, sich Asthma-Spray in die Lungen zieht oder sich mit Kumpel MIKE PARADINAS die Hucke zusäuft (siehe deren letzte Kollaboration auf „Rephlex“), erfindet er entweder neue Legenden oder kindliche Abzählverse. Oder spielt einfach nur so mit seinen Instrumenten herum, und liefert dabei im Vorbeigehen eins der sperrigsten und zugleich großartigsten Alben dieses Jahres ab. Bei der vorab erscheinenden „Girl/Boy“-EP hat man schon den Eindruck, hier wäre der Meister nun wirklich zu weit gegangen. Völlig vorbei an jeder Erwartungshaltung eröffnet er den Track mit dem komisch-metaphysischen Titel mit weichem Streicher-Pizzicato, um dieses sofort mit ultraschnellen Breakbeats zu überdecken.

Das ist kein „experimenteller Drum’n’Bass“, sondern das Gebaren eines kleinen Kindes, das – allen Lobeshymnen zum Trotz – eine lange Nase dreht und schreit: „Ihr kriegt mich nicht.““ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23020867/aphex_twin__richard_d_james)

Wikipedia und Indiepedia über Aphex Twin

Anbei mal zwei audiovisuelle Übersetzungen des Girl/Boy Songs (wobei ich nicht weiß, ob eine davon die offizielle Version ist)

Der Song scheint auch andere zu inspirieren. Eine Akustikversion von Adem findet sich hier: klick