Schlagwort-Archive: Downtempo

Doctor Rockit – Indoor Fireworks (2000, re-issue 2007)

Reinhören
Matthew Herbert, hier mit seinem AlterEgo Doctor Rockit, hat wieder eine Zündschnur gelegt. Jedoch statt der üblichen Housekracher oder mit seiner Big Band feuert er viele kleine Tischfeuerwerke ab, die voller Überraschungen sind. Wie schon beim ersten Werk „The Music Of Sound“  finden sich hier Skizzen und Collagen, die in Sounds ausgearbeitet werden und das Alltägliche transformiert aus den Boxen regnen lassen. Intro beschreibt es als eine moderne Form der „Musique Concrète: Kurzgeschnittene Knatter-, Knister- und Klacker-Samples, die aus allen nur denkbaren Quellen in Matthews Mikro gelangten (etwa der Klang von Ampeln in Sydney), treffen auf u. a. ein Akkordeon, ein 30köpfiges Orchester oder funkende Akustikgitarren sowie gebrochene, stolpernde Beats. Das Ergebnis: Musik, an der man sich reiben muß, um sie genießen zu können. Verspielt, vertrackt, verschroben und auf eine ganz bestimmte Art jazzy.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23026240/dr-rockit-indoor-fireworks) Jedoch will auch hier Herbert wieder seine Message unter die Hörer bringen: Es geht wieder um Politik, Information und Kritik. Hier und da kann man dem Gesang von Dani Siciliano lauschen. Und was sagt Herbert dazu? „Während Herbert songorientierter House ist und Radioboy in Richtung Techno geht, mache ich als Doctor Rockit eher experimentelle Sachen. Wobei ich nicht glaube, dass sich Komplexität und Schönheit ausschliessen müssen“

Mehr Infos unter: http://de-bug.de/mag/1357.html

Wikipedia zu Matthew Herbert

 

 

Erlend Øye – Unrest (2003)

Hörprobe
Unrest bedeutet soviel wie Unruhe. Und auch wenn es die Musik von Erlend Oye nicht preisgibt, so ist dieses Werk Ergebnis der Bewegung. 10 Orte (New York, Shelton, Uddevalle, Rome, Rennes, Helsinki, Barcelona, Rom…), 10 Produzenten (Morgan Geist, Prefuse 73, die OP:L Bastards, Schneider TM…), 1 Album. Und das erste Soloalbum dazu. Weniger die Akustikinstrumente sind es, die Erlend Oye für die Wanderjahre eingepackt hat. Viel mehr wird im elektronischen Bereich probiert, ohne überbetont beatlastig zu werden. Auch hier schafft es die „bessere Hälfte“ der Kings Of Convenience, warme und fröhliche Töne zu zaubern, die zwar durchaus tanzbar sind, aber irgendwie doch den Stempel „handmade“ hörbar tragen. „Elektronic is the new Wandergitarre“ (http://www.laut.de/Erlend-Oye/Unrest-%28Album%29) schreibt laut.de auch passend. Und die zehn musikalischen Postkarten geben Kraft, den kommenden Herbst mit einem Lächeln zu begegnen. Denn der nächste Sommer kommt bestimmt…

Wikipedia zu Erlend Oye
Video zum Song „Sudden Rush“ (Produziert von Kompis in Uddevalla)

The Art Of Noise – The Ambient Collection (1990)

Hörprobe

Die Art Of Noise, elektronische Soundtüftler, die seit den frühen 80er Jahren an ihren Maschinen experimentieren, präsentieren auf diesem Album einen Non-Stop-Mix der ruhigeren Werke, die auf den Alben der letzten Jahre vertreten waren. Im Gegensatz zu vielen anderen Werken ist diese CD äußerst gefällig produziert und hat wenige „Hörstörungen“ zu bieten. Sie fließt beschaulich dahin, was nicht abwertend gemeint ist, und macht damit ihrem Titel alle Ehre. Für die Auswahl der Tracks zeichnet sich u.a. Alex Perterson von The Orb verantwortlich – ein Ambient-Spezialist erster Klasse und auf musikalischer Ebene durchaus mit der Arbeit von Art Of Noise geistig und emotional verwandt.

Wikipediaeintrag (engl.) zur Art Of Noise

Kings Of Convenience – Riot On An Empty Street (2004)

Hörprobe
Zugegeben, es hat ein wenig gedauert, bis auch mir die Kings Of Convenience glaubhaft machen konnten, das „Quiet The New Loud“ ist. Ich habe sie ein paar mal bei Freunden gehört und fand sie „nett“. Durch die Einzelprojete des Erland Øye, die mir griffiger waren und luftig daherkamen, wurde ich aber dann doch nochmal neugierig. Tja und so wandert nun wohl so langsam alles Material auch in meinen Plattenschrank.
Riot On Empty Street ist das zweite Album, welches Erland Øye zusammen mit Erik Glambek Bøe geschrieben und veröffentlicht hat. Es ist getragen von klassichen Instrumenten und vor allem die Stimmen der beiden Musiker mit Unterstützung von Leslie Feist. Ganz ohne großen Bohei schaffen es die Beiden, eine sehr schöne Atmosphäre ins Wohnzimmer zu tragen und sowas wie, ich bitte im Vorfeld um die Benutzung dieses sonst eigentlich abwertenden Wortes, Lagerfeuerromantik zu verbreiten. Neben Instrumentierung und Gesang zeichnet sich die Musik vor allem durch Ruhe und Leichtigkeit als kompositorische Elemente aus. Das besondere Kunststück ist aber eigentlich, dass die Musik prädistiniert dafür ist, ins Langeweilige oder Belanglose abzudrirften. Aber genau das tut sich nicht… Das die Kompositionen aus dem eigentlich etwas frostigen Bergen in Norwegen kommen, hört man ihr nicht an. Und auch der Titel, ist irreführend. Von einem Aufstand ist in der Musik nichts zu spüren, es sei denn, dieser ist auf leeren Straßen immer so schön ruhig. Dann her damit.

http://www.kingsofconvenience.com/ – Offizielle Webseite

Sade – Stronger Than Pride (1988)

Hörprobe

„After two LPs with little or no energy, Sade demonstrated some intensity and fire on her third release. Whether that was just an attempt to change the pace a bit or a genuine new direction, she had more animation in her delivery on such songs as „Haunt Me,“ „Give It Up,“ and the hit „Paradise.“ Not that she was suddenly singing in a soulful or bluesy manner; rather, Sade’s dry and introspective tone now had a little more edge, and the lyrics were ironic as well as reflective. This was her third consecutive multi-platinum album, and it matched the two-million-plus sales level of her debut.“ (http://www.allmusic.com/album/r17251)

Orbital – Snivilisation (1994)

Hörprobe
„Snivilisation is one of Orbital’s most accomplished works. Partially consisting of experimental loop-oriented progressions and clamorous noise fills, other dominant tracks also purvey elements of drifting „technotic“ bliss. The appearance of guest vocalist Allison Goldfrapp, who sang on Tricky’s Maxinquaye album, adds to the appeal of two tracks. As audiences succumbed to the electronic symbiosis generated by Orbital’s mystique, the group’s political outlook became realized on bold tracks like „Are We Here.“ The track rallied rave culture as it scorned austere governmental policies which descended upon England’s electronic masses. Combined with traces of Eastern-oriented influence, the album further heralds Orbital’s outward affiliations applied within their technology-driven platforms. (Lucas Hilbert)“ (http://www.amazon.com/Snivilisation-ORBITAL/dp/B00004T6V0)

Wikipediaeintrag zu Orbital

Air – Premiers Symptomes (1999)

Hörprobe
Mit französischer Luft entspannt dahindümpeln

Bevor Nicolas Godin und Jean Benoit Dunckel weltweit fast 1 Millionen Einheiten ihres Debüts Moon Safari verkauften, produzierten sie Premiers Symptomes. Wobei von Produzieren nicht wirklich die Rede sein kann. Die 5-Track EP entstand mehr, als daß sie produziert wurde, und das in Nicolas‘ Wohnung in einer Pariser Seitenstrasse mit minimalem Equipment.
JB hat dieses kleine Werk unlängst ein Experiment genannt „als wir noch völlig unbekannt waren“, doch genau dieses Experiment hat ihr Label nun neu aufgelegt um es einer breiteren Masse zugänglich zu machen.

Und wie der Bandname so treffend verspricht, kommen auch die frühen Stücke daher: Luftig, leicht und irgendwie ständig über dem Boden schwebend. Was hier zelebriert wird, ist die perfektionierte Leichtigkeit, die Musik haben kann. Der Fender Rhodes dümpelt seicht im Hintergrund ohne jemals ins Hintertreffen zu geraten, elektronische Sphärenklänge vermitteln ein Gefühl von Schwerelosigkeit. Und zuweilen droht der Drumcomputer einzuschlafen. Er schafft es aber dennoch, den Takt aufrecht zu halten.

Hypnotisch und warm und unglaublich beruhigend ist beispielsweise „J’Ai Dormi Sous L’Eau“, von dem die Macher selber sagen, daß es dem „Unterwasserschlaf vor der Geburt“ gleich kommt. Nicht weniger entspannend sind aber auch „Le Soleil Est Pres De Moi“ und „Les Professionels“, das sich im Nachhinein als Vorgänger der Moon Safari Single „All I Need“ outet.

Nur die beiden neuen Songs Californie und Gordini Mix sind für Air ungewöhnlich dynamisch und passen nicht ganz ins Bild. Doch im Ganzen ist Premiers Symptomes eine wunderschöne Ergänzung zum Meisterwerk Moon Safari. (Marc Winkelmann)“ (http://www.laut.de/Air/Premiers-Symptomes-%28Album%29)

Tosca – Suzuki (2000)

Hörprobe

„…Der Sound von „Suzuki“ ist ein rundum-sorglos-Paket. Bitte setzen (oder legen) Sie sich auf das Sofa. Bei einer gepfelgten Flasche Wein oder einer grossen Zigarette lässt es sich hervorragend in die Stimmungen eintauchen, die aus den tiefen des Raumes entgegenschweben. Trippig, deep, sehr deep und von einer ausgesprochenen Lässigkeit. Knapp 60 Minuten Klangkosmos werden durch das ambientlastige Outro „Pearl Off“ beschlossen, in welches ein kleiner Anflug von Disharmonie eingeflochten wurde, so was aber auch … ts ts ts.

Wie ein Kissen, in das man sich Sonntags so vergnügt zum zehnten mal hineinflauscht und von dem man nicht mehr lassen möchte, so wirkt dieses Entspannungswerk aus Wien. Ein weiterer Hochkaräter aus dem schier unerschöpflichen Umfeld. Wer auf Richard Dorfmeisters softe Sounds und angenehme Klangbilder steht, sollte (eigentlich mehr als nur) ein Ohr riskieren. (Alexander Cordas)“ (http://www.laut.de/Tosca/Suzuki-%28Album%29)

Tricky with DJ Mugs and Grease – Juxtapose (1999)

Hörprobe
„Eines mal gleich vorneweg. Dieses Album ist wohl eins der besten und wichtigsten im Moment – neben der neuen Filter. Aber mal ganz langsam und von vorne. Mr. Tricky – sonst eher düster, teilweise sogar bösartig und das Paradebeispiel für den „alles-allein-produzieren-wollen“-Musiker – tut sich mit Grease (DMX-Produzent)und Muggs (Cypress Hill) zusammen. Die beiden kassieren pro Tag eine halbe Millionen, aber die Investition hat sich gelohnt: Heraus kommt ein Album, welches man teilweise als freundlich, sogar radiotauglich bezeichnen könnte. „Juxtapose“ heißt nach eigener Auskunft soviel wie „Dinge zusammen bringen“ und genau das tut Tricky hier auch und zwar perfekt. Anfangs noch die – das Ohr umschmeichelnde – Akustikgitarre, kurz darauf schon Muggs wahnwitzige Raps und/oder Trickys Flüstern im Hintergrund, dazu mischt sich ab und zu der Gesang von Kioka (Martina arbeitet zur Zeit an ihrem Soloalbum) und gelegentliche Einwürfe elektronischer Schnipsel. Ist das noch Trip Hop? Oder gar Hip Hop? Tricky entzieht sich mit diesem Album wirklich absolut jeglicher Kategorie, entfernt sich sogar von seinen ersten Werken. Das einzige, was eventuell ein wenig stört, ist dass „Juxtapose“ nur 36 Minuten lang ist. Aber scheinbar hat Tricky alles gesagt, was zu sagen war. Ich bin schlichtweg begeistert. (Stefan Friedrich)“

Matthew Dear – Asa Breed (2007)

Hörproben
Mutter House und Vater Techno: Ein Elektronik-Produzent entdeckt das Songwriting und die Möglichkeiten seiner Stimme

Die Situation, in der man ein Stück zum ersten Mal hört, kann ganz entscheidend mitbestimmen, wie es sich in einem festsetzt. Im Fall von „Deserter“ war’s maßgeschneidert: eine Zugfahrt durchs deutsche Nirvana irgendwo zwischen Leipzig und Nürnberg. Am Fenster rauscht eine VR-Kulisse aus Regen und Mittelstädten vorbei, die Beats spiegeln die Bewegung mit einem mittelschnellen Takt wider und der Song gleitet in einem gleichmäßigen Synthie-Akkord wie zwischen Schiene und Oberleitung aufgehängt dahin: Rasender Stillstand, Ruhe und Bewegung zugleich. Erinnert an Stereolabs „Les Yper-Sound“, vage auch an Kraftwerks „Trans-Europa-Express“ … bloß mit verfeinerter Sound- und Eisenbahntechnik: ICE statt Holzklasse.

Dass Kraftwerk stets als Ahnväter von Techno genannt wurden, war für mich immer ein harter Brocken: Elektronik hin oder her – der Unterschied zwischen elegischer Romantisierung des Maschinenzeitalters hier und der sehr viel nüchterneren Fokussierung auf Tanzbarkeit da ist schließlich immens. Matthew Dear hat damit aber keinerlei Probleme; er schafft eine Sound-Synthese (siehe etwa „Fleece on Brain“), die sich wie ein evolutionärer Zwischenschritt anhört – und den Begriff „Dance Music“ dehnt er ohnehin so weit wie möglich aus, bis hin zu David Bowie und Brian Eno.“ (http://derstandard.at/2950746/Matthew-Dear-Asa-Breed?_lexikaGroup=4)

http://www.matthewdear.com/ – Offizielle Homepage

Matthew Dear bei Myspace