Schlagwort-Archive: Downtempo

Psapp – Tiger, My Friend (2004)

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Quietschentchen und Fahradklingeln oder andere Dinge unserer Umwelt als Instrumente einzusetzen, ist nicht neu. Aber nicht jedem gelingt es, aus diesen Versatzstücken kleine Geschichten zu stricken. Psapp gelingt das ausgezeichnet. Mit einem akribischen Spieltrieb konstruieren sie mit diesem Erstlingswerk Hörwelten, die viel Platz zum Entdecken und interpretieren geben. Ein Gengre ist ihnen genauso fremd wie die Abgrenzung irgendwelcher musikalischen Mittel. Eine zauberhafte Märchenwelt, die sie hier präsentieren. Freunde von CocoRosie dürften sich freuen…

Underworld – Beaucoup Fish (1999)

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Das fünfte Album von Underworld – und ein weiterer Versuch, sich dem Born-Slippy Fluch (oder war es doch ein Segen?) zu entziehen, ohne die eigenen Stärken aus den Augen zu verlieren. Und so arbeiten Karl Hydes Gesang und Darren Emerson & Rick Smith elektronisch motivierte Soundstrukturen mal synchron, mal asynchron, aber immer schön Hand in Hand um Epik mit Rave zu vereinen. Herausgekommen ist eine sehr treibende Platte, die viele Akzente setzt und sowohl auf der Autobahn oder beim Joggen funktioniert, als auch für den Club den richtigen Nährstoff liefert. Insgesamt ein Album, dem der Satz „Daran hab ich mich überhört“ gar nicht gut steht. Im Spiegel Online stand passenderweise: „Keine extravaganten Samples, kein Schnickschnack und erst recht keine Big Beats. Dieser puristische Ansatz macht das Album modern und zeitlos zugleich. „Beaucoup Fish“ ist ein Klassiker: 74 Minuten lang jagen Wörter Beats und Beats Wörter. Es könnte ruhig noch länger dauern – wenn nicht sogar ewig.“ (http://www.spiegel.de/kultur/musik/cd-kritik-underworld-beaucoup-fish-a-18919.html)

Nine Horses – Snow Borne Sorrow (2005)

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Da sind drei zusammen gekommen, die auch zusammen gehören. David Sylvian, seit den 80er Jahren unermüdlich musikalisch schaffend, sein nicht weniger unproduktiver Bruder Steve Jansen (beide ex-Japan Mitglieder) und der  Soundarchitekt, Krautrocker, Produzent und von mir sehr geschätzte Burnt Friedmann haben sich für Nine Horses zur Zusammenarbeit vereint. Herausgekommen ist ein gemütliches und anregendes Album, welches jedoch mehr zu bieten hat. In Friedmans üblicher Art werden hier die Sounds arrangiert und geschichtet, ohne jedoch den Grundgedanken des Albums aus den Augen zu verlieren – zumal bei den Sounds deutlich wird, dass B.Friedman hier nicht allein am Werk ist. Prägend dazu kommt diese markante Stimme von David Sylvian , die – einmal gehört – immer wieder auffällt, sobald sie einem begegnet.  Eine Menge Gäste haben sich für das Album ins Studio bitten lassen und spassenshalber mal hier die Liste 🙂

Stina Nordenstam (Gesang), Arve Henriksen (Trompete), Keith Lowe & Daniel Schroeter & Neal Sutherland (Bass), Ryuichi Sakamoto (Piano),  Hayden Chisholm (Klarinette und Saxophon), Riff Pike III & Joseph Suchy(E-Gitarre), Thomas Hass (Saxophon), Theo Travis (Saxophon & Flöte), Carsten Skøv & Morten Grønvad (Vibraphon), Tim Motzer (E-Gitarre und Akustikgitarre), Tim Elsenburg (Gitarre);  Eska G. Mtungwazi & Marcina Arnold & Andrea Grant & Derek Green & Beverlei Brown & Tommy Blaize (Backing Vocals)

http://www.ninehorses.com/ – offizielle Webseite

Infos zum Album bei David Sylvian: http://www.davidsylvian.com/discography/albums/nine_horses_snow_borne_sorrow.html

Christian Kleine – Beyond Repair (2001)

„Nach einer offensichtlich aufregenden Zeit rund um die Welt des Duos Herrmann & Kleine widmet sich Christian Kleine, zurück in Berlin, seinen eigenen kleinen Popdingern, die es bisher nur auf Singles und Compilation-Beiträgen zu hören gab. Kleines Debüt ist dabei zweifellos sehr, sehr schön geworden. Bereits der erste Track „Guitar Interrupt“ öffnet das Tor in Kleines Downtempo-Land abdriftender Sounds mit Dubverdächtigkeit. Wenn Jean-Michel Jarre jemals bescheiden, beatsinteressierter und innovativ gewesen wäre, er hätte diese acht Songs auch nicht besser hinbekommen. Vielleicht ist Kleine ja auch eigentlich Jarre, der einfach noch mal ganz neu anfangen, sich der alten Bombastpeinlichkeit entledigen und der endlich mal richtig tolle Stücke aufnehmen will, Stücke, die berühren.

Blödes Wort, aber yes, Kleines Instrumental-Musik packt einen, zieht einen rein in eine Emotionsblase namens „Beyond Repair“. Postpostmoderne, traumhafte Sounds für Turnschuhgazer.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23028428)

 

Portishead – Dummy (1994)

Hörprobe
Da zäume ich mal das Pferd von Hinten auf, wenn ich hier nach dem Zweitling „Portishead“ und dem dritten „Third“ nun auchmal auf das bahnbrechende und stilprägende erste Album „Dummy“ zu schreiben komme. Was sich hier 1994 die Soundtüftler aus Bistrol aus den Fingern geschüttelt haben, läutete schlicht und einfach aber unumstößlich den TripHop endgültig ein. Beth Gibbons fragile und kraftvolle Stimme schmiegt sich passend an die verschleppten und verzerrten Beats an, die eine entsprechende Wärme ausstrahlen. Und so entstand ein Album, welches „die ganze Herzlichkeit eines schwarzen Lochs“ (laut.de) verkörperte. Düster, faszinierend, anziehend, mysteriös und schön. Für die damalige Zeit lieferte dieses Album einen bislang ungehörten und mutigen Stilmix, der sofort den Zeitgeist entzündete.
Mit Fug und Recht kann dieses Album als ein Meisterwerk bezeichnet werden, wurde es doch von den Magazinen „The Face“, „Mix Mag“ und dem „Melody Maker“ zum Album des Jahres gewählt und mit dem Mercury Music Price ausgezeichnet. Vom Rolling Stone wurde das Album in die Liste der 500 besten Alben aller Zeiten und vom Spex auf Platz 60 der besten Platten des Jahrhunderts gehievt.

Die Zeitschrift Visions setzte es auf ihrer Liste „Die wichtigsten Alben der 90er“ auf den 2. Platz.
Wikipediabeitrag über Portishead

Doctor Rockit – Indoor Fireworks (2000, re-issue 2007)

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Matthew Herbert, hier mit seinem AlterEgo Doctor Rockit, hat wieder eine Zündschnur gelegt. Jedoch statt der üblichen Housekracher oder mit seiner Big Band feuert er viele kleine Tischfeuerwerke ab, die voller Überraschungen sind. Wie schon beim ersten Werk „The Music Of Sound“  finden sich hier Skizzen und Collagen, die in Sounds ausgearbeitet werden und das Alltägliche transformiert aus den Boxen regnen lassen. Intro beschreibt es als eine moderne Form der „Musique Concrète: Kurzgeschnittene Knatter-, Knister- und Klacker-Samples, die aus allen nur denkbaren Quellen in Matthews Mikro gelangten (etwa der Klang von Ampeln in Sydney), treffen auf u. a. ein Akkordeon, ein 30köpfiges Orchester oder funkende Akustikgitarren sowie gebrochene, stolpernde Beats. Das Ergebnis: Musik, an der man sich reiben muß, um sie genießen zu können. Verspielt, vertrackt, verschroben und auf eine ganz bestimmte Art jazzy.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23026240/dr-rockit-indoor-fireworks) Jedoch will auch hier Herbert wieder seine Message unter die Hörer bringen: Es geht wieder um Politik, Information und Kritik. Hier und da kann man dem Gesang von Dani Siciliano lauschen. Und was sagt Herbert dazu? „Während Herbert songorientierter House ist und Radioboy in Richtung Techno geht, mache ich als Doctor Rockit eher experimentelle Sachen. Wobei ich nicht glaube, dass sich Komplexität und Schönheit ausschliessen müssen“

Mehr Infos unter: http://de-bug.de/mag/1357.html

Wikipedia zu Matthew Herbert

 

 

Erlend Øye – Unrest (2003)

Hörprobe
Unrest bedeutet soviel wie Unruhe. Und auch wenn es die Musik von Erlend Oye nicht preisgibt, so ist dieses Werk Ergebnis der Bewegung. 10 Orte (New York, Shelton, Uddevalle, Rome, Rennes, Helsinki, Barcelona, Rom…), 10 Produzenten (Morgan Geist, Prefuse 73, die OP:L Bastards, Schneider TM…), 1 Album. Und das erste Soloalbum dazu. Weniger die Akustikinstrumente sind es, die Erlend Oye für die Wanderjahre eingepackt hat. Viel mehr wird im elektronischen Bereich probiert, ohne überbetont beatlastig zu werden. Auch hier schafft es die „bessere Hälfte“ der Kings Of Convenience, warme und fröhliche Töne zu zaubern, die zwar durchaus tanzbar sind, aber irgendwie doch den Stempel „handmade“ hörbar tragen. „Elektronic is the new Wandergitarre“ (http://www.laut.de/Erlend-Oye/Unrest-%28Album%29) schreibt laut.de auch passend. Und die zehn musikalischen Postkarten geben Kraft, den kommenden Herbst mit einem Lächeln zu begegnen. Denn der nächste Sommer kommt bestimmt…

Wikipedia zu Erlend Oye
Video zum Song „Sudden Rush“ (Produziert von Kompis in Uddevalla)

The Art Of Noise – The Ambient Collection (1990)

Hörprobe

Die Art Of Noise, elektronische Soundtüftler, die seit den frühen 80er Jahren an ihren Maschinen experimentieren, präsentieren auf diesem Album einen Non-Stop-Mix der ruhigeren Werke, die auf den Alben der letzten Jahre vertreten waren. Im Gegensatz zu vielen anderen Werken ist diese CD äußerst gefällig produziert und hat wenige „Hörstörungen“ zu bieten. Sie fließt beschaulich dahin, was nicht abwertend gemeint ist, und macht damit ihrem Titel alle Ehre. Für die Auswahl der Tracks zeichnet sich u.a. Alex Perterson von The Orb verantwortlich – ein Ambient-Spezialist erster Klasse und auf musikalischer Ebene durchaus mit der Arbeit von Art Of Noise geistig und emotional verwandt.

Wikipediaeintrag (engl.) zur Art Of Noise

Kings Of Convenience – Riot On An Empty Street (2004)

Hörprobe
Zugegeben, es hat ein wenig gedauert, bis auch mir die Kings Of Convenience glaubhaft machen konnten, das „Quiet The New Loud“ ist. Ich habe sie ein paar mal bei Freunden gehört und fand sie „nett“. Durch die Einzelprojete des Erland Øye, die mir griffiger waren und luftig daherkamen, wurde ich aber dann doch nochmal neugierig. Tja und so wandert nun wohl so langsam alles Material auch in meinen Plattenschrank.
Riot On Empty Street ist das zweite Album, welches Erland Øye zusammen mit Erik Glambek Bøe geschrieben und veröffentlicht hat. Es ist getragen von klassichen Instrumenten und vor allem die Stimmen der beiden Musiker mit Unterstützung von Leslie Feist. Ganz ohne großen Bohei schaffen es die Beiden, eine sehr schöne Atmosphäre ins Wohnzimmer zu tragen und sowas wie, ich bitte im Vorfeld um die Benutzung dieses sonst eigentlich abwertenden Wortes, Lagerfeuerromantik zu verbreiten. Neben Instrumentierung und Gesang zeichnet sich die Musik vor allem durch Ruhe und Leichtigkeit als kompositorische Elemente aus. Das besondere Kunststück ist aber eigentlich, dass die Musik prädistiniert dafür ist, ins Langeweilige oder Belanglose abzudrirften. Aber genau das tut sich nicht… Das die Kompositionen aus dem eigentlich etwas frostigen Bergen in Norwegen kommen, hört man ihr nicht an. Und auch der Titel, ist irreführend. Von einem Aufstand ist in der Musik nichts zu spüren, es sei denn, dieser ist auf leeren Straßen immer so schön ruhig. Dann her damit.

http://www.kingsofconvenience.com/ – Offizielle Webseite

Sade – Stronger Than Pride (1988)

Hörprobe

„After two LPs with little or no energy, Sade demonstrated some intensity and fire on her third release. Whether that was just an attempt to change the pace a bit or a genuine new direction, she had more animation in her delivery on such songs as „Haunt Me,“ „Give It Up,“ and the hit „Paradise.“ Not that she was suddenly singing in a soulful or bluesy manner; rather, Sade’s dry and introspective tone now had a little more edge, and the lyrics were ironic as well as reflective. This was her third consecutive multi-platinum album, and it matched the two-million-plus sales level of her debut.“ (http://www.allmusic.com/album/r17251)