Schlagwort-Archive: Disco

Peaches – I Feel Cream (2009)

Das Cover lügt nicht: Peaches goes Disco!? Den Dancefloor hat sie ja sicher schon erobert, aber nun kommt Glitzer und Lametta ins Haus und sie läuft damit Madonna durchaus den Rang ab.  …oder macht ihn ihr zumindest streitig. Für ihr viertes Album wühlt Peaches tief in der Kiste des Electroclash und arbeitet mit einigen Größen wie Soulwax, Simian Mobil Disco, Gonzales oder Drums of Death zusammen. Und eigentlich ist dieser Griff zur Discokugel, nach einer gefühlten halben Ewigkeit als Rock-Trash-Power-Queen, eine logische Konsequenz und Fortführung des Stils. Denn der ist doch eigentlich, sich selbst treu zu sein und keinen Konventionen zu unterwerfen. Und wenn die Lust auf Disco kommt, dann darf man dieser auch ungeniert nachgehen.  Ist damit die „Rrrriot-Girl-Phase“ durch? Na, nicht ganz. Nicht nur, dass das auf „I Feel Cream“ folgende Album wieder ganz andere Töne von sich gibt, auch auf dem Discoalbum findet Peaches ihre „Feuchtgebiet“ und bekennt „I’m a stage whore / I command the floor„, was man ihr glauben darf…
In diesem Sinne: Licht aus – Spot an!

Jamiroquai – Travelling Without Moving (1996)

Hörprobe
„Jamiroquai gelang es mit diesem dritten Album sich die Aufmerksamkeit der Top 40-Radiosender und MTV, sowie einen Grammy und eine Platinauszeichnung zu sichern.
Dabei hatten sie ihrem bewährten Soul-Disco-Mix nur etwas Pop hinzugefügt. Warme Keyboards, zuckersüße Streicher und unbezähmbare Grooves bilden die Basis für Jay Kays überragende Stimme, und powern die Hits („Virtual Insanity“, „Cosmic Girl“). Zwar macht die Stimme des Leadsängers (voll Jazz und Elastizität) das Feuer der Band aus, aber erst die „Kleinigkeiten“ (makellose Gitarrenklänge, flotte Hintergrundgesänge und geschickt eingesetzte Old-School-Soul-Samples (Eddie Harris in „Alright“, Esther Phillips in „High Times“) machen die Platte perfekt. Für einen Ausgleich zu den sehr tanzbaren und radiotauglichen Tracks sorgen die Balladen „Everyday“ und „Spend A Lifetime“, das reggaemäßige „Drifting Along“ und ein paar Didgeridoo-Instrumentalstücke. (Suzanne McElfresh)“ (http://www.amazon.de/Travelling-Without-Moving-Jamiroquai/dp/B000025RR1)

Wikipediaeintrag zum Album

Golden Bug – Hot Robot (2008)

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„Für Powerwackel-Funker, French Elektro-Freunde, New Raver und B-Boys

Die Münchner Gomma-Gang hetzt uns mit Antoine Harispuru aka Golden Bug einen Künstler auf Ohren und Leiber, der elektronischer Funkmusik, japanischen Spielzeugen und dem Skateboardsport gleichermaßen verfallen ist. Zu diesen Vorlieben inspirierte ihn Victor, sein väterlicher Freund und Superroboter aus Osaka; zumindest solches das Infosheet des Labels.

Mit 38 Jahren verlor Mr. Roboto Victor bei einem Skate-Unfall sein Leben, Antoine entschloss sich seinerseits als Spielzeugdesigner und Produzent unter dem Pseudonym Golden Bug seinem toten Freund ein Denkmal zu setzen und legt mit „Hot Robot“ eine interessante Mixtur zwischen 70er und 80er Elektro-Funk und aktuellen Club-Einflüssen vor. Die Vocals hierzu steuerte Lou Valentino bei, ein von den Bermuda-Inseln stammender Hip Hop- Homie des Goldkäfers.

Den Einstieg macht „Midnight Rabbit„, ein verhalltes, Space-Disco-inspiriertes Stück, das einem gleichzeitig den Humor und die Booty-Tauglichkeit der folgenden Songs vor Augen führt. Die durch den Transform-Effektwolf gedrehten Roboterstimmen begegnen uns auf dem gesamten Album in verschiedenen Tonhöhen und Spielarten. Trotzdem nerven sie nicht, vielmehr vervollständigen sie die Drumcomputer- und Sample-orientierten Produktionen.

Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang „LookLookLook„, das ein wenig an Blurs „Girls & Boys“ erinnert, oder „Move The Crowed„, welche seinem Namen überaus gerecht wird. Der aktuelle französische Sound, wie er von Ed Banger oder Kitsune propagiert wird, schillert zwar bei Songs wie „Disco Sensation“ oder „Barbie’s Back“ hervor. Golden Bugs Stil bleibt aber trotzdem individuell, vor allem bei tollen Basslines, die düster vor sich hinwabern, und in Oldschool-Hip Hop-Momenten, wie etwa bei „I Can’t Stop“ oder „Rocket City„. James Murphys DFA-Label würde der Punk-Funk von Tracks wie „Bisco“ imponieren. Die Gomma-Gangster waren schneller.

Antoine Harispuru produzierte sein Album mit Liebe zum Roboter. Nicht nur Powackel-Funker und French Electro-Freunde, sondern auch Breakdancer und New Raver dürften Gefallen daran finden. (Martin Tenschert)“

The Wombats – …Proudly Presents A Guide To Love, Loss & Desperation (2007)

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„Eigentlich muss man das doch gar nicht. Immer wen in den Dreck stoßen, um jemanden anderen zu erhöhen. Ist schlechter Stil. Und hier kommt er trotzdem: Alle neuen britischen Bands langweilen plötzlich, wenn man The Wombats gehört hat. Dramatisch, aber wahr. Tja, warum nicht mal bisschen hysterisch werden, wenn es eine Band aus dem Projekt „Brit-Hype“ tatsächlich mal wieder geschafft hat, dass man Bock auf sie hat. Also so richtig. Nicht so „Bockfenster auf Kipp“. Natürlich frage ich mich, was machen diese Liverpooler Heinis eigentlich genau anders als der mediokre Frisuren-Pöbel? Klar sind das vielleicht nur Nuancen, und die Gitarren haben hier auch nicht mehr Akkorde. Bringen es aber einfach mehr. Bloß, was hilft der gefühlige Abfeierjargon? Nix, es heißt jetzt doch mal, konkreter zu werden.

Also, die Platte besitzt auf jeden Fall einen augenfälligen Variantenreichtum. Das Songwriting ist durchgehend so beseelt, dass jedes neue Stück wirklich ein neues ist und nicht nur eine Version des vorigen. Allein das Intro „Tales Of Girls, Boys And Marsupials“ – mitreißend, dreist. Wer traut sich denn schon, mit einem fast A-cappella-Handclap-Sloganizer zu eröffnen? Nicht nur wegen der Titelphrase erinnert der übrigens an Blur zu „Parklife“-Zeiten.

Eins der größten Highlights ist dann sicher auch „Let’s Dance To Joy Division“. Ein weiterer absoluter Party-Smasher mit dem cleveren Text, der erzählt, wie man traurige Musik im Endeffekt gar nicht als solche rezipiert, sondern zu „Love Will Tear Us Apart“ die Nacht durchtanzt und -trinkt. „Let’s dance to Joy Division / Celebrate the irony / Everything is going wrong.“ Damit machen die Wombats niemandem einen Vorwurf, blicken bloß aufgeregt hinter die Kulissen des kontemporären Coming-of-Age-Lifestyles. Dem sie ja selbst verfallen sind, und in dessen hedonistischen Kanon sie selbst nun Song um Song einweben. Seit den Debütplatten von Franz Ferdinand und Art Brut sprudelte kaum ein Erstling derart über vor tierischem Style, guten Songs und Substanz.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23045443/the_wombats_proudly_present__a_guide_to_love_loss_and_desperation?inc=artikel/i2008.content.detail&category=platten&subcategory=kritiken&item=23045443&teaserlogic=ArtikelPlattenKritikenDetail&ivw=PlattenKrit)

The Wombats bei Wikipedia

Louie Austen – Easy Love (2003)

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„Pünktlich zum Sommerbeginn liefert der Grand Segnieur den passenden Soundtrack für laue Nächte unter einem funkelnden Sternenzelt. „Easy Love“, der inzwischen dritte Longplayer von Louie Austen auf dem Wiener Cheap Label, lässt das technoide Erbe seiner Vorgänger teilweise hinter sich und verwöhnt seine Zuhörer mit einer feinen Melange, die ihre Faszination aus Jazz, Easy Listening, Hip Hop und Disco gleichermaßen schöpft und die unterschiedlichen Facetten von Austens Stimme bestens in Szene setzt.

Wie auch schon die beiden ersten Releases von Austen entstand auch „Easy Love“ mit Patrick Pulsinger und Mario Neugebauer am Mischpult. Gleichwohl sind Dancefloorbomben wie der Hit „Hoping“ auf „Easy Love“ dünn gesäht. Die Up-Tempo-Nummern „You Didn’t Know“ und „I Believe“, das irgendwie nach Ultravox klingt, können wohl noch am ehesten das Erbe vergangener Tage antreten.

Viel repräsentativer als „You Didn’t Know“ sind Tracks wie „Danger“ oder „Desire August 99“, die sich in ihrem Interim zwischen Song und abstrakter Soundcollage bestens gefallen. Hier wartet in jedem neuen Takt eine Überraschung auf den Zuhörer. Langsam und resignierend schleppt sich „Danger“ über stoische Beats voran. Austens Stimme mildert den dunklen Eindruck etwas ab, bereitet den Boden für die Raps von Shake, die dem Song eine ganz neue Richtung geben.

Das ist der Louie Austen des Jahres 2003. Selbstbewusst schlägt er mit Tracks wie „On Tour“ die Brücke zu beinahe hörspielartigen Arrangements, die den Weltenbummler auch als exzellenten Native-Speaker ausweisen. Überhaupt legt Louie Austen auf „Easy Love“ eine Vorliebe für das gesprochene Wort an den Tag, die seinen Songs eine bisher nicht gekannte Tiefe verleiht.

So darf man den in „As Long As I Have A Song“ zur Schau getragenen Ekklektizismus, der kühlen Electro-Funk und soulige Vocals auf wunderbare zu verbinden weiß, durchaus als kraftvolles Statement begreifen. Geht man mit der geistigen Frische eines Louie Austen ins Studio, dann erhalten selbst so ausgezehrte Begrifflichkeiten wie Crossover eine Frischzellenkur. Mehr solche Querdenker würden dem Musikbusiness gut tun.“ (http://www.laut.de/lautstark/cd-reviews/a/austen_louie/easy_love/index.htm)

Ein Wikipediabeitrag zu Louie Austen

Bran Van – Glee (1998)

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„CD des Monats

Ist mal wieder die Rede davon, daß jemand gerade die Popmusik neu erfindet, läuten bei Branchenkennern schnell die Alarmglocken. Allzu oft sind hoch gehandelte Talente bei genauerem Hinhören eben nicht mal die Hälfte wert. Hin und wieder allerdings kommt tatsächlich jemand, der einer statischen Musikszene neue Impulse injiziert. Namen wie Beck oder Massive Attack seien hier genannt, von den Altvorderen der 60er und 70er Jahre ganz zu schweigen. Nun also Bran Van 3000. Was aus diesem Musiker-Kollektiv aus Montreal werden wird, muß sich erst noch zeigen. Und einen neuen Meilenstein der Musikgeschichte wollen wir hier auch nicht willkürlich aufbauen. Obgleich: Den kanadischen Juno-Award für das beste „Alternative Music Album“ oder den Canadian Music Award als beste Gruppe gibt’s schließlich auch nicht aus Jux und Tollerei. „Glee“, daheim mittlerweile platinveredelt, ist ein Debüt, das im besten Sinne so extraterrestrisch klingt, als stamme es aus einer anderen Pop-Galaxie. Dort regiert eine symbiotische Lebensgemeinschaft von HipHop, Pop, Funk, Country, Rock, Drum & Bass, Punk und Jazz, und Neugier ist die Triebfeder allen Geschehens. Das besteht aus fetten Grooves und kernigen Gitarenriffs, rappenden Rappern, flötenden Sängerinne sowie von der Leine gelassenen Bläsern und Vibraphonen und erinnert konzeptionell an Kollegen wie die US-Anarcho-Popper Ween oder einen Frank Zappa auf dem Weg ins nächste Jahrtausend. Wem das zu abstrakt ist, der höre die Single „Drinking In L.A.“, vielleicht das „Loser“ (Beck) des Jahres 1998. (Stereoplay) “ (http://www.amazon.de/Glee-Bran-Van-3000/dp/B00000634L/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=music&qid=1210881966&sr=8-1)

Bran Van Portrait bei laut.de

Herbert – Scale (2006)


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„Matthew Herbert ist ein musikalisches Wunderkind – in ihm wohnen so viele kreative Kobolde, daß er in hundert verschiedenen Erscheinungsformen auftritt. Er veröffentlichte Platten als Doctor Rockit, Wishmountain, Radio Boy, Transformer, und das sind nur einige seiner ungezählten Pseudonyme.
Er produzierte Roisin Murphys Soloalbum Ruby Blue, außerdem remixte er REM, Björk, John Cale und Serge Gainsbourg. Für sein letztjähriges Album Plat du Jour sammelte er Geräusche aus dem Themenbereich „Essen“: wie hört es sich an, wenn 300 Menschen gleichzeitig in einen Apfel beißen und wie klingt ein Brathähnchen? Klingt es überhaupt irgendwie? Er sampelte das Rascheln von Corn Flakes und brachte Alufolie zum Tanzen, aber im Vordergrund stand weniger die verspielte Anhäufung von Klängen, sondern die Bewußtmachung der Herkunft von Nahrung. Deshalb werden auch unbequeme Aspekte wie Massentierhaltung thematisiert – diese skurrile und gleichzeitig hochpolitische Platte gehörte zu den interessantesten Veröffentlichungen des Jahres 2005 und lohnt die Entdeckung noch immer. Für das neue Album Scale nennt sich Matthew nur noch Herbert – die Reduktion beziehungsweise Konzentration auf den einen, eigenen Namen ist nur folgerichtig. Auf Scale spielt Herberts Songwriting wieder die bedeutendste Rolle, herausgekommen sind 11 Pop-Kleinode, die im besten Sinne zeitlos sind. Der Sound ist leicht und dennoch opulent ausgestattet – ein Kammerorchester erklingt, Holzbläser, Waldhörner und Big-Band-Musiker werden mit viel Liebe zum Detail eingesetzt. House und Jazz, Disco und Musicalmelodien gehen Hand in Hand, an den Vocals wird Herbert von Dani Siciliano, Neil Thomas und Dave Okumu unterstützt.
Scale ist Party und Soundtrack zugleich. Song Nummer drei, Moving Like A Train verbindet Herberts Liebe zu Prince und Fünfzigerjahre-Orchestrierung, Down und Movie Star sind absolut loungekompatibel. Doch der Opener Something Isn´t Right verweist darauf, daß man nicht alles, was man hier zu hören bekommt, auf die allzu leichte Schulter nehmen sollte …
Trotz der Burt-Bacharach- oder Gershwin-haften Leichtigkeit und der Ohrwurmqualitäten aller Songs ist Scale ein typisches Herbert-Produkt und deshalb versteht es sich beinahe von selbst, daß für die Aufnahmen ungewöhnliche Gegenstände und Sounds verwendet wurden (Särge, Benzinpumpen, ein Tornadobomber der Royal Airforce), die in Zwölfer-Gruppen aufgeteilt wurden – als Anspielung auf das westliche Skalensystem mit jeweils 12 Tönen. Die Skala, scale impliziert weitere Bedeutungen: den Maßstab, ein Medium zum Abmessen von Abständen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, den Kontrast zwischen persönlicher Befindlichkeit und dem Zustand der Welt und viele Deutungen mehr. Herbert wollte ein leichtes, poppiges Album machen, vordergründig ist ihm das gelungen – doch unterschwellig ist sie ebenso kritisch, nachdenklich und politisch geworden wie alles, was (Matthew) Herbert veröffentlicht.“ (http://www.satt.org/musik/06_07_herbert-mills.html)

http://www.herbert-scale.com/ – Webseite zum Album

http://www.matthewherbert.com/ – Herberts offizielle Webseite