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Kapelle Petra – The Underforgotten Table (2016)

Ich mein, es ist schon was Besonderes, neben dem üblichen Klangkörper auch eine Bühnenskulptur offiziell als Bandmitglied zu führen. Oder besser andersrum: Ein Bandmitglied als Bühnenskulptur. Aber „Gazelle“ ist ein wichtiger Teil von Kapelle Petra, den „Ja-Sagern“ aus Hamm. Mit diesem Album machen sie sich auf, die Welt aus ihrer Perspektive zu durchdrucken, aufzumischen und vielleicht ein bisschen zu verbessern. Begeisterten mich früher ihre Spaßnummern wie „Curly Sue“ oder „Gewitter“, sind es auf The Underforgotten Table durchaus Songs, die sich z.T. kritischer und tiefer mit den Phänomenen unserer Zeit auseinandersetzen. Dennoch behält Kapelle Petra das Markenzeichen bei, ihre Anmerkungen zum Leben im Allgemeinen und Besonderen mit einem Augenzwinkern, mit Ironie und Selbstkritik vorzutragen. Und so machen sie auf diesem Album nicht nur wieder Spaß, sondern haben auch was zu sagen. Eine Kombination, der man doch ganz gut zuhören kann…

Blockflöte Des Todes – Ich Habe Heute Ananas Gegessen (2012)

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Allein schon der Name ist es zugegebenermaßen wert, dass man sich eine CD von der Blockflöte in das CD-Regal stellt. Denn immer, wenn der Finger daran vorbei gleitet, ist doch zumindest ein Lächeln angesagt. So solls doch sein, oder? Und wenn die CD eingelegt wird, geht es weiter. Bissig, ironisch, zynisch, hoffnungslos, pragmatisch, politisch unkorrekt, böse und deutlich & klar. Lebensweisheiten für viele Lebenslagen. Matthias Schrei beobachtet seine Welt und stellt dem geneigten Hörer seine ernüchternden Ergebnisse vor.

Die Blockflöte singt von den Dingen, die sie beschäftigen. So geht es um die Frage der Möglichkeiten des Ablebens von Rockstars und zählt zahlreiche Arten aus der bisherigen Rockpraxis von Curt Cobain bis zum Sänger von INXS auf (Club Siebenundzwanzig), der Suche nach dem Unbekannten oder dem nächsten Abenteuer, wozu aber gehört, nie die FDP gewählt zu haben, einem Antrag an die Jugendfreundin Cathrin als der „letzten“ Wahl und Chance auf dem Heiratsmarkt, der Sch***welt („Du blöder blauer Ball im All. Du bist nicht mein Fall.“), der Diskrepanz von Familienplanung und persönlicher Freiheit („Es gibt keinen guten Reim auf Eigenheim“)… Mehr soll nicht verraten werden.

Matthias Schrei geriert sich als schwer fassbarer Springkastenteufel. Für einen Comedian neudeutscher Prägung zu intellektuell, für den beinharten Indierocker zu poppig, für einen Mainstream-Abfischer zu gewitzt (…) ‚Ich Habe Heute Ananas Gegessen‘ ist eines jener Alben, das man entweder wütend in die Tonne tritt oder liebevoll mit dem CD-Wischtuch umsorgt. Gut, auf voller Albenlänge geht der Blockflöte schon mal hie und da die kreative Luft aus, doch aus dem letzten Loch pfeift sie nie“ (Artur Schulz, Quelle).