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Philip Glass – Koyaanisqatsi (1983/1998/2001)

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Schon ziemlich altes Album, aber es wird wohl Jahr für Jahr aktueller wird. Es handelt sich hierbei um die von Philip Glass komponierte Filmmusik zum ersten Film der Qatsi-Triologie von Godfrey Reggio. Im Film wird der Eingriff des Menschen in die Natur thematisiert. So ist auch der Filmtitel programmatisch gewählt, bedeutet der in der Sprache der Hopi-Indianer soviel wie „Leben im Ungleichgewicht“. Und die Musik schmiegt sich an die Bilder, so dass es fast den Anscheint hat, erst hätte Philip Glass seine Komposition geliefert, damit Godfrey Reggio seinen Film dazu machen kann. Die Intensität, die sich während des Albums/Films aufbaut, ist atemberaubend – und dass im wortwörtlichen Sinne, wie ich aus eigener Erfahrung im Kino sagen darf. Philip Glass baut hier aus dem Nichts und der Harmonie eine Dramatik auf, die ihresgleichen sucht (und ich sie in der Filmmusik von Magnolia hin und wieder ebenfalls entdecke). „Es gibt nicht viele Soundtracks, die man wirklich gehört haben muss, aber dieser ist definitiv einer der wichtigsten des 20. Jahrhunderts; es gibt nicht viele Werke der Minimal Music, die ich jedem vorbehaltlos an Herz (oder ins Ohr) legen würde, Philip Glass‘ „Koyaanisqatsi“ ist mit Sicherheit eines dieser ganz raren Werke, die alle Musikhörer faszinieren können: schlichtweg unverzichtbar…“ (http://schallplattenmann.de/a118359-Philip-Glass-Koyaanisqatsi.htm)

Aber neben der ausgezeichneten Musik gilt es, den Film an dieser Stelle zu würdigen und jedem, der ihn noch nicht sah, soll empfohlen werden, dies nachzuholen. Am Besten in einem Kino mit ausgezeichneter Musikanlage. Immerhin wurde der Film von dem Filmwissenschaftler James Monaco zu einem der fünf wichtigsten Filme der Gegenwart erklärt.

Also auf ins Kino/Videothek…!

Wikipedia mit weiteren Informationen

Das Album auf der Webseite von Philip Glass: http://www.philipglass.com/music/recordings/Koyaanisqatsi-09.php

Michael Nyman Band – The Cook, the Thief, his Wife and her Lover (1989)

„For this, his seventh soundtrack for director Peter Greenaway, Nyman deftly orchestrates a mix of strings, horns, and voices to produce another of his fetching and romantic minimalist backdrops. The opening „Memorial“ is the highlight of the lot and drives along with stuttering saxophones, an insistent string arrangement, elegiac brass solos, and the soaring vocals of soprano Sarah Leonard (Leonard would be featured on a large part of the Prospero’s Books soundtrack). The piece was originally inspired by a 1985 Belgian soccer match tragedy, in which 39 Italian fans were killed. Nyman utilized a death march in his earlier Greenaway collaboration, Drowning by Numbers, and revives the scheme to great effect here for what would become the main theme of The Cook, the Thief, His Wife, and Her Lover. Nyman contrasts the piece’s climatic quality with two relatively sedate yet brooding numbers. There’s also a rousing performance of his „Miserere“ (performed by the London Voices choir) and a violin and piano paraphrase of the same piece to add to an already solid soundtrack. Nyman is again aided by his crack band, which includes such standouts as violinist Alexander Balanescu and tenor saxophonist John Harle. Along with the soundtracks to The Piano and Prospero’s Books, this is an essential title in the Nyman catalog. (Stephen Cook)“ (http://www.artistdirect.com/nad/store/artist/album/0,,68795,00.html)

Wikipediaeintrag zu Michal Nyman

Wikipedia zum gleichnamigen Film

Ammer & Haage – 7 Dances Of The Holy Ghost (2005)


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„Aus Leidenschaft für das Phänomen der allgegenwärtigen Verehrung von Schutzheiligen, aus der Lust, das Heilige aus seinen Restbeständen zu rekonstruieren und daraus eine eigene Hörspiel-Oper zu entwickeln, haben sich die beiden Autoren zusammengetan, um von den endlosen Martern und der immerwährenden Verehrung der Heiligen auf eine fast erotische Weise und in vielen Zungen zu erzählen. Jahr 2000, das Heilige Jahr. Angst vor der Apokalypse, dem Jüngsten Gericht? Papst Johannes Paul II reagiert auf seine Weise: mit einer wahren Heiligenflut. 280 Frauen und Männer hat er seit 1978 heilig gesprochen, 805 zu Seligen erklärt. Mehr haben selbst seine Vorgänger seit 1592 nicht dazu erkoren. Woraus besteht das heilige Wesen? Aus Licht? Gas? Klang? Welche Sprache spricht es? Und zu wem? „7 dances of the holy ghost“ – eine Hörspieloper von Andreas Ammer (Text) und Ulrike Haage (Musik) begibt sich auf Spurensuche. Sie finden zahlreiche Geschichten voll Qualen und Wunder. Das Ränkespiel von Politik und Kirche, einen unerbittlichen Geschlechterkampf, vor allem aber den durch nichts zu erschütternden Mut Einzelner, nicht nach dem Leben zu hungern, sondern nach göttlicher Gerechtigkeit. Ammer und Haage suchen den Anfang. Als das Nichts nicht war, kein namenloses Chaos. Sondern der Eine, umgeben vom Geheul seiner „gottlichen Geister“. Heidnische Schutzgötter – zu Heiligen gezähmt, Helfer gegen die Angst, Hoffnungsspender auf das Sein nach der ganzen Plackerei. „Hör uns heiliger Johannes, heiliger Paulus…“ In Zwiesprache versunken, Gläubige auf ihrem Umweg zum Gehörgang Gottes. Sie brauchen Fürbitter für jede Krankheit, jede Verrichtung, jeden Schmerz, Paten für jeden Tag im Jahr. Doch es geht auch anders: „Hört uns: We´re not afraid to die“. „Ich bin der Mann – eine Wüste, ein Grab.“ Die Lebensstationen der Anwärter auf die Heiligkeit sind reich an Versuchung. Die Geschichte des Heiligen Antonius ist bekannt, jenes Einsiedlers aus der Wüste Ägyptens, durch Schweigen von der Welt getrennt. Er widerstand allem, wurde zum Patron für Korbflechter, Schweinehirten, Nothelfer bei Pest, Lepra und Syphilis. Schlimmeres hatte die Heilige Cäcilia zu erleiden, lange vor ihrer Berufung zur Patronin der Kirchenmusik: ein Bad in kochendheißem Wasser, dem sie unverbrüht entstieg. Danach die Enthauptung, drei Mal schlug sie fehl. Erst drei Tage später starb Cäcilia an ihren Wunden. Das nur, weil sie sich taufen ließ. „Mehr war da nicht.“ „Sie sei heilig“. Die Heiligsprechung, der Mythos um Märtyrer und Musterwesen: Höhepunkt der römisch-katholischen Kirche, besiegelt durch einen bürokratischen Akt auf dem Petersplatz. Würdenträger im prunkvollen Ornat, die alte Heiligenlitanei, der Eintrag des neuen „Diener Gottes“ in das Heiligenverzeichnis – „Decernimus – wir beschließen es“. Und Schnitt. Die Live-Übertragung im Radio, weltweit. Vielsprachig über „Radio-Maria“: Spitzlippiges Latein, Deutsch, Englisch, Portugiesisch, die Hysterie amerikanischer TV-Prediger. Gläubige im Wahn. Und ganz verschämt, die lüsternen Seufzer angesichts aller Tortur. Unheimlich. Ungeheuerlich. So fremd und nicht von dieser Welt. Doch allgegenwärtig der Breakbeat der Moral, die ätherischen Klänge des Glaubens und Staunens. „7 dances of the holy ghost“ – ein Soundtrack vom deus ex machina dirigiert. Klang werden die Kälte der Kirchen, die Einsamkeit der Wüste, das Fallbeil der Bürokratie, das Verbrennen reiner Seelen, sinnlich, nicht gelehrt. Zerhackt, zerkratzt, zerfetzt vom Echo der Moderne. Sprache dazu, Gesang und Flüstern. Von Knabenchören, Katharina Franck und Ben Becker. Über allem, einem Urklang gleich, die Stimme von Phil Minton -verlorenem Gewisper und anderen Wesen auf der Spur.“ (http://www.amazon.de/DANCES-GHOST-Produktion-H%C3%B6rspiel-Medienkunst/dp/3880300348)