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Radiohead – OK Computer (1997)

Reinhören
Wer einem Sonnenaufgang die Aufmerksamkeit entgegenbringt, die diesem gebührt, wird sehen, dass er trotz seiner Alltäglichkeit nie identisch und mit ihm eine unbeschreibliche Komplexität verbunden ist. Dieser Gedanke kam mir heute beim Hören des immerhin schon 18 Jahre (!!!) gereiften Radiohead Albums „OK Computer“. Das Album verbrachte lange Zeit in einer Twilight-Zone meines Musikschranks und ich konnte mich nicht für oder dagegen entscheiden. Aber, nachdem ich mir die Zeit zum Zuhören nahm, entfaltete es mir einen unglaublichen Kosmos, den man wahrlich nicht alle Tage hören kann. Er erinnert mich an Konzeptalben von Pink Floyd, trägt die Melancholie, die sich Bright Eyes findet, hat die Kraft von Interpol und die Zuversicht von B.Fleischmann – um mal einige Assoziationen zusammen zu tragen… Es ist in der Tat ein sehr gelungenes Stück Musik, zu Recht mit dem Grammy Award for Best Alternative Music Album ausgezeichnet. Und so hat es sich nun doch in meinem Plattenschrank einen festen Platz reservieren können 🙂

B. Fleischmann – Melancholie/Sendestraße (2007)


Hörprobe

„Wir sind allesamt verrückt. Nicht sporadisch, sondern immer.“

Im ICE nach Berlin, durch eine schizophrene Landschaft fahrend, die links sonnige Ausblicke bietet, während rechts der Regen seiner Bestimmung nachgeht, baut sich langsam die Musik des Albums „Melancholie/Sendestraße“ des österreichischen Soundarchitekten B. Fleischmann auf. Und sie passt wunderbar in diesen Dezembertag. „Melancholie“ wurde eigens für eine Aufführung zur Ausstellung „Melancholie – Genie und Wahnsinn in der Kunst“ 2006 in der Neuen Nationalgalerie Berlin komponiert und dort erst- und einmalig aufgeführt.

„Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben.“

Das ca. 50minütige Stück besticht durch die wie immer warmen elektronischen Arrangements, die Fleischmann wie kaum jemand aus dem Ärmel schüttelt.  Begleitet wird die Musik von Bandoneon und Cello. Träumerisch gleitet sie dahin, bietet sich an, den Hörer warm einzupacken und dem Abgesang des Jahres nachzuhängen. Gespickt wird die Musik mit Zeilen des Berufsmelancholikers Rilke.  Wäre das nicht auch eine super Filmmusik für Lars von Triers „Melancholia“ gewesen?

Die zweite CD „Sendestraße“ ist abstrakter. Fleischmann nahm eine Einladung des Kunstradios Wien an und setzt sich hier mit Klaviermusik von Franz Schubert auseinander, die sich von einem verspielten elektronischen Geklicker bis zur Wall of Sound aufbauen. Auch dieses Werk wurde nur einmal Live aufgeführt.

„Ich bin jetzt schon so müde.“

Wikipedia über B. Fleischmann

B. Fleischmann – Angst Is Not A Weltanschauung! (2008)

Hörprobe
Der Wiener Soundbastler B.Fleischmann schafft es zunehmend, synthetisch hergestellte Töne nach Holz und Erde klingen zu lassen und geht so konsequent den Weg weiter von Sound- zum Songwriting. Man könnte schon von der Analgoisierung des Digitalen sprechen, wenn man diese Entwicklung betrachtet. Vorherrschendes Instrument ist das Klavier und es wird von viel Stimme begleitet. Erstmals singt B.Fleischmann auch selbst, hat sich jedoch auch Partner eingeladen. Marilies Jagsch und Sweet William van Ghost singen teilweise im Duett, dass es starkt an solche Kombinationen wie seinerzeit Nick Cave und Kylie Minogue errinnert. In anderen Stücken schimmert auch mal ein Lou Reed durch. Alles in allem sehr angenehme, abgehangene Songs, mit gefälligen und melancholischen Melodien, die auch nach wiederholtem Hören nicht nerven wollen und können.
Anbei noch ein schönes, minimales Video vom Song „24.12“. Es ist kein Standbild, auch wenn es auf den ersten Blick so wirkt 🙂

The Year Of – Slow Days (2006)

Reinhören

Wenn Soundgourmets zum Indie laden. Grandiose Zuhörmusik zwischen Elektronik-Baukasten und Schummer-Wärme.

B.Fleischmann haben wir zuletzt in der „Warmen Dusche“ vorgestellt. Ein Tüftler aus Wien, Chefkoch für Kopfhörergenießer zwischen Perfektion und Lounge-Beiläufigkeit. The Year Of ist seine Indiepop-Band mit Christof Kurzmann an Saxofonen und Klarinette, Martin Siewert an Gitarren (Pedal, Lap, Organ) und Elektronik, Paul Kling am Vibrafon, Werner Dafeldecker am Bass und dem Meister selbst an Piano, Schlagzeug und Programmierung. Die Auflistung zeigt: Es tönt viel auf „Slow Days“, aber es tönt leise, elegant, exakt gesetzt, sensibel getupft. Bis „Stephen Hawking“ schlichten Indie-Folk-Rock Marke Pavement anschlägt und „Alone“ im Herzen der Platte zu 15 außergewöhnlichen Minuten ansetzt: leiser Einstieg, Zeit, der Remix eines Mogwai-Stücks, das Mogwai nie geschrieben haben, messerscharfe Klicker-Knusper-Elektronik, Saxofon-Session bis zur Ekstase und ein Outro in aller Seligkeit. Alles in einem Stück, ohne dass es konstruiert oder bemüht wirkt. Musik, die sich gekonnt in die Bar zwischen E- und U-Musik setzt, die Klappe hält, einen Martini bestellt und genau beobachtet.“ (http://www.visions.de/platten/11243/the-year-of-slow-days)

B. Fleischmann – Welcome Tourist (2003) (2CD)

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„Ist dies eigentlich das erste Doppelalbum eines Künstlers auf Morr Music? Ich denke schon. Die 100-Minuten-Strecke von ›Welcome Tourist‹ versteht der Wiener Bernhard Fleischmann jedenfalls bestens zu füllen. CD #1 hat elf abwechslungsreiche Tracks, mal freundlich-entspannte herbstliche Miniaturen mit Gitarre, Piano und Vibraphon, mal eine nervöse Mischung aus Elektroclash und Drum’n’Bass-Patterns. Dass Fleischmann ausgebildeter Schlagzeuger ist und früher als solcher in Bands wie Speed Is Essential oder auch SORE! gespielt hat, kann man durchaus hören. Insgesamt bewegt sich CD #1 im Rahmen des bei Morr Music Erwartbaren, das glamrockige Sentiment von ›A Letter From Home‹ dürfte mit seiner Mischung aus Blue Notes am Piano, Saxophon und verzerrten Gitarren auch den Freunden von Ms. John Soda gefallen. Mir aber auch. Explizit hingewiesen sei noch auf die beiden alten Instrumentaltracks ›Le Désir‹ und ›Sleep‹, die hier von Christof Kurzmann um eine Gesangsspur bereichert wurden, was das Ganze in der Wirkung deutlich in Richtung Robert Wyatt, ›Old Rottenhat‹-Phase, schiebt. Dazu passt, dass das Album mit einem Zitat vom Oldschool-Anarchisten Henry David Thoreau (›Walden‹) eröffnet, in dem die Vorstellung entworfen wird, die beste Regierung sei diejenige, die ganz aufs Regieren verzichtet. Dass das keine Lösung ist, erleben wir jeden Tag. Aber ich will hier nicht vom Stamokap reden. Vielleicht lieber über CD #2, die allein von der dreiviertelstündigen Komposition ›Take Your Time‹ gefüllt wird. Derlei epische Formate sind in Fleischmanns Genre nicht grundlos rar. Aber hier passt alles: Ganz allmählich findet der Track sein Tempo, einzelne Instrumente wie Piano oder – wunderbar! – Slide Guitar bestimmen für längere Zeitabschnitte die Klangfarbe, variieren das zentrale Thema und die vorherrschend melancholische Stimmung. Das ist minimalistisch, spielt mit Satie, Folk und Country, ist kurzzeitig Progrock und dann wieder eher Jazz. Aus einer ganz anderen Ecke kommend, erinnert doch vieles, was Fleischmann hier kühn und kühl an Stimmungen etabliert, an die Arbeit des späten David Sylvian, ohne sich ins bloß geschmäcklerisch lauwarm dahingetupfte Ambientige zu verlieren.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23030809/bfleischmann_welcome_tourist)

http://www.bfleischmann.com/ – Homepage von B. Fleischmann

B. Fleischmann bei myspace

Das Video „Le Desire“ bei youtube, leider nur in mittelmäßiger Qualität

B. Fleischmann – The Humbucking Coil (2006)

Reinhören

„Und die Geschichte geht weiter. Was als Liebesbeziehung zu einer Roland-Groovebox begann, ist auf dem dritten Album von Herrn Fleischmann zu einer vollständigen Band geworden, so klingt es zumindest. Klar, die einfachen, straighten, warmen Harmonien aus den japanischen Schaltkreisen bilden immer noch die Basis, aber eben weil die Harmonien so einfach und persönlich klingen, dass man die Platten eigentlich sowieso nur an Nachmittagen, an denen der Teddy gerade auf der Couch sitzt und in ein Buch vertieft ist, hören möchte, fällt der Schritt von Fleischmann gar nicht so auf, obwohl er sich ja auf „Tourist“ schon andeutete. Wie aus einem Guss fließen die Stücke. Viel Schlagzeug, Piano, Christof Kurzmann singt und spielt und man möchte sich einfach nur in dieses Kissen verkriechen, das plötztlich wie aus dem Nichts neben einem auftaucht. Schritt für Schritt nähert sich B. Fleischmann dem Himmel. Und bei jedem Schritt hüpft unser Herz vor Aufregung.“ (http://www.de-bug.de/reviews/27463.html)

Noch eine ausgiebige Rezension bei der Zeit und dem Standard

B. Fleischmann bei Wikipedia