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Human Don’t Be Angry – Human Don’t Be Angry (2012)

Der Albumtitel erinnert schon ein wenig an „Don’t Panik!“ aus „Per Anhalter durch die Galaxis“, oder?  Und das Cover passt so gar nicht zum Titel und beunruhigt zumindest mich dann doch ein wenig… Aber: „Keine Panik“ 😀 „Human don’t be angry“ ist eine versteckte Perle im Musikgeschäft: Wer sie beim Tauchen in den Tiefen der Musikveröffentlichungen nicht findet, ist nicht traurig. Aber der sie findet, dem könnte das Herz etwas höher schlagen.  Malcolm Middleton, der sich hinter dem Projekt verbirgt, rettet die 80er Jahre der elektronischen Musik ganz geschickt in unser Jahrzehnt herüber, ohne dabei nostalgisch zu werden oder sich über die simplen Klänge dieser Musik zu amüsieren. Eine bunte Gemengelage von Computergeblubbel, 8-bit Stimmen, Vocodergeschredder  und derlei Späßen. Middleton (sonst als andere Hälfte von Arab Strap aktiv) hat das Händchen, schöne, warme und zurückhaltende Melodien aus diesen Sounds zu basteln. Assoziationen zu AIR finde ich nicht irgendwie passend, Noah And The Whale könnten derartige Musik gemacht haben, würden sie sich dem elektronischen zuwenden (wobei dann der schöne Gesang fehlen würde – dann lieber doch nicht!) und bei Mike und Rich finden sich ebenfalls nicht nur Parallelen zum Cover.

Human Don’t Be Angry ist bereits Middletons sechstes Album unter diesem Pseudonym. Ich muss mir doch mal die anderen anhören….

Bemerkenswert ist auch das Video „1985“. Eine schöne Idee, ein Familienspiel als Grundlage für einen actiongeladenen Wettkampf zu nehmen, inklusive der „Replay“ Einblendungen aus den 80er Jahren und Stereovideobild – vorausgesetzt, man hat noch die lustigen Brillen mit roter und grüner Folie.

Arab Strap – The Last Romance (2005)

Reinhören
„Arab Strap bemühen sich aufrichtig, jede Platte anders zu machen als die anderen. Wo andere um ihr Profil fürchten, kämpfen sie gegen ihren eignen Stil an, oder auch gegen den Mitmusiker. Lapidar lässt Malcolm Middleton verlauten: „Es war ein Kampf, den Aidan gewonnen hat und ich verloren habe.“ Was bedeutet das? Zunächst einmal das Tempo. „The Last Romance“ ist die schnellste Arab Strap-Platte aller Zeiten. Und auch die härteste. Aidan Moffat wollte sie zu einem „Schlag ins Gesicht“ machen, schneller und direkter als die bisherigen Veröffentlichungen – und setzte sich durch. Malcolm hingegen hätte es lieber ruhig und düster gehabt. Das Resultat ist eine perfekte Synthese: Dunkel und treibend jagt uns das Werk durch Aidans emotionale Erlebniswelt und wo es bisher vordergründig um Sex ging, geht es nun vordergründig um Sex und Liebe – auch eine Neuerung.

Wer Arab Strap nicht kennt, dem ist schwer die Faszination zu vermitteln und die intime Atmosphäre, die sein gemurmelter Sprechgesang verbreitet. Dazu kommt Malcolms komplexer Klangkosmos, dessen Melodien nur auf den ersten Blick catchy sind. Je öfter man sie hört, desto mehr entdeckt man. Es ist keine Musik für Mischkassetten (falls es die noch gibt) – man würde den Liedern Unrecht tun, die ihre Wirkung erst ganz entfalten, wenn man sie so hört wie sie gemeint sind, als Werk. Wer glaubt zwischen den Zeilen eine große Bewunderung für die Band und Begeisterung für die Platte herauszulesen, der liegt völlig richtig. Allein das Prinzip der beiden Typen, die in dieser Band vereint sind, macht sie gut: Der stille Grübler und der Melancholiker, der vor sich selbst in den Exzess flüchtet. Dazu die Arbeitsweise: Alleine mit einem Toningenieur fechten sie jedes Album miteinander aus. Keine Band, keine Demokratie. Nur in dieser Kombination ergibt sich die Tiefe und Komplexität, die die Band auszeichnet.

Schaut man sich die Qualität der Veröffenlichungen an, so erkennt man ein Wellenmuster, deren Berge „Philophobia“, „The Red Thread“ und nun „The Last Romance“ darstellen. Solche Platten sind Geschenke, nur weiß man gar nicht, wem man danken soll. Gäbe es einem Himmel, so würde man sich wohl an ihn wenden, doch das würde bei Arab Strap nicht passen. Vielmehr muss man den Leben selbst danken, dass es solche Geschichten schreibt und Menschen hervorbringt, die sie vertonen. (Stefan Claudius)“ (http://www.gaesteliste.de/review/show.html?_nr=6199)