Schlagwort-Archive: Aphex Twin

World’s End Girlfriend – Seven Idiots (2010)

Reinhören

Was wäre, wenn Mouse On Mars mit Godspeed You! Black Emporer zusammen ins Studio kommen? Das klänge sicher spannend, oder? Oder wie  Ulf Imwiehe von der Intro meinte: „Horror Vacui? Oder die reine Freude am Sound-Clash und sensorischen Overload? Was immer den japanischen Komponisten Katsuhiko Maeda antreibt, das Resultat klingt wie eine Jam-Session von Aphex Twin, Sun Ra und John Zorn auf Glücksbärchisaft.“

Um dieses Album zu komponieren, stellte Maeda den Gesang an erste Stelle, der zugleich das Grundgerüst darstellte, um den dann die Sounds arragiert worden sind. Das Interessante an dem Vorgehen: Im Laufe der Arbeit wurde der Gesang nach und nach aus den einzelnen Stücken gestrichen bis (fast) nur noch das Instrumentale übrig blieb. Und auch selbiges wurde geschnitten, neu zusammengesetzt, durch den Computer gejagt usw. usf…

Herausgekommen ist ein Album, was wohl schwer in Kategorien zu fassen ist. Tanzen ist kaum möglich, entspannen ebenso wenig. Es ist definitiv zum Zuhören. Verstörend und schön, wie Strukturen aufgebaut werden und im nächsten Moment wieder zerfallen, nur um etwas Neues zu gebären. Ein Verschmelzen von Extase und Besinnung, Harmonie und Dissonanz, Konstruktion und Destruktion. Sozusagen ein Durchlauf aller vier Jahreszeiten – und die mehrmals pro Titel. Das nachfolgende Video zeigt besser, wovon ich nicht schreiben kann…

Aphex Twin – Come To Daddy (1997)


Reinhören

Come to Daddy entstand, als ich bloß zu Hause rumgammelte, angepisst war und diesen beschissenen Death Metal-Jingle produzierte. Dann wurde es vermarktet, und ein Video wurde gemacht. Und diese kleine Idee, die ich hatte, dieser Witz, wurde zu was richtig Großem. Das war ganz und gar nicht richtig.“ (Aphex Twin) Ob es richtig war oder nicht, sei dahin gestellt. Jedoch wurde dieses „Artefakt“, was Aphex Twin so nebenher bastelte, doch zu etwas Größerem. Düstere und böse elektronische Sounds, verquere Gitarren und zwischendrin immer wieder diese typischen, zerbrechlichen Melodien. Dazu das Musikvideo von Chris Cunningham, welches Kultstatus erreichte und 2003 auf Platz 35 der Liste der „100 Scary Moments“ des Channel 4 (als einziges Musikvideo) sowie von Pitchfork Media als bestes Musikvideo der 90er Jahre gewählt wurde, dass zur Verbreitung der Musik nicht wenig beitrug. Also, insgesamt sehens- und natürlich hörenswert.

Wikipediabeitrag über Aphex Twin

Aphex Twin – Classics (1995, remastered 2006)

Reinhören
„Yes! Diese Scheibe hat mir beim ersten Hören die Stiefel ausgezogen! Meinen A.T. Einstieg hatte ich damals erfolgreich mit der „Selected Ambient Vol. 2″ hinter mich gebracht. Gleich danach kam die „Classics“ und mit ihr die Erkenntnis, dass sich die – bald einstellende – Richard D. James Fanschaft nur mit musikalischer Toleranz im weitesten Sinne absolvieren lassen würde. Diese Scheibe hier geht nämlich in die ganz andere Richtung als seine ruhigen Ambientsachen. Der Panzer- und Geigenjunkie aus Cornwall liefert hier ein Hardcore-Technobrett ab, das in seiner musikalischen Vielschichtigkeit, wie so viele seiner Outputs, unerreicht ist. Die Musik lässt sich allerdings nicht wirklich kategorisieren. Sie ist einmalig und ich habe bis jetzt keine vergleichbare CD in den Fingern respektive Ohren gehabt. Hardcore-Techno bezeichnet die Musik also eigentlich nicht wirklich richtig, obwohl auch „schönes“ 4/4tel Geknüppel vertreten ist. Aber ebenso passen Kategorisierungen wie etwa Break Beat oder gar Drum & Bass nur partiell. Sowas wie Industrial trifft es vielleicht am Besten. Das wird besonders deutlich in den beiden „We have arrived“ Mixen und in „Tamphex“. Das pure Gebolze! Mich macht der Stil dieser grandiosen CD allerdings eher glauben, Richard D. James hätte sich inklusive Equipment für eine gewisse Weile im Maschinenraum eines Schiffes verbarrikadiert und aus dieser Erfahrung Musik „generiert“. Natürlich aber kommen auch diesmal die Flächen-Flächen-Flächen nicht zu kurz. Neben all dem Geschrammel, Geschrubber, Geblubber, Geknarze und Gepolter hat also trotzdem jeder Song seinen unnachahmlichen Wiedererkennungs-Plot… Ganz besonders deutlich wird dies im dritten Stück „Phloam“. Knarz am Anfang, dann eine fiese, weil fast unerträglich aufdringliche Störfrequenz-Sequenz, dann Drumming und schlussendlich aus dem Hintergrund: eine erst leise, dann immer deutlicher sich durchsetzende, so dermaßen fette, einzigartige und göttliche Fläche! Rrrrrrr… Das kann nur der Meister! Ihr wisst, was ich meine. „Hammerharte“ Melodien gibt es außerdem in „Polynominal-C“ und im überragenden „Dodeccaheedron“. Was für ein unglaublicher Song: H-Ö-H-E-P-U-N-K-T!!! Aber wie gesagt: die Musik ist, wie alle James’schen Ergüsse, nur schwer zu beschreiben. Darum will ich es auch gar nicht weiter versuchen und breche an dieser Stelle ab. Ich empfehle: Kaufen, Reinhauen, Schrein bauen! (ageispolis)“ (http://www.amazon.de/review/R3FOMUUBGE3VBI/ref=cm_cr_rdp_perm)

Wikipedia über Aphex Twin

Biografische Daten zu Aphex Twin bei laut.de, musicline.de,

Aphex Twin – Selected Ambient Works 85-92 (1992)

Reinhören
Genau das ist es!

Diese CD alleine reicht aus, um allen anderen elektronischen Soundtüftlern auf diesem Planeten die Leichenblässe respektive Schamesröte ins Gesicht zu treiben! Ich habe diese CD damals geküßt, als ich sie das erste Mal bei Rhythm Records in Camden Town, London, in den Händen hielt. Zu recht, wie sich später herausstellen sollte. Später: „Xtal“ – ein unglaublicher Song mit groovigen Hi-Hats, fetten Bässen und einer zuckersüßen, sirenenhaften Stimme versehen. „Tha“ – noch viel unglaublicher! Blubbernde „Pak-Puk-Pahs“ und eine hypnotische Bass-Linie auf über neun Minuten verteilt: sphärischer geht’s nimmer! Das war es dann aber noch lange nicht! „Ageispolis“ – nun ja, einige nennen diesen Song out-dated, für mich ist es der perfekte minimalistische Ambienttrack und nach anfänglicher Skepsis steht er in der Hierarchie aller A.T. Songs bei mir ganz weit oben. Bedenkt: Richard D. James – Jahrgang 1971 – zählte gerade 14 bis 21 Lenze, als diese Stücke entstanden. Aber der Höhepunkte nicht genug: Nach dem grandiosen „Ageispolis“ folgt u.a. das überragende „Heliosphan“ usw. usf. Ich kannte vorher durch einen Freund „ORB“, „Future Sound of London“ und ein paar langsamere Goa-Sachen. Aber das war alles weder Fisch noch Fleisch. Und dann kommt diese gigantische Platte und erwischt mich genau da, wo es weh tut 😉 Ich hatte geahnt, dass es bessere bzw. richtig gute elektronische Musik gibt oder geben kann. Diese CD ist der Beweis. Was soll ich weiter schreiben? Wer etwas von guter elektronischer Musik zu verstehen glaubt, kommt um diese Platte einfach nicht herum! Basta. Eine Bewertung der übrigen Songs dieser CD schenke ich mir. Entdeckt sie selbst! (ageispolis)“ (http://www.amazon.de/review/R1T9GBA867FAPF/ref=cm_cr_rdp_perm)

Die Platte bei Wikipedia

Aphex Twin bei Wikipedia

Aphex Twin – Girl Boy EP (1996)

Reinhören

„Bei diesem Mann gibt es Genialität auf Rezept. Wenn Richard D. James alias APHEX TWIN mal nicht mit seinem Panzer durch die Gegend fährt, sich Asthma-Spray in die Lungen zieht oder sich mit Kumpel MIKE PARADINAS die Hucke zusäuft (siehe deren letzte Kollaboration auf „Rephlex“), erfindet er entweder neue Legenden oder kindliche Abzählverse. Oder spielt einfach nur so mit seinen Instrumenten herum, und liefert dabei im Vorbeigehen eins der sperrigsten und zugleich großartigsten Alben dieses Jahres ab. Bei der vorab erscheinenden „Girl/Boy“-EP hat man schon den Eindruck, hier wäre der Meister nun wirklich zu weit gegangen. Völlig vorbei an jeder Erwartungshaltung eröffnet er den Track mit dem komisch-metaphysischen Titel mit weichem Streicher-Pizzicato, um dieses sofort mit ultraschnellen Breakbeats zu überdecken.

Das ist kein „experimenteller Drum’n’Bass“, sondern das Gebaren eines kleinen Kindes, das – allen Lobeshymnen zum Trotz – eine lange Nase dreht und schreit: „Ihr kriegt mich nicht.““ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23020867/aphex_twin__richard_d_james)

Wikipedia und Indiepedia über Aphex Twin

Anbei mal zwei audiovisuelle Übersetzungen des Girl/Boy Songs (wobei ich nicht weiß, ob eine davon die offizielle Version ist)

Der Song scheint auch andere zu inspirieren. Eine Akustikversion von Adem findet sich hier: klick

Aphex Twin – On (1993) (MCD)


Reinhören

„On“ – das war sicher für so manchen die Einstiegsdroge in die Musikwelt von Aphex Twin. Der titelgebende Track zeichnet einen musikalischen Kosmos, der so ziemlich alles enthält, aus dem auch später Richard D. James seine Soundlandschaften kreiert. Süße Melodien, begleitet von einem nahezu destruktiven Bass, der jeden aufschrecken lässt, Samples, die dezent eingestreut micht stets aufhorchen lassen, ob nicht noch jemand in der Wohnung ist oder auf der Straße ruft, vielschichtige Rhythmen und und und. Eines der ganz großen Würfe des Meisters elektronischer Musik. Der Rest ist Geschichte 🙂

Aphex Twin bei Wikipedia

Biografie Aphex Twins bei laut.de und bei musicline.de

AFX – Analogue Bubblebath 4 (1994)

Reinhören

„Sometimes it seems like Richard James is challenging his loyal fans to see if they’ll keep listening. He throws down a gauntlet of sound, which is usually very hard on the ear, and waits for a reaction. The elephant song at the beginning of this ep is a perfect example. 8 minutes of a pounding beat interspersed with what sounds like an elephant noise. if this was the first thing you heard on a cd would you keep listening? RDJ fans around the world say, „Yes, we will keep listening Richard, because we know what you’re capable of.“ And I must confess I am one of those fans. The second track is a perfect complement to the elephant song. gentle beat with bird sounds (or whatever). The cd finishes with an excerpt from an Evel Knievel interview which is downright hilarious. Conclusion: worth the price of admission for those who know what to expect from Richard James.“ (http://www.amazon.com/review/R2VGLISXPCQ2HZ/ref=cm_cr_rdp_perm)

Wikipediabeitrag (engl.) zum Analogue Bubblebath Album

Eine Auflistung des Gesamtwerks gibts bei der Aphex Twin Community

Aphex Twins myspace Seite

Aphex Twin – Windowlicker (1999)

Reinhören

„Ich werde mich jetzt weniger mit dem Künstler selbst befassen – sollen das doch die Fachidioten machen, die können das eh besser. Es geht mir mehr darum, Euch die CD vorzustellen, auf der praktisch die Essenz des Aphex Twinschen Schaffens zu finden ist, nämlich die „Windowlicker“ Single von 1999. 3 Tracks, 16 Minuten Aphex Twin in Reinform.

Das erste Stück ist der Titeltrack. Irgendwie scheint es da ums Fensterlecken zu gehen, was auch immer das sein mag. Vor einer recht markanten Ambientfläche in 120 bpm geschehen merkwürdige Dinge. Seltsame „ah-ah“ Chöre wechseln sich mit schrägen Soundeffekten ab, der Beat stolpert über die eigenen nicht vorhandenen Füße und gegen Ende zieht das ganze lautstärkenmäßig noch mal an und wird vehementer, lauter eben. „Windowlicker“ ist beinahe schon an der Grenze zur Tanzbarkeit ohne dabei in irgendeiner Form kommerziell zu wirken. Zum Tanzen ist es letztendlich ein wenig zu langsam, aber vor allem die prägnante „Melodie“ macht den Track zum absoluten Ohrwurm.

Nummer zwei hat statt des Titels eine abstrakte mathematische Formel. Zwingt mich nicht, Euch diese näher zu erklären, da käme ich wohl nicht weit. Dem Stück selbst ist so etwas wie Melodie vollkommen fremd, im Grunde besteht die „komplizierte mathematische Formel“ aus einem wirren Geräuschkonglomerat, dass sich der gute Mister Twin wohl irgendwie an seinem Drumcomputer zusammengebastelt hat. Doch willkürlich ist hier nichts, da steckt System hinter. Ob das noch „richtige“ Musik oder einfach nur noch Noise ist, darüber lässt sich wohl streiten, doch interessant zu hören ist es allemal. Und dann hätten wir da noch „Nannou“, das uns eine Glockenspielmelodie mit Tiefgang, wieder unterstützt von dezenten Beats liefert. „Tiefgang“ bedeutet hier, dass nicht einfach nur ein Glockenspiel gesampelt wurde, sondern eine „richtige“ Melodie herauszuhören ist. Aphex Twin wurde auch schon einmal als „Neo-Mozart mit Drumcomputer“ bezeichnet. Nicht ganz treffend, aber auch nicht unpassend.“ (http://musik.ciao.de/Windowlicker_Maxi_CD_Aphex_Twin__Test_2228755)

Die absolut sehenswerte elfminütige Version des Titels Windowlicker auf youtube.com. Produziert von Chris Cunningham!