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Woodkid – The Golden Age (2013)

Woodkid – das Kind aus dem Wald. Passt irgendwie und doch auch gar nicht. Ein gänzlich unbekannter ist Yoann Lemoine alias Woodkid nicht. Gerade im Gengre des Bewegtbildes hat er sich einen Namen machen können, indem er sich für Videos bei Lana Del Rey oder Kate Perry aber auch Dior verantwortlich zeichnet und dafür auch Preise einheimst. Die eigene Musik ist nochmal eine andere Hausnummer, aber Woodkit zeigt, dass es in ihm Themen gibt, die er selbst thematisieren muss. Dabei weißt seine Musik die Dramatik, Opulenz oder Tiefe auf, die mich an Micheal Nyman, Björk oder Portishead erinnern. Mystisch, wie im Märchenwald. Trompeten, Schlagwerk, Streicher, Klavier… eine gute Mischung, die das Timbre von Woodkid (das mich hier und da an Anthony erinnnert) und seinen eindringlichen Gesang erinnert.

So manches Stück bildet den perfekten Soundtrack für einen Fantasy-Film und Woodkit setzt seine Musik meines Erachtens genau so in Szene. Beeindruckend!

CocoRosie – The Adventures of Ghosthorse and Stillborn (2007)

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Was ist eigentlich das schöne an den Platten von CocoRosie, dass ich gern immer noch eine mehr im Schrank haben möchte? Eine Frage, die ich mir selbst hin und wieder stelle. Ist es das verspielte der Lieder? Ist es der Überraschungsmoment, wenn wieder mal ein neuer Gegenstand, der wohl eigentlich nicht zum musizieren gebaut wurde, nun doch für einen Ton auf dem Album herhalten muss? Ist es die Freude über nie erwartete Melodien, verträumten SingSang oder der eine oder andere prominente Studiogast (hier übrigens wieder mit Gastauftritt von Antony), der die beiden Schwestern unterstützt? Ist es diese (verw)irrende akustische Reise in die Traumwelt der Beiden, zu der jedes Album einlädt? Es liegt wohl an allen zusammen und noch mehr…
Wikipedia zu CocoRosie

Antony And The Johnsons – The Crying Light (2009)

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„Dies- und Jenseits werden eins
Die Annäherung fällt schwer. Antony Hegarty ist einer der ungewöhnlichsten, schillerndsten Künstler der Gegenwart, einer, der sich allen gängigen Beschreibungen entzieht. Seit seinem letzten Album „I am a bird now“ von 2004 ist sein Name mit einer Aura verbunden, wie sie andere Sänger auch nach einem ganzen Karriereleben nicht erreichen.

Der aus der New Yorker Subkultur erwachsene gebürtige Brite setzt mit seiner kristallklaren, hohen Gesangsstimme einen bewussten Kontrapunkt zum Gewohnten. Am liebsten arbeitet er mit ‚klassischen‘ Instrumenten: Klavier, Streicher, Gitarre. Ein Schlagzeug findet auf „The crying light“ kaum noch Verwendung. Manchmal erinnert Antonys Musik mehr an Schubert als an einen Popstar der Gegenwart, „The Johnsons“ sind mehr Kammermusik-Ensemble als Begleitband.

Die Kollegen reißen sich um die Zusammenarbeit mit ihm. Lou Reed, Rufus Wainwright und Boy George gehören zu seinen frühen Förderern und Duettpartnern. Im vergangenen Jahr verschaffte Antony ausgerechnet dem Disco-Projekt „Hercules and Love Affair“ einen Riesenerfolg. „Blind“ war der Dancefloor-Knaller des Jahres. Mit Marianne Faithfull nahm er „O o baby“ auf. Und auch der Deutsche Herbert Grönemeyer, in vielerlei Hinsicht (vor allem gesanglich) das absolute Gegenteil zu Antony, veredelte sein „Best-of“-Album („Was muss, muss“) soeben mit einem hoch emotionalen Duett mit „dem Wunder von New York“ (Spex). Wo immer Antony auftaucht und seine sirenenhafte Stimme erhob, wurde sein Auftritt zum Höhepunkt der Alben seiner Partner.

„The crying light“ nun bietet Antony nun endlich einmal wieder Raum, um auf Albumlänge seine unvergleichliche, berührende Aura auszubreiten. Seine metaphorische Lyrik verstärkt die berührende, tief unter die Haut gehende Atmosphäre. Antony verschmilzt darin mit der Natur, in der Angst um die Welt wird er eins mit ihr. Wie Björk, mit der er zwei Duette für ihr Album „Volta“ aufgenommen hatte, hebt auch Antony den Gegensatz zwischen dem Mensch, seiner Kunst und der Natur, aus der beide entspringen, auf. Er besingt nicht die Natur – es ist die Natur selbst, die durch ihn singt.

Er ähnelt eher einem mythischen Wesen als einer realen und somit vergänglichen Gestalt aus Fleisch und Blut, die mit beschwörender Lied-Poesie um Gehör bittet – und vielleicht noch nicht einmal das, denn auf „The crying light“ wirkt Antony so in sich gekehrt und selbstvergessen, als ob er sich seines Publikums überhaupt nicht bewusst wäre.

Mancher Song, etwa „Water and dust“, verbreitet die sakrale Atmosphäre eines Gebets, „Daylight and the sun“ beschwört die Geburt von Licht und Leben. Am Ende („Everglade“) kehrt Antony, das Wesen aus einer anderen Welt, heim:
„When I’m floating in the water
And Your eyes are lilies all around
When I’m lying sweetly in my bed
The sun plays crystal with my eyes
Then I stop …“

Die Bildsprache erzählt frei von jeder Morbidität und Lebensmüdigkeit vom Tod als der Einswerdung von Mensch und Natur, von Antony and The Johnsons in zarten Frühlingsfarben hoffnungsvoll instrumentiert – der Tod bezeichnet hier nicht als Ende, sondern den Neubeginn. Eine berührende Erkenntnis, in berührend schönen Klängen erzählt, in denen die Gegensätze verschmelzen: zwischen Pop und Klassik, Stimme und Instrument, Mann und Frau, Mensch und Natur, Dies- und Jenseits. Ein Hochgenuss. (Michael Frost)“ (http://www.cd-kritik.de/frameset/frset.htm?/kritiken/cd/antony-crying.htm)

http://www.antonyandthejohnsons.com/Offizielle Homepage