Schlagwort-Archive: Ambient

Explosion In The Sky – How Strange, Innocence (2000, remastert 2005)


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Ihrem wenig beruhigenden Bandnamen werden Explosion In The Sky auch auf diesem Album gerecht. Wie schöne Schäfchenwolken, die dem blauen Sommerhimmel eine malerische Abwechslung geben, legen sie eine Melodie auf die andere und füllen so mit der Zeit die Soundstrukturen. Und wie bei den Schäfchenwolken ist es mit den Melodien von Explosion In The Sky: Sie türmen sich auf, werden zu Kumulus-Wolken, verdunkeln den Himmel und voller Bange – aber auch Neugier – schaut man Richtung Horizont, was da noch kommen mag.
Eins sei verraten: Die Aussichten auf ein Gewitter – oder Schlimmeres – bieten Explosion In The Sky auch auf diesem Album. Aber statt des großen Krachens kommt nur ein beschaulicher, warmer Sommerregen herunter. Schön auf der Haut, gut für das Land, auch wenn die große Katharsis damit entfällt. Aber wer braucht schon immer das große Finale – die Schönheit ist im Detail.

Auf Youtube scheint das ganze Album zu liegen…

Vladislav Delay ‎– Entain (2000)


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Und schon wieder Musik aus dem Norden – heute aus Finnland:-). Endlich wurde ich auch bei diesem Album fündig und darf es nun in meine Sammlung sortieren. Vladislav Delay  kann ja zu Recht als multiple Persönlichkeit in der Musikbranche bezeichnet werden. Wo sich andere für einen neuen Output abmühen nutzt er lieber Pseudonyme (z.B. Luomo, Sistol, Uusitalo und Conoco), um seine Produktionen unter das Volk zu bringen.

Mit Entain, seinem Zweitlingswerk als Vladislav Delay, schafft er in Titel gegossene wabernde, elektronische Flächen, die deutlich über der 15 Minuten Marke durch die Boxen fliessen.  Im Gegensatz zu Werken anderer Ambientmusiker scheint ihm die Homogenität, zu der solche Musik verleitet, zu langweilen. Daher streut er hier und da ein paar Klicks ein, stört die angenehme Ruhe mit Blubbern und Fiepen (ohne jedoch anstrengend zu werden), verschleppt Töne, nutzt die Ruhe als gestalterisches Element… So gewinnt die Musik eine natürlich anmutende Anatomie, die Beliebigkeit auszustrahlen scheint, aber bei genauem hinsehen bzw. hinhören detailverliebt, individuell und überraschend ist.Begleitet wird sie von einen Basslauf, der scheinbar stets neben einem Takt sitzt das das organisch, warme Gefühl unterstreicht. Für den Rhythmus sind andere Töne verantwortlich, die einem Herzschlag eines fremden und scheuen Lebewesens ähneln mögen und nur hin und wieder durch das Dickicht der Sounds an das Ohr dringen…

 

Muslimgauze ‎– Alms For Iraq (2003)


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Ein weiteres Album von Bryn Jones, aka Muslimgauze. Es wurde schon im Dezember 1995 aufgenommen, drei Jahre vor seinem frühen Tod, jedoch fand es erst 2003 den Weg in die Öffentlichkeit.

Wie bei seinen anderen Aufnahmen handelt es sich auch hier um ein muslikalisches Statement von Jones, welches nicht unpolitisch (aber religionsfrei!) ist. Auch wenn die Soundelemente und der Aufbau der Songs über die Albem hinweg mehr oder weniger ähneln, ist das Album hier schwer zu fassen. Elemente des Dubs treffen auf Ambient, Noise, Hall und Industrial, Originalsounds aus dem mittleren Osten in Form von Sprache und Musik werden untergemischt und alles wird durch die Mixer gejagt und entsprechend verfremdet. Das geht soweit, dass ich dieses Mal selbst nachschauen musste, ob meine CD defekt ist, da bei Song Nr. 1 teilweise ein Kratzgeräusch zu hören war, welches mir üblicherweise verrät, dass eine CD defekt ist. Die Muslimgauze typischen Starts und abrupten Unterbrechungen finden sich auch hier wieder.

Interessant auch dieses Mal das Cover der CD. In Größe eins DVD/VHS Covers mit einem Bild von Susilo Hadi ragt es doch deutlich aus der CD Sammlung hervor 🙂 Der Innenteil kann dreifach aufgefaltet werden und zeigt eine Reihe von Bildern aus Kampfgebieten des mittleren Ostens mit entsprechenden Zitaten wie: „The West won the world not by the superiority of its ideas or values or religions but rather by its superiority in applying organized violence. Westerners often forget this fact. Non-Westerners never do.“ (Samual P. Huntington, Harvard Professor & author)

 

Pole – 2 (1998)

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Die Konsequente Fortführung der schon auf Album „1“ vorgestellten Minimaldubs mit den Pole-typischen Clicks & Cuts. Wärme, Ruhe, Rauschen, eine Einladung zum Sommersonntag auf der Hängematte an einem herrlich schattigen Platz. Was will man mehr im August? Dass dieses Album auch bei höherem Lautstärkepegel eher im Hintergrund jedes Zimmers bleibt, tut gut und überrascht zugleich, da die Bässe eigentlich äußerst druckvoll daher kommen. Dennoch bleibt 2 diskret und es verwundert wohl deshalb auch nicht, wenn es so an der öffentlichen Wahrnehmung verbei rutschte. Ich freu mich über mein Exemplar im Regal 🙂

Christian Kleine – Beyond Repair (2001)

„Nach einer offensichtlich aufregenden Zeit rund um die Welt des Duos Herrmann & Kleine widmet sich Christian Kleine, zurück in Berlin, seinen eigenen kleinen Popdingern, die es bisher nur auf Singles und Compilation-Beiträgen zu hören gab. Kleines Debüt ist dabei zweifellos sehr, sehr schön geworden. Bereits der erste Track „Guitar Interrupt“ öffnet das Tor in Kleines Downtempo-Land abdriftender Sounds mit Dubverdächtigkeit. Wenn Jean-Michel Jarre jemals bescheiden, beatsinteressierter und innovativ gewesen wäre, er hätte diese acht Songs auch nicht besser hinbekommen. Vielleicht ist Kleine ja auch eigentlich Jarre, der einfach noch mal ganz neu anfangen, sich der alten Bombastpeinlichkeit entledigen und der endlich mal richtig tolle Stücke aufnehmen will, Stücke, die berühren.

Blödes Wort, aber yes, Kleines Instrumental-Musik packt einen, zieht einen rein in eine Emotionsblase namens „Beyond Repair“. Postpostmoderne, traumhafte Sounds für Turnschuhgazer.“ (http://www.intro.de/platten/kritiken/23028428)

 

The Album Leaf – A Chorus Of Storytellers (2010)

Hörprobe
Ein eigenartiges Album. Es stört nicht, wenn es läuft, bindet sich in den Raum ein und erst, wenn es vorbei ist, hierlässt es ein Gefühl der Leere. Und während es läuft, füllt es die Zimmer mit Wärme und Ruhe, so dass manreflexartig einen Tee kochen geht und die Kerzen anzündet. The Album Leaf findet seine musikalische Nähe bei vielen Bands, die aus den Ländern des Nordens auf sich aufmerksam gemacht haben. So verwundert es nicht, dass sie es zur Vorband von Sigur Ros „geschafft“ haben. Das Album wurde in Seattle aufgenommen und passenderweise in Reykjavik abgemischt. So „knistern zunächst die Notwist-Beat-Klettverschlüsse, schalten sich Gitarren-Hallräume, dann in aller Ruhe Zupffiguren, einzelne Orgeltöne und Slide-Gitarren, Glockenspiele und Klavierdreiklänge hinzu. Schließlich tropft hier alles in schwelgerisch verwirbelten Figuren ineinander und aufeinander zu, und spätestens die allzeit wimmerbereite Geige knotet eskapistische Kopfkino-Dauerschleifen daraus. Das ist sowohl ein sich stets wiederholendes Einmaleins in wohltemperierter Melancholie, als auch in all seiner offensiven Eleganz und verschämten Entschlossenheit viel zu gut interpretiert, um einfach darüber hinwegzugehen, -gleiten oder -fliegen.“ (http://www.plattentests.de/rezi.php?show=7239) Postrock 3.0, wie manche behaupten.

The Art Of Noise – The Ambient Collection (1990)

Hörprobe

Die Art Of Noise, elektronische Soundtüftler, die seit den frühen 80er Jahren an ihren Maschinen experimentieren, präsentieren auf diesem Album einen Non-Stop-Mix der ruhigeren Werke, die auf den Alben der letzten Jahre vertreten waren. Im Gegensatz zu vielen anderen Werken ist diese CD äußerst gefällig produziert und hat wenige „Hörstörungen“ zu bieten. Sie fließt beschaulich dahin, was nicht abwertend gemeint ist, und macht damit ihrem Titel alle Ehre. Für die Auswahl der Tracks zeichnet sich u.a. Alex Perterson von The Orb verantwortlich – ein Ambient-Spezialist erster Klasse und auf musikalischer Ebene durchaus mit der Arbeit von Art Of Noise geistig und emotional verwandt.

Wikipediaeintrag (engl.) zur Art Of Noise

Biosphere – Substrata (1997, 2001)

Hörprobe

Geir Jenssen ist Norweger und so verwundert es eigentlich nicht, wenn seine Musik etwas vom hohen Norden widerspiegelt. „Ambient Techno“ wird diese kühle Eleganz und Schönheit genannt, die Jenssen aka  Biosphere kreiert. Ganz nebenbei war er wohl einer der Ersten, die Field-Recording betrieben, um musikalische Stimmungen einzufangen und wiederzugeben. Musik, die neben dem Schwimmbad und einem Eisbecher gut geeignet ist, auch das Gemüt bei den derzeitigen sommerlichen Temperaturen wieder runterzukühlen. Assoziationen mit dem Nordlicht, Gletschern, Einsamkeit und Ruhe oder dem Geruch des Polarmeers sind erlaubt und kommen wohl ganz von selbst.

In der Neuauflage des Albums wurde eine BonusCD beigelegt. Diese beinhaltet den Soundtrack zum russischen Stummfilm „The Man With The Movie Camera“ aus dem Jahre 1929. Dieser wird ja allzu gern und alle Jahre wieder von Musikern herangezogen, um mal eine Filmmusik zu komponieren.
Wikipedia (engl.) über Biosphere

Autechre – Incunabula (1993)

Hörprobe
Welche 10 Platten würde ich mit auf eine einsame Insel nehmen? Hm, schwere Frage, aber Incunabula von Autechre kämen in die ganz enge Wahl. Schließlich ist es dieses Album, von dem ich wusste, dass es als erstes gehört werden würde, wenn ich mich mir mal eine Surround-Anlage anschaffe (Das geschah dann auch vor einigen Jahren und war eine wahrlich akustische Erleuchtung). Incunabula ist das Erstlingswerk von Autechre (Rob Brown und Sean Booth) aus den 90er Jahren und darf sich ein (kleines) Meisterwerk nennen. Vergleiche mit anderen Größen gepflegter elektronischer Musik (Aphex Twin, Future Sound of Londen etc.) sind erlaubt und Warp-Records bewiesen wieder mal einen richtigen Riecher. Zwar zeichnet sich Autechre mit einer Musik aus, die mit mathematischer Abstraktion gut umschrieben sein könnte, gerade wenn man die späteren Werke hört. Dennoch enthalten die ersten Albem und EPs, und Incunabula ist da ganz vorn dabei, stets ein warmer Grundton, der den Kern bildet, um den die Soundflächen fließen. Diese verdecken ihn hin und wieder, bis er mit mit leisen pulsieren oder einem mächtigen Ausbruch wieder zum Vorschein kommt, um alles warmorangepurpurcarbenetrot zu malen, was sich eben abkühlen wollte. Auch wenn Incunabula wunderbar als Hintergrundmusik funktionieren kann, sollte das Album bewußt über Kopfhörer oder eindeutiger Lautstärke gehört werden, um in diese Welt abtauchen und die vielen Details und Finessen hören zu können. Da wäre dann die einsame Insel doch ein guter Platz für dieses Album…

Wikipedia (engl.) mit Informationen zum Album

Ammer & Console – Have You Ever Heard Of Wilhelm Reich? (2009)

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„Am Ende glaubte er, der Schüler von Freud und Freund von Einstein, ein Abkömmling einer himmlischen Rasse zu sein. Da hatte Wilhelm Reich bereits alle Probleme der Menschheit gelöst. Egal, ob früh als genialer österreichischer Psychiater (Die sexuelle Revolution), später als hellsichtiger Analyst der Weltkrise (Die Massenpsychologie des Faschismus), dann als Kommunist und Sexualpolitiker (Sexpol) oder am Ende nach seiner kryptischen Entdeckung der Orgonenergie als Krebsheiler und Regenmacher in der amerikanischen Wüste (Das ORANUR-Experiment). Wilhelm Reich hat alle Rätsel der Welt und auch die des Weltraums gelöst.Als Mitarbeiter von Wilhelm Reich der US-Regierung mitteilten, dass dieser das Geheimnis des Lebens entdeckt habe, antworteten die Behörden, dass ein solches ihrer Meinung nach nicht existiere. Im Gegenteil: Den Mächtigen musste so viel Wissen unheimlich sein. Have You Ever Heard Of Wilhelm Reich?, ist eine der Fragen mit denen das FBI in den fünfziger Jahren systematisch dem Universalgelehrten Wilhelm Reich hinterher spionierte. Der Geheimdienst suchte fieberhaft nach Gründen, den einstmals gefeierten Psychiater das Handwerk als Quacksalber zu legen. Reich hingegen warnte das FBI im Gegenzug vor den roten Faschisten, vor der Emotionalen Pest (kurz: EP) oder den UFOs, die Amerika ja schwerlich ohne seine Hilfe besiegen könne.Das FBI verbrannte seine Bücher. Wilhelm Reich starb 1957 in einem amerikanischen Gefängnis. Seine größten Erfolge hatte er da erst noch vor sich: Allerdings kehrte er nicht so wie er es sich erträumt hatte und Patti Smith es später besang (Birdland) in einem Raumschiff auf die Erde zurück, sondern posthum als Prophet der Studentenbewegung. Diese machte sich Reichs Slogan von der sexuellen Revolution zu eigen. Der Beat-Poet W.S. Burroughs verbrachte zur Inspiration Stunden in Reichs Orgon-Accumulatoren und Hippies sangen Hymnen auf Reichs Erfindungen.In Andenken an das Universalgenie Wilhelm Reich haben Andreas Ammer & Console aus geheimen Akten des FBI, aus der öffentlichen Geschichte der Pop-Musik und aus anderen obskuren Archiven erbitterte Tracks erschaffen. Have You Ever Heard Of Wilhelm Reich? funktioniert wie ein Musical des Weltgeists oder ein akustischer Orgon-Accumulator. Ein Reichscher Orgon-Accumulator (kurz: ORAC; Bauanleitung liegt bei) ist eine Holzkiste mit stählerner Innenwand, dessen Wirkungsweise die Space-Rock-Band Hawkwind einstmals folgendermaßen besang: I’ve got an Orgone Accumulator / It makes me feel greater (…) Its a back brain stimulator / Its a cerebral vibrator. Dem folgt und davon singt dieses Hörspiel. (Auch live in Ihrer Stadt oder als DVD in Ihrem Recorder)“ (https://www.libri.de/shop/action/productDetails/9346115/andreas_ammer_console_have_you_ever_heard_of_wilhelm_reich_3939444707.html)

Wikipedia zu Console

Das gesamte Hörspiel gibt es auch im Netz als Podcast bei Bayern 2